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Erstes Blatt.

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General-Anzeiger

AMlilhes Organ für SW» m) Landkreis Kanan.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Freiing den 30. September

Ferirsprechanschlntz Nr. 605

1910

Dit ieMeNmm uftit anfift U.MnhâttM 14 Seiten.

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Amtliches.

Die von mir erlassenen Bestimmungen über die An­stellung sowie die Rechte und Pflichten der Vezirksschorn- steinfeger vom 22. Februar 1907 (Amtsblatt Seite 6566) werden unter Abschnitt III, den Widerruf der Anstellung betreffend, hinter der Ziffer 3 durch folgenden Zusatz er­gänzt:

4. die Anstellung im Widerspruch mit den Vorschriften dieser Bestimmungen erfolgt ist. (A. U. G. 1703.)

Tassel am 16. September 1910. V. 5557

Der Regierungspräsident.

I. V.:

Rietz von Scheuernschlotz.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Hebeliste über die Beiträge zur Handwerkskammer für das Jahr 1910 liegt vom 3. Oktober d. J. ab zwei Wochen lang im Bureau der städtischen Steuerverwaltung, Markt­platz 14, 1 Treppe (Zimmer Nr. 23), aus.

Einsprüche sind binnen einer Frist von 4 Wochen, be­ginnend mit dem ersten Tage nach Ablauf der Auslegungs- frift, bei uns anzubringen.

Hanau den 28. September 1910. 21275

Der Magistrat. _________________ Hild.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarzes Damenjäckchen (in der Bu- lau), 1 weißes Kinderkäppchen.

Verloren: 2 Pfandscheine über 1 Herrenanzug, 1 Damenbluse und 1 Remontoiruhr.

Hanau den 30. September 1910.

Politische RundTdrau.

Das Zarenpaar wird noch etwa vier Wochen in Fried­berg bleiben. DerVoss. Ztg." wird drahtlich aus Peters­burg berichtet: Dem Vernehmen nach wird das Zarenpaar gegen den 29. Oktober Friedberg verlassen. Die Berichte über den Gesundheitszustand der Zarin lauten günstig. Die Rückkehr des Zaren nach Zarskoje Sselo wird gegen den 8. . November erwartet. Es wird behauptet, eine Begegnung des Zaren mit Kaiser Wilhelm werde jedenfalls im Oktober stattfinden. Eine Woche will der Zar auf der Jagd bei Skernewize verbringen.

Beschränkung der Staatsaufsicht Über die Kommunen. Die Arbeiten der Jmmediatkommisston für die Verwal­tungsreform scheinen, wie derKöln. Ztg." aus Berlin berichtet wird, nun in ein rascheres Tempo zu kommen. Am 14. und 15. Oktober wird der 5. Ausschuß zusammentreten und sich zugleich mit einer bedeutsamen Vorlage der Regie­rung befaßen, die die Staatsaufsicht über die Kommunen erheblich einschränkt. Auch dieNationallib. Korresp." hört, daßdie geplante Einschränkung ziemlich weitgehend und somit als ein erheblicher Fortschritt im liberalen Sinne zu begrüßen sein" wird. Am 17. Oktober tagt der 6. Aus- fchuß, der sich mit der Reform des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens befaßt.

Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter über Deutschlands Finanzmacht. Der Budapester Korrespondent derN. Fr. Pr." hatte mit dem auf der Durchreise nach Rumänien in Budapest eingetroffenen deutschen Staatssekretär v. Kider- len-Wächter eine Unterredung über die politische Bedeutung der ungarischen Anleihe. Herr v. Kiderlen-Wächter erklärte, die ungarische Anleihe besitze zweifellos derzeit eine poli- tische Bedeutung, und die deutsche Regierung habe daher auch auf das Zustandekommen der Anleihe großes Gewicht gelegt und freue sich aufrichtig über das Gelingen der An- leihe. Dadurch sei geradezu ein neues Band zwischen Deutschland, Oesterreich und Ungarn geschaffen worden, was auch dem politischen Verhältnis dieser Staaten nur zum Vorteil gereichen könne. Die Freundschaft zwischen sich auch diesmal, und zwar auf wirt­schaftlichem Gebiete, als unbedingt lebenskräftig erwiesen, und dies möge auch für die Zukunft von Bedeutung sein. Es sei auch nicht gering zu schätzen, daß es sich in diesem Falle gezeigt habe, daß die Herrschaft des französischen Geld»

Marktes doch keine so unbedingte sei, als man in Frankreich angenommen, und daß die Entziehung des Entgegen­kommens von selten Frankreichs die mit seiner Bildung nicht harmonierenden Staaten nicht in Verlegenheit bringen mutz, daß vielmehr auch Deutschland im Verein mit Oesterreich nicht nur den guten Willen, sondern auch die Mittel besitze, um dort, wo es nötig ist, beizuspringen. Diese Lehre verdiene festgehalten zu werden, und sie sei es, welche dem Zustandekommen der ungarischen Anleihe eine für die in Betracht kommenden Staaten gewiß erfreuliche, poli­tische Bedeutung gebe.

Gesetzliche Regelung des Submissionswesens. Die Kom­mission des Hansa-Bundes zur Frage des Submissions­wesens hat ihre Beratungen begonnen. Es wurde die erste Lesung des von der Leitung des Hansa-Bundes ausgear­beiteten Gesetzentwurfes vorgenommen. Die Beratungen, an welchen zahlreiche Mitglieder aus allen Kreisen der In­dustrie, des Handels und des Mittelstandes teilnahmen, wurden zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfes auf Mitte Oktober vertagt.

Zur Besprechung über den neuen Handelsvertrag mit Schweden wird der Wirtschaftliche Ausschuß nach derKöln.

Ztg." am 14. Oktober zusammentreten.

Die Bank von England hat ihren Diskontsatz um Prozent, und zwar von 3 Prozent auf 4 Prozent erhöht.

Auf Vorschlag Roosevelts haben die Republikaner Staates Newyork Henry L. Stimson als Kandidaten

ein

des für

den Gouverneursposten aufgestellt. Stimson hat seinerzeit den Zuckertrust mit Erfolg wegen Betrugs verfolgt.

Der Senat und die Deputiertenkammer von Argentinien haben die Aufhebung des Belagerungszustandes in der ganzen Republik beschlosien. Der Präsident Figueroa Al- corta wird diesen Beschluß heute bekanntgeben.

Die Unruhen in Moabit.

Berlin, 29. September. Ein bedauerlicher Zwischenfall zwischen englischen Journalisten und Schutzleuten in Moabit ereignete sich gestern abend infolge eines Mißverständ- nisses. Der Vertreter vom Reuterschen Bureau befand sich dort mit dem Vertreter derDaily Mail", dem Ver­treter derDaily News" und dem Vertreter derSun", um von einem Automobil aus die Tumultuanten zu be­obachten. Plötzlich gingen auf Veranlassung eines Krimi­nalbeamten. der die Herren für Organisatoren der Tumulte hielt, die Schutzleute gegen das Automobil vor und hieben auf die Insassen ein. Der Vertreter des Reuter-Bureaus erhielt mehrere Hiebe über die Hände. Die rechte Hand wurde ihm fast durchschlagen. Der Vertrter der ,/Daily Mail" erhielt mehrere Hiebe über den Kopf.

Berlin, 29. September. Von zuständiger Seite erfährt das Wölfische Bureau, daß nach amtlicher Feststellung unter den am Dienstag anläßlich der Straßenkrawalle in Moabit wegen Aufruhrs verhafteten 12 Exzedenten sich 9 Personen befinden, die einer auf sozialdemokratischem Boden stehen­den Gewerkschaft angehören. Don diesen sind drei auch Mit­glieder der hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereine, vier sind streikende Kohlenarbeiter der Firma Kupfer u. Co. Daraus erhelle am besten, wie falsch die von sozialdemo­kratischer Seite verbreitete Behauptung sei, daß bei den Streikunruhen organisierte Arbeiter und Streikende der Firma Kupfer überhaupt nicht beteiligt seien.

Moabit, 29. Sptember. Bis 9 Uhr abnds war alles ruhig geblieben, abgesehen von einigen kleineren Zwischen­fällen. So beschimpfte in der Nostockerstratze eine Frau vom geöffneten Fenster aus die Polizei; sie wird sich vor dem Strafrichter deshalb zu verantworten haben. Zwischen 7 und 8 Uhr, der Hauptverkehrszeit der Arbeiterschaft, zeigten die Beußelstraße und deren Nebenstraßen sehr starken Ver­kehr, denn trotz des scharfen Vorgehens der Polizei an den vergangenen Tagen und Nächten waren wiederum Neu­gierige in großen Scharen erschienen. Die Schutzmanns­patrouillen sorgten dafür, daß alles in Bewegung blieb. An den vier Ecken der Beußel- und Turmstraße liefen immer wieder Tausende zusammen, die alle 10 Minuten von den berittenen Schutzmannschaften zerstreut wurden. Für das Gefängnis in Plötzensee sind besondere Maßnahmen ge­troffen worden, um einem etwaigen Angriffe der Menge auf die Strafanstalt vorzubeugen, dort ist eine Wache von 20 Gendarmen aufgestellt.

Moabit, 29. September. Um 9 Uhr wurde aus dem Hause Turmstraße Nr. 56 ein Blumentopf auf die Beamten geworfen. Auf Befehl wurden nach oben Mei é gegeben, die jedoch keinen Schaden anrrch e en. wurde die na/e Sir-tz- a-saub-rt. SI--b° -am-- wi°d--. hott zu Verletzungen, di- jedoch*"*"''* Natur sind. Ein Teil des zurütgedrangten Publllums traf

auf eine an der Ecke der Veußel- und Erasmusstratze ange­sammelte Menschenmenge. Hier wurden von beiden Seiten die Charlotenburger Polizei und die übrigen Polizeimann­schaften angegriffen. Auch die Höfe wurden abgesucht, die vielfach mit halbwüchsigen Burschen und Gesindel besetzt waren. Mit Hilfe von Berittenen wurden die angesammel­ten Mengen zerstreut, wobei es wiederholt zu Verletzungen kam, auch wurden verschiedene Personen sistiert. Es wurde dann die ganze Straße bis zur Ottostraße gesäubert. Be­sondere Aufmerksamkeit wird jetzt auch den Straßenbahn­halte stellen zugewendet, wo vielfach Personen sich längere Zeit aufhielten. Seitens der Polizei wird dafür Sorge ge­tragen, daß dort keine Ansammlungen entstehen.

Berlin, 29. September. Der abgesperrte Teil von Moa­bit, in welchem die Unruhen vollkommen sind, beruhigte sich im Laufe des Abends immer mehr. Kurz nach 10 Uhr erschien der Minister des Innern in Begleitung des Polizei­präsidenten v. Jagow und ließ sich von Polizeimajor Klein eingehend berichten. Sodann durchfuhr der Minister einige der gefährdeten Straßen.

Moabit, 29. September. Der Minister des Innern er­schien nach 10 Uhr an der Reformationskirche und sagte den hier versammelten Journalisten, sie möchten auf ihre eng­lischen Kollegen einwirken, daß diese den gestrigen Vorfall nicht zu tragisch nehmen. Scherzend fügte er hinzu, es wären Wunden, die sie auf dem Schlachtfelde erhalten hätten. Sei­tens der Journalisten wurde der Vorschlag gemacht, daß den Journalisten in derartigen Fällen polizeilicherseits Er­kennungszeichen verabfolgt werden müßten. Der Minister unternahm dann einen Rundgang durch das Streikviertel.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 30. September.

* Winterfahrpla«. Der heutigen Ausgabe unseres Blattes ist der vom 1. Oktober d. Js. ab gültige Fahrplan in Plakatformat beigefügt.

* Flaggenschmuck. Neberall regen sich fleißige Hände, um die Häuser zum morgen vor sich gehenden Einzug deS 3. Eisenbahnregiments festlich zu schmücken. Daß bei dem für unsere Stadt hochbedeutsamen Ereignis die Schmückung der Häuser durch Flaggen und Girlanden eine möglichst allgemeine sein möge, ist unser Wunsch. Die städtischen Gebäude werden selbstredend ebenfalls Flaggenschmucktragen.

* Stadltheater. Ueber den famosen neuen Schwank von Richard Skowronnek, betiteltHohe Politik urteilt beispielsweise dieBerliner Börsen-Zeitung" : Während wir dies schreiben, seher wir Direktor Karl Meinhard vor uns, wie er als Kommissionär Ionas Bewegungen macht, die zum Lachen reizen, mit den Händen spricht und dumm­schlau als ehrliche Haut eine verheiratete Malerin noch glück­lich davor rettete, sich mit einem regierenden jungen Herzog in ein allzu gefährliches Tete-a-Tete einzulassen. Dieser junge Herzog ist nämlich der letzte seines Stammes und soll mit einer Prinzessin verheiratet werden, damit daS Fürsten­tum Laxenburg nicht an Preußen falle. Da gibt eS denn einen Dümmling von Minister und einen Museumsdirektor, besten Frau eben jene Malerin ist und dem Prinzen gefähr­lich wurde. Aber es gibt auch eine Prinzessin LachS-LachS usw., die inkognito in der Residenz weilt, die das Schloß des Herzogs für ein Maleratelier ansieht und dort die Kleider ablegt, um ein Kostüm anzuziehen. Der Herzog sieht sie durch eine Tapetenwand entkleidet und verliebt sich in sie. Die Direktorsgattin wurde durch JonaS gerettet, der ihr den Schlüssel zur Herzenswohnung entwendet, und die Prin­zessin Lachs-LachS usw. wird als Prinzessin erkannt und Gatlin des Herrogs. Gewagte Situationen, aber keine Laszi­vität, Unwahrscheinlichkeiten, aber amüsant. Man kommt aus dem Lachen nicht heraus und darf sowohl dem Autor wie den Darstellern das Kompliment machen, daß fie di« kleinen Intrigen gut ausgetiftelt und brillant gespielt haben. Meinhard als Faktotum Jonas hat wahrhafte Lach-Eruptionen zu weqe gebracht. - Mit Herrn Direktor S te ffi er in der Rolle desIonas" dürfte das lustige und dabei äußerst dezente Werk einen großen Heiterkeitserfolg erzielen. Am morgigen Samstag findet eine einmalige Aufführung deS packenden SchauspielsDas Glück im Winkel* von Hermann Sudermann bei kleinen Preisen statt. Suder­mann gehört zu denjenigen Bühnendichtern, deren Schöpfungen sich ständig auf dem Repertoir unserer deutschen Bühnen er- folgreich behaupten und man ist im voraus eines in jede, »ife interessanten WenU p-witz. MitHeimat" undDi, Stire stelltDas Glück im ©intet an ber Spitze feine» BubnendrcdtuuLeu. Die SvielleituuL Utai m den nanilw