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Erstes Blatt.

Einrückungsgebührt

Bezugspreis?

Merkelfâbrlich 1.80 Mk.. monatlich 60 Pfg., Mr SUS- bärtige Avonnenten mit dem betreff. TofiaufiAtog.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Potatlonsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AAlliches Organ für L'taLt- und Landkreis Kasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die ägespaVtene Petitzelle oder deren Raum 20 Pfg, im Rellamenteil die Zeile 45 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schreckerin Hanau,

Nr. 258 Rmifyrtd)rtnM)ht& Nr. 230. Dvnnerslllg DCIl 3. Novemücl gernsprechattschltttz Nr. 230.1910

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14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachnnq.

Wir weisen darauf hin, daß nach den Vorschriften betr. die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hanau mit der Ausführung der Arbeiten zu den Abortanschlüssen erst begonnen werden darf, nachdem die Pläne dazu genehmigt worden sind und Anzeige von dem beabsichtigten Beginn der Arbeiten beim Bauamt erstattet worden ist.

Zuwiderhandlungen sind strafbar.

Hanau den 3. November 1910. 24163

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung.

Im Anschluß an die Bekanntmachung über die Neuwahl der Beisitzer und Ersatzbeisitzer des Kaufmannsgerichts mache ich bezüglich der Stimmzettel noch auf folgende Be­stimmungen aufmerksam.

Das Wahlrecht ist in Person durch Stimmzettel aus­zuüben, die handschriftlich oder im Wege der Vervielfälti­gung hergestellt sind, soviel Namen enthalten, als Beisitzer und Ersatzbeisitzer zu wählen sind, und einer gültigen Vor­schlagsliste entsprechen. Für Beisitzer und Ersatzbeisitzer ist nur ein Stimmzettel abzugeben.

Die Stimmzettel müssen von weißem Papier sein und dürfen kein äußeres Kennzeichen tragen."

Alle Stimmzettel, die einer Vorschlagsliste nicht ent­sprechen, sind ungültig."

Auf den Zetteln dürfen weder Streichungen, noch Aende­rungen vorgenommen werden.

Hanau den 2. November 1910. 24209

Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.

Hild.

Gcfiiiidtiic mib verlorene Gtncnsiiinde rc.

Gefunden: 1 Schlüsselring mit 3 kleinen Schlüsseln.

Verloren: 1 Kneifer mit Futteral, 1 Portemonnaie mit einem 10 Mark-Stück.

Hanau den 3. November 1910.

Aus sm Reicht des ®ti6tn Wanten.

Von %. Roderburg.

Siam, daSReich des Weißen Elefanten", ist jetzt wieder in den Vordergrund des Interesses getreten durch den uner­wartet erfolgten Tod des Königs Tschnlalongkorn, der sich stets als ein großer Veredrer unseres Kaisers und Freund des deutschen Reiches erwiesen hat. Einer seiner Söhne hat seine militärische Ausbildung in Potsdam erhalten, und der verstorbene Herrscher hat zweimal in Berlin als Gast deS deutschen Kaisers geweilt. Aber auch dadurch ist Siam gerade für uns Deutsche interessant, daß in neuerer Zeit vielfach junge Siamesen ihre Bildung auf deutschen Schulen genossen haben, und der verstorbene Beherrscher des Landes deutscher Kultur und Zivilisation Eingang verschafft hat. ES dürfte daher einiges Nähere über Land und Leute in Siam gewiß nicht unwillkommen sein.

Von französischem und britischem Gebiet umklammert, hat sich in Hinterindien Siam oder Muang Thai, d. h. Reich der Freien, wie es von den Einwohnern gewöhnlich genannt, bis jetzt noch als selbständiges Königreich erhalten. In seinen gegenwärtigen Grenzen bedeckt Siam einen Flächenraum von etwa 800C00 Quadratkilometern, ist also ungefähr so groß wie das skandinavische Königreich Schweden-Norwegen, und zahlt annähernd 9 Millionen Bewohner. Die nördliche Hälfte besteht zum Teil nur aus bergigem Lande, in dem sich zwei von Worben nach Süden verlaufende Ketten unter­scheiden lassen; im Osten des Meuam, dessen Ueberschwem- mungen, ähnlich wie in Aegypten der Nil, die außerordent»

Fruchtbarkeit bewirken, senkt es sich nach dem Mekong­flusse zu. Die Gebirge sind äußerst metallreich und enthalten außer anderen Metallen auch Gold. Große Teile des Landes sind mit B ald bedeckt, der Palmen, Teakholz und andere wert volle Holzer, sowie Kardamomen, Benzoe und Gummigutti erzeugt. Weile Strecken überzieht der Urwald, deren unentwirrbare Verschlingungen, mie Chevillard erzählt, zwischen den Stäm­men der großen Baume Schlupfwinkel bilden, die nur dem Rotwild und den wilden Tieren zugänglich sind. Dann und wann findet man freilich am Waldessaums Fußwege, aber

politUchs RundTcbae.

Im nächstjährigen ReichshanshaltSeiat wird sich unter der Schuldentilgung auch ein Posten befinden, der zur Abbürdung der für das Rechnungsjahr 1909 ver­bliebenen ungedeckten Matrikularumlagen dienen soll. Be­kanntlich wies der Etat für 1909, namentlich da die für die Vorjahre gestundeten Matrikularumlagen auf das Reich übernommen waren, ungedeckte Matrikularbeitrâge in einer bis dahin noch nicht gekannten Höhe auf. Es waren nicht weniger als 2881/» Millionen Mark, für die in den vom Reiche den E nzelstaaten herauszuzahlenden Ueberweisungs- fteuern eine Deckung nicht vorhanden war. Nun hatten sich die Einzelstaaten dazu bereit erklärt, von dieser Summe tat­sächlich 481/» Millionen Mark zu zahlen, was auch im neuesten Reichsfinanzgefetze zum Ausdruck gebracht war. Am Ende verblieben demnach noch 240 Millionen Mark. Ueber sie war im Reichsfinanzgefetze vom Jahre 1909 bestimmt, daß sie, soweit sie in Ueberschüssen aus der eigenen Wirt­schaft des Reichs keine Deckung finben würden, innerhalb der Rechnungsjahre 1911 bis 1913 aus den breitesten Mitteln des Reichs abgebürdet werden sollten. Der End- abschluß der Reichèhaupikasse für das Rechnungsjahr 1909 ergab, daß rund 114 Millionen Mark als Mehreinnahme und Minderausgabe zu buchen gewesen waren. Diese 114 Millionen Mark waren zunächst zur Bestreitung der unge­deckten Matrikularumlagen für 1909 zu verwenden. ES verblieben aber immer noch 126 Millionen Mark, auf die nun die Bestimmung des letzten Reichsfinanzgesetzes wegen der Abbürdung anzuwenden war. Mit der ersten Abbürdung wird im nächstjährigen ReichshanShaltSetat vorgegangen werden. Die anderen werden folgen. Es liegt übrigens die Möglichkeit vor, daß sie sich nicht auf die gleiche Summe beziehen werden, wie sie im Etat für 1911 aufgeführt sein wird. Im Etatsgesetze für 1910 ist nämlich vorgesehen, daß, soweit die Einnahmen den Bedarf des Reichs über­steigen, sie ebenso wie die 114 Millionen Mark auS dem Jahre 1909 verwendet werden sollen. Nun ist eS ja nicht sehr wahrscheinlich, daß die Reichshauptkasse am Ende deS laufenden JahreS mit einem Ueberfchusse abschließen wird. Ausgeschlossen aber ist es nicht. Würde der Ueberschuß da sein, so würde er zur Bestreitung der ungedeckten Matriknlar- beiträge von 1909 verwendet werden müssen. Um seinen Betrag aber würde sich dann die Summe kürzen, die noch zur Abbürdung auf die Jahre 1912 und 1913 verteilt werden muß.

Sozialpolitik. Auf keinem Gesetzgebung-gebiet sind so viele Entwürfe in Vorbereitung wie auf dem der Sozial­politik. Der Reichstag wird sich voraussichtlich in seinem nächsten Tagungsabschnitte über ein halbes Dutzend solcher

sonst kann man nur mit dem Beil in der Hand hinein­dringen. Hier versperrt stachliches Bambusrohr den Weg, dort sind Lianen so dicht durcheinander gewachsen, daß nur die Affen da? Labyrinth zu durchdringen vermögen. Weiter­hin, neben einem Baume von gewaltigem Stamm und hoher Krone, liegt ein König der Einsamkeit, vom Sturm zu Boden geworfen und vom Zahn der Zeit ausgehöhlt. In seinem zernagten Stamme hausen die Cobra, deren Biß das Blut z"m Erstarren bringt, und die Boa mit den Stahlringen. Beim Einbruch der Nacht oder beim Nahen eines Menschen erschüttern der Elefant und das Rhinozeros den Boden unter ihrem Lauf, und wenn daS ferne Echo dazwischen das Rollen des Gewittersturmes zurückwirft und der Blitz die Finsternis erhellt, wird die Seele von Schrecken ergriffen. Und dennoch hat der Urwald seine bezaubernden Reize. Man lauscht dem Gesänge der Vögel und folgt mit dem Blick den tausend­farbigen Schmetterlingen auf ihrem Flug nach Orchideen, die hier an unsichtbaren Fäden herniederhängen, dort die Stämme gewaltiger Bäume umkränzen. Die weiten Flächen der Stromebnen sind mit Reis bestanden, der auch den wesent­lichsten Gegenstand der Ausfuhr bildet, daneben wird Pfeffer, Sesam, Hanf, Baumwolle, Zuckerrohr, Zimt und Kaffee gewonnen. Obst allerlei Art ist im Ueberstuß vorhanden. Das Klima des Landes ist sehr heiß, ungesund aber nur in den mittleren sumpfigen Gegenden. Ausgiebige Regen fallen von Mai bis Oktober, der April ist der heißeste Monat.

Die Siame'en gehören zur mongolischen Rasse, sie sind klein und kräftig und haben kupserbraune Gesichtsfarbe. Das Haupthaar tragen sie kurz, in Bürstenform geschnitten. Die Frauen sind von Gesicht sehr hätzlich, indem sie stark her­vortretende Backenknochen und einen großen Mund haben ; die Zähne sind bei beiden Geschlechtern dunkelschwarz gei c zt, Spiel, Theater, Musik, Hahnen- und H"."dekampfe w"beu leidenschaftlich geliebt, wie auch das Tabak- und Be allgemein gebräuchlich ist. Die herrschende Religion ist der Buddhismus, die christliche ist geduldet. Vier Fünftel des Volkes können lesen, die Erziehling wird von den i Talopanen (Wriefternt Geleitet die übrigens größtenteils geistig ver­sumpft sind, aber eine bedeutende, in der Pal Sprache ver­faßte Literatur besitzen. Im Volke sind zahllose abergläubische

Entwürfe schlüssig zu machen haben. Neben die Reichs- verncherungsorduung werden noch daS Hilfskassen- und bat EinführungSgesitz treten; außerdem werden über Arbeit-- kammergesetz, Hausarbeitsgeletz und Novelle zur Gewerbe­ordnung Entscheidungen gefällt werden. Weitere Entwürfe werden an den zuständigen Regierungsstellen vorbereitet. Der Eiitwurf über die Privatbeamtenversicherung ist weit gediehen, auch an der Neuordnung bei Sonntagsruhe im Handel-gewerbe wird immer noch gearbeitet. Bei dieser Fülle von sozialpolitischem Material wirft sich die Frag« auf, ob eS gut wäre, außer den im Reichstage schon zur Entscheidung stehenden Entwürfen im nächsten Tagung-ab­schnitte noch weitere an ihn heranzubringen. Dem Stand« der Vorarbeiten nach könnte es sich allerdings wohl nur um den PrivatbeamtenversicherungSentwurf handeln, obschon auch hier nicht auSgemacht ist, daß die Stadien, die er noch durch­zumachen hat, vor dem Frühjahr 1911 tatsächlich werden durchlaufen werden können. Man stellt sich im allgemeines die entgültige Fertigstellung eine- wichtigen gesetzgeberische« Werkes zur Vorlage beim Parlament leichter oor, als sie tatsächlich ist. Würde eS aber auch tatsächlich möglich sein, den PrivatbeamtenversicherungSentwurs im diesmaligen Tagungsabschnitt an den Reichstag zu bringen, so würd« doch davon abzuraten sein, eS zu tun. Einmal ist, wie ge­sagt, die Zahl der dem Reichstage bereits vorliegenden sozialpolitischen Entwürfe groß, und eS hat sich für die einzelnen Gesetze nie al- zweckmäßig heransgestellt, wenn zu viele von einer und derselben Art in die parlamentarisch« Maschine gegeben werden. Sodann würde eS wenig wahr­scheinlich sein, daß der Entwurf noch verabschiedet werden würde. Dann aber würde er doch, da die nächste Tagung wegen der bevorstehenden Reichßtagswahlen geschlossen werde« müßte, in der Tagung von 1911/12 von neuem eingebracht werden müssen. Es ist demgemäß viel besser, man ver­wendet die bis dahin noch vorhandene Zeit auf feine Vor­bereitung, die, wenn der Entwurf demnächst veröffentlicht würde, von den weitesten Kreisen mit gefördert werde« könnte.

Militärisches. Neue Bestimmungen über die Kapitu­lationen mit Unteroffizieren sind vom Kaiser genehmigt worden. Mit Unteroffizieren als Gehaltsempfängern ist beim Eintritt in eine solche Stelle eine Kapitulation auf unbestimmte Zeit abzuschließen. Zuständig für die Ab­schließung ist der nächste Vorgesetzte, der mindestens mit Disziplinarstrafgewalt eines Regimentskommandeurs über den Kapitulanten versehen ist. Gegen den Willen des Kapi­tulanten kann die Kapitulation sofort aufgehoben werden wegen Unbrauchbarkeit zum Dienst. Auch aus anderen dienstlichen Gründen kann die Kapitulation mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. Der Kapitulant tonn Gebräuche verbreitet; der weiße Slefant wird, mit seinerzeit der Apis in Aegypten, für heilig gehalten. Diese auf da­sorgsamste gepflegten und in königlichen Ehren gehaltenen Tiere sind Albinos, übrigens nicht weiß, fonbern blaß röt­lich-braun. Die Vielweiberei besteht bei den Siamesen, aber fast nur bei den Großen deS Reich-, und nur die erste Frau hat im Hanse Autorität.

Der StaatSform nach ist Siam eine absolute, feudal« Monarchie. Die gesetzgebende und exekutive Gewalt wurde früher von zwei Königen ausgeübt, von denen jedoch nur der erste den Thron wirklich einnahm, während der zweite ge­wissermassen nur der Schatten deS ersteren war. Nachdem der letztere 1885 gestorben war, herrscht nur ein König. Seit dem 16. November 1874 regierte der verstorbene, am 20. September 1853 geborene König Somdetch Phra Paramindr Maha Tschulalongkorn, der im Alter von 15 Jahren den Thron bestieg, selbständig, nachdem ihm während seiner Minderjährigkeit der Regent Tschau Phja Sri Surywongs« zur Seite gestanden hatte; er stammte aus einer tapferen chinesischen Familie, die 1768 das Land vom virmonenjoch befreite und vergrößerte, führte den TitelHerr deS Lr.eigen Elefanten" und übte die gesetzgebende Gewalt in Gemein­schaft mit dem großen Staatsrat und dem Ministerrat aus. Am 8. Mai 1874 verkündete der König den Entschluß, wich­tige Gesetze nur in Uebereinstimmung mit beiden Faktoren zu erlassen. Der große Staatsrat besteht aus dem König als Vorsitzenden, den neun Ministern, die aber kein Stimm- recht haben, zehn bis zwanzig vom König ernannten Staatsräten, welchen die Bearbeitung der Gesetzvorlagen obliegt, und sechs Prinzen beS königlichen HauseS. Das Königtum ist in beschränkter Weise erblich in­dem allerdings stets der älteste Sohn zum Nachfolger ge­wählt wird, die Wahl deS Senabodi (Ministerrat) in Gemein- schaft mit denalten" Prinzen der vier höchsten Rangklassen aber notwendig ist. Als im Januar 1895 der zum Thron­solger bestimmte Sohn des Königs, Prinz Maha Waiirruna« hts der eine vorzügliche europäische Erziehung genossen hatte, starb, wurde sein Halbbruder, Prinz Maha Wajirawudh zum Th'°nerben ernannt welcher seine Ausbildung in England erhielt. Das stehende Heer zahlt etwa 12000, bh Stott«