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Erstes Blatt.

Vezugsprek«:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- wärtige Abonnenten mit dem betreff. Poftauffchlag.

General-Anzeiger

Anzeiger

Einrückrmgsgebllhrt

Die Sgespaltene Petitzetl» ober deren Raum 20 Pjz

Die einzelne Nummer lostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker«! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amilichks Organ für NM- an) Landkreis Sanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Kamm.

Ms. 15 Detirsprechanschülst Nr. 230.

Mittwoch den 18. Januar

Ferttsprechanschlus; Nr. 230 1911

Hie LMeNimM Wssdt * d.VMMWbM 14 Seiten.

Amtliches.

Eandhreis Hanau.

Der Heizer Karl Otto Maslankowski in Fechenheim ist zum amtlichen Desinfektor für den Bezirk Bergen-Enkheim, Bischofsheim, Dörnigheim, Fechenheim, Hochstadt und Wachenbuchen bestellt worden.

Ich verweise auf meine Bekanntmachung vom 5. Ok­tober 1907 — A. 3514 — (Nr. 18 der amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" vom 9^ November 1907), nach welcher die auf Grund des § 8 des Gesetzes betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 28. August 1905 (Gesetz-Sammlung Seite 373) vorzunehmende Schluß- desinfektion, welche nach Genesung des Kranken, nach seiner etwaigen Ueberführung ins Krankenhaus oder nach seinem eventl. Tode erfolgen mutz, in allen Fällen der im § 8 des Gesetzes aufgeführten Krankheiten von dem amtlich geprüf­ter! Desinfektor auszuführen ist.

Die Kosten der behördlich angeordneten Desinfektion sind als Polizeikosten aus Eemeindemitteln zu bestreiten, wenn der zahlungspflichtige Haushaltungsvorstand ohne Beein­trächtigung des für ihn und seine Familie notwendigen Unterhalts diese Kosten nicht zu tragen vermag.

Der Desinfektor hat folgende Vergütung zu bean­spruchen:

1. für jede Stunde seiner Tätigkeit — einschließlich der Hin- und Rückreise/-- 0.75 Mk.

2. für jede notwendige llebernachtung 1.50 Mk.

Die Desinfektionsmittel werden auf Kreiskosten be­schafft.

Hanau den 10. Januar 1911. J. A. Nr. 176

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Aufgebot.

Der Schuhmacher Wilhelm Prinz (Johannes Sohn) in Mittelbuchen hat das Aufgebot des Hypothenbriefs über die folgende, im Grundbuche Band III Artikel 130 von Mittelbuchen Abteilung III Nr. 15 auf den Grund­stücken des Antragstellers Abteilung I Nr. 8, 9, 10, 11 eingetragene Hypothek beantragt:

1100 (elfhundert) Mark Darlehen für die Witwe des Bürgermeisters Johannes Heck, Christine geb.

StaiMcaler in Hanno.

„Das Mufikantenmädel"

Operette in 3 Akten von Bernhard Buchbinder. Musik von Eg. Jarno.

Die dieswinterliche novitätenreiche Spielzeit hat uns nunmehr am Sonntag auch Georg Jarnos letztes Werk „Das Musikantenmädel" beschert, eine dreiaktige Operette, die recht gefällige Musik aufzuweisen hat und dazu an­getan ist, in gleicher Weise die Hörer zu entzücken, wie „Der fidele Bauer". Die „Handlung" mit ihren Anleh­nungen an die „Försterchristl" ist als einwandsfrei zu be­zeichnen und demgemäß ein Wagnis auf dem Gebiete der modernen Operettenfabrikation. Nesel, die Kuhmagd bei der Großbäuerin Brigitta, hat die Liebe des Lehrers Lud­wig Haydn errungen, der in schlimmer Kriegszeit einen Franzosen bei sich versteckt gehalten und sich dadurch in eine böse Lagelgebracht hat, da die Großbäuerin, deren Liebe er verschmäht, ihn dem österreichischen Korporal an­zeigt und erzählt, daß der Lehrer den Spion beherbergt und der Jud' ihn über die Grenze gebracht habe. In diesem kritischen Augenblicke tritt Resel mit der Behaup­tung hervor, daß sie es gewesen sei, die dem französischen Hauptmann Unterschlupf gewährt habe. Der Lehrer will zu­erst dieses Opfer nicht annehmen, willigt aber doch ein und empfiehlt seinem Onkel Josef Haydn, der Kapellmeister beim Fürsten ist, sich der Nesel anzunehmen. Jni weiteren Verlaufe der Handlung sehen wir, daß sich alles zum Besten gewendet hat, Resel bei dem Kapellmeister sich recht wohl fühlt und sich schließlich als dessen Tochter entpuppt. Daß schließlich Resel und der frühere Lehrer, der inzwischen Kriegsdienste verrichtet hat. ein glückliches Paar werden, ist als selbstverständlich zu betrachten. Das Beiwerk, das geschaffen ist, um drei Akte auszusüllen, ist auch nicht zu ver Achten, sodaß ein unterhaltendes Werk entstanden ist. web

Schmidt, zu Mittelbuchen, jährlich verzinslich mit 4fi, Prozent vom 1. Juni 1892 an, rückzahlbar nach einer jedem Teile freistehenden dreimonat­lichen Kündigung. Auf Grund der Schuldurkunde vom 7. Juni 1892 eingetragen am 6. Oktober 1892.

Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf den

11. Mai 1911, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5 — anberaumten Aufgebotstermine feine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigen­falls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird.

Hanau den 11. Januar 1911. 1707

Königliches Amtsgericht 5.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc. Gefunden: 1 silberne Damenuhr (auf dem Teich).

Verloren: 1 Knopf von einer Hutnadel mit Simili­stein.

Zugelaufen: 1 Kriegshund (schwarz mit gelben Ab­zeichen) tu. Eeschl.

Hanau den 18. Januar 1911. è

poliMcke RundTd^au.

Auf den französischen Ministerpräsidenten find von der Kammertribüne zwei Revolverschüsse abgefeuert worden. Der Ministerpräsident blieb unverletzt, der Direktor des Armenwesens wurde leicht verwundet.

Ein deutsches Unterseeboot gesunken.

Ein bedauerlicher Unfall hat die deutsche Marine be­troffen. Der Telegraph meidet darüber:

Kiel, 17. Zan. Das Unterseeboot „U 3* ist in der Heißendorser Ducht im Kieler Hafen gesunken. Das Hebe­schiff „Vulkan" und der große Kran der kaiserlichen Werft find zur Hilfeleistung abgegangen.

Das Unterseeboot „U 3" ist sozusagen eine Tochter deS in der Oeffentlichkeit bereits bekannten „U 1", das 1907 vom Stapel lief und infolge der günstigen Erfahrungen, die man mit ihm machte, den Beginn der Entwicklung im Aus­bau einer deutschen Unterseebootsflottille darstellt. Während aber „17 3" wie „U 2" und „U 4" auf der Werft in Danzig gebaut wurden, stammt „U 1" von der Kruppschen GtrMttia-Werft in Kiel. Der Unfall des „U 3" entstand, wie weiter aus Kiel gemeldet wird, wahrscheinlich infolge unbeabsichtigten Bollaufens einer Abteilung des Bootes. Glücklicherweise gelang es bald, daS Untersee­boot zu heben und dir 30 Mann starke Besatzung zu retten.

ches, in hübsche Musik gekleidet, einige Stunden froh zu unterhalten weiß. Die Partie der „Resel" lag bei Frl. Harves in besten Händen. Ihr Spiel und ihr Gesang fesselten in hohem Grade und ihr Auftrittslied: „Ich bin die Resel, er ist der Esel", war von durchschlagendem Er­folge, umsomehr, als ja auch der Esel in seiner wahren Ge­stalt nicht auf der Bühne fehlte, der sich verwundert die neue, ungewohnte Umgebung anschaute und fortwährend zu­rückstrebte, bis ihm die Erlösung winkte. Herr Wiesin­ger als Lehrer Ludwig Haydn befriedigte, wie wir von ihm es ja fast immer gewöhnt sind, darstellerisch und ge­sanglich nach jeder Richtung, ebenso bot Herr K l i e w e r, der den alten Haydn zu verkörpern hatte, eine fein abge­tönte Leistung. Den alten Schwerenöter, Fürsten Ekterhazy, hatte Herr Willy Schneider darzustellen, der sich hiermit gut abzufinden verstand. Die von ihm begünstigte Tänzerin Elena Montebelli gab Frl. Mia Adam in glänzender Form, hinreißend in Spiel und Gesang. Aber auch Frl. Else Brand überraschte förmlich in der Partie des Prinzen Ekterhazy. Ihr Lied: „Ich übe die Liebe, wo mir ein Mädel lacht", das sie neckisch und stimmlich gut disponiert zum Vortrag brachte, löste starken Beifall aus und mutzte wieder­holt werden. Auch Herr Wallbrück verstand es, seine Rolle als Musiker und Diener Peter gut durchzuführen. Weiter waren noch hervortretend beschäftigt Frl. Nat hu­st us, Herr Grundmann (Salomon) und Herr Andrä Schmitt als Korporal. Pagen, Bäuerinnen, Bauern, Soldaten u. a. m. beherrschen und beleben autzer- dem noch die Bühne, sodaß nach jeder Richtung hin für Unterhaltung und Augenweide Sorge ge­tragen ist. Auch der fleißigen und gewiffenhaften Arbeit des Herrn Kapellmeisters Kähler ist zu ge­denken, wie auch der künstlerisch hoch einzuschätzenden Mit­wirkung des Herrn Direktors S t e f f t e r, der für die In­szenierung der Novität verantwortlich zeichnete. Frl. Har­ves wurde mit einer kostbaren Blumensoende bedacht.

Die Mannschaft gerettet.

Berlin, 17. Jan. Amtlich wird aus Kiel gemeldet: Die Bergungsarbeiten am Unterseeboot „ü 3" sind in gutem Fortgang. Die Besatzung ist am Leben. Die Periskope ragen bereits über Wasser. Der Inspekteur des Torpedo- wesenS Kontreadmiral Laus leitet die Hebungsarbeiten. Außer dem Hebeschiff „Vulkan" ist auch das Unterseeboot „U 5* zur Stelle.

Kiel, 17. Jan. Die 30 Mann starke Besatzung von „U 3” ist gerettet, mit Ausnahme von drei Mann, die sich im Turme befanden, zu deren Rettung das Boot noch weiter gehoben werden muß. Die Rettung der 27 Mann der Be­satzung des unlergegangenen Unterseebootes erfolgte durch ein Torpedo-Lanzierrohr, sowie durch Luken. Drei Mann, darunter der Kommandant, Kapnänleutnant Fischer, befinden sich im Turm dis Bootes, das von den Ketten der beiden Werftkranen gehalten wird. Der Unfall ist nach den bis­herigen Ergebnissen wahrscheinlich auf eine Gasolin-Explosion zurückzuführen, durch die der Hintere Teil des Bootes leâ sprang, wodurch das Eindringen des Wassers erfolgte.

Der Verlauf der Katastrophe.

Von ihrem Korrespondenten in Kiel gehen den „Frkf. R." noch folgende ausführliche Darstellungen des Unfalles zu:

Kiel, 17. Jan. (Privaltel.) Das feit Mai 1909 in Dienst befindliche Unterscebot „17 3" machte heute vormittag eine Uebuiigsfahrt. Es war ohne Begleitung eines anderen Bootes. Gegen 11 Uhr bemerkte man, daß das Vorderteil des Boo­tes einige Fuß über der Wasserlinie lag und das Hinterteil sich unter der Wasserlinie befand, so daß daS Boot manöve- rierunsâhig war und sank. Die im Hafen liegenden Kriegs­schiffe sandten sofort Dampsboote nach der Unfallstelle ab. Auch ein Torpedoboot fuhr dorthin und einige Dampfer von der Kaiserlichen Werft. Ein großer Schwimmkran wurde zunächst an die Unfallstelle geschleppt, da das eigentliche Hebe­schiff für Unterseeboote „Vulkan" gegenwärtig auf der Kaiser­lichen Werft zur Reparatur liegt und infolgedessen keinen Dampf hatte. Es wurde deshalb erst später von zwei Schlepern nach der Heißendorfer Bucht gebracht. Jetzt stellte sich heraus, daß der Schwimmkran das verunglückte Boot zwar wohl bis zur Wasserfläche, aber nicht weiter zu heben vermocht«. Die Mannschaft bei untergegangenen BooteS stand während der Rcttungsarbeitcn mit der Außenwelt in telephonischem Verkehr, der durch eine vom Unterseeboot aus­gelassene Telephonboje vermittelt wurde. ES gelang zunächst nur, einen kleinen Teil des BooteS über Wasser zu heben. Hier wurde in die Wand ein Loch geschlagen, durch das 27 Mann der Besatzung gerettet wurden. Die drei Offiziere bei BooteS, die sich in dem Kommandoturm befanden, konn­ten durch die Ocffnung vorläufig noch nicht herausgebracht werden. Prinz Heinrich hat sofort feine Reise zur Teilnahme

EiterariTcbes.

Die Wahl eines Lebensberufes für unsere Söhne und Töchter ist schwer. Wünschen doch die Eltern stets, daß sie dereinst ihr Brot leichter verdienen sollen, wie sie selbst. Passende Berufe und Stellungen zu finden ist aber wegen ihrer lleberfüllung mit jedem Jahre schwieriger und bereitet Eltern, Erziehern und Vormunden manches Kopfzerbrechen. Für sie hat ein Praktiker, Schulrat Dr. Wilh. Letau, drei goldene Wegweiser für die Berufswahl geschrieben, deren erster uns vorliegt, während die beiden anderen, den Han­dels- und Handwerkerstand sowie die Frauenberufe be­treffend, in einigen Tagen erscheinen.

Der pensionsberechtigte Beamte in gesicherter Lebens­stellung. Vor- und Ausbildung, Prüfungen, Einkommen der Beamten im Staats- und Privatdienst. Ein Führer für die Berufswahl unserer Söhne und für Militäranwärter. Auf Grund der neuesten amtlichen Quellen bearbeitet von Schul­rat Dr. Wilh. Letau, ca. 240 Seiten. Preis 2 Mark, gebun­den 2.50 Mark (Porto 30 Pfg.). Verlagsanstalt Emil Abigt Wiesbaden 35.

Humoristisches.

Ein hübsches Geschichtchen wird der „Chemn. Allgen.

Zeitung" aus einer Chemnitzer Knabenschule mitgetreilt. Die kleinen Schüler werden vom Lehrer nach dem Rufnamen ihrer Väter gefragt. Alle geben, ohne sich lange zu besinnen, die gewünschte Antwort, nur ein sonst gut begabter Junge wird verlegen und bleibt die Antwort schuldig. Auf Zu­reden des Lehrers flüstert er endlich jenem ins Ohr: „Ich schäme mich ja so sehr. Mein Papa hat einen recht dummen Rufnamen, Mama ruft ihn „Dicker".

Gemütlich. Passant: „Sehen Sie denn nicht, Herr Gen­darm, daß der Betrunkene beständig nach den Straßen­laternen wirft?" — Gendarm: „Natürlich seh' ich's! Sobald er sine trifft nehm’ ick ihn feit"