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Genkral-Anzeiger

MVM Grgao für L'M- und Fandkrtis Kamil.

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Die ^gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg im ReNamenleU die Zeile 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schreckertn Hana».

Aernsprechattschlttb Nr. 230

1910

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KHristnacht-Lüuten

Du Feier frohen Gebens und Empfangens Zm Geiste deffen, dem du ganz geweiht, Willkommen, Fest der reinsten Kindheitsfreuden Du hohes Wiegenfest der Christenheit!

Mit altem Zauber rührst du an die Herzen; Und vielen, die vom harten Kampfe müd, Weckst du Erinnerung, daß in diesen Stunden Auch ihnen einmal reines Glück geblüht.

Laßt uns vergeffen heut den Streit des Tages Vergeffen allen Hader, Haß und Groll!

Laßt uns oerzeih'n, nach des Heilands Worten, Verzeihen, wie ein Christ verzeihen soll!

O, frohe Botschaft; herzerhebend Klingen, Du Glockenton der heil'gen Weihenacht, Die den Erlöser, seiner Lehre Krone: Gott ist die Liebe"! einst der Welt gebracht!

Denn selig, wie die Kinderscharen jubelnd Zm Kerzenschein erschau'n den Weihnachtsbaum, So sehen heut im hellsten Licht erstrahlen Die Alten ihrer fernen Zugend Traum. Weihnachten 1910

Gott in der Höh' sei Ehr!" singts im Geläute; Im Orgelklang braust seines Odems Macht! Auch jene, die ihn fast vergessen haben, Durchweht sein Hauch in heil'ger Weihenacht r

Fried. Jac. Geißelt

Weihnachten.

Friede ans Erben! Auch vor vierzig Jahren, inmitten Kriegszeit, als unser Volk in seiner Kraft und Blüte auf inbeSboben staub* versagte die Weihnachtsbotschaft nicht, rade in den Weihnachlswochen des Jahres 1870 hatten leiste Kälte und angestrengtester Dienst bei Tag und Nacht seren Kriegern vor Paris und anderwärts im Kampfe zen Gambettas Heere die Pflichterfüllung über alle Maßen wer gemacht. Der damalige Feldprediger Bernhard Rogge ichtet in feinen Erlebnissen aus dem Kriegsjahre:Die eihnachtssoune leuchtete uns wohl auch im fernen Lande, ch die Schallen der Sorge und Trauer trübten d'esmal en Glanz, und doch erfüllte sich auch diesmal das Wort: a Abend soll es licht werben! . . . . In der Christnacht bst erdröhnten freilich statt der Weihnachtsglocken wieder : feindlichen Geschütze, als wäre es besonders darauf ab» iehen gewesen, den deutschen Soldaten dieWechnachlssreude vergällen; aber sie vermochten doch dasFriede auf eben" nicht zu übertonen, das in den Herzen von der Hriftseier her noch nachklang."

Noch nie hat es eine Zeit gegeben, wo die Zustände auf rben der Himmelsbotschafi von dem Frieden auf Erden llig entsprochen hätten. So soll es auch nicht sein. Denn keusch sein heißt Kämpfer sein, unb der ewige Friede ist in Ziel, das je von den Sterblichen erreicht werden wird, reicht werden soll. Aber das Eine ist notwendig, daß >er alles Kämpfen hinweg dem Menschen die Gewißheit halten bleibt, daß cs ein Ewiges gibt, das Trost und uversicht gewährt in allem Streit. Wenn am Tannen- ium die Weihuachiskcrzen knisternd glänzen, wenn r Kinder Augen hell leuchten und sie jubeln ob ir glitzernden Pracht, die sie umfängt, und ob der aben, die vor ihnen die Liebe ausgebreitet hat, dann er- reift die Menschen, wenn sie nicht verhärtet und bis in die niersten Wurzeln und Fasern ihres Daseins verdorrt sind, 18 Geheimnisvolle und doch so machtvolle Gefühl der be­

glückenden, wrltcrlösenben Liebe, der sehnsuchtsvolle Drang, sich von dem Unendlichen und Göttlichen erfüllen und be­seligen zn lassen. Die Lichter, die von den grünen Zweigen des Christbaums herab erwärmend in die Gemüter leuchten, sind Strahlen der alles umfassenden und erhaltenden Liebe, die vom Sterblichen und Irdischen zum Ewigen undNnsle'b- lichtu hinüberleiten, von der Erde zum Himmel tragen. In der Wechselwirkung des Gebens und Empfangens, in dem Austausch der Liebe liegt der weihnachtliche Segen, der sich seit Jahrhunderten über alles, waS MeuschenanNitz trägt, ergossen hat und immerdar so wirken wird. Wer diesen Segen über sich kommen läßt, der wird den Glauben, wenn er ihn verloren hat, wiedersinden, der wird gestählt zu der Arbeit und den Kämpfen des Lebens zurückkehren; verjüngt im Geiste wird er die rechte Stimmung und Kraft finden, die alle Furcht und Bangigkeit vor dem, was die Zukunft bringen kann, überwinden muß.

Keine Stunde im Jahre mahnt so feierlich und unwider­stehlich an die Wirklichkeit der christlichen Grundgedanken wie Weihnachten. Selbst wo die Widersprüche unlösbar und die Gegensätze unversöhnlich zu sein scheinen, in den politischen Kämpfen, die niemals ruhen wollen, herrscht in den Weih­nachtstagen der Gottesfriede. Weihnachten ist der einzige Augenblick im ganzen Jahre, wo die sonst unaufhörliche Flut der W rren nnb Wogen um die politischen Meinungen und Fragen zum Stillstand zu gelangen pflegt. Wie schwer auch die politischen Note auf den Herzen lasten mögen, und wie sehr auch Irrungen und Wirrungen sie bedrücken, in den geweihten Weihnachtsstunden, in benen die Liebe alles licht und hell zu machen weiß, vollzieht sich das Wunder der Be­freiung von den Sorgen des Tages. Niemand wird Weih­nachten vergebens jenen ans aller Unrast emporhebenden Frieden suchen, der nicht von dieser Welt ist.

Auf dem ganzen Erdenrund, überall wo man die Weihnachtsbotschaft vernimmt, wird Weihnachten be­gangen; aber nur der Deutsche feiert die rechte Weih­nacht, zu der das deutsche Gemüt gehört, das

bei den Weihuachlsglocken und den Weihnachlskerzrn das Auge feucht werden läßt. Nur bo.it, wo die deutsche Znuge Hingt, wird Weihnachten in tiefster Innigkeit empfunden. Darum soll in diesen Festestagen unser bestes Empfinden auch dem teuern deutschen Vaterlande geboren.Nur wer den Blick aufs Ganze hat gerichtet, dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet !" Dieses Ganze ist unser Deutschland. Wieder Stern von Bethlehem über der Weihnachtsfeier, so schwebe allezeit über unserem ganzen Leben als leuchtender Leitstern unser gemeinsames Vaterland: Wie vieles könnte besser , werden, wenn wir inmitten der politischen und wirtschaftlichen Känipfe uns mehr als bisher bewußt bleiben wollten der Liebe zu unser aller Mutter, der Liebe zu unserm Vater­lande. Deffen sollten wir eingedenk sein an dem Feste, das wie kein anderes die Herzen der Liebe erschließt, die zuallererst unb zumeist auf Erben das Vaterland zu beanspruchen hat, für das unser Krieger vor vier Jahrzeuten im Felde ihr Leben eingesetzt haben.

Albumblätter.

Geht doch nur hin, wie's immer

Gewesen auf der Welt;

Hub anders wird es nimmer, Wenn'S euch auch nicht gefällt.

Zu gebt ihr, daß es auf Erden Nie anders gewesen sei;

Doch anders muss* es werden, Sagt ihr, und bleibt dabei. Rückert.

Es gibt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem Verstände. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln sie. v. Ebner-Eschenbach.

Sprich nie etwas Böses von einem Menschen, wenn du es nicht gewiß weiß; und wenn du es auch gewiß weißt, so frage dich, warum erzähle ich es? Laoater.