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Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg.. für aus- »artige Abonnenten mit dem betreff. Postauffchlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. eo. Waisenhauses in Hanau.

Gcncral-Anzciger

AmUches Organ für Ltadt- null FanLKrtis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrstckungsgebiihrr

Die bgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg, im Reklamenteil die Zelle 45 Pfg.

verantwort!. Redakteur: E. Schreckerin Hamm,

9tr* 240 Bernfprechanschlttsk Nr. 605.

Amtliches.

Enteignung Don Grundeigentum.

Zur Feststellung der Entschädigung für das zur Her­stellung des 2. Gleisès auf der Bahnstrecke Windecken

Hanau-Ost zu enteignende nachstehend bezeichnete Grund­eigentum habe ich Termin auf Dienstag den 25. Oktober 1910, vormittags 81/* Uhr, auf dem Staatsbahnhof Hanau-Nord anberaumt.

Alle Beteiligten werden gemäß § 25 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigentum vom 11. Juni 1874 (G.-S. S. 221) aufgefordert, ihre Rechte im Termin wahr­zunehmen.

Beim Ausbleiben wird ohne ihr Zutun die Entschädigung feftgeftcQt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der Entschädigung verfügt werden.

Cassel den 10. Oktober 1910.

Der- Enteignungskommiffar. von Bergen, ^IINr. 8877111 Regierungsrat.

Kataster- mäßige Be- Zeichnung des Grund­stücks

Hanau RR 82

53

Hanau SS 2H

20

Eigentümer (Name, Stand und Wohnort)

22465

Hanau I 54

Das Grund­stück ist ver­zeichnet im Grundbuch

Stadt Hanau

Dieselbe

Stadtkreis I^anau. Bekanntmachung.

Die Lieferung und Aufstellung von Drahteinfriedigungen der anzulegenden Schrebergärten sollen unter Zugrunde­legung der Bedingungen und Vorschriften für die Ausfüh­rung von Arbeiten für die Stadt Hanau öffentlich ver­dungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 13, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene An-

Aus der Welt der TeÄnik.

Don Licht und Farben.

Warum ist der Himmel blau, warum sind die Bäume grün, und warum ist das Blut rot. Das sind nicht etwa Fragen, die ein wißbegieriges Kind an seine Mutter oder irgendeiner sonstwie in müßiger Neugier stellt. Es sind viel­mehr wissenschaftliche Fragen, welche die Photochemie, die Lehre von den chemischen Wirkungen des Lichtes, ergibt und auf welche sie zum großen Teil auch bereits befriedigende Antworten gefunden hat.

Machen wir ein kleines Experiment! Hängen wir auf eine frische grüne Tapete ein paar Bilder und außerdem eine rote Glasscheibe und eine grüne. Lasten wir dann das ganze ein paar Monate unverändert hängen. Danach werden wir finden, daß die Tapete unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes ein wenig ausgeblichen ist. Nicht eben viel, dem Auge kaum bemerkbar, aber sofort deutlich erkennbar, wbald wir eines der Bilder von der Wand abnehmen. Dann wir darunter das sehr viel sattere, vollere Grün der mischen Tapete. Das undurchsichtige Bild hat die Tapete ovl dem Ausbleicheu geschützt. Nehmen wir jetzt die grüne Sdieibe ab, so finden wir auch dort die bunkere frische Stelle. Auch das grüne Glas, welches grünes Licht an die Tapete heranließ, schützte vor dem Bleichen. Unter dem roten dagegen ist die Tapete genau so ausgeblichen, wie in der Umgebung. $ier hat das Glas keinen Schutz gewährt, das rote Licht hat also auf die grüne Tapete einen bleichenden Einfluß ausgeübt.

2ßir können dasselbe Experiment über eine rote Tapete und werden dann finden, daß rotes Glas schützt, daß durch grünes Glas hindurch gebleicht wird. Betrachten wir den Fall des grünen Glases über einer grünen Tapete! Das grüne Glas wirft wie ein Lichtfilter. Es läßt von den sämtlichen im weißen Sonnenlicht befindlichen Farben

Donnerstag den 13. Oktober

M !M«BliMBaagX!llgre~ :g*a»~uasu>^ 3- -ÄLL-SMvvLLMIlMIW

geböte sind bis zum Eröffnungstermin am 18. d. M., vor­mittags 11 Uhr, in genanntem Dienstzimmer einzureichen, wo die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschie­nener Anbieter um die angegebene Zeit erfolgt. Zuschlagsfrist 14 Tage.

Hanau den 5. Oktober 1910. 22397

Der Magistrat.

Hild.

Plenarsitzung der Handelskammer

am Mittwoch den 19. Oktober, ^5 Uhr, im Sitzungssaals der Handelskammer (Stadtschloß).

1. Protokollgenehmigung.

L Ersatzwahl für den Wahlbezirk Kreis Schlüchtern und Einführung des Herrn Schäfer.

3. Vorschlagsliste für die Ernennung von Handelsrichtern.

4. Reichswertzuwachssteuer.

5. Amtliches Warenverzeichnis zum deutschen Zolltarif.

6. Monopolgefahr in der Elektrizitätsindustrie.

7. Beschaffung der Scheckstempelmarken.

8. Angabe des Grundes beim Wechselprotest.

9. Ausnahmen von der Eewerbe-Legitimationskarte.

10. Pensions- und Hinterbliebenen-Versicherung der Privat- angestellten.

11. Handels-Jahresschule.

12. Mitteilungen.

13. Verkehrsangelegenheiten.

Die Handelkammer.

Eanthal.

Der Syndikus:

22487 Dr. phil. Grambow.

Hafer- und Roggenlangstroh kauft fortgesetzt * 21771

Proviantamt Hanau.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: Verschiedene Papiere (Gesellenbrief, Ent­lastungszeugnis der gewerblichen Fortbildungsschule, Jnva- lidenkarte und sonstige Arbeitszeugniste) für Willi Zänsler aus Zwickau.

Stehengeblieben bei Peter Walk, Rosenstr. 16: 1 schwarze wachstuchlederne Markttasche; Empfangnahme daselbst.

Verloren: 1 goldener schmaler Damenring mit rotem Stein, 1 hellgraue Kinderschürze mit roter Borte.

Hanau den 13. Oktober 1910.

nur das grüne Licht hindnrchgehen, hält alle anderen Strahlen dagegen zurück. Gegenüber grünem Licht verhält sich die grüne Tapete nun aber ganz besonders. Sie nimmt grünes Licht absolut nicht auf. Während sie alle anderen Strahlenarlen verschluckt oder absorbiert, wirft sie das grüne Licht zurück. Eben deswegen erscheint diese Tapete ja unseren Augen im weißen Sonnenlichte grün.

Nun lehrt aber einer der Hauptgrundsätze der Photo­chemie, daß photochemische Reaktionen, daß Umwandlungen und Umsetzungen irgendwelcher Art unter dem Einfluste des Lichtes nur staitfinden können, wenn dabei Licht verschluckt wird, wenn Lichtenergie oder Arbeit dabei gewissermaßen verschwindet. Fällt aber grünes Licht auf eine grüne Tapete, so wird es eben nicht verschluckt, und daher kann es auch nicht bleichend wirken.

Und nun von der Tapete zu den Baumblättern.

DaS Baumblatt nimmt Sonnenlicht auf und benutzt die Lichtarbeit, um die Kohlensäure der Luft in Kohlenstoff und Sauerstoff zu spalten und aus dem ge­wonnenen Kohlenstoff sofort Stärkemehl und Zellstoff auf­zubauen. Nun könnte ein Theoretiker verlangen, daß

das Blatt doch dann eigentlich pechkohlrabenschwarz sein sollte, ein schwarzes Blatt ja natürlich alles Licht ver­schlucken müßte. Nun kommt aber wieder eine Ueberlegung hinzu. Heute ist der Himmel lichtblau, und die Sonne scheint gelbweiß. Das war aber nicht immer so. Die Sonne mag sich zwar in den letzten hundert Millionen Jahren nur wenig geändert haben. Destomehr aber die Erdatmosphäre. In jenen längst vergangenen Zeiten, da die ersten Stemkohien- wâlder grünten, war die Erdatmosphäre sehr viel d-chterrm enthielt ganz gewaltige Mengen der schweren Koh en . Infolgedessen mußte beständig jene M'1®^ Sonnen- wir heut nur noch in den wenigen M.nnten de« Auf- und Unterganges beobachten on . ^.^ .^ , - der Sonnenstrahlung enthaltene Llch ß zersplittert hohen Schichten der Atmosphäre zerstreut uno jeqpiuwn

Aernsprechanfchlnf; Nr. 605. 1910

Politische Run dTthau.

Der Zarenbesuch in Potsdam wird für die erste Hälfte des November angekündigt. Der Kaiser gedenkt den Besuch wenige Tage später in Friedberg zu erwidern.

Die Schiffahrtsabgaben werden zwischen Deutschland und Holland zurzeit nicht verhandelt und die niederländische Regierung denkt nicht daran, sich in dieser wichtigen Frage amtlich vor der Zeit festzulegen.

An die Angehörigen des Deutschen Gewerbestandes rich­tet der Hansabund einen Aufruf zu einer umfassenden Wahl­fondssammlung. Handel, Gewerbe und Industrie müßten zusammen vorgehen, um dieeinseitige Jnteressenpolitik des Bundes der Landwirte zu brechen" und sie durch eine allen Erwerbsständen gleichermaßen gerecht werdende Wirt- schafts- und Finanzpolitik zu ersetzen, namentlich auf steuer­lichem Gebiete. Die nächsten Reichstagswahlen würden über die wichtige Frage zu entscheiden haben, ob der deutsche Eewerbestand und das deutsche Bürgertum gewillt seien, mit aller Energie die ihnen zukommende Stellung im Staate, d. h. in der Gesetzgebung, Verwaltung und Leitung des Staates, sich zu erkämpfen und dafür Sorge zu tragen, daß die Gleichberechtigung aller Erwerbsstände in Zukunft auch im praktischen Staatsleben die unverrückbare Grund­lage der deutschen Politik werde. Der Hansabund sei keine politische Partei, es gelte aber, die Kandidaten kräftig zu unterstützen, welche von seinen Grundgedanken in ihrer par­lamentarischen Tätigkeit nicht abweichen werden. Deshalb habe man durch Beiträge und persönliche Werbung für den Hansabund einzutreten.

Zivilisation mit Gewalt. In der spanischen Deputierten­kammer erklärte der Sozialist Iglesias, die Sozialisten wür­den sich einem neuen kriegerischen Vorgehen Spaniens in Marokko mit allen Mitteln widersetzen. Ministerpräsident Eanalejas antwortete, man müsse den Weg gehen, den alle zivilisierten Völker eingeschlagen, und sich bemühen, die Zivilisation selbst mit Gewalt zu verbreiten.

Die türkischen Anleiheverhandlungen mit Frankreich sind noch nicht aufgegeben worden. Eine dreistündige Unter­redung des ftanzösischen Botschafters Vompard mit dem türkischen Finanzminister betraf hauptsächlich die Garantie- formel, die die ftanzösische Regierung hinreichend finden könnte, um die Kotierung an der ftanzösischen Börse zu ge­währen. Botschafter Vompard teilte mit, daß die ftanzösische Regierung geneigt sei, sich mit der Ernennung eines franzö­sischen Beamten bei der Oberrechnungskammer zu begnügen, der den Titel eines Gehilfen haben müßte. Die Frage der Bestellung von Kriegsmaterial wurde besprochen; ein Ein­vernehmen scheint gesichert.

werben, und auf die Erdoberfläche selbst, auf Bäume und Sträucher konnte nur noch rotes Licht fallen, so rot etwa, wie es uns heut die Abendsonne im Momente ihres Ver­sinkens darbietet. Wenn dann aber ein Blatt verlangt wurde, das diese ganze Lichtmenge glatt schlucken sollte, so war Grün das gegebene. Einem Menschen, der etwa jene uralten Steinkohlenwälder im unabänderlich roten Lichte durchwandelt hätte, hätten die tatsächlich grünen Laubkronen auch schwarz erscheinen müssen. Auch hier kann man einen Beweis geben. Zündet man in einem Zimmer mit grüner Tapete ein rotes bengalisches Streichholz an, so erscheint die Tapete tiefschwarz.

Jahre und Jahrmillionen verfloffen. Die Steinkohlen verarbeiteten die Kohlensäure der Atmosphäre, und immer heller, immer weißer leuchtete die Sonne an einem blauen Himmel, während sie vorher rot aus undurchdringlichem Nebel gestrahlt hatte. Aber jetzt, wird der Leser rufen, jetzt mußten die Blätter doch eigentlich schwarz werden. Das war aber keineswegs notwendig. Die Sonne strahlte sitzt weiß, aber sie strahlte außerdem auch sehr viel stärker. Ein Blatt, das etwa an Stelle des grünen Chlorophyllfarbstoffes einen schwarzen ausgebildet hätte, hätte dadurch sehr vie mehr Sonnenenergie als bisher geschlucki. 0 & $

feine Arbeitsfähigkeit gewaltig vermehren muffen. Anderen- alls wäre es unter der Glut der Sonnenstrahlen verbrannt und verwelkt. Die Natur hätte zwei Aenderungen machen müssen, um zurecht zu kommen: schwarze Blätter und ge- waltiq gesteigertes Aufnahmevermögen. Es erscheint aber begreiflich, daß sie diese doppelte Aenderung als zwecklos unterließ, da die grünen Blätter der Steinkohlenzeit in sich bereits eine wundervolle Anpassung für alle kommenden Ver­hältnisse enthielten. Und darum haben wir, wie die Photo­chemie uns lehrt, heute noch grüne Blätter unter blauem Himmel und weißem Sonnenlicht.