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Umllidjts Organ für LiaLl- and FanLürris Kanan.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Rebakteur: 6. Geredet in van«.
KL 282 Herusprechanschlub Nr. 230.
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16 Seiten.
Gefinidciic und verlorene Gtsiciisinndt v‘
Gesunden: 1 Paar braune wollene Herren Handschuhe, 1 Zeitkarte von der Straßenbahn, 1 Sammettasche mit Portemonnaie mit 2 Mark, 1 lederne Pferdedecke, 1 Schlüsselring mit 3 kleinen Schlüsseln.
Verloren:3 große goldene Ohrringe (altes Muster), 1 weißer Kinderpelzkragen, 1 Hemmschraube, 1 goldener Herrenring mit großem Brillant, 1 schwarzes Herren-Portemonnaie mit 3.40 Mark, 1 braunes ledernes Damentäschchen mit einem Knäuel rotes Garn und mit einem Portemonnaie mit etwa 60 Mark Inhalt, 1 Herrenschirm (in einem Geschäft stehen gelassen),?^ Meter Eoldsoutache (zum Annähen für Kleidermacherin), in der Krämerstraße ein neues Portemonnaie mit 2.25 Mark Inhalt und einer Wochenfahrkarte Langenselbold-Hanau.
Zugelaufen: 1 etwa 4—6 Wochen alter grauer Hund, 1 Dobermannpinscher, m. Geschl., etwa 6—9 Monate alt
Hanau den 2. Dezember 1910.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanan, 2 Dezember.
* Von der Eisenbahn. Die Einnahme aus dem Personen- und Gepäckverkehr im preußischen Staatsbahngebiet betrugen im Monat Oktober d. I. 51 883 000 Mark (mehr gegen den gleichen Monat im Vorjahre 3 216 000 Mark), aus dem Güterverkehr 131 437 000 Mark (mehr gegen den gleichen Monat im Vorjahre 10 728 000 Mark). Das Mehr ist zum großen Teil auf den enormen Verkehr auf der Strecke Bebra-Frankfurt zurückzuführen.
* Kunstverein Hanan. Die Kunst-Ausstellung 1910 in den Räumen der Kgl. Zeichenakademie ist täglich geöffnet (vom 1. Dezember 1910 bis 5. Januar 1911) von 10—4 Uhr. Eintritt für Mitglieder frei. — Für Fremde 50 Pfg. Verzeichnis an der Kasse.
* Hanauer Eefchichtsverein. Morgen Samstag, nachmittags halb 4 Uhr, findet die Besichtigung der Marienkirche unter Führung des Herrn Regierungsbaumeisters B o d e statt.
* Familienabend des Kirchenchores der Iohanneskirche. Nächsten Sonntag den 4. d. M., abends >58 Uhr, veranstaltet der Iohanneskirchenchor in der Centralhalle einen Familienabend. Damit wird verbunden die 25jährige Jubelfeier eines Mitgliedes. Das reichhaltige Programm bringt eine Anzahl schöner Chöre, eine Ansprache, verschiedene Solis, instrumentale Nummern, lebende Bilder, Rezitationen und ein größeres, äußerst ansprechendes Singspiel in 1 Akt von W. O. Büchner. Auch einige Stücke heiteren Inhalts fehlen auf dem Programme nicht. Die instrumentalen Nummern werden diesmal von einer kleinen aus Mitgliedern des Chores sich zusammensetzenden Kapelle ausgesührt. Die getroffenen Vorbereitungen lasten erhoffen, daß den Besuchern des Abends einige genußreiche und Erholung bringende Stunden bevorstehen. Zu diesem Fami- licnabend werden die Mitglieder der Iohanncsgemeinde, Freunde, Verwandte und Bekannte der Mitglieder des Vereins, sowie Anhänger und Freunde des Gesanges ergebenst eingeladen. Der Eintrittspreis beträgt für Nichtmitglieder 20 Pfg.
Stabttheater. Heute wird im Abonnement A „Die luftige Witwe" und morgen bei volkstümlichen Preisen „Die Jungfrau von Orleans" gegeben. Sonntag nachmittag- kommt bei ermäßigten Preisen der zugkräftige „Graf von Luxemburg" zur Aufführung und abends zum ersten Male eine burleske Schwanknovität „Die goldene Ritterszeit" von Charles Marlowe, ein köstliches Stück, welches in London über 600 Mal in Szene ging und zu den originellsten Welken gehört, welche in den letzten Jahren überhaupt auf Bühnen erschienen sind. Die deutsche Uraufführung in Ber-
15 März d. I. im Neuen Theater entfesselte unbändige Heiterkeit und wir geben nachfolgend die Urteile einiger Berliner Blätter: „B e r l i n e r T a g e b l a t t": „Die goldene Ritterzeit." Gestern wurde herzlich im Neuen Theater gelacht. Die Berliner ließen sich von der guten i/aune eines Londoner Zugstückes anstecken, und sie brauchen sich ihrer Heiterkeit nicht zu schämen. Denn Charles Marlowes Burleske von der „goldenen Ritterzeit" bekennt sich ehrlich zu der unverzagten Derbheit der enalischen Posse.
Freitag neu 2. Dczemlicr
Sie bemüht sich weder um Esprit noch um Gemüt, und sie steuert stracks auf einen unanfechtbar lustigen Akt los. In diesem Akt träumt ein junger Varon seine eigene Lordschaft und seine gesamte Umgebung um sieben Jahrhunderte zurück, in die Zeiten des Faustrechts und der blanken Schwerter. Bevor er die halbe Flasche Whisky zu sich nahm, die seine Phantasie so sanft ermuntert, mußte er sich von einer romantischen Cousine um seiner profanen Passionen willen weidlich schelten lasten. Nun steht er plötzlich, im Smoking, unter seinen Vasallen. Die Cousine trägt das Nonnenkleid, der Pastor eine Mönchskutte, und der Eastfreund Isaakson von der Londoner Börse muß sein Lösegeld ohne Scheckbuch bezahlen. Die Kontraste sind wohlfeil. Aber man kapituliert vor ihrer Drastik, wenn das Schloßgefilde sich vordem Zauber einer Streichholzbüchse, einer Zigarettendose bekreuzigt, wenn der Burgherr das jus primae noctis fröhlich als die sympathische Begleiterscheinung einer rauhen Zeit begrüßt. Zum Schluß gibt es natürlich einen Zweikampf, der Panzer schlottert um das Gebein, und zum Gaudium englischer Herzen triumphiert der moderne Voxergriff über das alte Schlagschwert. Dieser Akt hat hier wie in London kräftig gewirkt. — „Berliner Morgenpost": „Die goldene Ritterzeit." Das Neue Theater hat gestern offenbar den Erfolg gefunden, den es so lange suchte. Es ist die wirksamste und handgreiflichste Verhöhnung, die der Feudalismus, die rückwärts schauende Romantik, die Mittelalterschwärmerei rückständiger Iunkerlichkcit erfahren kann. Zwar: die Spitze der Tendenz ist mit so viel burlesken Wattebäuschen umwickelt, daß auch ein ritterbürtiges Parkett sich mit einem kräftigen Lachen über sonstige Unannehmlichkeiten hinwegsetzen kann. Das Stück, das in London über 600mal gegeben worden sein soll, ist durch einen guten Einfall, der eine groteske Parodie auf der Vorzeit holde Romantik ermöglicht, unfehlbar wirksam. Wie nur sonst die allerkräftigste Poste. Da obendrein sehr lustig gespielt wird, ist der Erfolg selbstverständlich. Und wird mal auch seine Dauer haben. Es war gestern recht unterhaltend. Die Farce ist durchweg gut gemacht und hat den Vorzug auf einen trubligen zweiten Akt mit wüsten Parodieversen noch einen ganz lustigen dritten zu setzen. Cie läßt sich keinen erreichbaren Requisitenscherz entgehen und nutzt die Situation nach Kräften aus.
* Weihnachtsfeier des Gesangvereins Tonblüthe. Einer großen Beliebtheit und sehr starken Besuches erfreuen sich, neben konzertlichen Veranstaltungen, in Folge ihrer reichen und sehr geschmackvollen Darbietungen auch die Familien- Festlichkeiten der Tonblüthe. Zu letzteren zählt auch die Weihnachtsfeier, welche in Form.einer Abendunterhaltung mit Ball, am zweiten Weihnachtsfeiertage in den Sälen der „Centralhalle" stattfindet. Eifrig bemüht, auch die diesjährige Weihnachtsfeier den vorausgegangenen würdig anzureihen, hat das Vergnügungskomttce ein Programm zusammengestellt, welches das bis jetzt Gebotene noch übertreffen und durch seine Reichhaltigkeit und vorzügliche Wahl selbst den verwöhntesten Geschmack in dieser Beziehung befriedigen dürfte. Die Ausführung der einzelnen Nummern liegt in durchaus guten und bewährten Händen, welche für ein gutes Gelingen im Voraus bürgen, zumal die Proben schon jetzt auf das eifrigste betrieben werden. Es steht somit eine sehr unterhaltende und genußreiche Familienfeier zu erwarten und dürfte sich ein Besuch derselben sowohl für ältere als auch für jüngere Gäste sehr empfehlen. Liste zum Einzeichnen befindet sich bereits in Umlauf. Auch nehmen die Mitglieder Bestellungen auf Eintrittskarten entgegen.
* Turn- und Fecht-Club. E. V. Der monatliche Vereinsabend findet heute nach der Turnstunde in der Brauerei Kaiser statt.
* Senckenbergische Natnrforschende Gesellschaft. Die 8. Wistenschaftliche Sitzung findet statt Samstag den 3. Dezember, punkt 6 Uhr, Vortrag des Herrn Prof. Dr. H. Winkler, Tübingen „Ueber Pfropfbastarde und pflanzliche Chimären".
* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. ist am nächsten Sonntag der Eintrittspreis bis 1 Uhr auf 30 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) und für das Aquarium mit den Reptilienhäusern auf 20 Pfg. für alle ermäßigt. Um 1 Uhr wird der Garten für die Vormittagsbesucher geschlossen und von da an kostet es 1 Mark (Kinder 50 Pfg ) für den Garten und 50 Pfg. (Kinder 20 Pfg.) für das Aquarium
* Fahrlästige Tötung. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich gestern vormittag der Rottenführer Iohannes Keutel aus Bruchköbel zu verantworten, dem die Anklage zur Last legte, den Tod eines jungen blühenden Menschen durch Fahrlästigkeit verschuldet zu haben. Am Nachmittag des 19. August d I. waren eine Anzahl dem Anaeklaaten
6crufpr#d)Aiiid)hi6 Nr. 230 1910
unterstellter Nottenarbeiter auf der Strecke Hanau-Wins decken mit dem Verladen von Schienen, die von Umbauarbeiten herrührten und zwischen den beiden Gleisen lagerten, beschäftigt. Das Verladen der Schienen ging in der Weise vor sich, daß jede einzeln von 22 Mann auf Kommando etappenweise gehoben und auf ein weiteres Kommando „werft ab" auf den bereitstehenden Eisenbahnwagen geworfen wurde. Mit der Ausführung dieses Kommando- würde seitens Keutel der Vorarbeiter Meisbecker betraut, denn er selbst hatte sein Hauptaugenmerk der Strecke zuzuwenden, da es nicht ausgeschlossen war, daß eine Maschin* dieselbe postierte, oder Rangierbewegungen, durch welche den ausladenden Arbeitern Gefahr drohte, sich bis zur Verladestelle vorschoben. Auf den Wagen war auf die oben angegebene Weise bereits ein Haufen Schienen geworfen worden, der eine Höhe von ca. 40 Zentimeter erreicht hatte, das Hinaufwerfen wurde hierdurch begreiflicherweise erschwert. Von verschiedenen Arbeitern hierauf aufmerksam gemacht, ordnete Keutel an, daß die Schienen nicht mehr nbgeworfen, sondern abgelegt werden sollten. Von dem bas Kommando führenden Vorarbeiter und den am rechten Flügel aufgestellten Arbeitern ist diese Anordnung Keutel- aber nicht gehört worden. Während bei einer weiteren Schiene nun der rechte Flügel die Verladung nach dem früheren Kommando „werft ab" ausführte, beabsichtigt* der linke Flügel die Schiene abzulegen. Durch dieses ungleichmäßige Hantieren fuhr die 12 Meter lange und 8 Zentner schwere Schiene durch den von rechts aus erhaltenen Schwung retour und schlug dem 22jährigen Streckenarbeiter Georg Reuß aus Roßdorf derart wider die linke Kopfseite, daß das linke Schläfen-, Scheitel- und Nasenbein vollständig zertrümmert wurde und den augenblicklichen Tod bei jungen Menschen zur Folge hatte. Das Gericht nahm an, daß Keutel durch Außerachtlassung der erforderlichen Aufmerksamkeit, zu der er als Führer der Rotte verpflichtet war, den Tod des Streckenarbeiters verschuldet hat. Vor allem hätte er das zuletzt gegebene Kommando so korrekt zum Ausdruck bringen müssen, daß dieses auch von dem rechten Flügel gehört und zur Ausführung hätte gebracht werden können. Das Urteil lautete auf 3 Tage Gefängnis, diese Strafe hielt das Gericht als ausreichende Sühne, da Keutel während seiner 16jährigen Tätigkeit im Bahndienst sich stets als pflichttreu und zuverlästig erwiesen hat.
* Im katholischen Arbeiterverein wird morgen abend Herr Kaplan Trageser über „Das Wunder" sprechen. Wollen die Mitglieder recht zahlreich erscheinen.
* Vereitelter Diebstahl. In der Nacht vom 29. zum 30. v. M. wurde aus dem unverschlossenen Stalle des Bürgermeisters Kern zu Rothenbergen von unbekannten Tätern eine Kuh im Werte von 400 Mark zu entwenden versucht. Der Diebstahl wurde noch rechtzeitig durch einen Bahnbeamten aus. Rothenbergen, der von Niedermittlau kommend einen nach Rothenbergen führenden Wiesenweg benutzte, entdeckt. Der Beamte sah, daß sich auf einer seitlich gelegenen Wiese etwas bewegte und ging darauf zu. Bei seiner Annäherung ergriffen die Täter, es waren ihrer zwei, die Flucht. Die Kuh lief dann wieder nach ihrem Stall zurück. Von den Tätern fehlt jede Spur.
* Die Einsegnung des verstorbenen Herrn Ludwig Neresheimer findet heute nachmittag halb 4 Uhr (nicht um 5 Uhr, wie gestern angezeigt) im Friedhof-Leichenhaus* zu Aschaffenburg statt.
* Kranzspende. Der für den verstorbenen Silberwaren» fabrikanten Herrn Neresheimer von der Hanauer Ruder» gesellschaft 1879 gewidmete Kranz ist in dem Schaufenster des Blumengeschäfts E. Kraushaar nusgestellt.
§ Langenselbold, 1. Dezbr. (B a u w nfall.) Heute nachmittag kurz nach 1 Uhr ist die nordöstliche Giebelwand an dem Doppelneubau des Friedrich Hedderich hierselbst in bei Friedrichstraße zusammengcrutscht. Ein Menschenleben ist dabei nicht gefährdet worden, nur zwei Arbeiter habekt kleine Hautabschürfungen davongetragen.
() Langendiebach, 1. Dezbr. (Vortrag.) Der Ausschuß für Volksvorlesungen veranstaltet am nächsten Sonntag, abends halb 8 Uhr, im Saale zur „Stadt Hanau" einen von Herrn Redakteur O. Quint- Frankfurt a. M. übernommenen Vortrag über Heinrich Heine und seine Werk*. Der Vortrag wird erläutert durch Rezitationen Heinescher Gedichte, sowie durch Lieder, gesungen von dem Männer- und gemischten Chor. Der Eintritt beträgt pro Person 20 Pf.
^ Kochstadt, 2. Dezbr. Die in biefen Tagen hier stallsiudeude Allgemeine Geflügelausstrllnng hat mit dem heutigen Tage begonnen. Gestern erfolgte die Beschickung derjelben seitens der auswärtigen Aussteller und heute wurde die Präiniierulu» Wd> bit Serien Stèinaak - Sir^bei«.