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MonsdruL und Verlag der Buchdruckerei des «rein. ev. Waisenhauses in Hanau«
General-Anzeiger
Amllilhts Organ für Ltadt- «ad Fandkreis Hana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Derantwortl. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
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Fernsprechan schlich Nr. 230.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Die über das Gehöft des Händlers Wilhelm c as, Sternstraße 2 hier, verhängte Sperre ist auf- )ben.
Hanau den 17. Dezember 1910. P 13369
Königliche Polizeidireltion.
I. V.: vr. v. Waldow.
Bekanntmachung.
Der Laden in der Wartehalle auf dem Neustädter rktplatz ist vom 1. Januar 1911 ab zu vermieten. Angebote mit Angabe des gebotenen Pachtpreises sind mld bei uns einzureichen. 28673 Hanau den 9. Dezember 1910.
Der Magistrat.
Dr. Eebeschus.
Liegen geblieben in der neuen städt. Vade- alt: 1 goldene Damenuhr. Abzuholen auf dem Ee- ftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 17. Dezember 1910. 29197
Politische Rundschau.
Sin liberales Wahlkartell in Baden. Eine aus dem zen Lande zahlreich besuchte Versammlung des engeren schusses der nationalliberalen Partei Badens hat dem chluß eines Wahlabkommnes mit der Fortschrittlichen kspartei für.die nächsten Reichstagswahlen grundsätzlich stimmt und die Parteileitung beauftragt, die Verhand- zen mit der Fortschrittlichen Volkspartei zu Ende zu cen.
Die Bewilligung der „Staatsnotwendigkeiten" im öfter- Hischen Abgeordnetenhause. Das österreichische Abgeord- mhaus hat das dreimonatliche Vudgetprovisorium an- ommen und die Regierung ermächtigt, eine Kreditope- vn von 109 Millionen Kronen für Eisenbahninvestitio- einzuleiten. Das Provisorium der österreichisch-unga- ;en Bank ist bis zum 15. Februar nächsten Jahres ver- gert worden, unter der Voraussetzung, daß ein gleiches misorium in Ungarn zu Stande kommt. Dann gingen Abgeordneten in die Weihnachtsferien.
Fleischteuerung. In Dresden fand vorgestern unter dem 'sitz des Grafen Vitzthum von Eckstädt eine Konferenz Beratung von Maßregeln gegen die Fleischteuerung t.
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Künstlerische Cigarrenpackungen.
In einer kurzen lokalen Notiz wurde ja bereits das zebnis des Wettbewerbs für Cigarrenpackungen, veran- tet von der Hanauer Firma H. & A. Brüning, be- nt gegeben. Berichtigend sei noch erwähnt, daß für die :ren Prof. v. Beckerath-Hamburg und Prof. Julius Dietz- inchen, die leider an der Reise zum Preisgericht in Ber- in letzter Stunde verhindert waren, die Herren Prof. ' epler j un., Lehrer an der Kgl. Kunstgewerbeschule Berlin, ui.d Prof. Mohrbutter , einer unserer ersten ichenkünstler, einsprangen.
Elf Preise in Gesamthöhe von 6000 Mk. waren ver- ochen, fast 1300 Einsendungen bewarben sich um sie. reifellos war die Künstlerschaft jedoch weniger der locken- i Aussicht auf Gewinn unterlegen, viel stärker wird der iz, einer ganz neuen Aufgabe gegenüberzustehen, gewirkt âen. Zudem durften die Künstler den Preisrichtern, die t alle zu den anerkannten Führern der modernen ange- ndten Kunst gehören, volles Vertrauen für eine künst- isch gerechte Beurteilung entgegenbringen. Jedenfalls cf das fast völlige Fehlen des gewohnheitsmäßigen tsches, der sich heute noch auf fast allen Cigarenkisten banalster Gelecktheit spreizt, auf die Rechnung dieses eisrichterkollegiums zu setzen sein. In richtiger Selbst- Schätzung — möge sie auch bei diesen den Beginn zu er- nter Wandlung bedeuten! — werden sich diese „Künstler" ifach nicht unter die Augen dieser Richter gewagt haben. So stand das Preisgericht einer sehr schweren Aufgabe zenüber. Der künstlerische Durchschnitt der Einsendungen nd über alles Erwarten so hoch, daß man aufs strengste iten mußte, um überhaupt zu einer Preisverteilung zu angen. Erst nach einer fünften Lesung war man zu der chränkten Zahl durchgedrungen. Viele wirklich gute und nempfundene Arbeiten mußten fallen, um dem Besseren
Montag neu 19. Dezember
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Prinz und Herzog Max von Sachsen, Dr. jur. et theol., ord. Professor an der Universität Freiburg (Schweiz), in der breiteren Oeffentlichkeit wohl am besten noch bekannt durch seine Verteidigung der Moraltheologie des hl. Alfons von Liguori gegen den Angriff Robert Graßmanns, überrascht jetzt plötzlich die Welt durch einen Konflikt mit der Kurie. Der geistliche Bruder des Königs von Sachsen ist unter die Modernisten — gefallen. „Gegangen" kann man wohl nicht sagen, denn Prinz Max ahnte kaum, daß er sich des Verbrechens der Ketzerei" schuldig machte, als er einen Artikel über die Vereinigung der römisch-katholischen mit der griechischen Kirche an die Zeitschrift „Rom und Orient" zum Abdruck sandte. Papst Pius X., der sich über den Prinzen sehr ungehalten geäußert haben soll, hat dem Herausgeber der genannten Zeitschrift, dem Abt Pellegrini von Erolta Ferrata, befohlen, den bewußten Aufsatz „Gedanken über die Frage einer Vereinigung der christlichen Kirchen" zu vernichten und sein Erscheinen öffentlich zu bedauern, weil der Vatikan aus Rücksicht gegen den sächsischen Hof den Prinzen nicht maßregeln wolle. Prinz Max ist jedoch nach Rom zitiert worden, um Widerruf zu leisten.
Der holländische Kriegsminister hat sich infolge eines gegen ihn gerichteten Beschluffes in der Kammer entschloßen, zurückzutreten.
Der Kronprinz in Haidarabad.
Haidarabad (Vritisch-Jndien), 17. Dezbr. Der Kronprinz ist heute hier eingetroffen. Auf dem Bahnhöfe, der mit Flaggen in den Farben Deutschlands, Englands und des Nizamschen Reiches geschmückt war, hatten sich zum Empfange eingefunden der Nizam, der englische Ministerresident und das gesamte Ministerium, zahlreiche eingeborene und englische Offiziere, sowie Würdenträger. Der Kronprinz wurde von dem englischen Residenten begrüßt, der ihn mit dem Nizam bekannt machte. Sämtliche Anwesenden wurden vorgestellt. Der Kronprinz und der Nizam schritten die Front der Ehrenkompanie, die von einer englischen und einer nizamschen Truppe gestellt war, ab, wobei die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" und die „Wacht am Rhein", sowie andere deutsche Lieder spielte. Darauf bestiegen der Kronprinz und der Nizam den ersten Wagen. Auf dem Rücksitz nahm der englische Ministerresident Platz. In den nächsten Wagen fuhren das Gefolge und die Würdenträger. Englische und nizamsche Kavallerie stellten die Eskorte. Die Uniformen, die Livreen der zahlreichen Dienerschaft, sowie die grellfarbigen Kostüme der Volksmenge, die zu Tausenden die Straße umsäumten, bildeten bei dem grellen Sonnenschein ein überaus malerisches Bild. Die Stadt den Platz zu räumen. In hochherziger Weise erklärten deshalb die Vertreter der Firma Brüning nach der ersten Sichtung, noch weitere 20 Preise zu je 100 Mk. stiften zu wollen, um soviel tüchtige Arbeit wenigstens teilweise zu lohnen. Außerdem versprachen sie, noch 60 Arbeiten anzukaufen, von denen sie sich einen künstlerischen Gewinn versprachen.
Die eigentlichen Preise wurden schließlich nur künstlerisch hochstehenden Arbeiten zuerteilt, wobei das geschäftliche Interesse völlig zurücktrat. Dadurch wurden Entwürfe gekrönt, die sicher dem Verständnis des größeren Publikums noch nicht nahe stehen werden.
Das Vorgehen der Firma Brüning erhebt sich damit über eine rein geschäftliche Veranstaltung zu einer künstlerischen Sendung. Sie hat sich damit den aufrichtigen Dank aller Kunstfreunde verdient. Schon seit langem hatten diese gehofft, daß auch die Ausstattung der Cigarrenkiste einer künstlerischen Wandlung unterworfen würde. Der erste entscheidende Schritt ist getan. Nach dem starken Aufschwung, den im letzten Jahrzehnt unsere ganze Eeschmackkultur genommen hat, muß diesem Beginnen eine glückliche Zukunft verheißen werden. Es ist das unzweifelhafte Verdienst unseres Geschlechtes, daß es sich bemüht, ehrlicher zu empfinden. Mit der Verurteilung alles falschen Scheines muß auch die Abwendung von der Talmikultur unserer Cigarrenkiste Hand in Hand gehen. Die meisten Raucher wissen sehr gut, daß hinter den tönenden spanischen Namen und goldenen Medaillen der Cigarrenpackung keineswegs preisgekrönte Importen zu suchen sind. Dafür spricht allein schon der Preis der Durchschnittscigarre. Nur 14 Proz. aller Cigarren werden mit mehr als 6 Pfg. bezahlt, von diesen ganze 4 Proz. mit mehr als 10 Pfg. An wirklichen Importen kommen auf jeden Raucher ganze 2—3 Stück im Jahre. Warum soll also die auf deutschem Boden gearbeitete Cigarre, dem sie so oft auch noch das Kraut verdankt, der erlogene Glorienschein einer .Havanapackung" umgeben!
Ferttsprechattschlnh Nr. 230
1910
war festlich geschmückt. Der Kronprinz wohnt im Falkuma- Palast. Abends findet Illumination statt. Zahlreiche Deutsche aus allen Teilen Indiens sind hier eingetroffen, die den Kronprinzen bei der übermorgen stattfindenden Parade begrüßen werden. Bei dem schon gemeldeten Empfang auf dem deutschen Konsulat in Bombay hatte der Kronprinz jeden Einzelnen der über hundert Erschienenen ins Gespräch gezogen und lebhaftes Jntereße für die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältniße, besonders für die Beteiligung der Deutschen am wirtschaftlichen Leben gezeigt.
Der Modernisteneid.
München, 17. Dezbr. Mehrere katholisch-theologische Profefforen der Münchener Universität haben auf die Seelsorge verzichtet, um dem Modernisteneide zu entgehen. Ein Geistlicher des Hofklerus verweigert den Eid. Ein Universitätsprofeffor trat aus der Kirche aus.
Paderborn, 17. Dezbr. Die Professoren der philo, sophisch-theologischen Fakultät in Paderborn haben ihrem Bischof eine Erklärung abgegeben über den Modernisteneid. Die Professoren interpretieren die vatikanische Anordnung in dem Sinne, daß eine neue Verpflichtung ihnen nicht erwachsen werde. Unter dieser Auffassung erklären sie sich bereit, den Eid zu leisten.
Hus Ranau Stadt und Cand.
Hanait, 19. Dezember.
* Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau. Die am Samstag im „goldenen Löwen" dahier abgehalrene Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hanau hatte sich mit wichtigen und zahlreichen Beratuugsgegenstânden zu befassen, deren Erledigung sich in hohem Maße anregend gestaltete. Der Vorsitzende, Herr Landrat F r h r. L a u r, teilte zunächst den Inhalt der Eingänge mit und erwähnte vor allem ein Rundschreiben des Vorstandes der Landwirtschafts« kammrr für den Regierungsbezirk Cassel, in dem der Plan der Veranstaltung eines Trachtenfestes bei der nächstjährigen Ausstellung der deutschen Landwirtschafisgesellschaft zu Caffel dargelegt wird. Um die Liebe zur Heimat und dem Landleben überhaupt sowie um das Festhalten der Landleute an ihren altgewohnten, von den Vätern ererbten Trachten zu stärken, sind, so lautet das Rundschreiben, in verschiedenen Gegenden Deutschlands sogenannte Trachtenfeste gehalten worden, die stets großen Beifall gefunden haben. Eine solche Gelegenheit bietet für den hiesigen Regierungbezirk, in dem sich noch in vielen Kreisen die alten Trachten erhalten haben, die nächstjährige Ausstellung der deutschen Landwirtschafts- gesellschaft und es ist daher der Gedanke aufgetaucht, diese Gelegenheit, wo ja die Landwirte aus ganz Deutschland zu«
Solange die Cigarren fast ausschließlich aus den spanischen Kolonien als teurer Genußartikel eingeführt wurden, war gewiß diese Art Packung berechtigt. Sie entsprach in ihrer großsprecherischen Ueberladenheit und Süßlichkeit dem spa- nischenVolksempfinden, das dem unsrigen geradezu entgegengesetzt ist. Seit langem fertigt Deutschland seine Cigarren selbst. Ehrlichkeit des Herkunftsnamens und eine Packung, die unserem Wesen entspricht, wird bereits von vielen gefordert, wenn auch nicht vergeßen werden soll, daß diesen eine beträchtliche Zahl entgegensteht, die jeden künstlerischen Empfindens bar, sich von der alten, einmal eingeführten Schablone nicht trennen wollen. Zweifellos muß der Fabrikant mit dem Widerstand dieser Vertreter des ewig Gestrigen rechnen, er darf aber auch dafür mit der begeisterten Zustimmung aller derer rechnen, die in einer Förderung des Geschmackes eine Gewähr für ein gesundes Aufwärtsschreiten unserer ganzen Kultur erblicken. Diesen gehört die Zukunft, denn ohne sie kann Deutschland seine neuerwobene Stellung als Ursprungsland von Qualitätsleistungen nicht behaupten.
Ein Einspruch vieler Zweifler wurde jedenfalls durch den Erfolg dieses Ausschreibens glänzend widerlegt: daß es unmöglich sei, gute Muster von Cigarrenpackungen zu geringem Preis zu erwerben. Die deutsche Künstlerschast hat in diesem Wettbewerb gezeigt, daß ein unerschöpflicher Gedankenreichtum und eine hohe technische Fertigkeit in ihr wohnen. Es liegt also nicht an ihr, wenn in Zukunft nicht jede Packung ein kleines Kunstwerk an sich ist.
Ehrenpflicht des Publikums ist es fortan, auf einer guten deutschen Packung zu bestehen und dadurch den Händler zu zwingen, ihm solche vorzulegen. Keineswegs braucht eine künstlerische Packung teurer als eine geschmacklose zu sein, ja, man kann sogar erwarten, daß bei der größeren Einfachheit der künstlerischen Mittel eine Verbilligung der Packung und damit auch der Cigarre eintreten wird. Keineswegs deckt sich in diesem Falle Kunst und Luxus. Nur ein Rat sei dem Käufer und Händler freundlichst gegeben: