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EiarllckungsgeLllhrk

Die SgefpaHene Petttzetl« ober beten Roma 20 Pf-

AMliches Nrgm für Stabb nni FMRrcis KanM.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Renamenteil die Zeile <5 Pfg.

Verantwort!, Redakteur: L, Schrecker tu Hana»

A?k. 3 Uernsprechanschlukr Nr. 330.

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Mittwoch UCU 4. Inno ar «etnhiredjanidnuß Nr. 230

1911

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Wir ersuchen, die Rechnungen für die Forderungen aus Arbeiten und Lieferungen für die 6tabt Hanau einschl. derjenigen für die Gas-, Wasser- und Elektrizitäts­werke stets innerhalb 14 Tagen nach dem Vierteljahres- schluß einzureichen.

Die Rechnungen vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1910 ersuchen wir bis zum 15. d. Mts. einzureichen. Hanau den 2. Januar 1911. 363

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Bekanntmachung.

Bei eintretendem Tauwetter dürfen Eis und Schnee im hiesigen Stadtbezirk nur an folgenden Stellen abge­lagert werden:

1. Am Main (auf dem städtischen Kiesausladeplatz).

2. In der Ausschachtung hinter dem großen Viadukt der Frankfurt—Bebraer Eisenbahn.

8. Am Kinzigufer jenseits der Fallbachbrücke.

Sofern das Ab laden von Eis und Schnee an anderen Stellen und an oder auf Wegen stattfindet, wird das­selbe nach Maßgabe der Polizei-Verordnungen bestraft.

Hanau den 29. Dezember 1910. 361

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Bekuttutmachttug.

Die Lieferung der Vekleidungsgegenstände der unifor­mierten städtischen Beamten soll für das Rechnungsjahr 1911 vergeben werden.

Es sind zu liefern:

1 Waffenröcke, Litewken, Mäntel, Pelerinen und Hosen für

a) Polizeisergeanten,

b) Vollziehungsbeamten und

c) Amtsbotcn.

2. Sommerlitewken und Hosen, Winterlitewken und Hosen, Mäntel und Pelerinen für die Gärtner und Aufseher.

3. Waffenröcke und Hosen für den Winter, desgleichen für den Sommer, und Mäntel für die Feldhüter.

4. Mützen für die Polizeibeamten, Vollziehungsbeamten, Boten, Feldhüter, Aufseher und Gärtner.

5. Langschaftenstiefel.

6. Schaftenstiefel.

Angebote mit höchstens je 3 Stoffproben für die einzel- neu Bekleidungsgegenstände sind verschlosien und mit ent­sprechender Aufschrift versehen bis zum 15. Januar 1911 auf Zimmer 14 des Rathauses cinzureichen.

Hanau den 29. Dezember 1910. 423

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Bekanntmachung.

Die Arbeiten zur Herstellung eines Tonrohrkanals in Straße 52a sollen unter Zugrundelegung der Bedingungen und Vorschriften für die Ausführung von Arbeiten für die Stadt Hanau öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zim­mer 22, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind bis zum Eröffnungstermin am 9. L. Mts., vor­mittags 11 Uhr, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Hanau den 2. Januar 1911. 421

Der Magistrat.

Dr. E e b e s ch u s.

Bekanrttmachttttg.

( Lehrstellen-Bermittlung betreffend.

Eltern und Vormünder bezw. Pfleger machen wir wiederholt darauf aufmerksam, daß bei der städtischen Arbeitsvermittelungestelle — Langstraße Nr. 41 — eine

größere Anzahl von Lehrlingsstellen angemeldet worden ist. Es werden gesucht:

1 Vuchbinderlehrling, 1 Vuchdruckerlehrling, 3 Ciseleurlehrlinge (Silberwarenfabrik), 1 Chemi- graphcnlehrling, 2 Diamantschleiferlehrlinge, 2 Etuis­macherlehrlinge, 1 Formerlehrling (Silberwaren­fabrik), 1 Eärtnerlehrling, 2 Lehrlinge für den kaufmännischen Beruf, 5 Silberschmiedelehrlinge, 3 Schlosserlehrlinge, 3 Schreinerlehrlinge, 1 Tapezier- und Dekorateurlehrling, 4 Weißbinderlehrlinge, ferner solche, welche das Maurer- und Zimmererhand­werk erlernen wollen.

Auch weisen wir noch besonders darauf hin, daß jungen Leuten, welche das Schneidrrhandwerk zu erlernen wünschen, jederzeit geeignete Lehrstellen unter günstigen Bedingungen nachgewiesen werden können.

Die Vermittelung durch die städtische Arbeitsoermitte­lungsstelle erfolgt kostenlos. 419

Hanau den 2. Januar 1911.

Der Magistrat.

Hild.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

In der Gemarkung Gronau ist die Schweineseuche festgestellt worden. V 22

Hanau den 4. Januar 1911.

Gefundene und verlorene Geucnstände u.

Gefunden: 1 Stück kariertes leinenes Echürzenzeug, 1 Paar neue Holzschuhe, 1 Damenschirm (stehengeblieben bei einem Fleischwarenstand am Marktplatz).

Abhandengekommen: 1 Handpritschenwagen.

Hanau den 4. Januar 1911.

Politische RundTd^ati.

Parlamentarisches. Die Interpellation der fortschritt­lichen Volkspartei betreffend die Aufhebung des Zünd- warensteuergesetzes, die an erster Stelle der Tagesord­nung der am 10. Januar stattfindenden Sitzung des Reichstages steht, wird, wie die „Rordd. Allg. Ztg." er­fährt, sofort beantwortet werden.

Auszeichnung. Der „Reichsanzeiger" meldet die Ver­leihung des erblichen Adels an den bisherigen Präsidenten des Oberlandesgerichts Frankfurt, Hagens, und die Ver» leihung des persönlichen Ranges als Rat 1. Klaffe an den Gouverneur Dr. Solf.

Deutsche antarktische Expedition. Unter dem Vorsitz des Prinzen Heinrich konstituierte sich gestern im General- stabsgebällde der Arbeitsausschuß der deutschen antark­tischen Expedition des Oberleutnants Filchner. Prinz Heinrich drückte seine Freude darüber aus, daß man noch immer Leute finde, die bereit seien, für eine Idee ihre Haut zu Markte zu tragen, bezw. Opfer für die Idee zu bringen. Die Persönlichkeit des Führers und der Expeditionsteilnehmer bürge für einen Erfolg. In den Arbeitsausschuß wurde außer Filchner auch der bayerische Gesandte Graf Lerchenseld gewählt.

Trauerfeier für Major Dominik. In Hamburg fand am Dicnsiag vormittag eilte Trauerfticrlichkcit für den Major Dominik statt. Vertreten war her Senat der Stadt Ham­burg, die deutsche Koloniaigesellschnit, das KoionialiuslitNt, die Geographische Gesellschaft, die Garnison von Hamburg- Altona und viele deutsch-afrikanische Firmen. Das Infanterie­regiment Nr. 76 stellte die Ehrenkompanie. Prof. Passarge vom Koioniolinstilut hielt die Gedächtnisrede. Ferner sprachen Alfred Stürken für den Verein westafrikanischer Kaufleute, Dr. Friedrichsen für die Geographische Gesellschaft. Der Hauptpastor Dr. v. Bröcker segnete die Leiche ein, die dann zum Bahnhof übergeführt wurde.

Neuer Greifswalder Velsidrgungsprozetz. Der wegen Beleidigung des Landrats Frh. v. Maltzahn zu einem Jahr Gefängnis verurteilte Rittergutsbesitzer Becker-Bartmannöhagen wird den 'NcchiSauwall Dr. Langemak-Stralfund, den Ver­treter des Nebenklägers v. Maltzahn, wegen der bekannten Aeußerungen in seinem Plaidoyer, wo es hieß, daß die Frei­sinnigen ja noch am Eide festhielten, wegen Beleidigung ver­klagen.

Kaiser Franz Josef. Die Nachrichten über das Be­finden des Kaisers lauten andauernd äußerst günstig. Der Monarch verbrachte eine ungestörte Nacht und erledigte am Dienstag Slaalsgcichäfte. Zu einer Beunruhigung über die leichte Unpäßlichkeit, in Schnupfen mit leichter Kehlkopsreizung bestehend, liegt nicht der geringste Anlaß vor.

Ein Kampf awif^cn Polizisten und Anarchisten in London.

Am 17. Dezember erregte das Verbrechen von Hounds- ditch in London ungeheures Aufsehen. Drei Maurer und eine Frau hatten ein Haus in den Exchange Buildings ge­mietet und einen unterirdischen Gang nach dem Juwelen- geschäft von Harris gebohrt, wo sie einen Einbruch ver­suchten und dabei überrascht wurden. Die Einbrecher eröff­neten auf die Polizisten ein Feuer, wobei ein Sergeant getötet und zwei andere schwer verwundet wurden. In einem Hause in Crowcstreet fand man am nächsten Tage den Anarchisten Goldstein in sterbendem Zustande auf. Er war in der Hitze des Gefechtes von seinen Kameraden ange- schoffen worden. Von den verwundeten Polizeibeamten starben drei am nächsten Tage im Krankenhause und wur­den mit militärischen Ehren bestattet. Man verhaftete am 22. Dezember eine Mann, den man für den Anarchisten „Peter der Maler" hielt und ein anderes Individuum, das gleichfalls mit dem Mörder von Houndsditch in Verbin­dung zu stehen scheint; doch erwies sich diese Annahme als irrig. Jetzt hat nun die Affäre eine aufregende Wendung genommen. Seit den frühen Morgenstunden des Dienstags tobt in Ostlondon ein Kampf zwischen Anarchisten und 700 Mann Polizei. Später rückte auch Militär zur Ver­stärkung an. Die Polizei erhielt nämlich in den frühen Morgenstunden Informationen, daß die beiden gesuchten Mörder sich in Gesellschaft von Freunden in einem Hause in Sidneystreet befänden, in der Nähe des Anarchisten­klubs. Deshalb begab sich die Polizei morgens um 4 Uhr an Ort und Stelle und umschloß vollständig den Häuser­block. Seit 8 Uhr hörte man andauernd Schüffe von Brow­ningpistolen und Polizeipistolen. Ein Detektiv erhielt einen lebensgefährlichen Brustschuß und liegt im Hospital. Bis jetzt müssen weit über hundert Schüffe abgefeuert worden sein. Das ganze Viertel ist wegen Lebensgefahr abgesperrt. Kurz nach 10 Uhr eilte im Laufschritt ein Detachement der Wache vom Tower mit geladenen Gewehren ab. Die Poli­zei beabsichtigt,

das Haus auszuräuchern.

Ladungen von Stroh waren zu diesem Zwecke bereits her­beigeschafft. Die Soldaten gaben Salven auf Salven ab, um die Mörder einzuschüchtern, denen ein Entkommen un­möglich ist. Es ist noch ein Rätsel, wie die Verbrecher in das Haus kamen, da die Bewohner achtbare Leute find, die schon zehn Jahre dort wohnen. Der Zudrang, namentlich um die Mittagsstunden, war koloffal.

Nach späteren Meldungen sind in den Nachmittags­stunden etwa 1000 Polizisten des ganzen Distrikts im Um­kreise von einem Kilometer mit Absperrungen beschäftigt. Eine Reihe von Polizisten wurde verwundet. Die Ange­griffenen feuern aus dem belagerten Hause langsam, aber mit tödlicher Sicherheit. Das Haus wurde von dem Feuer der Soldaten bcrits teilweise zerstört; die Verbrecher be­finden sich im Schlafzimmer im obersten Stock.

Der Kampf dauert fort.

Ueber den Zusammenstoß in Houndsditch wird weiter gemeldet: Nachts räumte die Polizei alle Häuser in der Nähe des Hauses, in das die Verbrecher geflüchtet waren, und umstellte das Gebäude, wobei viele Revolverschüffe zwischen den Polizeimannschasten und den dort wohnenden Ausländern gewechselt wurden. Im Verlaufe des Kampfes wurde ein Schutzmann in die Brust geschaffen. Die Kugel gleicht genau den von den Mördern gebrauchten. Eine Ab­teilung der schottischen Garde half der Polizei.

Militär nimmt den Kampf auf.

Ein späteres Telegramm meldet: Das Schießen zwischen den Polizeitruppen und den verfolgten Verbrechern dauert fort. Ein Polizeibeamter wurde durch einen gegen ein Fenster des umzingelten Hauses abgegebenen Schuß leicht verletzt. Die Polizei erhält fortgesetzt Verstärkungen. Schot­tische Garde hat an beiden Straßenenden Aufstellung ge­nommen und feuert gegen die Fenster, sobald ein Verbrecher sich sehen läßt. Ein Zuschauer wurde leicht verletzt. Der Minister des Innern ist auf dem Schauplatz eingetrofsen.

Das Haus in Flammen.

Das von der Polizei belagerte Gebäude in der Sidney- straße stand 4 bis halb 5 Uhr nachmittags in Flammen. Die Feuerwehr war schon vor Ausbruch des Feuers am Platze. Ein Sergeant der schottischen Garde wurde am Bein ver­wundet. Nachdem die Flammen das ganze Haus ergriffen hatten, stiegen die Belagerten auf das Dach, von wo sie ruf die Soldaten und Polizeibeamten schossen. Verschiedene Explosionen wurden gehört. Gegen 2 Uhr stürzte das Dach ein.