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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des

Amtliches GM« für Steil- nni AMreis Sena

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verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantroortl. Rebaktèur: <5. Schrecker in Hanau,

$L 1 ^mifyredjoiifdjhtft Nr. 230.

Montag den 2. Januar

^etHU’tedhtitfdjM; Nr. 230 1911

Amtliches.

Stadtkreis Qanats.

Am Dienstag den 17. Januar 1911, nachmittags 2*/L Uhr, werden in dem Kreishaus Hamstraße Nr. 10 hier 33 ausrangierte Tuchröcke und 34 ausrangierte Helme gegen bare Zahlung versteigert, wozu Kaufliebhaber ein­geladen werden.

Hanau den 29. Dezember 1910. P 15231

Königliche Polizeidirektion.

Frhr. Laur.

Ablösung der Neujahrsgratulationen.

Weitere Einträge in die Listen zur Ablösung der Neujahrs­gratulationen:

Behrens, Wilhelm, Bijouteriefabrikant. — Vernges, Zean, Bauunternehmer. — Feuerstein, Friedrich, Witwe.

— Friedg6, Heinrich, und Frau. — Hagemann, Heinrich, Bijouterie-Fabrikant. — Hamm, Karl, Kaufmann. — Lossow, Heinrich, Kaufmann. — Mühlhause, Cyriakus, Lokomotivführer a. D. — Ohl, Heinrich, Metzgermeister. Hanau den 2. Januar 1911.

Der Magistrat, Armenamt. Die Waisenhausverwaltung.

Hild. Ewald.

Dienstnachrlchten ans dem Kreise.

Die am 26. Dezember 1910 im Schlacht- und Vieh­hofe zu Frankfurt a. M. ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

Hanau den 2. Januar 1911. V 7467

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 brauner Kinderpelzkragen, 1 Paar Gummischuhe, 1 gelbes Portemonnaie mit 4,80 Mk., 1 weißes Taschentuch (gez. W. L.) im Theater.

Verloren: 1 goldenes Armband, 1 Serviette (gez. M. S.).

Zugelaufen: 1 deutscher Schäferhund, wolfs­farbig, 1 weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen w. Eeschl.

Hanau den 2. Januar 1911.

Politische Rundschau,

Aenderungen am Degenkoppel der Offiziere. Ser Kaiser Hal bestimmt, daß an den Degen-(Sâbel-)Koppeln der Offiziere, Sanitätsoffiziere und Veterinäroffiziere sowie der Beamten der Militärverwaltung der Schwebericmen (Schleppriemen) und demgemäß am Degen (Säbel) das untere Ningband in Fortfall kommt. Gleichzeitig werden für diese Koppeln einige Verbesserungen eingesührt; ins­besondere tritt am unteren Ende des Tragriemens ein ge­schwärzter flacher Karabinerhaken hinzu, ferner wird statt des Hakens am Hilfslragcrieinen (Kette) ein starker runder Knebel oder ein geschwärzter Karabinerhaken gestattet, end­lich wird freigestellt, den Degen (S'bel) am Leibriemen oder am Gehenk zu tragen, sowie den Tragriemen und den Hilfs­tragriemen (Kette) mit dem Leibriemen (Gehenk) fest oder lösbar zu verbinden. Für die Infanterie ist ferner noch freigestellt, zu dem Tragriemen und Frösche! Juchlenleder, zu dem Tragriemen außerdem rotes, unten mit rotem Leder ein­gesetztes Gurtenband und statt des Hilfstragriemens eine Kette zu verwenden. Es wird ausdrücklich darauf hinge­wiesen, daß es sich nicht um die Einführung neuer Koppel handelt, daß vielmehr die fetzigen Koppel nach Entfernung des Schweberiemens und Anbringung eines geschwärzten Karabinerhakens am Frosche! weiter getragen werden können; die übrigen Aenderungen an den Koppeln sind freigestellt.

Kaiser Franz Joseph leicht erkrankt. Die Korre­spondenz Wilhelm meldet: Kaiser Franz Josef leidet an einem leichten Schnupfen, der ohne Bedeutung ist und weder van Husten noch von den allergeringsten Fiebererscheinungen be­gleitet ist. Auf dringenden Wunsch des Leibarztes unterblieb heute wegen des scharfen WindcS und der winterlichen Kälte die fast alltägliche Fahrt in die Hofburg. Der Kaiser ver­brachte den Tag in Schönbrunn.- Auch die am Nenjahrstag übliche Kraiulationscour der Erzherzöge siel weg, damit der Kaiser sich einige Schonung auferlege und sich vor den an­strengenden Ansprachen bewahre. Daß diese Maßregel nur aus großer Vorsicht erfolgt, beweist der Umstand, daß um 6 Uhr beim Kaiser das am Neujahrslag übliche Familien- bitter stattslndet. Die morgigen allgemeinen Audienzen sind abgesagt, die besonderen Audienzen nicht, weil sie weniger

anstrengend sind, als die stundenlangen allgemeinen Audienzen. DieS zeigt am besten, daß nicht der mindeste Grund zur Be­sorgnis vorliegt. Man hofft, daß der Schnupfen in einigen Tagen beseitigt ist.

Generaloberst v. Lindequist, der als Nack,folger des verstorbenen Generals v. Spitz Vorsitzender des Preußischen Landeskriegerverbandes geworden ist, steht im Alter von 72 Jahren. Er ist in Jülich als Sohn eines Hauptmanns ge­boren und hat seine Erziehung im Kadettenkorps erhalten. Vom Mai 1857 bis zum Herbst dieses Jahres, also über 52 Jahre hindurch, hat er der preußischen Armee angehört. An den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 hat er mit Auszeichnung leilgenommen — er ist im Besitz des Roten Adlerordens 4. Klasse mit Schwertern und des Eisernen Kreuzes 2. Klasse — und ist dann lange Zeit hindurch Flügelabjutant Kaiser Wilhelms I. gewesen. Kürzere Zeit General â la suite Kaffer Wilhelms II., ist er seit 1890 Generaladjutant, in welchen Stellungen auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Heeresdienste geblieben ist. Er war zuletzt Generalmspcsteur der 3. Armee- inspektion, nachdem er vorher erst das 13. (württembergische) und seit 1899 das damals neugebildete 18. Armeekorps ge­führt hatte.

Carnegie-Stiftung für Lebensretter. Der bekannte amerikanische Wohltäter Andrew Carnegie, dessen Stiftungen für Fricbknshelden bereits in den Vereinigten Staaten, Eng­land und Frankreich im Segen wirken, hat jetzt auch für Deutschland eine solche Stiftung mit einem Kapital von l1^ Millionen Doll, begründet. Der Kaiser hat zur Ehrung des Stifters der Stiftung den Namen „Carnegie-Stiftung für Lebensretter" beigelegt und das Protektorat über sie über­nommen. Der Zweck der Stiftung ist die Linderung der finanziellen Notstände, die sich aus heldenmiitigen An­strengungen zur Nettung von Menschenleben im Erbiete des Deutschen Reiches und seiner Gewässer ergeben, sei es für die Lebensretter selbst durch deren vorübergehende oder dau­ernde Erwerbsunfähigkeit, sei es, im Falle des Todes der­selben, für ihre Hinterbliebenen. In erster Linie sind dabei diejenigen Unglücksfälle ins Auge gefaßt, welche sich bei Aus­übung friedlicher Berufe, z. B. derjenigen der Bergleute, Seeleute, Aerzte, Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Eisenbahn- und Polizeibeamten ereignen. Unter „Lebensrettern" werden auch diejenigen Personen verstanden, deren heldenmütige An­strengungen zur Rettung von Menschenleben von Erfolg nicht gekrönt worden sind. Zur Verwaltung der Stiftung bat der Kaiser ein Kuratorium eingesetzt, dessen Vorsitz zunächst dem Chef des Geheimen Zivilkabinetts übertragen ist. Dem aus mindestens zwölf Kuratoren bestehenden Kuratorium gehört satzungsgemäß der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin und je ein Vertreter des Bergfachs, des Eisenbahnwesens, des Seewesens, der Aerzleschaft und der Industrie an. Die von dem Kuratorium zu be­willigenden Beihilfen sind einmalige oder fortlaufende. Letztere sollen a) für Lebensretter auf die Dauer ihrer völligen oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit, b) sür Hinterbliebene von Lebensrettern und zwar für Witwen bis zur eventuellen Wiederverheiratung und für Kinder bis längstens zur Er- . reichung eines zur selbständigen Ernährung befähigenden Alters gewährt werden. Für besonders befähigte Kinder können zu ihrer Erziehung für einen gehobenen Beruf in Bezug auf die Höhe und Dauer der Unterstützung außer­gewöhnliche Aufwendungen gemacht werden. Den Hinter­bliebenen können gleichgeachitt werden andere nähere Ver­wandte, welche mit dem Verstorbenen einen Haushalt ge­bildet und in ihm den Ernährer verloren haben. Die Zahlungen sollen in der Regel monatlich bewirkt werden. Sämtliche Bewilligungen aus der Stiftung erfolgen unter Voraussetzung der Würdigkeit und Bedürftigkeit der Empfänger, die fortlaufenden demenliprechend mit orem Vorbehalt jeder­zeitigen Widerrufs, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr zutreffen. Die Stiftung tritt mit dem Tage ihrer landes­herrlichen Genehmigung in Kraft. Notstände, die sich aus Niiglücksfällen vor diesem Zeitpunkt herleiten, können bei dem Vorhandensein der satzungsgemâßeu Voraussetzungen nach Maßgabe der am Schluffe jedes Rccbnuugsjahres verbleibenden Ersparnisse durch Bewilligung einmaliger Beihilfen seitens des Kuratoriums berücksichtigt werdet!. Fortlaufende Bei­hilfen zu gewähren, ist in solchen Fällen nur ausnahmsweise zulässig. Anträge auf Berücksichtigung auS der Stiftung sind an bereu Kuratorium, Berlin, Wilhelmstraße 64, zu richten.

Rückblick.

Wien, 1. Jan. In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr hob daS „Fremdenblatt" hervor: Das abgelausene Jahr stand im Zeichen der Entspannung und Friedenshoff- nung, in denen Europa daS Jahr begann und steigerte sich am Jahresende zur Fciedenssicherheit. Die auswärtigen Ver-

Hältnisss gestalteten sich durchaus erfreulich. Das einbrudS« vollste Ergebnis des letzten Jahres aber ist die Bekundung der lebendigen Kraft des Dreibundes und seines Einlebenâ in das Bewußtsein der verbündeten Völker. Die Ziele der Dreibundpolitik sind klar, die allgemeine Friedlichkeit muß nicht erst wiederholt und beteuert werden. Durch Gedanken­austausch betreffend die Uebereinstimmung in der Auffassung bezüglich des Balkan? trat Oesterreich-Ungarn zu Rußland in die gleichen vertrauensvollen Beziehungen wie zu den anderen Mächten. Das Blatt erinnert an die Ergebnisse der Potsdamer Besprechungen, wobei festgestellt wird, daß Ruß­lands Balkanpolitik mit der deutschen, die ihre Ueberein­stimmung mit der unserigen wiederholt feierlich bekräftigt^ in vollem Einverständnis ist.

Neuj abrsem pfän ge.

Am Kaiscrhofe.

Berlin, 1. Jan. Anläßlich des Neujahrstages begann um 8 Uhr vor dem königlichen Schloß daß große Wecken. Vom inneren Schloßhofe zogen die Spielleute zum Schloß» platz, Brandenburger Tor und zurück, von einer großen Menschenmenge begleitet. Die Majestäten trafen aus dem Neuen Palais um 9V« Uhr im Schloß ein, vom Publikum herzlich begrüßt. Die Anfahrt der Prinzen und Prinzessinnen, Fürstlichkeiten. Generäle und Würdenträger, der Anmarsch der Galawache vom Garde du Corps usw. bot ein wechsel­volles Bild. In der Schwarzen Adlerkammer nahmen bi« Majestäten die Glückwünsche des Königshauses entgegen. Um 10 Uhr begann in der Schloßkapelle der feierliche Gottes­dienst. Hierzu halten sich versammelt Mitglieder des Hohen Adels, der R-ichskanzler, die Bevollmächtigten zum Bundes­rat, die Generalfeldmarschälle Graf v. Häseler und o. Hahnk« und die neu ernannten drei Generalfeldmarschälle Graf von Schliffen, von Bock und Polach und v. d. Goltz. Die Minister, die Staatssekretäre, die Präsidien des Reichstags, der Land­tage usw. Die Majestäten und Fürstlichkeiten nahmen dem Altar gegenüber Platz. Nach dem Gemeindegefang und der Liturgie predigte Oberhowrediger Dryander den vom Kaiser gewählten Text aus dem zweiten Buch Moses. Nach dem Gottesdienst begaben sich die Majestäten in feierlichem Zug« nach dem Weißrn Saal zur Entgegennahme der Gratulation?» defilier-Cour. Der Kaiser und die Kaiserin traten vor di« Stufen des Throns. Die Prinzen stellten sich rechts, di« Prinzessinnen links neben den Thronhimmel. Der Kaiser und die Kaiserin gaben dem Reichskanzler die Hand, der Kaiser auch den Vertretern der Parlamente. Nach der Cour empfing der Kaiser die Botschafter, das Staatsministerium, die kommandierenden Generale, die Admirale. Um 11'/, Uhr begab sich der Kaiser gefolgt von den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim zu Fuß nach dem Zeughause, vom Publikum stürmisch begrüßt. Vor dem Zeughaus stand die Ehrenkompanie. Im Zeughaus würd« die feierliche Nagelung und Weihe der Standarte des Jäger­regiments zu Pferde Nr. 6 vorgenommen. Nach der Parole- aiisgabe nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. An der Frühstückstafel bei den Masestäten im Schloß nahmen teil: Herzog Albrecht von Württemberg, Prinz Rupprecht von Bayern, Prinz Heinrich, die kaiserliche Famili« mit Umgebungen und Gefolgen. Am Nachmittag fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor.

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Budapest, 1. Jan. Die Mitglieder bet, Regierungs­partei begaben sich genieinschaitlich zum Ministerpräsidenten Khuen-Hedervary, um ihm anläßlich des Neujahrstages ihr« Glückwünsche darzubringtn. Der Ministerpräsident sagte in seiner Erwiderung auf die Ansprache des Parteiprästdenten Perczel, die wichtigste Vorbedingung sür die Verwirklichung der großen Aufgaben der Zukunft bilde die Eintracht zwischen Krone und Nation, sowie das Einvernehmen mit Oesterreich, mit dem Ungarn durch unlöSli- Bande des Gesetzes und der Geschichte und durch die Einheit der Dynastie verbunden sei. Der Ministerpräsident wies dann darauf hin, daß noch niemals die gesamte Intelligenz des Landes so einheitlich im Lager der Regierungspartei gestanden habe. Er schöpf« daraus die Zuversicht auf die erfolgreiche BewälHgung der großen Aufgaben des Programms der Partei. (Beifall.)

Madrid, 1. Jan. Aus Anlaß des Jahreswechsels fand beim König ein Diner des diplomatischen fiorpS statt.

Rom, 1. Jan. Der König und die Königin haben heut« die Vertreter des Parlaments und die hohen Würdenträger für die feierliche Gratulationscour empfangen. Die Königin trug am Arm eine Binde und erzählte, sie sei gestern im Palais von der Treppe gefallen, jedoch nur leicht nm Hand­gelenk und am Bein verletzt. Heute sei sie vollständig wieder hergcsteNt.

Paris, 1. Jan. Bei dem Neujahrsempfang deS diplo­matischen Korps im Elysee erklärte der englische Botschafter als Doyen, daß Frankreich im Jahre 1910 auf dem Gebiete der Aviatik die Führung gehabt habe, und drückte die Hoff­nung aus, daß die Bemühungen der Diplomatie zur Bei» legung internationaler Streitigkeiten durch Schiedsgericht« weiterhin Erfolg haben möchten. Präsident Fallieres dankt« für die anläßlich der Ueberschwemnningen Frankreich von anderen Völkern bewiesene Anteilnahme. Die Hochherzigkeit