Erstes Blatt
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Verantwort!. Redakteur: E. Schreckeri» Hana»
S?L 278 ^ernsprechanschlttf; Nr. 230.
Montag neu 28. November
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Fernfprechattschluh Nr. 230
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1910
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14 Seiten.
AinMche«.
Eandhreis Ranau.
Ich mache auf den in Nr. 48 des diesjährigen Regierungs-Amtsblattes von dem Herrn Oberpräsidenten unter dem 3. d. M. veröffentlichten Nachtrag zu der Geschäftsan- weisung für die katholischen Kirchenvorstände und Ee- meindevertretungen in der Provinz Hessen-Nassau hiermit aufmerksam.
Hanau, 26. November 1910. V. 6695
Der Königl. Landrat.
Frhr. Laur.
Gefundene und ucrlorriit Genenstünde re.
Gefunden: 1 grauer Rucksack, 1 brauner Kindermuff.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 23—24 Mark, 1 brauner Muff mit mehreren Schweifchen.
Entlaufen: 1 Dobermannhündin, etwa N Jahr alt.
Hanau den 28. November 1910.
Politische Rundschau.
Dem Fürsten Bülow Abbitte zu leisten, sieht sich der ,Reichsbote" gezwungen. Das genannte Blatt hat am Dienstag einen Artikel veröffentlicht, dessen Inhalt auf die Behauptung auslief, daß Fürst Bülow in den Novembertagen 1908 dem Kaiser ein Vein gestellt habe und die damaligen Vorgänge „bestellte Arbeit", eine „fein eingefädelte Intrige eines hochstehenden Frondeurs" waren. Jetzt sieht sich der „Reichsbote" zur Veröffentlichung folgender Erklärung veranlaßt: In dem neulichen Artikel: „Demokratische Gefahr" wurden unter Bezugnahme auf die Kaiserbriefaffäre im November 1908 schwere Beschuldigungen gegen den Fürsten Bülow ausgesprochen. Der Verfasier versicherte uns, daß ihm die Vorgänge genau bekannt seien, und daß das, was er in diesem Artikel behaupte, tatsächliche Wahrheit sei. Daraufhin nahmen wir den Artikel auf. Nachdem nun aber der Verfasier aufgefordert wurde, die Beweise für seine Behauptungen zu bringen, brachte er uns einen Artikel, in welchem er einen Beweis auf Grund der Novembervorgänge und ihrer Kundgebungen antritt, der für ihn überzeugend sein mag, der es aber für uns und objektiv nicht ist, so daß wir uns veranlaßt sehen, unsererseits die schweren gegen den Fürsten Bülow gerichteten Beschuldigungen mit
©tabtiitattr in Hanan.
— Hanau, 26. Novbr.
„Kean" oder „Genie und Leidenschaft." Lustspiel in 5 Auszügen frei nach dem Französischen des
Alex. Dumas (Vater) von Ludwig Varnay.
Einen erlesenen Kunstgenuß hat gestern abend die Direktion unseres Stadttheaters mit der Aufführung des >eU längerer Zeit nicht mehr gegebenen fünfaktigen Schauspiels „Kean" oder „Genie und Leidenschaft" und des damit verbundenen Gastspiels des Herrn Rudolf Christians vom Neuen Schauspielhaus in Berlin vermittelt. Das Lustspiel ist bekannt, man kann es als Tragödie bezeichnen als die Tragödie des Genies, das über die Dämme der Alltäglichkeit hinwegschäumt, sich die mächtigen Flügel der Leidenschaft wund stößt, die quellende Flut seines Fühlens verdorren sieht, die Tragödie
^"""^en seiner Genialität Unverstandenen, der |d) he Bild) aber doch die rechte Brücke findet, die ihm die Gewähr innerer Befriedigung vermitteln kann. Herr Dubois Christians, der uns den „Kean" vorführte, hat alle Erwartungen, die man an sein Auftreten zu knüpfen berechtigt war, erfüllt. Sein sicheres Spiel, seine stimm- ncye Leistungsfähigkeit in allen wechselvollen Lagen der Wandlung des Stückes vermochte er in glänzendem Lichte zu ze»gen. Die lodernden Flammen der Liebe zu dem begehrten Weibe, das zügellose Eenußleben, das er- !O""brnde Seelendrama mit dem schließlichen Wahnsinns- ausbruche, gab er mit triumphierender Natürlichkeit, die
Ostung namentlich in den letzten Aufzügen, da er lid) ansanglich weise Beschränkung auferlegte, zu einem erlesenen Genuß gestaltete und ihm von Szene zu Szene rauschenden Beifall erbrachte. Es ist begreiflich, daß gegenüber einer alles beherrschenden Rolle, wie der des „Juan“, die noch daru von einem erstklassigen Künlller
Bedauern, daß sie im „Reichsboten" ausgesprochen wurden, zurückzunehmen.
Eine Abordnung der Zeichenlehrer beim Kultusminister. Eine Abordnung des Landesvereins akademisch gebildeter Zeichenlehrer Preußens wurde vorgestern vom Kultusminister empfangen. Der Minister erklärte, daß von einer Verkürzung des Freihandzeichnens keine Rede sei und ermächtigte die Abordnung, den darüber verbreiteten Gerüchten entgegen zu treten. Er stellte den Zeichenlehrern anheim, hinsichtlich der Erweiterung des Studiums auf drei Jahre und eines Fortbildungskurses im linearen Zeichnen eine Eingabe an ihn zu richten.
Massenpetition der Privatangestellten für ein einheitliches Versicherungsrecht. Mehr als 50 000 Unterschriften von Privatangestellten der verschiedensten Berufe bedecken die Petition, welche die Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten soeben dem Reichstage übergeben hat, um ein einheitliches soziales Versicherungsrecht für Arbeiter und Angestellte zu fordern. Ein Beweis dafür, wie tief auch in den Kreisen der PrivatangesteNten der Gedanke einer Versicherung sämtlicher Arbeitnehmer- kategorien auf gemeinschaftlicher Grundlage Wurzel geschlagen hat. Als der geeignetste Weg für die Erreichung dieses Zieles wird der Ausbau der Invalidenversicherung gelegentlich der durch die Reichsversicherungsordnung bedingten allgemeinen Reform des gesamten staatlichen Versicherungswesens vorgeschlagen. Leider hat es die Reichs- tagskommiffion versäumt, bei der Beratung des Versicherungsgesetzes nach dieser Richtung hin irgend welche Schritte zu unternehmen. Doch noch ist Hoffnung, daß sich das Plenum der besseren Einsicht nicht verschließen wird. Der Reichstag würde dem Angestelltenstande einen schlechten Dienst erweisen, wenn er den Wünschen einzelner Gruppen der Privatbeamten zuliebe auf diese Einheitlichkeit Verzicht leisten und ein Sonderrecht für die Angestellten bevorzugen würde, dessen Erreichung abgesehen davon, daß sie mit unübersehbaren Schwierigkeiten verbunden ist, sich auch noch auf lange Zeit hinausziehen dürfte.
Wanderhaushaltungskurse in ländlichen Gemeinden, wie solche seit Jahren im Königreich Sachsen durch den Landesverein für innere Mission, in Rheinland und Westfalen durch die Frauenhilfe und in der Provinz Hannover durch Frauenvereine abgehalten werden, finden auch in Schleswig-Holstein statt. In jüngster Zeit hat diè Landwirtschaftskammer für Schleswig-Holstein beschlossen, diesen Zweig sozialen Wirkens planmäßig zu fördern. Sie hat für diesen Zweck folgende Grundsätze aufgestellt: 1. Die Einrichtung von Wanderhaushaltungskursen wird für nützlich und wünschenswert gehalten. 2. Träger der Einrichtung sind in der Regel die Kreise; neben diesen mögen auch die Orts
gegeben wird, die übrigen Partien etwas in den Hintergrund treten. Doch ist mit Genugtuung hervorzuheben, daß sich die Mitglieder unseres Ensenbles mit Liebe und Hingabe der Lösung ihrer Aufgaben widmeten. Wir nennen vor allem die Damen Frl. Alide Ballin als „Gräfin Coefeld" und Frl. Rubens als „Anna Danby", die in sieghafter Weise sich trefflich in die wohlgelungene Vorstellung einfügten, dann in kleineren Rollen Frl. Arens als „Gräfin Anna Eoswill", Frl. Clara Nathusius, Frl. Gumprecht, Frl. Barthel. Die männlichen Nollen waren ebenfalls in guten Händen. Herr Mothes, der in bewährter Weife die Regie führte, gab den „Lord Melvill" mit treffenden Strichen, Herr Hugo Freytag als „Prinz von Wales" spielte überzeugungsvoll, Herr K l i e w e r stellte als „Graf von Coefeld" wiederum eine treffliche Maske auf die Bühne, weiter waren noch u. a. beschäftigt die Herren Carl Alb. Wagner, Willy Schneider, Max Grundmann, Bruno Reichhardt, I. Wallbrück, A. Schmitt.
— Hanan, 27. November.
»Der Graf von Luxemburg." Operette von Lehar.
Bei der am Samstag stattgefundenen Wiederholung der zugkräftigen Operette „Der Graf von Luxemburg" spielte infolge Erkrankung des Herrn Willy Schneider Herr Alfred i Läutner vom Stadttheater in Vonn den „Vasilowitsch" j mit recht hübschem Erfolg. Seine schon bei einem früheren Auftreten im „Fidelen Bauer" hier bestens gewürdigte Darstellungskunst, die in diesem Falle auch durch annehmbare Stimmittel Unterstützung findet, verhalf ihm auch bei seinem erneuten Auftreten zu reichem Erfolg.
„Wiener Blut." Operette von I o h a n n S t r a u ß.
Mit großem Erfolge ging Sonntag nachmittag tote melodiöse Operette »Wiener Blut" nochmals über Öle
gemeinde, die Provinz und, wenn möglich, auch der Staat beteiligt werden. Die Provinz, der Staat und die Gemeinde sind um Gewährung von Beihilfen zu ersuchen. Die Landwirtschaftskammer ist sofern zu beteiligen, als ihr eine Mitwirkung an der Einrichtung und Beaufsichtigung der Kurse durch ihre Organe eingeräumt wird. 3. Die Kurse sind für schulentlassene Mädchen und eventuell auch für Frauen bestimmt, die nicht in der Lage sind, sich die weitergehende berufliche Ausbildung in einer landwirtschaftlichen Haushaltungsschule anzueignen. 4. Die Leitung der Kurse darf in der Regel nur staatlich geprüften Lehrerinnen für Haushaltungskunde übertragen werden. 5. Jeder Kursus dauert acht Wochen; dem Unterricht ist der von der Landwirtschafts- kammer festgestellte Lehrplan zugrunde zu legen. Handarbeitsunterricht ist aufzunehmen, wenn eine geeignete Lehrerin und die genügende Zeit vorhanden ist. 6. Die Landwirtschaftskammer hat sich in ihr geeignet erscheinender Weise mit den Kreisen zwecks Einführung der hauswirtschaftlichen Kurse ins Vernehmen zu setzen.
Mit dem Moabiter Krawallprozetz beschäftigt sich die „Nordd. ANg. Ztg." in ihrem Wochenrückblick. Das offiziöse Blatt knüpft an den Verhandlungen folgende Vetrach- tung: Der Moabiter Krawallprozeß zieht sich bereits durch die zweite Woche hin, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Die Taktik der Verteidigung geht auf breiteste Auswälzung des Stoffes nach einer bestimmten Richtung: es kommt ihr darauf an, die polizeilichen Maßnahmen während der kritischen Tage als brutal, provozierend und unüberlegt darzustellen, die Beamten als kopflos, gewalttätig, ihrer Aufgabe nicht gewachsen erscheinen zu lassen. Unsere pro- zeffualen Formen gestatten der Verteidigung den weitesten Raum zum Aufbau ihrer Stimmungskulissen, und nicht umsonst ist zu diesem Prozeß die Elite der sozialdemokratischen Anwaltschaft aufgeboten worden. Wenn sich der Krawallprozeß mehr und mehr zu einem politischen Tendenzprozeß entwickelt, so arbeitet nicht der Vorsitzende und auch nicht der Staatsanwalt nach dieser Richtung hin, sondern die Verteidigung, die hier eine doppelte politische Aufgabe vor sich sieht, nämlich die sozialdemokratische Partei von ihrem Teil der moralischen Verantwortung an den Krawallen zu entlasten und die Polizei als Teil unserer Staatseinrichtungen nach Kräften zu diskreditieren. Angesichts dieser so offen zutage tretenden Bestrebungen ist es überaus bedauerlich, daß einige bürgerliche Blätter in Stimmungsbildern aus dem Gerichtssaal gerade das tun, was der Sozialdemokratie zur Unterstützung ihrer Taktik erwünscht ist: sie behandeln als erwiesen, was die Verteidigung sich zu beweisen bemüht, und sehen die Polizei und ihr Vorgehen in Moabit ohne Zaudern durch die Brillen an, die im Interesse der Sozialdemokratie für die öffentliche Meinung zurecht ge«
Bretter. Die Freude, das hübsche Werk nochmals anhören zu können, war umso größer, als anfangs sich ihrer Wiederholung Schwierigkeiten entgegenstellten durch die Unpäßlichkeit des Herrn Willy Schneider, der schließlich aber doch noch, sichtlich mit den Spuren der Krankheit behaftet, in die Bresche sprang und seine Rolle zur Durchführung brachte, wofür wir ihm doppelte Anerkennung zollen miiffen. Die Aufführung war wiederum als prächtig gelungen zu bezeichnen. Darstellerisch wie gesanglich boten die in den Hauptpartien beschäftigten Damen und Herren Vorzügliches, ebenso trefflich gelungen fügten sich die in den Nebenrollen tätigen Mitglieder des Ensembles ein, wodurch der Operette ein Erfolg zu Teil wurde, der der Direktion unb dem Personal zur Ehre gereicht.
„Taifun*.
Schauspiel von Melchior Lengyels.
Die Wiederholung des Dramas „Taifun" (Sonntag abend), das interessante Streiflichter auf das Leben und Treiben der japanischen Kolonien im Auslande wirst und recht treffend auch den Gegensatz herausgearbertet hat, der zwischen dem europäischen Denken mit seinem scharf zugespitzten Persönlichkeitsbewußtsein und der auf unbedingtem ^usammengehalt gestützten japanischen Weltanschauung besteht fand ein ausverk iuftes Haus, das der Novität mit Spannung folgte und den Künstlern, vor allen Direktor Steffter als Tokerama, rauschenden Beifall zollte.
Albumblätter.
O müde Seele, sink' nicht haltlos nieder,
Unb wünsche nicht, ist dir das Glück zuwider, O wür'8 vorbei I
Verzage nicht, gebrauche deine Flügel!
Sieh, nur noch über einen kleinen Hügel,
Und du bitt frei: U, CUtü