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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Gcntril-Auzeiger
Amtliches Organ M Stubb unb Lärm Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die Zgespattene Petitzeile oder deren Raum 20 PfA tm Reklamentell die Zeile 45 Pfg.
Verantwort!. Rebakteur: G. Schrecker in Hanan,
Nr. 243
ftmihtrediaufdHitfi Nr. 230.
Montag Den 17. Oktolicr
Fernfprechanschlud Nr. 230
1910
Amtliches.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Hüttengesäß belegene, im Grundbuche von Hütten- gesâß Artikel 143 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen niemandes eingetragene Grundstück:
ÄubL 9 Nr. 11 Obig dem Kuhstall, Acker, 15,65 ar,
1,70 Tlr. Reinertrag,
am 2. Dezember 1910, vormittags 93/* Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 13. Oktober 1910.
Köttiqllches Amtsgericht
22779
Politische RundTebau.
% Koch f. Aus Anlaß des Ablebens des früheren Reichsbankpräsidenten Koch hat der Staatssekretär des Innern Delbrück folgendes Beileidstelegramm an die Tochter des Verstorbenen gerichtet: Tiefergriffen durch die schmerzliche Nachricht von dem Hinscheiden Ihres hochverehrten Herrn Vaters drängt es mich, Ihnen, sehr geehrtes gnädiges Fräulein, meine innigste und wärmste Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Mit Ihnen und den übrigen Familienangehörigen des Entschlafenen trauert das Vaterland um den Verlust eines Mannes, der in der lange Jahre bekleideten hochbedeutsamen Stellung als Chef der Reichsbank unvergängliche Verdienste um die Entwickelung und das Gedeihen des deutschen Wirtschaftslebens sich erworben hat.
Die Verhandlungen über einen neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrag werden, nachdem die Arbeiten des Wirtschaftlichen Ausschusies beendet sind, zwischen den Unterhändlern beider Staaten in nächster Zeit beginnen. Der jetzige Vertrag läuft bis zum 1. Dezember 1911. Zu den wichtigsten Fragen, die bei den neuen Verhandlungen gelöst werden müssen, gehört die nach der Dauer des neuen Vertrages. Deutscherseits wird der Abschluß bis zum Ende des Jahres 1917 verlangt werden, da die große Mehrzahl der zwischen Deutschland und anderen Staaten abgeschloffe- nen Tarifverträge ebenfalls zunächst bis zu diesem Zeitpunkte erläuft.
In der spanischen Kammer machte der Ministerpräsident die Mitteilung von der antipatriotischen Propaganda, die in den Kasernen betrieben werde, wo umstürzlerische, im Auslande gedruckte Schriften verbreitet würden. Die Herde der vaterlandsverräterischen Propaganda seien in
Novellette von Helene Lang-Anton.
(Nachdruck verboten.)
Sie stand am Telephon und klingelte. Niemand melde!? sich. Das Fräulein im Amte schlief wohl wieder. An Sonu tagen ließen sie sich immer Zeit. Sie klingelte Sturm.
„Hier Amt."
„Na endlich. Bitte 1333." „Dreihundertdreiunddreißig?" »^in^ breijehntjunbertbreiunbbreiBig *
„Himmel! 1 — 3 — 3 — 3l"
„So, 13 — 33?"
N^a.“
„Bitte rufen." —
„Hier Frau von Naymen. Wer dort?"
„Elli. Guten Morgen."
„?lh, Du bist'8. Guten Morgen, Kathi."
„Fährst Du heute zum Nennen?"
„Welche Frage. Selbstverständlich."
I ich D.ch abholen, oder wollen wir uns draußen
„Mein Mann ist heute über Land. Also wenn Du mich holen wolltest, wäre es sehr freundlich."
„Wagen oder Auto?"
„Auto."
„Schön. Aber bitte, sei fertig. Ich möchte das erste Rennen nicht versäumen."
„Das wäre auch kein Unglück."
„Ja, doch. Ich will es nicht versäumen."
„Ah, so."
„Schluß!"
Etwas ärgerlich klang dieses „Schluß", und Elly von Naymen mußte lachen. Na, vielleicht entwickelte sich die Sache heute. Man machte ja schon seit langer Zeit Witze über ihre schöne Freundin und Baron von Littau, den samo en Herrenreiter, der alle Rennen gewann. Nur bei ihr tchien er nicht ans Ziel zu kommend Denn jedesmal.
den Vorstädten zu suchen. Der Ministerpräsident erklärte, er werde alle gesetzlichen Mittel zur Unterdrückung der Bestrebungen anwenden, sobald er bestimmte Beweise in Händen habe. Ein Republikaner erwiderte, die Revolution werde ausbrechen, sobald sie kommen müsse. Die Regierung werde nichts gegen die Souveränität des Volkes vermögen. (Lebhafter Widerspruch bei der Majorität.)
Die Ausstandsbewegung in Frankreich.
Paris, 16. Oktober. Die Regierung ist der Ansicht, daß sie gegenwärtig nicht in Verhandlungen mit dem nationalen Syndikat der Eisenbahner und dem Verbände der Heizer treten könne, da diese sich zur Zeit in einem Konflikt mit den Militärgesetzen befänden. In mehreren Orten, besonders in der Umgegend von Paris, sind wieder Fälle von Sabotage vorgekommen. Etwa 20 Ausständige, die sich an den Ausschreitungen in Cormeilles beteiligt haben, sind verhaftet worden. Ein Agitator, der im Automobil durch ganz Frankreich reist und Propaganda für den Ausstand treibt, wurde in Bordeaux verhaftet.
Paris, 16. Oktober. Nach offiziösen Meldungen hat die Negierung Beweise dafür in der Hand, daß die anläßlich des Eisenbahnerstreiks verübten verbrecherischen Anschläge von einem anarchistischen Ausschuffe angestiftet worden seien, welcher beschlossen hatte, den Ausstand zu einem Gewalt- streich zu benutzen. Dieser anarchistische Ausschuß habe mit zahlreichen Arbeitersyndikaten Verbindungen unterhalten und den Plan gefaßt, durch systematische Zerstörung der Telegraphen- und Telephonleitungen die Regierungsgewalt lahmzulegen, um auf diese Weise Herr der Situation zu werden. Den heute nacht vorgenommenen Verhaftungen werden zweifellos bald andere sowohl in Paris wie in den Provinzen folgen. Außer dem anarchistischen Ausschuffe habe auch der Allgemeine Arbeitsverband eine sehr bedenkliche Rolle bei dem Eisenbahnerausstand gespielt. Die „Libertee" behauptet, daß bei der im Bureaux des antimilitaristischen Blattes „Eueero Sociale" vorgenommenen Durchsuchung eine lange Liste von Militärpersonen, darunter einige Offiziere, vorgefunden worden seien, welche mit dem Blatte als Korrespondenten in Verbindung standen.
St. Etienne, 16. Oktober. Nach Beendigung der Protest- versamlung gegen die Einberufung der Eisenbahner kam es gestern Mitternacht zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten einerseits und Polizeimannschaften andererseits. Die Menge empfing die Polizei mit Revolverschüffen und ließ gegen die auf der abschüssigen Straße zum Angriff übergehenden Dragoner Karren und Tonnen hinabrollen. Ein Rittmeister und drei Demonstranten erlitten Verletzungen. Ein Hilfsmaschinist wurde auf dem Wege zum Bahnhof von Demonstranten halb tot geschlagen.
Paris, 16. Oktbr. Nach einer amtlichen Mitteilung des wenn man glaubte, gratulieren zu können, entstand eine Spannung zwischen beiden. Man wußte nicht recht, wie man daran war. Unb selbst. intime Freunde, wie z. B. sie, sonnten der Sache nicht auf den Grund kommen.
Interessierte sich die schöne, reiche Witwe wirklich für den flotten, temperamentvollen Neiteroffizier. Ließ ihm sein Sport, der ihn ganz in Anspruch nahm, für die Liebe Zeit?
Diele halten sich schon vergeblich um die schöne Frau bemüht unb schließlich, wie es im Sportjargo» hieß, das Rennen angegeben.
Frau von Naymen hätte ja für ihr Leben gern etwas Genaueres über den inneren Zustand ihrer Freundin gewußt. Aber ba diese auf Vertraulichkeiten keinen Wert legte, so wußte sie nicht mehr wie die andern. Sie hatte zwar manchmal, veranlaßt durch ihre Lebhaftigkeit »der auch Neu- gierbe, es nicht unterlassen können, daraus anzuspielen, aber nichts weiter dadurch erreicht, als eine Verstimmung, ein Fernbleiben der Freundin. Unb da sie dadurch manche Annehmlichkeit verloren, so wahrte sie ihre Zunge.
Heute war sie doch wieder mit ihr burebgegangen. Und etwas bange schaute sie der Begegnung mit Kathi Arendten entgegen.
Punkt zwei hielt das Auto vor der Türe. Frau von Naymen ließ entgegen ihrer Gewohnheit nicht eine Minute warten. Mit etwas geräuschvoller Liebenswürdigkeit begrüßte sie die Freundin, die in einer höchst stilvollen Turftoilette — sie war weiß mit einem langen bis auf den Kleidsaum fallenden Paletot, auf der Brust schräge geschlossen durch zwei große Knöpfe — gekommen war. Kathi Arendten schien das fatale „Ach so" vergessen zu haben, vermied es aber, über Baron Littau zu sprechen.
Als Frau von Naymen etwas zaghaft bemerkte:
„Es ist doch unglaublich. Littau reitet wieder vier Rennen", nickte sie stumm, ohne weiter daraus einzugehen.
„Kalt wie ein Frosch", dachte Frau v. Raymen.
Ein wolkenloser Himmel spannte sich "der die Rennplatz erschienene Menge. Sie bot, w, ’nf forbenpräditig^ Wlb. Silk •"""“"“"!'* ?± S ftubien machen. Besonders ore
Ministeriums der öffentlichen Arbeiten machte sich am gestrigen fünften Tage ein vollständiges Abflauen des Aus- standes bei der Nordbahn und der staatlichen Westbahn bemerkbar. Der Ausstand könne als beendet angesehen werden.
Paris, 16. Oktbr. Das Ministerium des Innern gibt bekannt, daß der normale Dienstbetrieb aus dem Pariser Nordbahnhof von heute abend ab wieder sichergestellt ist.
Avignon, 16. Oktbr. Die Eisenbahnangestellten be» schloffen gestern abend, in den Ausstand zu treten.
Paris, 16. Oktbr. Ministerpräsident Briand empfing eine Abordnung von Vertretern der Eisenbahnen, die ihm den Wunsch vortrug, er möge Schritte tun, damit unverzüglich Verhandlungen zwischen den Eisenbahnvereinigungen und der Gesamtheit der Eisenbahngesellschaften in die Wege geleitet würden. Der Ministerpräsident erklärte, daß er diesen Wunsch zur Kenntnis nehme und sich darüber mit seinen Ministerkollegen besprechen werde. Er betrachte den Ausstand als beendet, somit könne er nicht einmal eine Besprechung hierüber zulaffen. — Das nationale Syndikat und die nationale Vereinigung der Eisenbahnarbeiter haben Briand mitgeteilt, daß sie stets bereit gewesen seien, mit ihm und den Eisenbahngesellschaften ihre Angelegenheiten zu besprechen.
Paris, 16. Oktbr. Auf allen Eisenbahnlinien macht sich ein weiteres Nachlaffen des Streikes bemerkbar. — Fälle von Sabotage werden noch aus Tergnier und Laon gemeldet, wo die Maschinenwege unfahrbar gemacht wurden.
Paris, 16. Oktbr. Auf der Nordbahn und auf der staatlichen Westbahn wurde heute vormittag der Dienst von den Ausständigen in größerem Umfange wieder ausgenommen. Auf den anderen Eisenbahnlinien ist die Lage normal.
Paris, 16. Oktbr. Heute vormittag konnte vom Nordbahnhof der Zug nach Berlin abgelaffen werden.
Hundertjahrfeier der Kriegsakademie.
Berlin, 15. Okibr. Die Hundertjahrfeier der Kriegsakademie wurde gestern abend bureb ein kameradschaftliches Zusammensein in den Räumen der Akademie eingeleitet. Die Front des Akademiegebäudes war, wie „W. T. B." belichtet, mit Fahnen, Velarien und Girlanden geschmückt, daS Treppenhaus mit Teppichen und Blattpflanzen reich geziert, ein Blumenparterre zog sich bis zu dem Bronzestandbild Moltkes hinauf. Ehrenposten in historischen Uniformen von 1810 hielten Wache. Die Gäste wurden vom Direktor der Kriegsakademie, Generalleutnant Freiherrn von Manteuffel, begrüßt, den der Adjutant Major Krug von Nidda unterstützte. Es versammelten sich neben den Offizieren, Lehrern und Beamten der Akademie zahlreiche frühere Ange- bonge des Instituts. U. a. sah man den Generaloberst von Lindequist, die Generale Blume, von Scheffer-Doyadel, von
den Köpfen der Damen boten mannigfache Abwechslung. Und die für beides nicht Sinn hatten, konnten sich an der Schönheit, Jugend und Grazie, die bunt durcheinander wimmelte, erfreuen. Außerdem sah und hörte man viel Neue- und konnte auch recht interessante Beobachtungen machen.
Als Frau Arendten die Treppe zur Tribüne hinausschritt, hörte sie, wie Herr Lemmern, einer der größten Rennstallbesitzer zu anderen sagte:
„Ich möchte Littau seins meiner Pferde anoertrauen.*
Ihr Fuß zögerte, sie mußte die Antwort hören. Es lag ein Mißtrauensvotum darin, das dem famosen Reiter gegenüber nicht nur unbegründet, soudern direkt beleidigend war.
Das Erstaunen der anderen gab ihr recht. Sie zögert*. Wie würde Herr Lemmern feinen Ausspruch begründen?
„Littau ist in letzter Zeit sehr nervös geworden".
„Gewinnt aber dabei noch immer die Rennen", warf einer spöttisch ein.
„Aber nicht mehr fö oft. Und seine Mißerfolge in letzter Zeit beweisen seine Nervosität. Bei keinem Sport braucht man mehr Nlihe als gerade beim Rennsport. Denn hier heißt eS nicht nur sich, sondern auch daS Tier in Gewalt haben".
„Was Sie mir da eben sagen, wird mich nicht daran hindern, auf Littau zu tippen".
„Ich wünsche Ihnen, daß Sie nicht Ihr Geld ver-
Mit einem höflichen Gruß wandte sich Herr Lemmer» einer kleinen lebhaften Dame zu. die 'hm begeistert zunef
„Ich setze aus Neptun und halte meinen Daumen für sein Gewinnen". , . . , .,
Gestatten Sie dann, meine Gnädigste, daß ich Ihre« niedlichen Daumen schon im voraus küsse. Sie werden meinem Pferde entschieden Glück bringen".
Frau Brendten wandte sich an den nächsten Herrn und sagte:
„Wollen Sie so freundlich sein, für mich am Totalisator zu setzen?"
„Sehr gern, gnädige Frau. Welches Rennen?*
„Das erste."
„Wieviel ?"