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«rein. ee. WaifeNhaufe» in Hana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Derantwortt. NebaN-ut: S. Schrecker in Hana»,
Mr. 19
fi-mtfvredinitfdihif; Rr. 230.
Montan um 23 Januar
tvmifrrrdNiitfdHttfi Str. 230 1911
Amtliches.
Zufolge Ermächtigung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 21. v. M. werden auf Grund des § 23 Abs. 1 der Verordnung des Bundesrats über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Februar v. I. (R.-E.-Bl.- T. 389 ff.) für den Verkehr mit Kraftwagen folgende, dem Durchgangsverkehr dienende Wegestrecken gesperrt:
a) Der Landweg, abzweigend von der Landstraße Sachsenhagen-Lindhorst nach Auhagen,
b) der Landweg von Horsten über Riepen nach Beckedorf,
c) der Landweg Rolfshagen-Westerwald bis zur Landstraße vor Altenhagen,
(zu a bis c im Kreise Grafschaft Schaumburg), d) der Landweg zwischen Enkheim und Bergen im Kreise Hanau. A II 10956/10
Cassel am 11. Januar 1911.
Der Regierungspräsident.
3- V.: Rieß von Scheurnschlotz.
Landkreis ^anau.
Für den in Großauheim heimatberechtigten Wilhelm Göttmann, geboren am 12. April 1894 zu Gießen, wohnhaft in Chicago, ist die Entlastung aus dem preußischen Staats- verbande nachgesucht wordetr.
Hanau, 21. Januar 1911.
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Ban au.
Mit Rücksicht auf die zur Zeit drohende Gefahr der Ver» fchleppuna der Maul- und Klauenseuche hat der Herr Regierungspräsident zu Castel die Abhaltung des auf Mittwoch den 1. Februar ds. Js. festgesetzten Viehmarktes in der Stadt Hanau untersagt.
Hanau den 19. Januar 1911.
Königliche Polizei-Direktion.
Frhr. Laur.
Dicnftnachrichten ans dem Kreise.
In der Gemarkung Ravolzhausen ist die Schwein e- s e u ch e erloschen. V. 388
Hanau den 23. Januar 1911.
Gefundene nnd verlorene föcflcnfttoc re.
Liegen geblieben im Stadttheater 1 weißer Damenhandschuh. 1 L'Avare par Möllere nebst Anhang und Wörterbuch. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung. 2073
Hanau, 23. Januar 1911.
etnMIBtattr in Hanin.
Gastspiel.
Am vergangenen Montag gastierte im hiesigen Stadt- theater eine hervorragende französische Klassikergesellschaft unter der Leitung des $emt Direkiors 91. N o n baud- Paris. De Truppe führte auf WohrreS „Bourgois Gentilhomme", in dem der große Geiellschaftösatiriker einen TypuS verspottet, der nie auSfltrbni wird, ferner „L’Anglais tcl q’on le parle" von Tristan Bernard. Die Darstellung war prächtig und von großem Erfolg begleitet. Daß und ein derartiger Genuß vermittelt werden konnte, ist erfreulich und gereicht auch der Direktion unseres Theaters zur Ehre.
Das Mnsikantenmädel.
Operette in 3 Akten, Musik von G Jarno.
Eine Operette ist schleßlich kein Wakrscheinlichkeits- rxempel, will's auch nicht sein, man muß fich'â also abge- wöhnrn, wegen der mehr oder minver srevelhaften Unbe» liimmeriheit, m l der eine solche moderne Operetienstofspastete zurcchlgrknrtel wird, gleich Kops zu stehen. Jarno'S „Musikant nmâdel" macht uns diese weise Duldsamkeit erfreulicher- weilt auch ziemlich leicht, denn sie hat viele positive Liebenswürdigkeiten aufznweisen, die ihr auf ihrem Zuge über die deutschen Bühne» ein fröhliches Geleit geben. Es werden gttnr Achnlichkeiitn mit des gleichen Verfassers sonst entschlafener „Försterchristl" konstatiert, aber eS ist wohl nicht zu leugnen daß das „Musikautenmädel" jenem Erzeugnis unsetige» Angedenkens in vieler Hinsicht, ganz besonders auch musikalisch, überlegen ist. Schon int Stoff: denn das sentimentale Reb hat sich mittlerweile zum realistischen Langohr ausgewachsen, das eine» einwandfreien Reim auf Ne'el liefert, waS hinwiederum den Librettisten zu solgmschwnen Galoppsprüugen über den Dlnmenanger der Poesie anreizt, Es ist daher feine schöne Tat der Direktion aewiien« uns
Politische RundTd/iae.
Der Kaiser hat folgende allerhöchste Kabinettsorder an das Kommando der Marinestation der Ostsee in Kiel gerichtet: Berlin (Schloß), 20. Jan. Das Unglück, von welchem das Unterseeboot „U 3“ betroffen worden ist, hat mich tief bewegt. Mit allen Familienangehörigen und nähern Kameraden der eingeschlossenen Offiziere und Mannschaften empfand ich die bangen Stunden mit, die vergingen, bevor die Rettung gelang oder Gewißheit über das Schicksal der leider nicht mehr zu Rettenden geschaffen war. Ich beklage innigst den Tod dieser drei tapfern Männer, die als ein erneuter Semeis für den in meiner Marine herrschenden Geist bis zum letzten Augenblick, die Offiziere immer voran, ihre Pflicht getan haben. Sie sind nicht umsonst gestorben. Ehre ihrem Andenken! Mit großer Genugtuung hat es mich erfüllt, zu hören, mit welcher Tatkraft die Rettungsarbeiten in Angriff genommen und durchgeführt worden sind. Allen Beteiligten spreche ich dafür meinen kaiserlichen Dank aus und behalte mir besondere Belohnung für Offiziere und Mannschaften vor, die Gelegenheit hatten, sich bei den Rettungsarbeiten persönlich auszuzeichnen. Zu den glücklich Geretteten wie zu allen Angehörigen der Unterseebootswaffe aber habe ich das Vertrauen, daß sie, unbeirrt durch das Unglück des Unterseebootes „U 3", dessen Wiederkehr für die Zukunft auszuschließen unzweifelhaft gelingen wird, mit gleichem Eifer und Mut. wie bisher ihren wichtigen Dienst tun werden. Wilhelm I. ir.
Aus der nationalliberalen Partei. Der Rationalliberale Verein in Offenbach beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Haltung der Partei bei den bevorstehenden Reichstagswahlen. Es wurde einstimmig beschlossen, daß eine Unterstützung der von den Deutschsozialen, den Christlichsozia- len und der Wirtschaftlichen Vereinigung aufgestellten Kandidatur des Lehrers Dern nicht in Frage kommen könne. In der Debatte über diesen Punkt wurde allseitig die Verwunderung über die politische Entwicklung des Herrn Dern zum Ausdruck gebracht, der sich bei seiner Aufstellung als nationalliberaler Kandidat im Dezember 1906 als auf ausgesprochen liberalem Boden stehend bekannte. Der Vorstand war sich einig, daß unter den gegebenen Umständen der Kandidatur Dern eine entschieden liberale Kandidatur entgegengebracht werden muffe. Weiter beschäftigte sich der Vorstand der Offenbacher nationalliberalen Partei noch mit den letzten Vorgängen in Worms, wo gelegentlich einer Versammlung des Bundes der Landwirte von einzelnen nationalliberalen Rednern ein förmliches Derbrüderungsfest inszeniert wurde. Der Offenbacher Vorstand erblickt in diesem, im schärfsten Widerspruche mit der Stellung der nationalliberalen Gesamtpartei stehenden Verhalten eine den politischen Kredit der Partei schwer schädigende und die Werbetätigkeit unterbindende Erscheinung, und beschloß einstimmig, in einem Briefe an den Landcsvorstand seine
am Freitag den verantwortlichen Urheber dieser Talen in Apoll, Neiels geliebtes Grautier, eigennützig vorzuentbalten. Quadrnptdcii auf der Bühne haben nämlich auch in ichlechlen Zeiten eine ganz besondeie Anziehungskraft. Der Erfolg, der dir neuen Operette prognostiziert worden war, hat, sich nun taliächlich eingestellt: Die Novität bat eine vorzügliche Stimmnng anSgelöst und es ist zivejsellos, daß sie sehr gut knigkschlagen hat und an heiterer Wirksamtei» nicht hinier den „Schlagern" früherer Jahre Zurückbleiben wird. Wir stellen dies s-st mit unbefangener Znl'riedeubeii des Gemüts und mit dem foiinigen Lächeln aufrichtiger Geiiugtunng. Den stärksten Erfolg hatte der auch musikafisch am glücklichsten geliingenr pveite Akt, bei dem die Begei'ternng zum Sdjh/6 den höchsten Gipktl erklomm, als die Neiel ans noch nicht aufgeklärten Met veil die Hymne: „Golt erhalte Franz, den Kaiser!" an* stimmte. Was über die Aufführung Gutes nach der ersten Vorstellung berichtet wurde, läßt sich nab der ersten Wieder- bolttng in verstârklem Maße sagen. Fränlcin H a rv eS entfaltete in der Titelrolle alle die liebenswürdigen Qualitäten, mit denen sie solchen Pariieen immer zu herzsrischer iniensiver Wirkung verhilft. Fränl. Brand war wieder gesanglich wie im Spiel entzücke >d und hatte starken B ifall. Dcki „Josef Haydn" könnte» wir und gar nicht besser dargestrM sehe», als durch Herrn K l i e w e r. Herr W i e s i n $ w war als „Herr Lehrer" so sicher und flou wie immer, ebenso Herr S ch n e i d e r alS „Fürst Esteibary" drollig lind behäbig, und die eiker sichtige „Frau Fürstin^ deS Fiä l. Nath u s i n S von echter Komik umweh«. Frânl. A d a in gab die Tänzerin „Monlebrlli" mit bekannter Verve, Fran Schneider-Sieg die „Großuâuelin" charakleristisch, Herr W a l l b r ü ck den musikalischen Diener mit drastischer Zappeligkeit mrd Herr Grund m ann den jüdischen Hansie- rer mit wohltuender Seelen wärme. So kam unter Herrn Kapellmeister K â hler 's osibeivâhrlcr Leitung eine wohl- abgerundete Vorstellung zustande und eâ will uns scheinen, als ob Neiels lanaohriger â"llnd noch oft wob wollend und
ernstesten Bedenken getzen die von Worms aus betriebene Art der Agitation auszusprechen.
Die Potsdamer Entrevue und die türkische Kammer. Die türkische Kammer verhandelte über Anfragen an den Minister des Aeußern über die Potsdamer Abmachungen. Der Anfragestellcr Schcsik hob den peinlichen Eindruck hervor, den die Ottomanen darüber gehabt hätten, daß zwei Mächte über Fragen, die die Türkei unmittelbar interessierten, ohne Teilnahme und vorherige Erforschung der Meinung der Pforte verhandelt hätten. Die Türkei könne unmöglich wie asiatische oder afrikanische Staaten behandelt werden. Der Redner dankte dem deutschen Botschafter für die beruhigenden Erklärungen, die jedoch die Bedenken der Ottomanen zerstreut hätten. Ein weiterer Anfragesteller, Ferid, besprach die einzelnen Abmachungen und bezeichnete den Artikel 3 der veröffentlichten Note als besonders verwerflich, weil dadurch der Bau der Eisenbahnen in dem nördlich von Anekin gelegenen Teile Ost-Anatoliens gehemmt würde, was Rußland die größten strategischen Vorteile sichere.
Der Unfall des Unterseebootes „U 3“. Englische Zeitungen erklären, die deutsche Flotte könne stolz sein aus die beim Bergen des gesunkenen Unterseebootes bewiesene Tüchtigkeit ihrer Seeleute. Obwohl sie den Tod tapferer Offiziere zu beklagen habe, sei es das erste Mal, daß bei einem Unfall eines Unterseebootes überhaupt Leben gerettet wurden. Der deutsche Erfolg sei eine Botschaft der Hoffnung und Ermutigung für die Seeleute aller Staaten. — Der Pariser „Eclair" schreibt in einem „Calais-Kiel" betitelten Artikel: „Deutschland, dessen Flotte weder die Tradition noch die Erfahrungen der französischen besitzt, hat durch eine packende Tatsache gezeigt, daß es jene Forderungen verwirklicht hat, denen wir während des entsetzlichen Todeskampfes der Mannschaft des „Pluviose" vergeblich Ausdruck verliehen haben. Drei Leute find in Kiel ums Leben gekommen, aber 27 konnten gerettet werden. Die Schnelligkeit und der Erfolg der Rettungsarbeiten müßen in den Admiralitäten der ganzen Welt großen Eindruck hervorrufen. Geben wir unserer Flotte zum mindesten das, was Deutschland der seinigen ohne Zögern und ohne falsche Sparsamkeit bewilligte."
Die Lage in Pemen. Rach den letzten amtlichen Meldungen ist die Lage im Pemen beunruhigend. Die Verbindung mit Sana und Umgegend ist noch unterbrochen. Die leitenden Kreise find über die eigentliche Lage der türkischen Truppen im unklaren. Der Kriegsminister verfügte-die sofortige Einberufung der Redifs erster Klasie von Monastir. Perlepe, Kröprülü und ferner von zwölf Bataillonen von Kosiowo. Die Truppen werden teils in Saloniki, teils in Dedeagatje zur Einschiffung nach Hodeida gelangen. Jussuf- Pascha, der Kommandant von Dedeagatje erhält den Oberbefehl über die von Rumelien nach dem Pemen abgehenden Truppen.
Haiti und San Domingo. Das englische Kriegsschiff „Brilliant" ist am Freitag in Trujillo eingetroffen. Das
milde seine PaironalSfunklionen über das liebe Musikanten» mädel auSüben dürfte.
„Des Meeres und der Liebe Wellen".
Trauerspiel in 5 Akten von Fron; Grillparzer.
SemStag den 21. Januar
Am Todestag des größten BflenetcMrfjen Dichters aller Zeiten hätte sich seine schönere Ehrung finden lassen, als die Änffübriing der einfachen und doch so grandiosen Tragödie von Hero nnd Leander. Wir können's beute kaum noch glaube» und verstehen, daß dieser Große fast all sein Leben hindurch so beispiellos verkannt wurde und die kurzen Perioden des Nnhmes bitter mit einer Zunäckirtzung bezahlen mußte, die er bei der Unrast und Zw espaliigkeit seines Wesens doppelt ichmerzlich empfinden muffte. Die unbestechliche Nichierin Zeit hat freilich wieder gut gemacht, waS an ihm gefehlt ivurde, und heute steht Franz Grillparzer kaum weniger fest auf den Höhen der deutschen Dramatik wie Hebbel. Die Tragödie von Hero und Leander
ist von wunderbarem, schlicht-mouiimentalem Aufbau, und in der dramaiiichen Weliliieraiur finden wir kaum wieder etwas so Schönes wie den dritten Akt mit der großen Liebeöszeiie. In der Schöpfung groß angelegter, vornehm dnrchglühter Frauengestalten stehl er dem großen Briten cbenbihtüi zur Seite. So bietet auch die Hero eine darstellerische Aufgabe, die das Höchste und Letzte an Kunst forbert. an milschaffender, tieifinbringenber GesialtungSkunst. Frau Rubens verfügt über Minel, die solchen Ansordrrungtn fast restlos gerecht zu werden vermögen, und erhob so ihre Hero auf eine künstlerische Stufe, die wir bewundernd anerkennen müssen. DaS ist erbte Tragik, was uns Frau Rubens gab, und aanres Ansgehr» in einer großen Aufgabe. Tie Gestalt dcâ schwerblütig-warmherzigen Leander ist ein Prüfstein für reiffted Können. Herr Paul S c a r l a, der die Partie alS Gast gab, erscheint und nicht ausreichend für solche Anlgabtn. Es gehört ein viel feiner nuanciertes Spiel b<uu. uw in den vom Dichter geschaffenen Kontur«» tue