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Erstes Blatt.
Bezugspreis;
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus. «artige Abonnenten mit dem betreff. Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für AM- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellettistischer Beilage.
EinrSckungsgebvhrt
Die 5gespalkene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklamenteil die ZeUe 46 Pfg.
Verantwort!. Rebakteur: E. Schrecker in Hanan.
JJt. 286 Aernsprechattschlits; Nr. 230.
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16 Seiten.
Hierzu
„Amtliche Beilage Nr. 10",
Amtliches.
Stadtkreis kjanau. Bekanntmachung.
Die Wohnung im 2. Obergeschoß des Vorderhauses Nordstraße 42 ist vom 1. Januar 1911 ab zu vermieten. Auskunft wird in Zimmer Nr. 11 des Rathauses, 2. Obergeschoß, erteilt. Hanau den 1. Dezember 1910. 27065
Der Magistrat.
I Bekanntmachung.
Bei eintretendem Tauwetter dürfen Eis und Schnee im hiesigen Stadtbezirk nur an folgenden Stellen abgelagert werden:
1. Am Main (auf dem städtischen Kiesausladeplatz),
2. In der Ausschachtung hinter dem großen Viadukt der Frankfurt—Bebraer Eisenbahn,
3. Am Kinzigufer jenseits der Fallbachbrücke.
Sofern das Abladen von Eis und Schnee an anderen Stellen und an oder auf Wegen stattfindet, wird dasselbe nach Maßgabe der Polizei-Verordnung bestraft.
Hanau den 1. Dezember 1910. 27109
Der Magistrat.
Dr. Eebeschus.
Die Familie des am 9. Mai 1869 zu Hanau geborenen Goldarbeiters August Back muß hier aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden, weil Back sich der Unterhaltungspflicht entzieht, indem er sich von hier unbekannt wohin entfernt hat.
Falls sein Aufenthalt bekannt wird, bitten wir um sofortige Mitteilung.
Hanau den 2. Dezember 1910.
Der Magistrat, Armenamt. 27097 Hild.
Mittwoch Den 7. Dezember
Gcfiindtikt nnb verlorene Geoeiistäiide re.
Gefunden: 1 graues Portemonnaie mit 11,07 M., 1 schwarzer Pelz.
Verloren: 1 Damengürtel mit goldener Schnalle, 1 Gummimantel für Radfahrer.
Eingefangen: 1 zahmes Eichhörnchen.
Entlaufen: 1 schwarzer Dobermannpinscher mit neuem Halsband.
Hanau den 7. Dezember 1910.
Politische RundTdeae.
Der Kaiser nahm gestern die Vorträge des Reichskanzlers sowie des Chefs des Militärkabinetts entgegen.
Der Kaiser ließ am Dienstag den Reichstagsabgeordneten Oberregierungsrat a. D. Ulrich von Oertzen, dem Vorsitzenden der technischen Kommission des Union-Klubs, anläßlich seines 70. Geburtstages durch Freiherrn von Reischach die Ernennung zum Freiherrn, sowie seine Glückwünsche und gleichzeitig sein Bild mit seiner Unterschrift überbringen, das den Kaiser als Eardehusaren darstellt.
Frhr. v. Zedlitz, der Führer der Freikonservativen, hat aus Anlaß seines 70. Geburtstages am Dienstag u. a. eine Glückwunschdepesche des Reichskanzlers erhalten. Auch Fürst Bülow gedachte des Jubilars in einem herzlichen Telegramm.
Die Stichwahl im Wahlkreise Labiau-Wehlau ist auf den 16. Dezember angesetzt worden.
Krupp und Rußland. Die Firma Krupp soll sich, wie zuverlässig verlautet, bemühen, in Rußland die Konzession zum Bau einer Fabrik von Panzerplatten für Panzerschiffe zu erlangen. Die „Rowoje Wremja" benutzt diese Gerüchte zu heftigen Angriffen auf das Deutschtum.
Eine Aeußerung des Papstes. Wie ein in Rom erscheinendes Blatt meldet, hat Papst Pius zu einer hochgestellten Persönlichkeit dieser Tage wörtlich geäußert: „Wenn man mir ein Schriftstück vorlegt, welches durch die Hände des Kardinals Rampolla gegangen ist, so kann ich ruhig sein und ohne weiteres es unterschreiben." Daraus kann man ersehen, wie groß Rampollas Einfluß auf den Papst ist und wie sehr die Bedeutung Merry del Vals jetzt gesunken ist.
Parlamentarisches.
mb. Die Budgetkommission begann gestern die Beratung der im vorigen Tagungsabschnitt eingebrachten Fernsprechgebührenordnung. Die Vorlage sieht eine Grund- und eine Gesprächgebühr vor, während die bisherige Pausch- gebühr anfgehoben wird. Die Grundgebühr beträgt nach den Vorschlägen der Regierung in Netzen von 1 bis 1000
Aerttsprechaii schilt s; Nr. 230
1910
Anschlüssen 50 Mk., von 1001 bis 5000 Anschlüssen 65 Mk., von 5001 bis 20 000 Anschlüssen 80 Mk., von 20 001 bis 70 000 Anschlüssen 90 Mk. und in Netzen von mehr als 70 000 Anschlüssen für jede angefangenen weiteren 50 000 Anschlüsse je 10 Mk. mehr. Für jede hergeftellle Verbindung wird eine Einzel-Gesprächsgebühr von 4 Pfg. erhoben Der Teilnehmer darf sich vom Dritten einen Betrag bis zur Höhe der Gebühr erstatten lassen, die für die Verbindung bei Benutzung einer öffentlichen Sprechstelle zu entrichten wäre. Die Ferngebühren betragen nach den Vorschlägen der Regierung bis 25 km 20 Pfg., bis 50 km 25 Pfg., bitt 100 km 50 Pfg., bis 250 km 75 Pfg., bis 500 km 1 Mk., bis 7 50 km 1.50 Mk., bis 1000 km 2 Mk. und übe, 1000 km für jede weiteren 250 km 59 Pfg. mehr. Inzwischen haben zwischen der Reichspostverwaltung und Mitgliedern der Kommission Erörterungen statigefunden, die i» der Hauptsache zu einer Verständigung auf einer in einen Alttrag Nacken (Ztr.) formulierten Grundlage geführt haben Die Abstimmung wird vermutlich morgen erfolgen, indes ij die Annahme des Antrages wahrscheinlich. Fernsprech- gebührenordnung. § 1. Für jeden Anschluß an ein Fernsprechnetz wird eine Grundgebühr und entweder eine Gesprächsgebühr oder eine Pauschgebühr je nach Wahl des Teilnehmers erhoben. § 2. Die Grundgebühr bleibt so wie nach der Regierungsvorlage. § 3. Die Gesprächsgebühr lind die Pauschgebühr sind die Vergütungen für die Herstellung der Gesprächsverbindungen. § 4. Die Gesprächsgebühr beträgt 4 Pfg. für jede Verbindung. Die Pauschgebühr beträgt bei nicht über 2000 Verbindungen 75 Mk. jährlich, bei mehr als 2000 bis einschließlich 4000 Verbindungen 140 Mk. jährlich, bei mehr als 4000 bis einschließlich 6006 Verbindungen 200 Mk. jährl., bei mehr als 6000 bis einschließlich 8000 Verbindungen 250 Mk. jährl., bei mehr als 8000 bis einschließlich 10 000 Verbindungen 300 Mk. jährl. Die Höchstzahl der bei einem Anschluß zulässigen Ge'prâchs- verbindnngen beträgt 10 000 jährlich. § 7. Die in den §§ 2 und 4 bestimmten Gebührensätze können durch den Reichskanzler ermäßigt werden. § 8. Für die Benutzung der Verbindungsanlagen zwischen verschiedenen Netzen und Orten mit öffentlichen Fernsprechstellen werden Gesprächsgebühren erhoben. Sie betragen für eine Verbindung von nicht mehr als 3 Minuten Dauer bei einer Entfernung bis zu 15 Kilometer 10 Pfg., bis zu 50 Klm. 20 Pfg., bis zu 100 Klm. 50 Pfg., bis zu 500 Klm. 1 Mk., bis zu 750 Klm. 1.50 Mk., bis zu 1000 Klm. 2 Mk., über 1000 Klm. für jede angegangenen weiteren 259 Kilometer 50 Pfg. mehr. § 11. Die Bedingungen für die Benutzung der Ferniprech- einrichtungen und die Gebühren für den Fernsprechverkehr werden, soweit vorstehend nicht Bestimmungen getroffen sind, durch Anordnungen des Reichskanzlers festgesetzt, Unter anderem bestimmt der Reichskanzler die Zuschläge zu»
Kestkuuzert M Mmenlichichrs.
Die Stadt liegt noch im WerktagSrauche und spiegelt trüb im Fluß sich ab, da tönt uralt mit sanftem Hauche der Sonntagsgruß vom Turm herab. Des Erzes weitgetrag'ne Stimmen erschallen in den reinen Höh'n; die Sterne fangen an zu glimmen und fromm verstummet das Getön.
Dieser kunst- und stimmungsvolle, im polyphonen Stile angelegte, fünfstimmige „Turmchoral" von Vierling leitet das Konzert ein. Feierliche Sonntagsstimmung wird die andächtigen Zuhörer umfangen, während die Orgel durch das „Pastoral e" von I. S. Bach auf die bevorstehende Feier, die nach ihrem Inhalt ein musikalischer Advent- und Weihnachtsgottesdien st genannt werden darf, vorbereitet. Mit der herrlichen Altarie, „Bereite dich, Zion", aus dem „Weihnachtsoratorium" von Bach, erfolgt die Aufforderung, die Herzen für den Empfang des kommenden Erlösers zu bestellen, und der Ehor bekennt, daß die baldige Ankunft sehnlichst erwartet wird. Dieser Gesang, „O Heiland, reiß den Himmel auf," stammt aus dem Jahre 1623 und ist von C. Hirsch wirkungsvoll bearbeitet. Die Versicherung, daß der König der Ehren bald seinen Einzug halten wird, ist in der Sopranarie, „Erwach zu Liedern der Wonne!" aus Händels „Messias" gegeben. Der ewig schöne Chor, „Es i st ein R o s' entspränge n", Satz von M. Prätorius, gibt noch Aufschluß über die Abstammung, und dann folgt die Verkündigung der Geburt Christi' D a s R e z i t a t i v aus d e n „F e st z e i t e n", von C. Löwe, schildert die Szene auf dem Felde bei Bethlehem, und aus dem sich anschließenden Lobgesang der Engel vertreten durch den Chor, klingt die Freudenbotschaft, „Vom Himmel hoch, da komm' ich her!"
Bei dem Klange der Orgel über „Stille Rach t" von O. Thomas und dem ergreifenden 6stimmigen Chore „S e l' g e Stund e," von A. Becker sollen die Gedanken der Zuhörer länger an „heiliger Stätte" verweilen, „wo mit Gnaden Gott uns krönt in dem Einen, sündlos, reinen, der die Welt mit Gott versöhnt."
Der nächste Teil des Programms ist als eine „Weihnachtsfeier" gedacht und wird eingeleitet durch den Altsolo „Es senkt sich hehr und leise die st i l l e Nacht Hera b", von Reinecke. Dieses Lied und der „C h r i st b a u m" von P. Cornelius, führen im Geist in den Kreis schöner Familien, wo unter dem strahlenden Weihnachtsbaum die Mutter ihren andächtig lauschenden Kindern des Christkinds Lob und Preis singt: „O glücklicher Kreis, o festlicher Raum, o goldene Lichter am Weihnachtsbaum, o fröhliche Zeit, o seliger Traum!" Manche schönen Weihnachtserinnerungen mögen dabei den Konzertbesuchern vor die Seele treten. — Sie sollen recht lebendig werden durch die alte Weihnachtsmelodie „O du fröhlich e", über welche jetzt die Orgel eine Fantasie von Lux bietet. Noch drei der unvergleichlich schönen Lieder von Cornelius für Sopran folgen : „D i e H i r t e n", „Christus d e r Kinderfreund" und „Christkind", und dann schließt das Konzert mit dem von Eambke bearbeiteten fünfstimmigen Chore „Die König e", dessen Melody einem Cornelius'schen Liede entnommen ist u Wnröcns vierstimmigen Choral „Wie W™ !^ q Menschen, her.-, begleite, wird. Mit der M°«"UU^ ..O »J^ kind, halte treulich Schritt. D ■ ^ stcrn ° wand re mit! Der Stern der Lâ^^ ^ f^„ erhelle detn Zrel, so du s n , dein Herz dem Weihrauch Myrrhen und So-°,^>° ^ Knäblein hold ! „Schenk co v ° die geplante Festfeier. ~
II. Kummermusik-Abend der Frankfurter Quartett» Vereichnua.
() HaNaU, 6. Dezember.
Mit großer Spannung sah die treue Besuchergemeinde der Kammermusikab'ende der Frankfurter Quartettvereinigung (Hermann Hock, Fritz Dippel, Gotthold Graf, Heinrich Appunn) dem von dieser angekündigten Hugo Kaun- Abend entgegen. Zwar ist Hugo Kaun (geboren 1863 in Berlin, dort ein Schüler von Raif und Friedrich Kiel), hier kein Fremdling mehr, denn schon manche schöne Gabe seines Schaffens, von dem oben genannten Quartett zur Ausführung gebracht, haben wir von ihm gehört und zu bewundern Gelegenheit gehabt. Mancher er- ehrer und Kenner seiner Werke mag daher imr eine persönliche B-kann-schaft mit bem 0™»‘e" Meister, sich zu seiner imponierenden Hohe durch stetes Rrngen und noch dem Erlebnis manch bitterer Enttäuschung empor- geschafft hat, herbeigewunscht haben. Gestern rst jw ihnen und den zahlreichen Zuhörern, die den Saal der „Central- Halle" bis auf den letzten Platz füllten, vermittelt worden: Hugo Kaun hatte der Einladung der Quartettvereinigung Folge geleistet und damit alle seiner Harrenden in jubelnden Enthusiasmus versetzt. Das nur mit Kompositionen Kauns geschmückte Programm wurde mit dem Streichquartett in c=moll, op. 74 von der Quartettvereinigung eröffnet. Die Wiedergabe dieses ein eigenartiges Gepräge tragenden Streichquartetts zeigte, daß die Künstler sich mit ganzer Hingabe in den Geist der Tondichtung versenkt hatten. Mit größter Feinheit in der Gestaltung aller Einzelheiten und rhythmischer Energie wurde das Spiel, das ein gründliches Cichverstehen auszeichnete, durchgeführt, so einen ungetrübten Spiegel des schönen Werkes des Meisters bietend. Besonders die dankbare Musik des „im Menuett-Zeitmaß