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Hanmer D Anzeiger

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Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Psg., für an* ivärtige Abonnenten mit dem betreff. Postausschlag. Die einzelne Nummer lostet 10 Psg.

General-Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker«! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Umllidjts Organ für Stabt« und fanbkrtia Kanan

MnrNckungsgtbllhN

Die ögespalteur Petitzell« oder deren Raum 20 Pf- im RellamenteU di« Zeil« 45 Psg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Sanaa,

5 Fernsprechanschlnsi Nr. 230.

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Amtliches.

Eandkreis Ranau,

Das Hofmarschallamt Sr. Königl. Hoheit des Land­grafen von Hessen zu Philippsruhe beabsichtigt zur Ver­tilgung von Raben und Krähen in den landgräflichen Jagdbezirken des hiesigen Kreises „Ochsenblut mit Strych­nin" auszulegen. Die Stellen, an welchen das Gift liegt, sind kenntlich gemacht.

Ich bringe dies hiermit zur allgemeinen Kenntnis und ersuche auch die Ortspolizeibehörden, für weitere, ortsüb­liche Bekanntgabe zu sorgen.

Hanau den 5. Januar 1911. V. 68

Der Königliche Landrat.

J. V.: Dr. v. Waldo w.

Stadt k reis Ran au» Bekttmitrimchmtg.

Durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten vom 20. Dezember 1910 — A. II 10834 — sind die ortsüblichen Tagelohnsätze gewöhnlicher Tagearbeiter für den Stadtkreis Hanau vom 1. Juli 1911 ab wie folgt festgesetzt worden: für erwachsene männliche Arbeiter . . 3.20 Mk. für erwachsene weibliche Arbeiter . . . 2.00 „ für jugendliche männliche Arbeiter . . 1.80 „ für jugendliche weibliche Arbeiter . . 1.40 „ für Kinder unter 14 Jahren .... 0.90 „ Hanau den 5. Januar 1911. 625 " - Der Magistrat. .

3- A.: Varthmutz.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Delikatesienhändlers Wilhelm Schoder zu Hanau ist heute am 5. Januar 1911, vor­mittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.

Der Sensal Friedrich Rauscher in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt.

Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 16. Februar 1911; erste Eläubiger- versammlung am 3. Februar 1911, vormittags 12 Uhr; Prüfungstermin am 3. März 1911, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau — Markt­platz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5.

Hanau den 5. Januar 1911. 577

Der Eerichtsschreiber Königl. Amtsgerichts 5.

Ei» Vchmstst still MilsjisckM Köiligshose.

Von Dr. I. Wiese.

Der Dreikönigstag ist in Italien noch heute der eigeut- kiche Geschenktag, das sogenannte Große Neujahr, wie der ß. Januar auch in Sachsen heißt, wo er als Festlag gilt. An dem Abend vor Epiphanias sind auch noch verschiedene Gebräuche der Sanimalieu üblich, die von den alten Römern gefeiert wurden. Vor allem wurde und wird an diesem Abend der Bohncukönig gewählt, der den Festlichkeiten zu präsidieren hat, wonach er mit den äußeren Insignien der Kouigswurde, dem Zepter und der goldenen Krone, geschmückt wird. Die niederländischen Sittenmaler haben uns in lustigen Gemälden die überichäumcude Lust dieser Gelage geschildert. Der gefeierte Bohneuköuig ist das leibhaftige Nachbild des gefeierten SalurualieukönigS, den man als Vertreter des Eöitcrlönigs (Krouös) durch das LoS erwählt und dessen Geboten unbedingter Gehoriam zu leisten ist.

Solche Bohncnfeste voll übersprudclndcr Fröhlichkeit feierte früher auch der preußische Hof. Bcsondeis drei dieser Feste sind sowohl wegen der Persönlichkeiten, die an ihnen teil«« nahmen — wir erinnern nur an den jungen Prinzen Wilhelm — als auch wegen ihres glänzenden Verlaufes bemerkenswert. Ihr Haupiarrangcur ivar Herzog Karl von Mecklenburg, der Bruder der unvergeßlichen Königin Luise; er hat in seinen „Erinnerungen an Berlin" selbst diese Festlichkeiten ausführ­lich beschrieben. Gleich nach dem großen Freiheitskriege traf der preußische Hof Veranstaltungen zu mehreren größeren Festlichkeiten, denen nach dem jahrelangen Druck, der auf dem Lande und auf Berlin gelastet hatte, speziell auch die Berliner Bürgerschaft mit Spannung enigegensah. Noch bevor das Maskeusest im Palais Radziwill stalt'and, feierte der Berliner Hof am 6. Januar 1815 das Dohueusest. Der Bohnen- hieben wurde zerteilt — die Stücke mit den bedeutsamen Bohnen fielen dem Kronprinzen und der Prinzessin Charlotte

Freitag öch 6. Januar

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuchs von Hanau Band 46 Blatt Nr. 2814 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs- Vermerkes auf den Namen des Spezereihändlers Jean Martin Wilhelm Noth und deffen Ehefrau Marie geb. Hamel je zur ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücke: Krtbl. L Parz. Nr. 258/184 Nürnbergerstraße 10, Ceb.-St.-N. Nr. 267, a) Wohnhaus mit Seiten­bau links (A) I. und II. Seitenbau rechts (B,C), (abgesonderte Lagerräume) nebst Hofraum — 2 ar 64 qm (Nutzungswert = 1820 Mk.) und Krtbl. L Parz. Nr. 209/185 Hausgarten — 3 ar 45 ym am 22. März 1911, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. -

Hanau den 3. Januar 1911.

Königliches Amtsgericht, Abt. 2. 579

Politische Run dich au,

Graf Posadowsky will kein Reichstagsmandat. Graf Posadowsky will eine Zähl-, nicht aber eine ernsthafte Neichstagskandidatur annehmen. Er hat dem Herausgeber der Zeitschrift „Volkserzieher" ein Schreiben gesandt, in dem cs heißt: „Daß dank dem Parteiunwesen und allerlei örtlichen Brüderschaften in die höchste Vertretung des deut­schen Volkes homincs obskurantissimi gewählt werden, ist eine ebenso offenkundige, wie politisch bedauerliche Tat­sache. Meine eigenen Wünsche sind unter den gegenwärtigen Verhältniffen auf kein Mandat gerichtet, und ich mutz jede Beteiligung an dem künftigen Wahlkampfe ablehnen. Wol­len mich aber gewisse einflutzreiche Gruppen als Zählkandi­daten aufstellen, um der Uebereinstimmung ihrer eigenen Ueberzeugung mit meinen so oft erklärten politischen An­sichten Ausdruck zu geben, so habe ich dagegen keine Be­denken."

Die Neuwahlen zum Präsidium des Hansabundes haben folgendes einstimmige Ergebnis gehabt: Zu Präsidenten wurden gewählt Geheimer Justizrat Prof. Dr. Rieser, Land­rat a. D. Roetger und Ehrenobcrmeister Richt sen., zu Vize­präsidenten Kaufmann Rudolph Crasemann-Hamburg, Fa­brikbesitzer Dr. Albert Steche-Leipzig und Ingenieur Hirth- Cannstadt. Zum Vorsitzenden des Präsidiums wä! - i Geheimrat Rieser, zu seinem Stellvertreter den Laaorat a. D. Roetger.

Der letzte aktive Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse, Wachtmeister Kettlitz vom Schwedischen Dra-

zu — sie proklamierten sich zum König und zur Königin aller Bohnen, setzten den KröunngStag auf Sonntag den 15. Januar fest, bildeten ihren Hofstaat und bestimmten das Hofkostüm: altfränkisch, Reifrock, Ttirmfrisnr und Paradies­vogel, Schönheitspflästerchen, Allongeperücke, Galanleriedegen, — alles möglichst karikiert.

Und so versammelten sich am Sonntag abend ^>7 Uhr 29 Damen und Herren des Hofes in den tollsten Kostümen; wir folgen hier dem launingen Bericht des Herzogs, im Vor­zimmer Ihrer Majestäten des Königs und der Königin aller Bohnen. Der Oberkammerberr macht I. I. M. M. mit allem Zeremoniell hiervon Meldung und bestehlt den Kanzler, Herzog Kanzel von Kauzelfingcn-SahuabambalorsHerzog Karl von Mecklenburg) zum geheimen Vortrag ins königliche Kabinett. Der Kanzler tut dem erfreuten Hofe die Allerhöchste Willcnsmeinnug kund: daß S. M. noch vor der Krönung jeden Ihrer Großwürdeuträger vermöge eigenhändig voll­zogener Patente in Aemtern und Würden installieren werden und darf im Vertrauen hinzusügen, daß auch Slandcs- erhohungen mit Namensvcrtciluugen staltsindcn weiden, „wo- nach man seine Freundin insonderheit ciuzurichtcu und ge» hörig vorzuberei eil habe".

Zuerst ernennt der König den Zeremouienmeister zum Oberzeremouienmeisier und erteilt ihm folgendes Patent: „Wir Bonins, durch die Gnade der verhängnisvollen Bohne und kraft des koustilnlionSmäßig gebackenen und geschnittenen Kuchens König und Selbstesscr aller Bohnen. Maßen ein Hof sonder Oberzcrcmonieumeister gleichsam wie ein Kopf ohne Nase ist, so haben wir in Erwägung seiner profunden Meriten um das Zerimouiale und seiner stupenden und hor­renden Counaissauce in der hochvreiSIichen und höchst unent­behrlichen Wissenschaft der Etikette Unseren bisherigen Zeremouienmeister zu dieser Dignität erhoben und konselieren ihm übcidieS, als ein absonderliches Merkmal und hohe Marke Unserer besonderen Zufriedenheit mit seiner Vigilanten Amtsführung und aus besonderen Gnaden die Würde eines

Aernsprechattschlus; Nr. 230 1911

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gonerregiment, hat jetzt seinen Abschied aus dem Heere genommen. Bei dieser Gelegenheit ist ihm ein ehrendes Schreiben des kommandierenden Generals des dritten Ar­meekorps v. Bülow zugegangen, das folgenden Wortlaut hat: „Mein lieber Herr Wachtmeister! Am Tage Ihres Uebertritts in den Ruhestand möchte ich es mir nicht ver­sagen, Ihnen meinen Dank auszusprechen für die treuen und ersprießlichen Dienste, die Sie dem Vaterland 44 Jahre hindurch in Krieg und Frieden geleistet haben. Mit Ihnen scheidet der letzte Unteroffizier aus der Front, deffen Brust das Eiserne Kreuz Erster Klaffe schmückt, die schönste Aus­zeichnung, die dem Soldaten zu teil werden kann. Möge es ihnen noch viele Jahre vergönnt sein, sich Ihrer Gesundheit zu erfreuen und in heiterer, wohlverdienter Mutze auf ein Leben zurückzublicken, das der Arbeit und der strengen Pflichterfüllung gewidmet war. In aufrichtiger Wert­schätzung v. Bülow, General der Infanterie und komman­dierender General."

Herr von Gerlach, Hospitant der sozialdemokratischen Partei? Nach der „Staatsbürger-Zeitung" hat der bisher noch demokratische Herr von Gerlach erklärt, er werde sich im Falle seiner Wahl in den Reichstag — er kandidiert bekanntlich in Marburg-Kirchhain — der sozialdemokra­tischen Partei als Hospitant anschlietzen. Herr v. Gerlach, der schon jetzt ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Genossen unterhält, wäre damit sicher an der richtigen Stelle angelangt, bis er sich einmal ganz durchgemausert hat.

Die Ausstandsbewegung im Kohlenrevier von Lüttich. Die Gesamtzahl der Streikenden hat trotz des Fehlschlagens der Einigungsverhandlungen bisher nur eine verhältnis­mäßig geringe Zunahme erfahren. Ihre Zahl vird, wie der „Köln. Ztg." aus Brüffel gemeldet wird, auf 12- bis 13 000 angegeben. Acht weitere Förderschächte stellten den Betrieb vollständig ein. Die Stimmung in der Berg­arbeiterschaft ist äußerst erregt.

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Die Hauptergebnisse der im Kaiserlichen Statistischen Amt serliggestelltcn Krankenversicherung im Jahre 1909 stellen sich wie folgt: Im Jahre 1909 waren 23 279 Krankenkassen vor­handen, 39 mehr als im Vorjahre. Di" Zahl der Mitglieder im Durchschnitte deS Jahres betrug 12 519 785, der Zu­wachs an Mitgliedern gegen das Vorjahr rund 196 000. Das Wachstum zeiat sich hauptsächlich wieder bei den OriS- krankenkaffen mit 185 000: ferner nehmen daran teil dieGe» Meindrkrankenveisicherung mit 37 000, die Junungskranken« kaffen mit 15000 und die Landesrecht!ichen Hilièkassen mit 1000 Mitgliedern. Einen Rückgang in der Mitgliederzahl zeigen die Einaeichriebenen Hilfskaffen mit 23 000, die Be-

Herzogs de l'Enccns (Weihrauch) und Graten de la Par­fümerie ; Maßen die feine Sitte deS Hofes gar löblich zu vergleichen mit denen leiblichen Oderaten und der Weihrauch gleich einem König der Wohlgerüche anzuseheu ist, so ist er auch derjenige Parfum, der Unserer königlichen Nase am be­haglichsten ist, darum haben Wir sein Herzogtum danach be­namset, auch die Benennung desselben vom Geruch herge» nommcu, weil der Geruch ein gar seiner Sinn und der eigentliche Hofsinn ist. Ein geprüfter, erfahrener Hofmann muß gleich alles am Geruch haben, sozusagen, gleicherweise wie der Spürhund muß nach dem Geruch wissen, woher der Wind kommt, wer und was sich nahet und entfernt, und jedem gleich den Rang anricchen, wie denn der Rang über­haupt gar wohl nach dem Geruch eingeteilt, in dem einer steht und den einer hat. Der Weihrauch für die höchst« Person, der Gestank für die Plebs, Mille fleurs für di« Damen, Lanseweuzel für die Rclure (Unadligen), Kölner Wasser für die kränkelnde Natur, klares Wasser für den Bürger, Staubgcruch und Bücherkleister für die Zunft der Hochgelehrten, Pferdcschweiß und Schwefel für die Soldaten. Hiernach hat der neue Pair und Herzog wohl zu registrieren, ordinieren und den Hof zu dirigieren; alles gehe wie am Draht und Schnur, das verrät des Hofes Spur."

Beim Bohnenfest Mitte Januar 1816 trugen Herzog Kail von Mecklenburg und die 13 jährige Prinzeß Alexan­drine die Bohnen frone mit Würde und Heiterkeit. Der zahlreich versammelte Hof erschien in dem übertriebenen Kostüm von Versailles zur Zeit Ludwigs XIV. Prinz Wilhelm figurierte als Großschaymeister Fürst von Sarepta, der Kronprinz als Groß-Oberästrolog und Zeicheudenter.

Nach aufgehobener Tafel an jedem heiteren Bohnenfest- abcnd gab es noch allerlei ergötzliche lleberraichungen. So erschienen der 20 jährige, witziae und geistreiche Kronprinz Fritz und der gewandte Prinz Alexander Solms-Lich all RaciucS Hippolyt und Phädra in den lächerlichen Theater- kostümen des 18. Jahrhunderts . . . Phädra in mächliL«»