Mauer K Anzeiger
Vezugsprclar
Lterkckjährksch 1.80 Mk.. monatlich BO Pfg., fUt ittlS- rvârtige Abonnenten mit dem betreff. Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses In Hanau.
Amllilhks OkW flr StaM= on) FnnLkreis Zam
Einrllckungsgedil-r»
Die dgespalkene Petitzeil« oder deren Raum A Ps^ tm Reklamenteil die Zelle 45 Pf^
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Han«.
$L 8 lymtfpvedniiifdihtfj Nr. 230.
TicnStag dcu 10. Januar
Ferttsprechnttschl«st Nr. 230 1911
Nmilrches.
Eandkreis l^anau.
Der Bürgermeister Wilhelm Hofmann in Niederdorfelden ist auf eine weitere achtjährige Amtsperiode als Bürgermeister gewählt und bestätigt worden.
Hanau den 4. Januar 1911. A. 2
Der Königliche Landrat.
Frhr. Lau:.
Stadtkreis Hanau.
Bei einem Pferde des Rittmeisters Schwarz im Thüringischen Ulanen-Negiment Nr. 6 hier ist Verdacht der | Vrustseuche festgestcllt und über das Eehöft Vorstadt 17 hier ; Eehöftsperre angeordnet worden.
Hanau den 9. Januar 1911. P. 15272
Königliche Polizeidirektion.
Frhr. L a u r.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuch von Hanau Band 68 Blatt Nr. 3645 unter Nr. 3 des" Erundstücksverzeichniffes zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Eheleute Gastwirt Adolf Ernst und Elise geb. King in Hanau je zur ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:
Kartenblatt 8 Parzelle Nr. 649J 83b rc., (Erundsteuer- mutterrolle Art. 2814, Cebäudesteuerrolle Nr. 2074) Wohnhaus mit Anbau und Hofraum Erimmstraße 15, 6 ar 1 qm, Nutzungswert 2320 Mark
am 29. März 1911, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Hanau den 4. Januar 1911. 975
Königliches Amtsgericht. Abteilung 2.
Gefundene nnd verlorene Geqcnstnnde rc.
Gefunden: 1 Vrennschere, % Mark.
Verloren: 1 Lorgnette mit imitiertem Schildkrot- stiel.
Zu g e l a u f en: 1 schwarzer Rehpinscher, m. Ceschl., mit Halsband.
Entlaufen: 1 kleiner schwarzer Spitz.
Hanau den 10. Januar 1911.
Politische Rundschau.
In dem Etat der preußischen Eisenbahnverwaltung für 1911 befindet sich dem „Lok.-Anz." zufolge eine Mehreinstellung von beinahe einer halben Million. Mit diesem Betrage soll all denjenigen pensionierten Eisenbahnbeamten, die aus dem privaten Eisenbahndienste übernommen worden sind, und denen als Kriegsteilnehmer nach Artikel 11 des Pensionsgesetzes vom 27. Mai 1907 ein Mehrbetrag an Pensionen zusteht — es handelt sich um die bekannten 5/60 — künftig eine Pensionszulage auf Grund eines hierzu zu stellenden Antrages ausgezahlt werden. Den einzureichenden Anträgen soll die Genehmigung nur erteilt werden, wenn Bedürftigkeit neben der Würdigkeit der Antragsteller nachgewiesen ist. Alle Gesuche sollen mit besonderem Wohlwollen geprüft werden. Damit ist ein lange gehegter Wunsch der Eisenbahnpensionäre, die aus dem privaten Eisenbahndienst übernommen werden, erfüllt worden. Es sei hinzugefügt, daß es sich empfiehlt, die Anträge baldigst zu stellen, damit die Pensionszahlungen schon mit Beginn des neuen Etatsjahres ausgezahlt werden können.
Der Landtagsabgeordnete Meyer-Bielefeld ist gestern morgen gestorben. Herr Meyer, ein angesehener Handwerksmeister in Bielefeld und Vorsitzender der dortigen Handwerkskammer, war Mitglied der konservativen Fraktion. Sein Tod macht eine Landtags-Ersatzwahl in Bielefeld nötig, die den. Konservativen das Mandat kosten könnte.
Fürst Bülows silberne Hochzeit. R o m, 9. Jan. Aus Anlatz ihrer silbernen Hochzeit erhielten der Fürst und die Fürstin Bülow zahlreiche Elückwunschdcpeschen. Der deutsche Botschafter v. Jagow überbrachte die Glückwünsche des Kaisers und der Kaiserin. Außerdem telegraphierte der Kaiser noch dem Bürsten Könia Viktor Emanuel und die KLniain
Elena ließen ihre Glückwünsche mit kostbaren Blumenspen- den übermitteln, ebenso die Königin-Witwe Marguerita, welche eine kunstvoll gearbeitete silberne Vase schickte. Weiter gingen noch Glückwünsche ein von den Königen von Griechenland und Dänemark. Ferner gratulierten telegraphisch Prinz Luitpold von Bayern, der Großherzog von Baden, die Großherzogin Luise von Baden, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und andere deutsche Bundes- fürsten. Auch der Reichskanzler von Bethmann Hollweg gratulierte, ebenso der Ministerpräsident Luzzatti und der Minister des Aeußern di san Giulliano. Zahlreiche Blumen- spenden sind eingegangen. Heute abend findet, wie bereits berichtet, ein Festmahl im engen Kreise statt, an dem außer der diplomatischen Vertretung Deutschlands, Preußens und Bayerns nur noch Donna Eugenie Minghetti, Fürst und Fürstin Camporeale und Senator Blaserna teilnehmen.
Die Winzernot, die, durch die Heu- und Sauerwurmplage hervorgerufen, schwer auf dem Weinbau lastet und bereits im Reichstag zu Verhandlungen geführt hat, wird naturgemäß auch das Abgeordnetenhaus gleich in den ersten Tagen nach seinem Zusammentritt beschäftigen. Die Anknüpfung werden Anfragen des Zentrums und der Nationalliberalen bieten, die in Vorbereitung sind. Die erstere Partei hat eine Interpellation, die zweite einen Antrag vorgelegt. Darin wird schleunige Bereitstellung von Mitteln verlangt, die den Winzern die einheitliche Bekämpfung der Schädlinge ermöglichen sollen. Wie man weiß, berechnen sachverständige Kreise ein Erfordernis einmaliger Beihilfen von etwa 1%—2 Millionen Mark.
MWM WomIc Not und koloniale ßoßnung.
Der letzte Kolonialkongreß hat den Beweis erbracht, daß Deutschland aus den kolonialen Kinderschuhen heraus- und ernsthaft in die wirtschaftliche Nutzbarmachung seines verhältnismäßig geringen Kolonialbesitzes cingetreten ist. Während auf den früheren Kolonialkongressen begeisterte Kolonialfreunde, die aber keinen starken wirtschaftlichen Rückhalt hatten, tonangebend waren, haben sich an der Beratung des letzten Kongresses zum ersten Male eine ganze Reihe von Körperschaften und wirtschaftlichen Jntercffen- tenverbänden aus Landwirtschaft, Handel und Industrie beteiligt — der beste Beweis dafür, daß die begeisterungsvolle Hingabe der früheren Kolonialschwärmer nicht vergeblich gewesen ist. Wo aber erst einmal der deutsche Kaufmann, der deutsche Landwirt und der deutsche Industrielle Fuß gefaßt haben, darf man versichert sein, daß sie mit deutscher Kraft und Zähigkeit auch an dem begonnenen Werke festhalten und es zu einem günstigen Ergebnis bringen werden.
Das tut uns um so mehr not, als wir Deutschen nach dieser Hinsicht weitaus am schlechtesten von allen großen Völkern gestellt sind. Wir haben eine Vcvölkerungszahl von rund 60 Millionen auf etwa 541000 Quadratkilometer, dagegen umfaßt unser Kolonialbesitz nur etwa 2,6 Millionen Quadratkilometer, während der englische etwa 33 Mill., der russische etwa 20 Millionen, der französische etwa 11 Millionen und der der Vereinigten Staaten von Amerika etwa 9,5 Millionen Quadratkilometer groß ist. Diesen Ländern gegenüber sind wir die Darbenden. Während die Bevölkerung Englands und Frankreichs kaum ausrcicht, um das eigene Land zu füllen, drängt die Bevölkerung Deutschlands dank dem rund 900 000 Köpfe betragenden jährlichen Geburtenüberschüsse gewaltsam über die Grenzen hinaus und heischt ein Betätigungsgebiet, auf dem sie auch weiterhin deutsch bleiben kann und nicht wie bisher vor die Notwendigkeit gestellt wird, ihr Volkstum zugunsten eines anderen aufzugeben. Für diese anderen Länder mit großem Kolonialbesitz bedeutet eine starke Vevölkcrungszahl einen unschätzbaren Reichtum, für uns dagegen kann sie zur Gefahr werden.
Wir sind zur Ernährung der sich stetig vermehrenden Masse des deutschen Volkes, für die auf der deutschen Scholle nicht genug mehr wächst oder in absehbarer Zeit wachsen wird, auf einen großen Auslandsmarkt angewiesen, auf dem wir die Erzeugnisse deutschen Fleißes absetzen können. Nun besteht jedoch bei den meisten großen Kolonalvölkern eingestandenermaßen das Bestreben, innerhalb des eigenen Wirtschaftsgebietes die notwendigen Rohstoffe hcrvorzu- bringen, sie durch die Industrie zu veredeln und so zu einem geschloffenen Wirtschaftsgebiete zu kommen. Je mehr das aber gelingt, desto mehr würden diese Länder die deutsche Einfuhr entbehren können und sich naturgemäß durch hohe Zölle gegen sie abschlietzen. Wird uns aber der Außenmarkt oenommeu. so würde das eine Stockuna unserer industriellen *
Tätigkeit und von Handel und Wandel zur Folge haben und zahlreiche Arbeitskräfte lahmlegen.
Deutschlands Bestreben muß daher nach Möglichkeit da« hingchen, seinen eigenen Kolonialbesitz zu ähnlicher Höhe zu entwickeln. Da unser Kolonialbesitz aber wesentlich kleiner ist als der anderer Länder und sich vielfach an Güte nicht mit ihm messen kann, so ist Deutschland darauf angewiesen, diesen Nachteil durch sorgfältige Arbeit und Pflege auszugleichen. Außerdem hat Deutschland naturgemäß die Verpflichtung, sich gegen ein derartiges wirtschaftliches Aus- Hungern durch andere, größere Kolonialmächte zum Wohle feiner stetig wachsenden Bevölkerung aufs entschiedenste zu wehren. Wir müssen auch auf dem Posten sein für den Fall, daß die eine oder die andere dieser Mächte genötigt sein sollte, Teile ihres Kolonialbesitzes aufzugeben, weil sie an Bevölkerung zu schwach ist, um so große Gebiete zu halten. Bieten sich derartige Gelegenheiten, so müssen wir in der Lage sein, zugrcisen zu können und diesen Kolonialbesitz, den wir für die Zukunft des deutschen Volkes dringend brauchen, für uns zu sichern und mit Beschlag zu belegen. Dazu gehört aber neben einem starken Heere eine starke Flotte.
An der Beschaffung der notwendigen Rohstoffe im eignen Wirtschaftsgebiete ist in erster Linie der deutsche Arbeiter beteiligt, da er durch eine von anderen Völkern getriebene Abschließungspolitik brotlos gemacht werden würde. Infolgedessen hat die deutsche Arbeiterschaft auch den größten Vorteil daran, daß Deutschland zu Lande und zur See stark ist.
Kunst und Heben.
Eine 50 000 Mark- Spende des Kaisers. Für die Afrikacxpcdilion des Herzogs Adolf Friedrick zu Mecklenburg, die unter dem Prolekiorat der Hamburger Wissenschaftlichen Stiftung steht, hat der Kaiser aus seinem Dispositionsfonds 50 000 Mark gespendet. Nach den letzten telegraphischen Meldungen, die bis 28. November reichen, befinden sich dir Teilnehmer wohlauf. Die Hauptexpedition unter Führung des Herzogs selbst dürfte sich gegenwärtig in der Nähe bei Tschadsees befinden.
Winterpoefie. Blau-rote Nasenspitzen, halbroie Ohren und grimmiges Kâlte-Kribbelu in Händen und Füßen . . . Huh, etwas arg Prosaisches! Die warme Stube, Pelz und Grog kommen zu hohen Ehren. Aber der harte, eisstarr« Winter selber hat auch seine Ehre. Hat sogar seine Poesie. Man muß es freilich mit poetischen Augen erst einmal ansehen. Wie hübsch, wenn'S einem gelingt! Setzt allerdings wieder ein seines oder doch wenigstens freundliches Naturgefüh! voraus. Mörike nennt's für diesen besonderen Fall einen „winterfrohen Enthusiasmus". In einem Briefe an seine Braut betont er, „welch ein reines Naturwesen doch der sonst so verpönte Winter an sich hat, wie auch er es versteht, einem das Herz weit zu macken". Dem Dichter tat sich ein plastisch-lebensvolles Licht auf. „Die Tannen am Waldrande", heißt's in FrcnssenS „Jörn Uhl", „standen ge- rade und schlank, vom Scheitel bis zu den Fizbeu in Silber- brokat, Bräute, bereit zur Hochzeit, und hinter ihnen in fallenden, weißen Schleiern die dichte Schar der Jungfrauen . Naturgemäß überwiegen bei der Winierpoesie die ernsteren Töne. Wenigstens in der von heimlicher Lebenèkehnsucht erfüllten Lyrik. Ein Zug der Resignation macht sich bemerkbar. Karl WeitbrechtS tiefempfundene „Winlerwanderung" hebt an:
O tote weit, o tote weit liegen die Berge wcißbeschnvt,
Spinnen sich endlos die (trauen Lüste, Wälzt sich der Nebel durch Wälder und Klüfte!
Tics in den Schnee versinkt der Tritt,
Und das Herz will nicht weiter mit.
Noch düsterer klingt's aus Friedrich GeßlerS „Echneclaud» schafl":
Einsamkeit ist starres Web, StarieS We^ verlangt nach Statt, Schnee, der Wunden kühlt und deckt, Schnee, der kein Erinnern weckt.
Es ist eine ähnliche Stimmung wie in LenauS träumerisch verbitterter „Winternacht" :
Frost, friere mir ine Herz hinein, Tief ht dar deißbewegte wilde! Daß einmal Rub mag drinnen sein, Wie hier im nächtlichen Genldr I
Aber horch, da saust der Winter mit freudigem Halloh und übermütigem Lachen dahin ! Schellengeläut, flinke Schlitten, jubelnde Kinder vor allem. . . Und bat »'cht eben erst di« goldige WeihuachtSsonne den Winter verklärt?