Erstes Blatt.
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A«tlilhts Olga« fit Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
VmahMtfl. Redakteur: 9, ®4te<et h H««^
Nr. 211
Wernsprechanschlufr Nr. 605
Freitag den 9. September
Fernsprechanschlutz Nr. 605
1910
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14 Seiten.
Hus Hanau Stadt und Eand.
K»ai»ait, 9. September. .
Stffentlidje Atzung der Aadtverurdneteu-Versummlnng
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vom 8. Skptember 1910.
Anwesend die Herren: Vorsteher Justizrat Uth; Birkner, Craß, Daßbach, Deines, Fischer, Franz, Hoch, Dr. Hoffmann, Hansen, Kämmerer, Kempf, Koburger,, Dr. Küch, Loßberger, Müller, Ohl, Schreiber, Schroeter, Schwabe, Sommer, Spatz, Stephan, Stübing, Voltz, Dr. Wagner unb Baurat Wohlfarth.
Vom Magistrat: Bürgermeister Hild.
Punkt 1 der Tagesordnung „Entschädigungsfeststellungsbeschluß in der Enteignungssache Kaiser" wird in die geheime Sitzung verwiesen, ebenso Punkt 5 „Ankauf des Hauses Wolfsstraße 7" betreffend. — Der
Abänderung des Fluchi linienplanes nördlich der Lamboy st raße wird zugestimmt.
Neuherstellung der Fußböden und des WandverputzesindenEroß-undKleinvieh- ställen des Schlachthofes.
Beschluß des Magistrats vom 6. Juli 1910: Dem Beschluß der Schlachthofkommission vom 16. Juni 1910 auf Bewilligung der 728.50 Mark betragenden Kosten wird zugestimmt. Begründung: Am 29. November v. I. hat eine Besichtigung des Schlachthofes durch den Regierungsrat Dr. Trapp und Departements-Tierarzt Veterinärrat Buch als Kommissare des Herrn Regierungspräsidenten stattgefunden. Unter anderem ist hierbei gerügt worden, daß in den Ställen der Zement des Fußbodens blasig aufgetrieben war, so daß Reparaturen notwendig seien. Nach Anzeige des Bauamtes rühren die gerügten Mängel von der unsachgemäßen Ausführung der Bauten her, speziell ist der Boden zementiert worden, bevor derselbe sich genügend gesetzt hatte. Es ist deswegen notwendig, die Fußböden und den Wandverputz in beiden Stallungen für Groß- und Kleinvieh zu erneuern oder auszubestern. Es muffen 105 Quadratmeter Vetonfußboden aufgebrochen und abgefahren und eine gleiche Fläche neuer Zementfußboden eingebaut werden, wofür das Vauamt einen Kostenbetrag von 472.50 Mark in Ansatz bringt. Die Ausbesserung oder Neuherstellung des Zementverputzes der Wände, 128 Quadratmeter
Die Musik In der deutschen Drache und Dichtung.
Skizze von C. Gerhard.
Das deutsche Volk liebt aufs innigste die Musik, dieses erhabenste Geschenk des Himmels, uns gegeben zur Erhöhung und Vergeisterung unserer Freuden, zur Linderung unserer Leiden, zur Vertiefung unserer Andacht, zum um- fastendsten Ausdruck unserer Empfindungen. Keine andere Kunst ist so enge mit unserem Leben verwachsen wie die Tonkunst; sie begleitet uns von der Wiege, an der die Mutter dem Kindlein Schlummerlieder singt, durch die goldenen, jubelnden Tage der Jugend, durch die Zeit der Aeife, der Arbeit bis zur Bahre. Noch am Grabe erklingen unsere Lieblingslieder.
So innig ist die Musik mit des Deutschen Wesen verwebt, daß er unbewußt zahlreiche musikalische Ausdrücke in ferne Alltagssprache ausgenommen hat, die dadurch einen d^bntümlichen klangvollen Charakter erhalten hat.
Wenn ein Mensch recht fröhlich in die Zukunft schaut, ~ man: ihm hängt der Himmel voller Geigen; hat er mind zur Verstimmung, so bläst er Trübsal, quälen ihn -Orgen, so spielt ihm das Leben böse mit; wird er von kymerzen gepeinigt, so hört er die Engel im Himmel ngen; ist er nahe seiem Ende, so pfeift er auf dem letzten ocye, oder er stimmt seinen Schwanengesang an.
Hat jemand eine ungenaue Nachricht vernommen, so bar er nur etwas läuten hören, und man dürfte ihm daher «en, es nicht an die große Glocke zu hängen, d. h. es nicht «euer zu verbreiten. Wiederholt er sich in seinen Mit- euungen, so klagt man, er rühre immer dieselbe Leier. Er- ein von Jugend an verwöhnter Mensch mancherlei »Dummes, so heißt es, solches wäre ihm nicht an der Wiege gelungen worden; macht ein Kaufmann schlechte Geschäfte, kommt er oft zum akkordieren, erreicht dagegen ein Mann :n 'âem Berufe durch seine Gewandtheit oder Schlauheit
â 2 Mark, erfordert einen Kostenaufwand von 256 Mark. Dem Anträge der Schlachthofkommission gemäß werden die verlangten 728.50 Mark zur Verfügung gestellt. — Die Stadtverordnetenversammlung trat dem Beschlusse des Magistrats bei.
Verbreiterung des Sandeldammes.
Beschluß des Magistrats vom 16. August 1910: Der Sandeldamm soll beiderseits um 2 Meter verbreitert werden, sodaß die gesamte Breite der Straße 16 Meter beträgt. Begründung: Nach Durchbruch der Straße durch die Sandelmühle wird der Sandeldamm noch mehr als bisher als Durchgangsstraße von und nach der Gegend um den Nordbahnhof herum dienen. Die jetzige Straßenbreite von 12 Meter wird für- alle Zukunft dann nicht mehr genügen. Vorläufig erscheint allerdings die Entfernung der auf den Bürgersteigen stehenden Akazienbäume ausreichend. Diese Bäume hindern den Verkehr sehr erheblich. Ihre Entfernung dürfte für die Fußgänger eine erhebliche Erleichterung bedeuten. Der Fahrdamm genügt in seiner Breite von 7,50 Meter, 3 Wagenspurbreiten, vorläufig auch noch. Sollte jedoch der Verkehr auch weiterhin noch erheblich zunehmen, so muß an eine Verbreiterung der Straße gedacht werden. Diese läßt sich dadurch erreichen, daß die Straße nach jeder Seite hin um 2 Meter verbreitert wird, die von den vorhandenen Vorgärten zu nehmen sind. Um die nicht ganz unbedeutenden Kosten dieser Straßenverbreiterung zu vermeiden, sollte eben vorläufig nur die Entfernung der Bäume vorgenommen werden. Durch die Verbreiterung der Straße auf 16 Meter würde auch die Möglichkeit gegeben sein, 4 Stockwerk hoch zu bauen. Der Antrag auf Verbreiterung der Straße ist deshalb von dem Bauunternehmer Peter Körner gestellt worden. Wie aus den vorstehenden Ausführungen hervorgeht, soll die Verbreiterung der Straße aber nicht sofort durchgeführt, sondern vorläufig nur fluchtlinienmäßig festgestellt werden. — Auf Antrag Wohlfarth wurde beschlosten, die Vorlage solange zurückzustellen, bis der Durchbruch durch die Sandelmühle hergestellt ist.
Einstellung eines Vermessungstechnikers.
Beschluß des Magistrats vom 16. August 1910: Die Einstellung eines Vermesiungstechnikers mit einem Höchstgehalt von 2100 Mark zunächst für ein Jahr wird genehmigt. Begründung: Unter dem 30. Januar 1908 schreibt Herr Vaurat Lindley gelegentlich der Beantragung der Neukartierung des Stadtteiles Kesselstadt folgendes: Bei den Erhebungen über den Umfang der seinerzeit angefertigten Blätter im Maßstab 1:250 und 1:2500 hat sich ergeben, daß Nachtragungen in die Originale nicht gemacht worden sind. Dieselben befinden sich heute noch auf dem
viel, so meint man, er verstehe seine Sache aus dem ff. Eine schöne Frau wird durch ihr Wesen, ihre Talente oder ihre elegante Kleidung oft zur tonangebenden Persönlichkeit in ihrem Kreise. Stimmt sie aber eine gar zu hohen Ton an, sucht sie immer die erste Geige zu spielen oder die erste Flöte zu blasen, d. h. ist sie zu selbstbewußt, so wird ihr bald von den Mitmenschen oder dem Schicksal ein Dämpfer aufgesetzt.
Auch im Schulleben begegnet man häufig musikalischen Abdrücken. Die Kinder sitzen oder stehen nebeneinander wie die Orgelpfeifen; manche sind so wohlgenährt, daß sie wie Posaunenengel aussehen; manche sind mager und gleichen daher einem Geigenbogen. Der Lehrer, der oft über einen tüchtigen Baß verfügt, tadelt sowohl die Schüler, die posaunen, d. h. zu laut sprechen, als diejenigen, die flöten, d. h. flüstern. Sind sie ungehorsam, so bekommen sie Ohrfeigen, die man Backpfeifen oder Maulschellen nennt, oder das Rohr pfeift auf ihrem Rücken und sie müsten nachbrummen. Für ihre Leistungen erhalten sie Noten oder Zeugniste; weint ein Schüler über eine schlechte Note, so verspottet ihn der Chor der Rache — die Mitschüler; zum mindesten haben sie ihn auf dem Strich.
Die Liebe hat sich natürlich ebenfalls mit der Musik in Kontakt gesetzt. Ein Liebender besingt den Gegenstand seiner Neigung in allen Tonarten und zieht der Schönen gegenüber alle Register seiner Liebenswürdigkeit auf. Erhört sie ihn nicht, so muß er demnach gute Miene zum bösen Spiele machen. Verlobt die Geliebte sich aber mit ihm, so kann er den Triumphmarsch blasen und kommt nach mancherlei Hindernisten doch zum Ende vom Lied, zur Hochzelt. Glücklich sind dann die Vermählten zu preisen, deren en keine Dissonanzen ergibt, sondern in reinster Harmo
Auch mit Sprichwörtern musikalischen ^^^^ verziert der Deutsche seine Alltagssprache. Oft brauchte * •
„Wie die Alten sungen, so zwitschern die Zungen. Mit
Stande von 1890—1895. Der Beschluß der Sielbau-Kom» Mission, diese Blätter nachzutragen, konnte nicht zur Durchführung gebracht werden, weil das Stadtbauamt mit anderen Arbeiten beschäftigt war und es auch an einer geeigneten Kraft fehlte, die diese rein landmesterische Arbeit sofort in Angriff hätte nehmen können. Ich erlaube mir deshalb diese Gelegenheit zu benutzen, uni erneut die Fortführung des geschaffenen Materials in Anregung zu bringen und möchte Sie bitten, für den Fall, daß die vorhandenen Kräfte nicht ausreichen sollten, um die Blätter auf den heutigen Stand zu bringen und fortzuführen, dem städtischen Landmesser zu diesem Zwecke eigens eine Kraft zur Verfügung zu stellen. Diese Kraft könnte dann auch die Nachttagungen bewirken, die in den von Castel gelieferten Blättern für Kesselstadt erforderlich würden, sodaß die Stadt Hanau alsdann in den Besitz eines durchaus zuverlässigen Kartenmaterials käme, nach dem alle Projektierungsarbeiten vorgenommen werden könnten und das es erübrigte, bei jeder Gelegenheit besondere Aufnahmen für besondere Zwecke anfertigen zu muffen. Auch möchte ich Sie bitten, die nöttgen Anweisungen zu erlösten, daß das nunmehr für Kestelstadt zu beschaffende Material von vornherein fortgeführt werden muß, damit die hierfür aufgewendeten Mittel dauernd ihren vollen Wert behalten. Die Neukartierung Kestelstadts ist in den Maßstäben 1:250 und 1:2500 durchgeführt und zwar auf Grund der von der Königlichen Regierung zur Verfügung gestellten Der- mestungshandriste. Die Pläne bilden daher einen sehr wertvollen Bestandteil von den Vermessungswerken der Stadtverwaltung und sollen möglichst jährlich ergänzt und auf den neuesten Bestand erhalten werden. Es empfiehlt sich nun, auch die Hanauer Teilpläne 1:250, die sich noch auf dem Stand von 1894 befinden, und den Hanauer lleber- fichtsplan 1:2500 zu ergänzen. Letzterer wurde im Jahre 1895 aufgestellt und in den Jahren 1902/03 berichtigt und vervollständigt: seitdem ist eine Ergänzung nicht oorge- nommen. Der Plan entspricht den jetzigen Anforderungen nicht mehr und schon seit geraumer Zeit macht sich in der städttschen Verwaltung der Mangel eines genügend großen, den neuesten Bestand nachweisenden Uebersichtsplanes fühlbar, insbesondere, nachdem sich die neuen Bau- und Stadterweiterungsprojekte im Osten und Süden über die Grenzen des jetzigen Planes hinaus ausgedehnt haben (z. B. die städtischen Kasernen- und Lazarettbauten, die aus dem Gutsbezirk Oberförsterei Hanau umzugemeindenden Teil des Holzabfuhrweges und des Neuhofes, das Fabrikgelände am Lehrhof, die Friedhofserweiternug, sowie das Hafengelände in Großauheim). Der neu aufgestellte und erweiterte Stadtplan soll dann zusammen mit dem im vorigen Jahre angefertigten Kestelstädter Uebersichtsplan durch Ver-
dem anmutigen Ausdruck: „Dann schweigt des Sängers Höflichkeit" versagt er eine unliebsame Antwort. Bei heiteren Festen wendet man die zum Sprichwort geworbene Strophe von Seume an:
„Wo man singt, da laß dich ruhig nieder,
Döse Menschen haben keine Lieder!"
Harmloser Humor auch beweist sich in der Umwandlung eines Kirchenliedes:
„Wo du nicht bist, Herr Organist, Da schweigen alle Flöten."
So tönt ein heller Klang durch unsere Sprache; er findet ein Echo in der Volkspoesie, die Gesang und Sänger als Sorgenbrecher und Freudenbringer rühmt.
Die Bedeutung, die die Musik für unser inneres Leben hat, ist zu allen Zeiten von Gelehrten und Dichtern anerkannt und gepriesen worden.
Martin Luther, der kühne Rufer im Streite und starke Führer des Volkes im Glauben, liebte und pflegte nicht nur die Tonkunst in seinem Heime, sondern er sprach sich auch wiederholt über ihre Wirkungen aus.
„Musika ist das beste Labsal einem betrübten Mensche^ dadurch das Herz wieder zufrieden, erquickt un fr wird." Und: „Musika ist ein halbes Drszlpttn und Z^ Meisterin, so die Leute gelinder und sanftmütige , fit und vernünftiger machet."
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Der bleibet ein Narr sein Leben lang.
Doch ist seine Autorschaft hieran unverbürgt.
Der berühmte Augustinermönch Abraham a Santa Clara drückte sich recht kräftig und volkstümlich über dasselbe Thema aus: „Aber sei du mir tausendmal willkommen, meine löbliche, liebliche, künstliche, vornehme und angenehme Musika! Andere seynd zwar freie Künste, du aber bist eine freie und fröhliche Kunst; du bist eine Portion vom Himmel, du bist ein Pflaster für die Melancholie, du bist eine Versöhnung der Gemüter, du bist ein Sporn der