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Hanauer K Aureiger

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Meâ^LhMch 1.80 ML, monatlich 80 PU. für ow jvKrtige Abonnenten mit dem betreff. PoftaustchlaA Die einzelne Nummer lostet 10 PU

Mckatlonsdruck und Verlag per Buchdrucker«! Le» verein. es. Waisenhaufe» in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches GkW für SliM« and FanLkreis Aman.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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verantwort!. Redakteur: & 6*xe«ee in Ham»,

^F. 16 $enBh*red)<Htfd)(itfli Vir. 230.

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14 Seiten.

Amtliches.

Stadtk reis Ban au.

Mit Rücksicht darauf, Latz in der letzten Zeit eine große Anzahl Anzeigen über Verstöße gegen die polizeilichen Vor­schriften über die Reinigung der Bürgersteige von Schnee und ihre Bestreung bei eintretender Matte eingegangen ist, bringe ich die einschlägigen Bestimmungen der Strahenpoli- zèiverordnung vom 29. Mai 1909 zur Beachtung in Erinne­rung:

§56.

Reinhaltung der Bürgersteige bei Schnee, Frost uni) Tauwetter,

Zeder Besitzer oder Verwalter eines privaten oder öffent­lichen Gebäudes hat, soweit die Hofreite mit Einschluß der Höfe und Gärten an öffentlichen Straßen liegt, den längs des Grundstückes sich hinziehenden Bürgersteig nach jedem Schneefall sorgfältig vom Schnee zu reinigen und die Stragenrinne bis auf die Sohle aushebe« zu lassen, damit das Wasser ungehemmt ablausen kann.

Bei den aus Zementplatten hergestellten Bürgersteigen hat sich die Reinigung auf das Abkehren des frischgefallenen Schnees zu beschränken.

Bei eintretendem Tauwetter haben die Hausbesitzer Lezw. Hausverwalter das Eis in den Straßenrinnen und vor den Häusern aushauen und baldigst abfahren zu lassen. Zementplatten sind erst dann abzuräumen, wenn Ler ent­standene Belag sich gelockert hat, auch darf die Abräumung nur durch stumpf« zum Abkratzen geeignete Gerätschaften und nicht unter Anwendung von Spitzhacken, Stoheisen, Aexten, Beilen oder ähnlichen Werkzeugen erfolgen. Das Eis darf nicht auf die Fahrbahn der Straße geworfen oder dort abgelagert, sowie nicht in die Sinkkästen geworfen oder eingekehrt oder auf den Abdeckungen derselben abgelagert werden.

Aus dem Znnern der Hofreiten darf kein Schnee oder Eis auf die Straße gebracht werden, es fei denn, daß gleich­zeitig das Abfahren desselben erfolgt.

Das Auslassen oder Ausgießen von Wasser (auch reinem) bei Frostwetter auf die Straße ist untersagt

§57.

Bestreuen der Bürgersteige bei Glätte.

Bei eintretender Glätte sind die Bürgersteige in ihrer ganzen Breite mit Sand, Asche oder einem anderen ab- ftumpfenden Material von den Hausbesitzern oder Hausoer. waltern bestreuen zu lassen.

Kunst und Leben.

Rezitationsabend Adalbert Neumann.

Der Kuustindustrieoerein, dem wir schon so viele anre- grndt Abende zu danken haben, hatte für die diesjährige Saison einen Sohn unserer Stadt, Herrn Adalbert Neumann, als Rezitator gewonnen, der auf diesem Ge­biete schon sehr hübsche Erfolge zu verzeichnen hat. Wir lernten diesen Vortragskünstler zum ersten Male vor drei Jahren kennen, als er an gleicher Stelle eddische Balladen von Karl Engelhard vortrug; seither hat er sich bedeutend vervollkommnet, namentlich hat sich die Klangfülle seines schönen Organs anfs beste entwickelt und seine Vortragsweise «ine Sicherheit gewonnen, bie sich in allen Teilen des Pro­gramms manifestierte. Schon in der ersten Ballade „Schön Adelheid^ von Wildenbnich hatte Herr Neumann Gelegenheit zu zeigen, ivie gilt er alle Register der Rezitationsknnst be« herrscht. Edle Wärme, Kraft und Biegsamkeit sind die Haupt- vorzüge seines Organs, daâ sorgsame Schulung und weise Oekonomie veirât, gepaart mit einem sicheren Geschmack, der die Klangwirkung des Worts fein erfüllt und auch in der stärksten Wucht der epischen Höhepunkte niemals versagt und niemals ^, 1Dfjf ge^t. Dieser Eindruck wiederholte und ver­stärkte sich in «innrem folgenden Stück deS ersten Teiles, so llnnz besonders in Felix DahnS gewaltiger Ballade „Die Spelte von Marienburg" und Karl Engelhardâ gebauten« tiefem „Nornengast". GeibelS „Schatzgräber" brachte er zu feinster realistisch.plastisckitr Wirkung, und die Meisterballade des mehr als Novellist bekannte» und darum mit dem Nobel­preis dekorierten Dichters Panl Heyse „Der Schenk von Erbach" gewann unter seiner sprechlichen Behandlung wunder- bare Form und Farbe. Im zweiten Teile bei Abends brachte &err Neumann heitere Dichtungen, znnächst die schöne Münch- hausen'sche Ballade „Die alten Landsknechte", dann einige Buschiaden und zuletzt etwas von Rosegger in stemichcr

Dmmcrstnn Den 19. Januar

Desgleichen müssen die Uebergänge über die Fahrbahn in der Breite von 1,25 Meter (4 Fuß) von den anstoßenden Hausbesitzern oder Hausverwaltern bestreut werden.

Hinsichtlich der öffentlichen Plätze und der darüber- führenden Wege liegt die Verbindlichkeit des Bestreuens bei Glatteis derjenigen Behörde ob, welche für die Reinigung der Plätze zu sorgen haL

Ebenso haben diejenigen Behörden, denen die Unter­haltung der öffentlichen Brunnen obliegt, so oft als nötig, vor diesen aufzueisen und streuen zu lassen.

Entsteht die Glätte zwischen 7 Uhr morgens und 8 Uhr abends, so mutz sogleich, längstens mit Ablauf der ersten Stunde nachher, entsteht sie aber in der Nacht, bis um 7 Uhr morgens gestreut sein.

Die Polizeiorgane sind zur scharfen Handhabung diefer Vorschriften und zur unnachsichtlichen Vorlage von Anzeigen angewiesen.

Hanau den 17. Januar 1911. P. 754

Königliche Polizei-Direktion.

Frhr. L a u r.

©cfiinbcnc und verlorene Gellenstönde re.

Gefunden: 1 Taschenmesser mit braunem Stiel, 1 Brille, 1 Kneifer.

Verloren: 1 20-Mark-Schein, einige Notenhefte.

Hanau den 19. Januar 1911.

Politische RundTd^aa.

mb. Zn Ler Budgetkommission machte Admiral Dâhrvardt nähere Mitteilungen über den Levauerilchen Un'all des Unterseeboots Nr. 3, bei dem 2 Ossizitre und 1 Matrose den Tod gefunden haben. Der Vorsitzende spricht das innige Mitgefühl der Kommission an dem Unglück aus. Die Budget­kommission verhandelte gestern zunächst über die Neuregelung der Besoldungsverhällniffe der Kauzleibeamten im Reichsamt des Innern. Die bisherige Höhe der Bezüge wird von der Negierung damit begründet, daß eine besondere geistige Aii- strengnug zur Erledigung der Arbeiten erforderlich sei. Die Erörterung bewegt sich parallel mit der Behandlung der gleichen Frage beim Etat des Neichsmarineamts. Vom Zen­trum werden weibliche Arbeitskräfte empfohlen, deren Vorzug von der Leitung der Reichsdruckcrei ausdrücklich anerkannt worden sei. Der Staatssekretär erklärt, die weiblichen Ar­beitskräfte seien weniger leistungssähig, so daß ihre weitere Benutzung Bedenken habe. Von sozialdemokratischer Seite wird betont, daß die mechanische Schreibarbeit dem Reiche viel ju teuer komme. Die Hilfsmittel der modernen Technik müßten im höheren Maße im Bureandienst verwandt werden. Der Wortführer der Nationalliberalen ist von den Gr«

Mundart. Was er hier bot, stand seinen Leistungen im ersten Teile durchaus gleichwertig zur Seite. Die geschickte Nüan« cierung des Vortragâ und das sichere Herauâarbeiten der Pointen zeigten überall das eingehende, durch starke Begabung unterstützte Etndinm. Dazu kommt noch, daß Herr Neumann frei aus dem Gedächtnis vorträgt, angesichts deS großen Materials eine erstaunliche Leistung, die der Wirkung bei Vortrags ungemein zu statten kommt. Herzlicher und reich­licher Beifall wurde dem Meister nach jeder einzelnen Num­mer zuteil ; wir beglückwünschen ihn als Sohn unserer Stadt doppelt zu diesem starken, echten Erfolg, der ihm ein schöner Markstein auf seinem rezitatorischen Weg sein möge. Adalbert Neumann — kein fremder Name, aber man wird ihn sich merken müssen! -1-

SvmchcSc der Allgemeinen Deutschen SprachvcrcinS.

Zweigverein Hanau.

Was der Ohm der Nichte schrieb.

Eine Mahnung an die Veranstalter der z. Z. üblichen Wohltäiigkeilsfeste, Vorträge und Geselligkeitsabeiide geht and nachstehender Antwort hervor, die, aelegenilich einer Bitte um Teilnahme ober Förderung, der Bittstellerin unter Rückgabe der angebottuen Tcilnehmerkarteu erteilt worden ist. Sie lautet:

Mein liebes, gutes Nichtchen !

Daß ich an einem Feste teil nehmen soll, dessen Der- anstalier in einer deutschen Siadt ein „Programm*, „2 Musik pi è ce n" (ü, „Kinematozraphische Vorführungen" und „Buffets" mit „Protektoren" und „Proleklormnen" (!!), sowie ein „AgitalionS-Eomiiä" als angemessene Werbemittel ausehtn, das darfst Du wohl von mir, als einem guten

RmifyredxxnfdHMR Nr. 230 1911

klärungen der RegierungSvertreler wenig befriedigt. Dir Aibeitszeit der einzelnen Beamten sei zu gering, die Bureau- zeit könne über 7 Stunden hinaus verlängert werden. Der Schatzsekretâr hält unser Kaiizleiwesen noch für weiter ent­wicklungsfähig. Zur Verbilligung deS Betriebes könne noch sehr viel geschehen. Auch die Zentralbehörden hätten nicht ausschließlich Geheimarbeiten. AlS Folgerung der Debatt, stellt daS Zentrum den Antrag, daß im nächsten Etat eine Anzahl der Kanzleistellen bei sämtlichen Etats der Zentral­behörden alS künftig wegfallend bezeichnet und bie Diätar» stellen beschränkt werden. Es wird festgestellt, daß Kanzlei- beamte bisher noch eine Extravergütung erhalten haben, so­bald sie innerhalb ihrer siebenstündigen Dienstzeit mehr all 6 Dogen abgeschieden haben. Der Staatssekretär bei Innern bestätigt diese Austastung; für den bisherigen Zu­stand sei er aber nicht verantwortlich. Der ZentrumSantrag wird einstimmig angenommen. Heute Donnerstag wird di» Beratung deS Marineetais fortgesetzt.

mb. Die Entscheidung über das Schicksal der Reichs, Versicherungsordnung. Die Reichsverstcherungskommifsion hatte heute die entscheidende Stellung zu nehmen zu der Forderung der Regierung, die in erster Lesung gestrichene Bestimmung des Entwurf« wiederherzustellen, wonach der Vorstand der Laudkrankenkasten nicht aus einer Wahl hervor- gehen, sondern vom Gemeindeverband bestellt werden soll. Staatssekretär Delbrück hatte gestern die Erklärung ab­gegeben, daß im Falle der Ablehnung dieser Vorschrift die ganze Neichsversicherungsordnung gefallen sei. In der heutigen Sitzung würde diese Erklärung durch den Ministrrial- direkror Caspar noch ausdrücklich dahin erivritert, daß auch die sonstigen zur Verhütung des politischen Mißbrauchs der Krankenkassen von der Regierung vorgeschlagenen Kauteltn, soweit sie in erster Lesung abgelehnt seien, «oirderhergrsielft werben müßten, da die Verbündeten Regierungen sonst dir Neichsversichernugsordnnng ablehnrn. Es bezirht sich daS vor allein auf die Hâlstelung in der Zusammensetzung de« Vorstandes der Ortskrankenkassen und entsprechend auch der Beilragspflicht. DaS Zentrum hat daraufhin seinen gestrigen Antrag, über die Frage der Hälstelnng erst am Schluffe bet Beratung zu entscheiden, zurückgezogen. Die Beratung er­streckt sich zunächst nur auf den § 343 über den Vorstand der Landkrankenkaflen. Ein Vertreter des Zentrums tritt jetzt für die Wiederherstellung des Parapraphen ein und er­klärt gegenüber den Vorhaltungen von volkSparteilicher, sozialdemokratischer und besonders auch polnischer Seite, daß man sich in einer Zwangslage befinde und eS sich hier nur darum handele, den § 343 anzunehmen oder daS ganze Ge­setz scheitern zu lassen. Die Regierung werde nicht Nach­silben. Die Abstimmung der Mitglieder deß Zentrum« in der Kommission werde lediglich eine persönliche sein, da mit der Fraktion bisher noch keine Fühlung aenommen werden konnt«.

I Deutschen, ernstlich nicht erwarten. Diese sprachliche Ge- schmacklostgkeit übersteigt ja beinahe noch diejenige her „Barieiä- Theater" und „Cadareis".

Heute, wo im öffentlichen Leben Deutschland« allge­mein die Beherrschung und die Pflege eine# guten und reinen Deutsch al« erste« Erfordernis unb Kennzeichen sprachlicher Bildung gelten, kann solche Sprache bei Mit­gliedern der sogenannten Gesellschaft nicht genug getadelt werben. ES ist schon schlimm genug, wenn der einzelne ba« heim und im persönlichen Verkehr aus Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit radebrecht so gut ober schlecht wie er will oder kann, aber wenn man sich an die Oeffentlichkeit menbet, so muß man unbedingt den Regeln her guten und vor. nehmen Umgangssprache Rechnung tragen. Wenn in der Pflege und Reinhaltung unserer so wortreichen und auS- dnickslähigen heutigen Muttersprache die Mitglieder der „Gesellschaft" nicht mit gutem Beispiel vorangehen wollen, was kann man dann von dem großen, weniger gebildeten Volke verlangen? Dil hast ja gewiß an der vorliegenden Drucksache nicht mitgewirft, aber fühlst Du nicht auch, wie wenig schon unb vornehm die ganze Sprache ist. Was sollen denn auch in aller Welt bei den einzelnen Dar­bietungen „Protektorinnen?" Hat eS irgendeinen Sinn, ober ist eS nicht nur wesenloser Klingklang? Wenn man an Eurem Abeud »n einem „Buffet", in einem „Casè" oder einem „Sektverkaus" eines Schutzes und einer Beschützerin bedarf, so — muß ei da übel zugeheu, und man verzicht»« dann doch besser auf bie Beteiligung.

Bei meiner bekannten Teilnahme an der Bekämpfung entbehrlicher und geschmackloser Fremdwörter würbe man mich sicher anSlachen, wenn ich meinen Bekannten auf Grund solche« „Programm«" Karte» anbieten wollte. Ich muß sie Dir baber leiber wieder zurückienden ; an« der »fall« wäre ich sehr gern zur A buahm» und zum Ver­trieb bereit gewesen. Sollten bie Veranstalter solcher Feste in Znkunft um gute deutsche Ausdrücke bei Abfassung