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General-Anzeiger

Elnrückungsgevü-rt

Die Fgefpakkene Petitzeile oder deren Raum 20 P^

Die einzelne Nummer tostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amililhes Organ für Stubb und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Sieflamenteil die Zeile 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker tu Hamo»

Nr. 262 K«r»spr«ch»»s<hluk Nr. 830.

Dienstag vc« 8. November

Ferttsprechauschlttsr Nr. 230.

1910

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmochnnq.

Die Ruhezeit der Gräber der Abteilungen F und G des -»hiesigen Friedhofes zu beiden Seiten des Hauptweges hinter dem Friedhofsgebäude bis zum ersten Querweg be­legen ist abgelaufen. Die noch unterhaltenen Gräber dieser Abteilungen sind bis zum 1. April 1911 zu räumen. Einfassungen, Platten, Kreuze und Denkmäler, welche bis zu diesem Zeitpunkte nicht entfernt sind, gehen gemäß § 4 Nr. 6 Abs. 3 der Friedhofs-Ordnung in das Eigentum der Stadt über.

Für die Folge sind diese beiden Abteilungen für Fami- lienbegräbnispläße bestimmt. Die Gebühr hierfür beträgt für die äußere Reihe 200 Mk., für die inneren Reihen 150- Mk. Falls Hinterbliebene der noch unterhaltenen Gräber beabsichtigen, diese neu zu erwerben, oder glauben, noch ein Anrecht auf diese Plätze zu haben, wollen sie sich 1~ letzteren Falles unter Vorlegung der Beleihungsurkunde auf dem Rathause, Zimmer Nr. 9, melden. Ist für diese Gräber, um sie dem neu aufgestellten Belegungsplane an= zupassen, eine Umbettung erforderlich, so fallen die Kosten .dieser Umbettung den Berechtigten zur Last.

Hanau den 27. Oktober 1910.

Die Friedhofs-Kommission. 24361

Bekanntmachung.

Die im Hofe der Kanalmühle lagernden alten Bau­materialien (Eisen, Zink, Messing, Blei, Holz usw.) sollen daselbst am Mittwoch den 9. d. M., nachmittags 3 Uhr, ge^en sofortige Barzahlung öffentlich versteigert werden.

Hanau den 4. November 1910. 24381

Stadtbauamt I.

Die öffentliche Vorführung der Hengste des Königlichen Landgestüts Dillenburg findet am Dienstag den 15. No­vember 1910, vormittags 11 ^ Uhr, statt.

Anschließend daran ein gemeinsames Essen.

Anmeldungen über Teilnahme am Festesten werden bis 10. November d. Js. an das Landgestüt Dillenburg erbeten.

Königliche Eestütdirektion Dillenburg. V 6439 j Gcfiiii-tilt und verlorene Gegenstände rc. Gefunden: 1 Damenschirm, 1 Filigranbrosche, 1 Schlüsselring mit 5 kleinen Schlüsseln.

Festkonzert des Lehrcrsängcrchors.

H a n a u den 6. Novbr. 1910.

Aus Anlaß seines 25 jährigen Bestehens hat der Lehrer- Sängerchor eine Festschrift herausgegeben, mit viel Liebe und großer Sorgfalt bearbeitet von Herrn Wilh. Z a e n e k e, der die Entstehung und den Werdegang des Vereins schildert und darlegt, wie es der Jubilar stets als seine vornehmste Pflicht gehalten hat, aus vollem fröhlichen Herzen das Lied zum Preis des Vaterlandes, der Heimat, der Liebe, der göttlichen Natur in allgewaltigem Drange ertönen zu lassen. Mit seiner Jubiläumsfeier hat der Lehrersängerchor nicht eine ziellose, inhaltsleere, nur der Zerstreuung geweihte Lebensperiode zu Grabe geleitet, son­dern eine Vergangenheit, die voll war von idealem Streben, voll erhebenden Momenten. Nun winkt die Zukunft, hohe, sittliche erzieherische Aufgaben sind zu erfüllen und von diesem Gesichtspunkte aus sind die Veranstaltungen des Lehrersängerchors zu betrachten. Für sein Festkonzert hatte der Verein nun auch ein Programm gewählt, das nach jeder Richtung hin beachtenswert und ebenso anziehend als ab- wetljielungsrei^ zu bezeichnen war und für das musikalische cs Vereins und seines Dirigenten Herrn Lehrer Wllh. Hamburger gutes Zeugnis ablegte. Die Dar­bietung der Schubertschen KompositionDie Allmacht", für Mannerchor mit Begleitung von Blasinstrumenten be­arbeitet von Heinrich Zöllner, bildete die Einleitung des : Chor Programms. Zum Gedenken Schumanns erklang dann der besonders wirkungsvolle und ansprechende Chor aus Der Row Pilgerfahrt":Waldlied", mit Begleitung von 4 Hörnern und Posaune. Von Kompositionen klassischer Meister war ferner F. SchubertsNachthelle" vertreten, dann wurden gebotenEnglisches Madrigal" (An einem Bächlein) von R. Waelrent undLiebchen im Grabe" von O. v. Othegraven, sowie, dem Andenken Silchers gewidmet, die Volksweisen .Hie Köniaskinder" und JD wie Herbe ist

Stehengeblieben: 1 Damenschirm bei dem Oekonomen Jean Jäger, Hospitalstratze 11, Empfangnahme dasebst.

Verloren: 1 grünseidener Damenschirm, 1 braunes Lederportemonnaie mit einem 5-Markstück, 10 Er. Platin, 1 Damenschirm, 1 weißer Spitzenkragen, 1 goldene Brosche mit weißer Perle, 1 rotes Kindertäschchen mit Taschentuch, 1 goldene Broschennadel mit blauem Stein, 1 Damenschirm ohne Griff (gez. M. v. R.).

Zugeflogen: 2 weiße Tauben.

Hanau den 8. November 1910.

Politische RundTchao.

Ein Nationalgeschenk für den Kaiser. In Danziger Ma- ! rinekreisen ist der Gedanke aufgetaucht, den 15. Juni 1913, ä den Jubiläumstag der 25jähr. Regierung Kaiser Wil- Helms II. durch eine dem Monarchen dargebptene besondere Stiftung des gesamten Volkes zu dauernder Stellung zu bringen. Man hält hier eine neue, entsprechend ausge­stattete Kaiserjacht, die nicht, wie die allmählich altge­wordeneHohenzollern", der Reichsmarine-Verwaltung ge­hört, sondern persönliches Eigentum des Kaisers sein soll, für besonders geeignet; wie solche komfortable Jachten der König von England und der Kaiser von Rußland besitzen. Die Kosten dieser Spende würden nach Ansicht der Anreger dieser Idee durch eine freiwillige Nationalsubskription an der sich Jeder, wenn auch mit kleinen Beiträgen, beteiligen kann, ohne Schwierigkeiten aufzubringen sein.

Neichsverband der deutschen Presse. In einer am Sonn­tag in Berlin stattgefundenen Versammlung aller bedeuten­den Pressevereine wurde die Gründung eines Reichsver­bandes der deutschen Preste beschlossen.

Die Reichsschuldenlommission ist in Jena unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, des Wirkl. Geh. Oberregierungs­rat Dr. Kelsch, zur Beratung zusammengetreten.

Industrie und Reichsfinanzreform. In einer kürzlich er­schienenen Broschüre, die sich mit den öffentlichen Lasten der Industrie in Deutschland beschäftigt, hat einer der sach­kundigsten und eifrigsten Vertreter industrieller Jnteresten, der Geschäftsführer des Vereins der Industriellen des Re­gierungsbezirks Köln Paul Steller, auch die Wirkungen der Reichsfinanzreform auf die Industrie behandelt. Er kommt dabei zu einem wesentlich andern Urteil als die Männer des Hansabundes und alle diejenigen, die sich nicht genug tun können in der Schwarzmalerei dieser Wirkungen. Um das Schlußergebnis seiner Untersuchungen gleich vor­wegzunehmen, so lautet dasselbe dahin, daß die jüngste Reichsfinanzreform die steuerlichen Lasten unserer Industrie nur in ganz geringfügigem Maße erhöht hat. Was zunächst

das Scheiden". Den Beschluß bildete das Werk eines neueren MeistersFrühlingsnacht" von M. Filke, für Männerchor, Sopransolo, Klavier und Streichquintett. Bei jeder ein­zelnen Chornummer war voller Stimmklang, gute musika­lische Phrasierung, Reinheit der Intonation zu konstatieren. Es zeigte sich so recht der Erfolg gewisienhaftester, eifrigster Arbeit, die gute Schulunq des Stimmaterials. Unter der bewährten Leitung seines Dirigenten des Herrn Hamburger feierte der Männerchor Erfolg auf Erfolg. Als Mit­wirkende verzeichnete das Programm Frau Martha Schauer-Bergmann, Konzertsängerin aus Breslau (Sopran), Herrn Hofpianist Alfred Hoehn aus Frankfurt a. M. und die Hanauer Stadtkapelle. Herr Alfred Hoehn, der ja dem Hanauer Konzertpublikum schon bekannt ist, hat auch mit seiner Leistung am Samstag gezeigt, daß er ein ausgezeichneter, technisch und musikalisch gleich gut geschulter Pianist ist. Die Wiedergabe von Bach und Beethoven (Präludium und Fuge", Fsmoll, undSonate appassio- nata") war klar, eindringlich und sehr lebendig. Auch durch die Wiedergabe des KraftstückesEludes sympho- niques" von R. Schumann wurde gezeigt, daß der Künstler, was die Technik des Spiels betrifft, den Höhepunkt der Vollendung erreicht haben dürfte. Seine Fingerfertigkeit ist erstaunlich, seine ausdauernde Kraft bewundernswert. Dabei ist er, wie schon erwähnt, eine durchaus musikalische Natur. Der ihm gespendete große und andauernde Beifall bewog ihn zu einer Zugabe. Die Konzertsängerin Frau Martha Schauer-Bergmann aus Breslau hat allerdings, was wir nicht verhehlen wollen, etwas ent­täuscht. Ihre Tonbildung ist falsch, sie steckt im Halse, den hohen Tönen geht die Biegsamkeit ab, ihr Vortrag der Arie der Delila ausSamson und Da lila 6^9 neben nicht zu verkennenden Lichtseiten auch e - treibungen. Besser gefiel uns dann ihre Darbietung der BalladeFrau Mette" von E. v. VrUborth sowie dre Wiederaabe vonDas war im ersten Lenaebitrahi von V.

den auf indirekten Steuern beruhenden Teil der Reichs­finanzreform betrifft, so sind die durch die Erhöhung der Branntwein-, Bier- und Tabaksteuer den Brennereien, Brauereien und Tabakfabriken auferlegten Steuern, wie Steller mit vollem Recht bemerkt, keine Betriebs-, sondern Verbrauchssteuern, die auf die Verbraucher abgewälzt wer­den sollen und auch tatsächlich abgewälzt wurden. Der Ver- faster zieht zum Beweise hierfür die Dortmunder Unions­brauerei heran, die in ihrem Geschäftsberichte ausdrücklich feststellt, daß durch Vereinbarung mit den Wirten eine Bierpreiserhöhung ins Werk gesetzt sei, die den Brauereien einen Ausgleich bietet für die in den letzten Jahren durch die Reichsgesetzgebung und kommunale Maßnahmen ver­ursachte Steigerung der Selbstkosten. Die genannte Brauerei ist daher in der Lage, auch in diesem Jahre die gleiche Divi­dende wie im Vorjahre, nämlich 20 v. H., zu verteilen. Das ist gewiß ein sehr anständiger uüd netter Reingewinn, und unsere Landwirte würden sicherlich froh sein, wenn ihr Be­trieb auch nur den vierten Teil hiervon einbrächte. Aber auch von den Vesitzsteuern der Reichsfinanzreform ist die Industrie, wie dies unser sachkundiger Gewährsmann schlagend dartut, nur in ganz geringfügiger Weise betroffen worden. Denn die Wechselstempelsteuer, die Schecksteuer, bi* Grundstücksübertragungssteuer usw., die erhöht oder neuein­geführt sind, haben für die Industrie keine erhebliche Be­deutung. Die unmittelbare und eigentliche Belastung der Industrie beschränkt fich vielmehr im wesentlichen auf die den Aktiengesellschaften durch die Aenderungen des Reichs­stempelgesetzes erwachsenen besonderen Steuerauftagen. Durch die Aenderung des Reichsstempelgesetzes ist bekannt, lich der Ausgabestempel für Aktien von 2 auf 3 v. H., für Kuxe (Bergwerksanteilscheine) von 1,50 Mk. auf 5 Mk. für das Stück, für Schuldverschreibungen von sechs Zehntel v. H. auf 2 v. H. erhöht worden und ist gleichzeitig eine Zins­bogensteuer neueingeführt worden, die auf die zehnjährige Laufzeit von Zinsbogen (Talons) 1 v. H. für Aktien und 5 vom Tausend für Schuldverschreibungen beträgt. Ein großer Teil der Industrie, nämlich Einzelfirmen, Handels­gesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung, wird also von diesen Steuern überhaupt nicht betroffen. Für bestehende Industrie-Aktiengesellschaften aber kommt der Ausgallestempel nur insofern in Betracht, als sie neue Aktien oder Schuldverschreibungen ausgeben, ein verhält­nismäßig seltener Fall. Die meisten Jndustriegesellschasten haben gar keine öffentlichen Schuldverschreibungen, und von demjenigen kleinen Teile der Industrie, den diese erhöhte einmalige Stempelabgabe überhaupt nur angeht, wird die­selbe jedenfalls als eine merkliche Belastung nicht empfun­den werden. Ebenso wenig aber fällt endlich auch die fort­laufende neue Abgabe, welche die Reichsfinanzreform den

Tschaikowsky undIm Herbst" von R. Franz. Im Schluß chorFrühlingsnacht" hatte die Dame den Sopransole durchzuführen. Auch ihr wurde reicher Beifall gespendet Am Klavier wirkte Herr Gustav Altvater in gewohnter trefflicher Weise; die Mitglieder der Stadtkapelle führten ihre Aufgabe ebenfalls recht zufriedenstellend aus.

Das Konzert erhob sich weit über den Durchschnitt und stellte nicht nur den eifrigen, strebsamen und opferfreudigen Mitgliedern, sondern auch dem Dirigenten und seiner be­geisterten Hingabe an die Sache das ehrenvollste Zeugnis aus. Möge es dem Verein vergönnt sein, sich auf der be­schrittenen Bahn weiter zu vervollkommnen, möge er stets bedenken, daß die Kunst der Sonnenschein des Gemütes und der schönste Schmuck eines Volkes ist.

Kunst und Ceben»

Perfien, dem Land der Sonne "nd deS LSw-n, hat wohl bald das letzte Stündlein der Freiheit tragen Die beiden Konkurrenten England und Rußland sind nu noch nicht einig, wie weit das Drittel reichen f< das jed^ von ihnen für sich beansprucht. Sven Hedin hat Wen als junger Mann und dann jetzt wieder durchreist und die gan e orientalische Misere, den Glanz der Unabhangigk-.t Persiens" am eigenen Leibe verspürt. In der zweiten Liefe- runa seines neuesten WerkesZu Land nach Indien (2 Bände gebunden 20 Mk.) begleiten wir den berühmten Forscher hinauf auf das armenische Hochland, wo Christen und Mohammedaner in grausamem, blutigem Ringen begriffen sind. Hedin versteht es meisterhaft, im Rahmen einer fesseln­den Schilderung seiner interessanten Reiseerlebnisse ein ge­treues Gemälde von Land und Leuten zu entwerfen. Wir sind gespannt zu hören, wie Hedin die Durchquerung auf meist unbekannten Wegen gelang, aber auch was für den europäischen Handel und besonders für den deutschen, von diesem verlotterten Lande künftig ur erwarten UL