S O» Dez e MV er
ücksichtigung fände. SilvesterLälle und Festessen sind heute icht nur allein in den Großstädten, sondern auch in kleinern üblich. Freilich, so großartige Gelage wie im Mittel- lter finden wohl kaum mehr statt. Die Chronik einer heinischen Stadt berichtet, daß in ihr am Silvesterabend 850 Bratwürste, 500 Karpfen, 300 Dutzend Austern, 100 Schinken, 600 Gänse, 200 Kälber und 90 Tonnen Wein verraucht wurden. Aber dafür werden heute unglaubliche Hengen Bowle und Punsch konsumiert. Freilich, solche ^iesenpunsche, wie der englische Admiral Ruffel einmal in Üadix veranstaltete, werden wohl bei uns kaum auf den irisch kommen. Ueber diesen Riesenpunsch berichtet ein Teilnehmer : „Mitten in einem Garten von Limonen und Drängen befand sich eine Fontäne, die sauber mit hollän- nschen Ziegeln ausgelegt war. In diese wurden am Christ- age sechs Kufen Wasser gegossen, ein halbes Oxhoft echten Bergmalagas, 200 Gallonen Branntwein, 600 Pfund Zucker, 12 000 Limonen und verhältnismäßig Muskaten, lldmiral Ruffel lud alle englischen Kaufleute und das ganze Dffizierkorps zur Riesenbowle. In dem Punschbassin befand ich ein Boot, in dem ein geschmückter Knabe mit Bechern aß, mit denen er die Gesellschaft bediente, indem er im Baffin ringsum fuhr."
Wenn auch die Jetztzeit vielleicht solche Riesenpunsche nidjt mehr kennt, so hat sich doch auf dem Gebiete der Bowle rnd Punsche durch die Einführung der starken alkoholischen Säfte sowie durch das Heraufkommen des Champagners eine rußerordentliche Mannigfaltigkeit herausgebildet. Man findet sich aus der großen Zahl von Bowlen, die aus den verschiedensten Weinen zusammengemischt, von der einfachen Bowle bis zu den aus verschiedenen Früchten bereiteten Mischgetränken, und aus der Legion von Punschen, bald heißen, bald kalten, kaum mehr heraus.
Sicher sind aber Bowlen und Punsche heute das populärste Neujahrsgetränk, mit dem man, ehe die Uhr zum letzten Schlage der 12. Stunde ausholt, die Gläser füllt, um iauchzend und jubelnd sich zuzutrinken mit dem Rufe:
„Prosit Neujahr!"
Drahtnachrichten
Berlin, 29. Dezbr. Die Morgenblâtter melden: In London zerstörte eine Feuersbrunst gestern die Lederfabrik von Gebrüder Lèon in der City. Die 500 Angestellten, die sich in dem Gebäude befanden, entkamen, mit Ausnahme eines bejahrten Krüppels, der in einem hinteren Schlafzimmer verbrannte.
Berlin, 29. Dezbr. Den Morgenblâltern wird atis Schmeks, dem Badeorte an der Tatra, gemeldet: Vier. Touristen machten am Sonntag einen Ausflug, bei dem einer stürzte und einen Beinbruch erlitt. Die Reisegesellschaft machte ihm eine Lagerstätte ans Schnee und kehrte zurück. Die ansgeiandte RettungSexpedstion fand den Verunglückten in einem 300 Meter tiefen Abgrunde mit zertrümmertem Schädel. Er hat wahrscheinlich weitrrgehen wollen und war dabei abgestürzt.
Wien, 28. Dezbr. In der außerordentlichen General- oerfanunhmg der Oesterreichisch-Ungarischeu Bank wurde der Generalrat ermächtigt, mit den beiden Negierungen entsprechende Nebereinkommen wegen der provisorischen Verlängerung des Bankprivilegiums resp, der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes bis längstens 15. Februar 1911 abzuschließen.
Genf, 29. Dezbr. Infolge der anhaltenden Regengüsse in der letzten Woche sind die am Salève gelegenen Dörfer Archamps, Verrières und Blecheins durch Erdrutsche gefährdet.
Peking, 28. Dezbr. (Reuter.) Die Vertreter der beteiligten Mächte besuchten das Auswärtige Amt, um sich über die Hukuangauleihe zu besprechen, die China nicht anfnehmen will. — Eine Versammlung der am Bau der Jtschang- Szetschwanbahn beteiligten Gesellschaften beichloß, den Bau der Linie Jtschang aufzuschieben und Tschunking mit Tschoengtau zu verbinden. Ebenso wurde beschlossen, eine Million Dollars zum Ankauf von Schleppdampfern für den Transport des Eisenbahnmaterials nach Szetschwan zu verwenden.
New-Pork, 29. Dez. Im Metropolitan-Opernhanse sand gestern die Uraufführung von Engelbert Humperdincks dreiaktiger Oper „Königskinder" statt. Das Opernhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt und bot einen glänzenden Anblick- Geraldine Ferrar spielte das „Gänsemädel". Das Stück fand eine glänzende Aufnahme. Der Komponist und die Künstler wurden wiederholt Hervorgernfen.
Paris, 29. Dez. Das „Journal" will wissen, daß der Begnadigungsausschnß des Justizministeriums, der gestern abend die Prozeßakte des vom Rouener Schwurgericht zum Tode verurteilten Syndikatssekretärs Durands geprüft hat, sich für eine weitgehende Anwendung des Begnadigungsrechtes ausgesprochen habe.
Paris, 29. Dez. Im Bahnhof von Cholet stieß ein oon Angers kommender Personenzug mit ei-er rangierenden 1
Drogerie Zentner
s MW 8. MW
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steinüeimeMx. 34 Ecke Langstr
Todes-Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteikung, daß unsere, liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Oise Urbann ^elt. Pflüger
Witwe des Theater-Direktors Gg. Urbann
im Alter von 60 Jahren, heute mittag um 3'/« Uhr, sanft entschlafen ist.
Um stilles Beileid bitten
Windecken den 27, Dezember 1910
Die trauernden Hinterbliebener».
J. d. N.: Fr. Wilh. Urbann, Theater-Direktor.
Die Beerdigung findet Freitag den 80. Dezember, nachm. 3 Uhr, statt.
ist unstreitig die Firma 29835y M
Jakob Himmler, U
Dvuner-tatz
Lokomotive zusammen. Fünf Zuabediensteie und fünf Reisende, durchweg Soldaten, wurden verwundet, darunter mehrere schwer.
Paris, 29. Dez. Eine große Dampkmühle in dem etwa 40 Kilometer von Le Havre entfernten Zvetol mußte ihren Betrieb cinfteUen und ihre Arbeiter entlassen, da eine Ge- ireideladung, die am 9. Dezember von Le Havre abgehen sollte, infolge der Bahntransportschwierigkeiten vorgestern noch nicht eingetroffen war.
Berlin, 29. Dez. Durch Selbstmord hat ein Graf, der einem alten schottischen Adelsgeschlecht entstammt, seinem Leben ein Ende gemacht. Einige Tage vor dem WeihnachtS- feste reiste er nach Heiligenstadt in Ostpreußen zum Besuch. Am 23. abends verabschiedete er sich anscheinend in bester Laune von seinen Gastgebern und vergiftete fid) dann in seinem Zimmer durch Cyankali.
Berlin, 29. Dez. Die erste direkte Fernsprechleitung Düsseldorl-Amsterdam ist heute in Betrieb genommen worden.
Paris, 29 Dez. Vor einigen Tagen erkrankten im Elyseeviertel drei Personen unter cholcraverdächtigen Erscheinungen. von denen einer der Krankheit erlag. Nach einer Note des SanitätsamteS, das eine bakteriologische Untersuchung vorgenommen hat, dürfte V§ sich jedoch nicht um Cholera bandeln.
Paris, 29. Dezbr. Die Vereinigung der Syndikate hielt gestern abend eine Vcrsanimlnng ab, in der nach einer heftigen Aussprache gegen die Verurteilung des Rouener Syn- dikatssekretärs Durand der Beschluß gefaßt wurde, innerhalb 10 Tagen ein großes Meeting zur Vorbereitung des Gesamt- ausstandeS einznberufen, um so die Freilassung Durands und die Revision des Prozesses zu erzwingen. — Ferner wurde beschlossen, daß am nächsten Sonntag alle Pariser Arbeitervereinigungen vor das Elysee ziehen unb eine große öffentliche Protestkundgebung gegen die Verurteilung Durands stattfinden soll.
Der Kronprinz in Agra.
Agra, 28. Dezbr. Der deutsche Kronprinz hat, nachdem die Besuche in den Eingeborenen-Staaten beendet sind, den Wunsch geäußert, bei seiner weiteren Reise auf englischem Gebiet von offiziellen Empfängen, außer etwa in Calcutta, abzusehen. Daher spielte sich bereits hier der Empfang in den einfachsten Formen ab. Dre Kronprinz erschien in Zivil und wurde vom Leutnant-Gouverneur Hewett empfangen. Den Wagen eskortierte ein Schwadron der Royal-Dragons. Der Kronprinz besichtigte gleich nach der Ankunft das Fort mit den alten Mogulpalästen und wird feinen Aufenthalt in Agra benutzen, um die zahlreichen hiesigen geschichtlichen Denkmäler kennen Zu lernen.
Eröffnung der österreichischen Delegation.
Budapest, 28. Dezbr. Die österreichische Delegation, die heute eröffnet wurde, wählte den Delegierten Baernreither zum Präsidenten. Dieser bezeichnete es in seiner Eröffnungsrede als wichtigste Aufgabe der Delegation, die erforderlichen bedeutenden Mittel zur Ausgestaltung der Marine zu bewilligen. Die politische Phase, welche durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina eingeleitet worden sei, dürfe wohl als abgeschloffen angesehen werden. Man müsse jetzt weniger rückwärts schauen als vielmehr vorwärts und die politischen Beziehungen sowie die Handelsbeziehungen zum Ausland pflegen. Alsdann legte der Minister des Aeußern, Graf Aehrenthal, ein dreimonatiges Vudgetprovisorium für 1911 vor. Der feierliche Empfang der Delegationen findet morgen in der Hofburg durch den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Vertretung des Kaisers statt
Antwortnote.
London, 29. Dezbr. Wie hem Reuterschen Bureau aus Teheran gemeldet wird, ist die Antwort der persischen Regierung auf die letzte englische Note über die unsichere Lage in den südlichen Provinzen heute abgeschickt worden. Ihr Inhalt ist noch nicht veröffentlicht worden, doch verlautet, daß die Hauplstraße zwischen Abuscher und Schiras, auf der seit dem 5. Dezember keine Räubereien mehr vorgekommen seien, jetzt für Karawanen passierbar sei.
Verhaftet.
London, 28. Dezbr. Die Polizeibehörde verhaftete einen in Rottinghill wohnenden Mann unter der Anklage an dem Vertrieb oder der Veröffentlichung des internationalen Organs „Liberator" beteiligt zu sein. Das Blatt soll aufrührerische Artikel veröffentlicht haben.
Der Eilbeftelldienst.
Berlin, 28. Dezbr. Die ReichSpostverwaltung beabsichtigt den Eilbestelldienst in größeren Städten dahin zu erweitern, daß die Postanstalten auf Fernsprcchanruf oder schriftliches oder mündliches Verlangen den Auftraggebern zur Abholung von Briessendungen Boten zuschicken, diè diese Sendungen unmittelbar daran anschließend bestellen. Dies wird dem Publikum die gesetzlich unzulässige Briesbeförderung durch private Eilbotenbestellung (Messengerboy-Jnstitute) ersetzen. Außerdem will die Reichspost einrichten, daß gewöhnliche Briessendungen bei den Absendern auf Wunsch durch Eilboten gegen eine Gebühr von 25 Pfennig abgcholt werden können. Beide Neuerungen sind zum 1. April 1911 geplant.
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Schiffsnachrichten. >
(Mitgeleilt von Agent Ad. Treusch-Hanau.)
Der Hamburger Dampfer „Arcadia" ist am 26. De» zember wohlbehalten in New-Aork eingetroffen.
.Hamburg, 25. Dezbr. Der Dampfer „Siegkinde" von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern in Montevideo und der Dampfer „Pretoria" vorgestern in Baltimore ein« getroffen.
Schiffsnachrichten. fMitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremens M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1.)
Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „George Washington" ist am 22. Dezember wohlbehalten in New-Nork an« gekommen.
Bremen, 24. Dezbr. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Bremen" ist gestern wohlbehalten in Colombo ein* getroffen.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Negierung zu Cassel.
Wächtersbach. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Wächtersbach belegenen, im Grundbuche von Wächtersbach zur Zeit der Eintragung deS Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schreiner- Ferdinand Müller (Ernsts Sohn) in Wächtersbach eingetragenen Grundstücke am 1. März 1911, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Wächtersbach — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Sprachest des Allgemeine« Deutschen Sprachvereins.
Zweigverein Hanau.
An der Jahreswende.
Durch langjährige Gewöhnung an garstige Fremdwörter kommt es manchem Deutschen gar nicht zum Bewußtsein, daß er sich gerade um die Jahreswende öfters an seiner lieben Muttersprache versündigt. Ja, versündigt; denn wir halten es mit dem besten Kenner deS Deutschen, mit Jakob Grimm, der schon 1846 sagte: „Sünde ist eS, fremd» Wörter anzuwenden da, wo deutsche gleich gute und sogar bessere vorhanden sind, aus unverantwortlicher Unkenntnis deS gültigsten einheimischen Sprachgebrauchs". Wie viele Leser dieser Sprachecke haben nicht in den vergangenen Jahren Karten zu Neujahr versandt mit dem Aufdruck »Unsere herzlichste Gratulation", obgleich dieses Wort gar nicht in den Fluß deutscher Rede hineinvaßt, obgleich unser Glückwunsch herzlicher klingt. Wenn jetzt sogar Universitäten verdienten Gelehrten „die aufrichtig sten Glückwünsche" in deutscher Sprache darbringen, dürfen wohl auch wir anderen Sterblichen unsere Freunde mit unsern herzlichen Glück w ü n s ch e n erfreuen. Immer noch werden zu Neujahr Namenskarten mit der Aufschrift (= pour féliciter) verschickt, also mit einer Abkürzung, die den denkenden Leser daran erinnert, daß vor noch nicht zu langer Zeit vornehme Kreise Deutschlands im geselligen Verkehr das Französische ihrer Muttersprache Vorzügen. Wer sich durchaus — um Zeit oder Geld zu sparen — solcher Abkürzungen bedienen will, gebrauche doch lieber die Buchstaben „u. G. z. w/; er wird durch diese Bevorzugung deS heimischeu Sprachgutes sicher manchem seiner Freunde und Bekannten eine Freude machen, dem fremde Sprachbrocken wie pour féliciter in deutscher Rede ein Greuel sind. Neujahr ist auch für viele die Zeit des Umzuges oder der Versetzung. Mit wehmütigem Gefühl sieht da der Freund seiner Muttersprache, wie sich der oder jener aus seinem Bekanntenkreise mit ben französischen Worten pour pendre con gé, (— P- p. o.) von ihm verabschiedet, anstatt gut deutsch zu schreiben: u. A. z. n. — Und nun zu guter (!) Letzt das nichtssagende Prost, für daS wir doch so reichlichen Ersatz haben: Den Vetter, den das letzte Jahr schwere Krankheit heimgesucht hat, rufen wir in der Neujahrsnacht zu: »Auf ein gesundes Neues Jahr"; mit dem Neffen, der nächstens eine für feine Lebensstellung entscheidende Prüfung ablegen will, stoßen wir an „auf eine gute Prü- f u n g"; und gibt es für Braut und Bräutigam einen willkommeneren Glückwunsch als den Ruf „Heil Eurer Liebe"? Ist das alles nicht herzlicher als dieses stumpfe, ja rohe „Prost"? Im Alltagsleben wird erfreulicherweise beim Zutrinken das öde „Prost" immer mehr ersetzt durch „Zum Wohle" ober „Wohl bekomm'â".
Um die Jahreswende wird so mancher treffliche Entschluß gefaßt. Wie wäre es, wenn recht viele Leser sich beim Scheiden des alten JahreS sagten: »Von nun an will ich meine Muttersprache mehr in Ehren halten, alS ich es leider bis heute getan habe; von nun an will i ch auch b u r d) meine Sprache zeigen — den Grundsätzen des Allgemeinen Deutschen Sprachverein- gemäß —, daß ich ein rechter deutscher Mann, eine rechte deutsche Frau bin!" Dazu ein frohes Glückauf! und Heil Neujahr! rSâRU^M»ÜitvM^'2-I7M«SLâÄU!»s»bLsSWMW-ISvS>S>>NIItZâüI!»iiVA-^MlltWMßIlSMWlM>MMSSLMM8MW>
Arac de Batavia Echt französ. Cognac Jamaica-Rum
Malaga-, Marsalla- II. Sherry-Wein Salzstrasse 30