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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Mt- null Landkreis Kanan.
im Neklamentell die Zelle 45 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Rebakteur: G. Schrecker in Hanau
Nr. 279
Fernsprechanschlust Nr. 230
Dienstag den 29. Novemvcr ^ s.rn„>r«cha»k»,uü R». 230
1910
Amtliches.
r Stadtkreis Ranau.
Wegen der Volks- und Viehzählung werden die städtischen Bureaus mit Ausnahme des Standesamts, der Sparkasse, des Gaswerks und des Schlachthofs am Donnerstag den 1. Dezember d. Zs. von mittags 12 Uhr ab geschlossen.
Hanau den 22. November 1910. 26121
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Die Entwürfe zu den Haushaltsplänen des gemeinsamen Betriebs- und Ausgleichsverlags und des Gaswerks für das Rechnungsjahr 1911 liegen vom 30. November d. I. ab 8 Tage lang im Stadtsekretariat, Rathaus, Zimmer Nr. 11, zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.
Hanau den 24. November 191Q. 26381
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Hild.
Zugelaufen in Großauheim beim Bahnwärter Koch eine junge Dobermannhündin.
Politische Rundschau.
Thronrede bei der Vertagung des englischen Parlaments.
Der König vertagte das Parlament mit folgender Rede: Ich spreche zu Ihnen zum erstenmal unter dem Schatten eines großen Unglücks, welches das Dahinscheiden meines geliebten Vaters verursachte. Ich erhielt aus allen Teilen meiner Besitzungen überreiche Beweise, daß der unersetzliche Verlust, der mich und meine Familie getroffen, von meinen Untertanen tief beklagt wird. Ich habe mich den Pflichten, wozu ich berufen gewesen, mit dem ernsten Wunsche gewidmet, den Fußstapfen meines geliebten Vaters zu folgen. Die Beziehungen zu den fremden Mächten sind andauernd freundliche. Der König spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die Fischereifragen zwischen Kanada, Neufundland und den Vereinigten Staaten durch das Schiedsgericht im Haag endgültig beigelegt werden, und gibt hierbei seiner besonderen Befriedigung Ausdruck, daß es möglich sei, so verwickelte und schwierige Probleme durch schiedsgerichtlichen Spruch zu erledigen, und hofft, daß die Entscheidung von beiden Parteien in dem Geiste ausgenommen werde, der dahin wirken müsse, den guten Willen zu vermehren. Der
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Zn No Km-M») am 5. Jezmdn 1910.
Wie bereits bekannt gegeben, ist der IT. Kammermusik- Abend der Frankfurter Quartett-Vereinigung (Hock-Quartett, Hermann Hock, Fritz Dippel, Eottholt Graf, Heinrich Äppunn) am 5. Dezember dem Schaffen Hugo Kauns gewidmet. Es dürfte deshalb von allgemeinem Jntereffe sein, über das Leben, Wirken und Schaffen dieses bedeutenden Mannes Näheres zu erfahren"). In unserer geräuschvoll arbeitenden Zeitepoche, in der es kaum möglich ist, ohne Lärm und Sensation die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ist es einem deutschen Tonsetzer doch gelungen, einzig durch seine Werke, ohne persönliches Hervortreten, ohne Cliquen- bildung und Reklame, sich in die Reihe unserer ersten schaffenden Künstler gestellt zu sehen.
Der Aufstieg zu den Höhen seiner Kunst ist Hugo Kaun nicht leicht geworden. Am Geburtstag des großen Johann Sebastian Bach (21. März) im Jahre 1863 ist Kaun in Berlin auf die Welt gekommen und früh schon zeigte sich seine musikalische Begabung. Als Tertianer am Realgymnasium trat er bereits mit einem Capriccio eigener Komposition vor die Oeffentlichkeit. Ohne daß seine Eltern von dem Vorhaben etwas wußten, wandte sich der junge, kaum 15jährige Kaun an die Königl. Hochschule für Musik in Berlin und bat, von einem Schüler Friedrich Kiels sechs Monate vorbereitet, um Aufnahme. Was er selbst kaum gehosft hatte, erfüllte sich ihm. Durch das Vorspielen einer Bach'schen Fuge erschloßen sich ihm die Pforten des Instituts. Jedoch Verkennung der offensichtlichen Begabung des neuen Schülers, der seinerseits von dem konservativen Geist
^., ^" ^"^^Ehenden Zeilen toben einesteils die Studie von Max Chop (Berlin) „Hua» Koun, sein Leben, Wirken und SÄaffen" (11. Jahrgang der Nbeinischen Musik- und Theater-Zeituna), andernteckS ein Artikel „Hugo Kann" von Georg Richard Kruse (Berlin) („Die Musik", 3, Jahrgang Heft 24) Verwendung gesunden.
König berührte sodann die Mission des Herzogs von Tonnaught, der das erste Parlament der Union in Südafrika eröffnete, und sprach die zuversichtliche Hoffnung aus, daß Südafrikas Fortschritt, Glück und Wohlergehen andauern mögen. Er nahm hierbei Bezug auf die Verwak- tungsreform Indiens und dankte dem Unterhaus, daß es für die Erfordernisse dieses Jahres in freigebiger Weise Fürsorge getroffen habe einschließlich der vermehrten Zuwendungen für die Flotte und der weiteren Ausgaben für Alterspensionen. Der König gab schließlich seinem Bedauern Ausdruck, daß die Konferenz zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Häusern des Parlaments gescheitert sei. — Der König unterzeichnete in einer Sitzung des Geheimen Rats seine Proklamation, wod rch das Parlament aufgelöst und das neue Parlament auf den 31. Januar 1911 einberufen wird.
Hus Hanau Stadt und Tand.
Annan, 29 November.
* Vaterländischer Frauenverein. Am 22. d. M. fand im unteren Saale des Rathauses die diesjährige Generalversammlung des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins statt. Die Vorsitzende, Frau Morin, berichtete, daß außergewöhnliche Anforderungen an den Verein nicht gestellt seien. An die Stelle des sein Amt niederlegenden Schriftführers wurde Frau Heraeus gewählt. An der Weihnachtsbescherung nahmen 197 Kinder teil, die dank der Zuwendungen reichlich beschenkt werden konnten. Herr und Frau Dr. Heraeus haben anläßlich ihres Jubiläums 1000 Mark geschenkt. Herr Böhm, der ersprießlich waltende Kaffierer, berichtet über den Stand der Kaffe. Die Rechnung schließt ab mit 3203 Mark für die Krankenpflege, mit 1110 Mark für die Wöchnerinnen, mit 1118 Mark für Weihnachtsbe- scherung. Die Flickschule, in der 144 Mädchen unterrichtet wurden, verlangte 404 Mark. 222 Kranke erhielten Eier, Fleisch, Milch, Wein und Krankensuppe. Es wurden ferner 155 Wöchnerinnen unterstützt, die fast sämtlich neues Kinderzeug erhielten. Für diesen Winter ist ein Kursus für die im Mobilmachungsfalle nötigen Helferinnen in Aussicht genommen. Mögen die Bestrebungen des Vaterländischen Frauenvereins auch fernerhin in unserer Bürgerschaft fruchtbaren Boden finden, damit er seiner mannigfaltigen Aufgabe auch in Zukunft gerecht werden kann.
* Stadttheater. Nachdem Franz Lehar mit keinem „Graf von Luxemburg" am hiesigen Stadttheater einen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte, indem sich dieses Werk auch jetzt noch andauernd des lebhaftesten Jntereffes erfreut, kommt am heutigen Dienstag (Abonn. B) diejenige Operette neu einstudiert zur Aufführung, mit welcher der nis zwischen den Lehrern und dem Lernenden aufkommen und abgeschreckt, aber nicht entmutigt, ging Kaun nunmehr seine eigenen Wege. Karl Roeif und später deffen Sohn Oskar wurden seine Lehrer im Klavierspiel und in der strengen des Instituts wenig erbaut war, ließ kein rechtes Verhält- Schule Friedrich Kiels reifte er zu dem hervorragenden Theoretiker heran, der das Werkzeug seiner Kunst heute selbst mit vollendeter Meisterschaft handhabt. Schwere Zeiten stellten sich ein. Dem noch nicht Zweiundzwanzigjährigen starb der Vater; dem rastlosen Streben des Idealisten nach Selbständigmachung trat die Welt mit ihrer brutalen Prosa entgegen. Kaun mußte sich zum Stundengeben für einen jämmerlichen Preis entschließen, um über eine Art fester Einkünfte verfügen zu können. Daneben übernahm er das Amt eines Chordirigenten und brachte mit seinem Feuereifer die seiner Leitung überwiesene, aus 120 gemischten Stimmen sich zusammensetzende Sänger- . schar gar bald auf ein hohes künstlerisches Niveau. Den mit heißer Sehnsucht Vorwärlsdringenden konnte jedoch diese Tätigkeit auf die Dauer nicht befriedigen und einer rascheren Entwickelung traten die allgemeinen Verhältnisse lähmend und hemmend entgegen. Von der innern und der äußeren Bewegungsfreiheit des Künstlers, wie wir sie heute errungen haben, war vor 25 Jahren noch herzlich wenig die Rede; das Philistertum stand vielfach noch im Vordergrund und lieh der Zeit ihre Signatur. Kein Wunder wenn Kaun seine Blicke über die Grenzen des von ihm innig geliebten Vaterlandes hinaus auf das freie Amerika richtete, wo das Spiel freier Kräfte den Mann als solchen mit seinem Können bereits voll zur Geltung brachte uns kein Vorurteil die Entwickelung hemmte. Im Februar 1887 schiffte er sich kurz entschlossen nach dem L°nde seiner Sehnsucht ein, um in Milwaukee als Musiklehrer- Dimgent und Komponist vor Anker zu gehen. Natürlich entbrannte hier der erbitterte Kampf um die Existenz aufs neuo. Die Klage Wilhelm Meisters: Wer nie fein Brot mit Tranen
berühmte Komponist seine Siegeslaufbahn begann und alle Welt in Staunen setzte, nämlich „Die l u st i g e W i t w e“. Es erübrigt sich, auf die Tonschönheiten sowie den hübschen Inhalt dieser bekannten Operette hinzuweisen, welche man immer wieder hören kann, und es sei nur hervorgehoben, daß dieselbe unter der Regie des Herrn Direktor Steffter auf das sorgfältigste neu einstudiert und ausgestattet ist. Beschäftigt ist fast das gesamte Personal. Morgen Mittwoch wird im Abonnement C „Wiener Blut" gegeben und am Freitag im Abonnement A „Die lustige Witwe" wiederholt. Am Samstag kommt in Anbetracht der enthusiastischen Aufnahme nochmals als Schülervorstellung bei kleinsten, volkstümlichen Preisen „Die Jungfrau von Orleans" von Friedrich von Schiller zur Aufführung.
* Deutsche Kolonialgesellschaft. Heute Dienstag den 29. November, abends pünktlich halb 9 Uhr, wird Herr Dr. Berger in der „Centralhalle" einen öffentlichen Vortrag betitelt: .Ji Afrikas Wildkammern" halten. Der Dortrag ist mit hochintereffanten Lichtbildern verbunden. Eintritt für Nichtmitglieder 25 Pfg. Mitglieder frei. Damen sind willkommen.
* Herbstversammlung des Kreisobstbauvereins. In Großkrotzenburg fand vorgestern die diesjährige Herbstversammlung des Kreisobstbauvereins, von den Ortsgruppen gut besucht, statt. Herr Landrat Frhr. Laurwar ebenfalls anwesend. In seiner Begrüßungsansprache gedachte der Vorsitzende, Herr Haupllehrer Hofacker- Ostheim, der vielerlei Erfolge des Vereins in den letzten Monaten, deren größter sei, daß nach jahrelangem Bemühen jetzt der Kreis den Wunsch des Vereins nach Anstellung eines Kreisobstbautechnikers erfüllt habe, ferner seien 3 Ortsgruppen gegründet worden, wodurch die Zahl 22 erreicht wurde. Auch die Kreisobstausstellung, deren glänzender Verlauf noch in aller Erinnerung lebe, habe überall, besonders auch in den Fachkreisen, Anklang gefunden. Er ermahnte die Vereine, auch in Zukunft fest zusammenzuhalten, damit die Arbeit des Vereins weiter von Erfolg gekrönt werde. Der Bericht über die Ausstellung und den Obstmarkt ergab eine lebhafte Debatte, doch kam man zu dem Schluß, daß der Vorstand hier eine große Arbeit geleistet habe, die anerkannt werden müsse. Herr Kreisobstbautechniker Walther referierte über den Obstmarkt und führte Klage über das geringe Jntereffe, das dieser Einrichtung entgegengebracht worden sei. Von 72 Anmeldungen seien nur 28 Verkäufer erschienen, sodaß die Nachfrage nach Obst, für das im allgemeinen ein guter Preis gezahlt wurde, nicht gedeckt werden konnte. Der Obstmarkt soll auch im nächsten Jahre wieder stattfinden und steht zu hoffen, daß die Produzenten dann dieser Institution, die doch in ihrem eigenen Jntereffe angeregt ist, mehr unterstützen. Der Vorsitzende teilte dann aß, sollte auch Kaun zum Bewußtsein kommen. Das erste Jahr, das ihn allmählich festen Fuß fassen ließ, strich langsam und schwer dahin, die Sorge war oft Gast im Hause. Zwei Dinge halfen verhältnismäßig leicht über die Misere hinweg: sein eigener Optimismus im Verein mit dem sonnigen Humor, und der eben begründete eigene Hausstand, der ihm in Clara Friedrich, einer gebürtigen Berlinerin eine treue, in seinen Lebensplänen völlig aufgehende Gattin zur Seite gab. Das alte Motto, daß ge> teiltes Leid halbes Leid, geteilte Freude doppelte Freude sei, wie oft hat es sich an den Beiden in der Zeit des Durch- ringens bewahrheitet. Am 26. Februar 1889 veranstaltete Kaun seinen ersten Kompositionsabend in Milwaukee, zugleich wohl das erste Konzert, das ein deutscher Tondichter mit eigenen Erzeugnissen in Amerika gab. Wer wagt, gewinnt! Die Hoffnungen, die Kaun auf den Abend gesetzt hatte, verwirklichten sich, allseitige Anerkennung ward ihm zu teil. Sein Ruf als Dirigent der Gesangvereine „Liederkranz" und „Milwaukees Männerchor" (letztgenannter steht heute noch an der Spitze des musikalischen Vereinslebens in Milwaukee) drang weit über die Grenzen der engeren Heimat hinaus. 1891 leitete Kaun das große in allen Einzelheiten glänzend gelungene viertägige Musikfest des nordwestlichen amerikanischen Sängerbundes.
Fünf Jahre hatte nunmehr Kaun in Amerika verbracht. Das Sehnen nach seiner deutschen Heimat machte sich mit so unabweisbarer Nachhaltigkeit geltend, daß er im Sommer 1892 einen Besuch des Vaterlandes ermöglichte. Das Wiedersehen der alten trauten Stätten, an denen er die Jahr« froher Jugend verlebt hatte, liehen ihm verdoppelte Kraft neuen Wirkens und Schaffens. Als erstes Produkt seiner erhöhten Energie, zugleich ein schönes Zeugnis für seins rührende Heimatliebe, haben wir seine Sinfonie Op. 29 für großes Orchester zu betrachten. Sie führt den Titel: „An mein Vaterland!" Diese Sinfonie sollte ihm die wichtigste Lebensfreundschaft eintragen — mit Theodor Thoma». de«