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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabb nnb Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

8«<mt»orL Redakt««: G. V^raOat ta $Wk

Nr. 209

Kernsprechanschlitß Nr. 605

Mittwoch den 7. September

ryernsprechanschlutz Nr. 605

1910

W

Amtliches.

Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.

Am Freitag den 9. d. Mts., vormittags 8 Uhr, findet im unteren Saale des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt

Hanau den 5. September 1910.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

19291

PolitiTdie RundTdnaQ.

Ein deutscher Offizier in Portsmouth als Ipion verhaftet? Die folgende eigenartige Meldung auS London verbreitet das Wölfische Bureau: Von amtlicher Seite wird die Blättermelduna von der Verhaftung eines jüngeren deutschen Offiziers in Portsmouth wegen Spionage­verdachts nunmehr bestätigt. Ueber die Einzelheiten wird jedoch Stillschweigen beobachtet." Bisher war von einer solchen Verhaftung nichts bekannt. Man wird also abwarten müssen, wie sich die Sache herausstellt. Ausfallen muß es jedenfalls, daß die Meldung stark nach einer Revanche für die Verhaftung der beiden Engländer in Borkum klingt.

Der Allgemeine Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschafts' genofienschaften trat am Dienstag in Nauheim unter dem Vorsitz des Justizrats Alberti-Wiesbaden zu seinem 51. Genossenschaftstage zusammen. Anwesend sind 750 Delegierte. Der Vcrbandsanwalt Professor Dr. Crüger erstattet den Geschäftsbericht: er begann mit dem Hinweis darauf, daß sich Schulze-Delitzsch' wirtschaftliche Grundsätze mehr und mehr Bahn brechen; es bestehen 28 309 Genossenschaften, deren ge­schäftliche Leistungen auf 20 Milliarden Mark zu bewerten seien. Der Löwenanteil entfällt auf die Genossenschaften des Allgemeinen Deutschen Genossenschaftsverbandes. Wenn ihre Zahl auch nur 1363 betrage, so wären sie doch an dem Ge­samtergebnis mit 12^2 Milliarden beteiligt. Das ei^. -r Vermögen aller bestehenden Genossenschaften beträgt schätzungs­weise 543 Millionen, das der Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes 314 Millionen. Dr. Crüger wandte sich dabei auch gegen die Bestrebungen des Hansabundes, genossenschaft­liche Organisationen zur Diskontierung offener Buchforderungen zu schaffen, und äußert Bedenken gegen die in Köln ins Leben gerufene Gewerbebeförderungsanstalt. Eigenartig mache es sich, daß im Abgeordneienhavse jetzt ein Antrag eingebracht werde auf Errichtung genossenschaftlicher Lehrstühle. Als Ort der nächsten Tagung wurde Stettin bestimmt.

Mexiko. Die vorgestern in den Monat der Feier der hundertjährigen Unabhängigkeit eingetretene Hauptstadt ist

Kunst und Leben.

Der 4« September 1870 in Paris. ImFi­garo" erzählt Georg Cain, wie nach der furchtbaren Nieder­lage, die die Franzosen bei Sedan erlitten hatten, in Paris die Republik erklärt wurde:An jenem Morgen", schreibt er,einem wunderschönen sonnigen Sonntag, standen mein Bruder und ich reckt früh auf. Unsere Eltern waren am Tage vorher beim Essen so traurig gewesen, und die Nach­richten vom Kriegsschauplatz schienen so bedrohlich zu sein, daß wir so rasch wie möglich wissen wollten, wie es um Frankreich stand. Heimlich schlichen wir uns aus dem Hause und liefen bis zur heutigen Place de la Republique. In der Mitte des Platzes stand damals eine große steinerne Fontäne, an deren Stelle später eine massive Statue der Republik trat. Sechs Löwen von grüner Bronze spieen Wasser in breite Becken. Wir sollten diese Löwen ein paar Monate später in den letzten Maitagen 1871, während Todesröchelns der Kommune von Kugeln und Granatensplittern durchbohrt, in dem vom Blute der Kom­munekämpfer rot gefärbten Wasser der Bassins wiederfinden, ^eit den ersten Tagen des Krieges hatten wir es uns zur Gewohnheit gemacht, zur Kaserne an der Ecke der Rue de " Douant zu eilen und die dort angeschlagenen amtlichen Kriegsberichte zu lesen. An diesem Septembermorgen standen 11 °$ der frühen Stunde bereits acht oder zehn Personen Uef bestürzt und in angstvollem Schweigen vor dem weißen -plakat . . . Der Zettel meldete die Katastrophe von Sedan! ' ' "Gin großes Unglück hat das Vaterland betroffen . . . '... erläge . . . der Kaiser hat seinen Degen übergeben .. ."

motten unsern Augen nicht trauen und gingen weinend nach Hause. Im Garten finden wir unsere Eltern in Kranen gebadet; Freunde kommen; man umarmt sich schluchzend, man spricht über die Lage, und da sich bald wieder der alte Chauvinismus einstellt, beginnt man trotz

prächtig geschmückt. Vorgestern abend war große Fest­beleuchtung. Der Gesandte Bünz, der vom Deutschen Kaiser als Sonderbotschafter zur Feier bestimmt ist, ist Sonntag in Begleitung von vier Offizieren in Veracruz angekommen, wo er feierlich von den Zivil- und Militärbehörden empfangen wurde. Vorgestern traf er in der Hauptstadt im Sonder­zuge ein. Gleichzeitig kam auch die Humboldt-Statue dort an. Am Bahnhof wurde der Sondergesandte vom Minister der auswärtigen Angelegenheiten und dem Unterstaatssekretär empfangen. Der deutschen Abordnung wurden als Wohnung zwei Häuser in der schönsten Straße der Stadt zugewiesen. Das KriegsschiffFreya" ist am Abend des 3. September in Veracruz einqetroffen. Vorgestern wurde der deutsche Sondergesandte Bünz durch den Präsidenten empfangen. Der Gesandte überreichte dabei ein Handschreiben des Deutschen Kaisers. Der Präsident antwortete mit für Deutschland sehr schmeichelhaften Worten;

Kyffhäuserbund der deutschen Landes» Kriegerverbände.

Vom Kyffhäuser, 5. Ceptbr. Die alljährliche Ver­treterversammlung des Kyffhäuserbundes der Deutschen Landes- Kriegerverbâude fand am 4. und 5. September auf dem Kyffhäuser statt. Zu der Versammlung waren auch Ver­treter vom Ministerium des Innern und des Kriegs- Ministeriums erschienen. Die Verhandlungen wurden von dem ersten stellvertretenden Vorsitzenden, Generalleutnant z. D. Winneberger-München, geleitet, der bei der Eröffnung wie auch später an der Tafel in warmen Worten des kürz­lich dahingeschiedenen ersten Vorsitzenden, General v. Spitz, gedachte. AuS den Verhandlungen sei u. a. hervorgehoben, daß wiederum eine Resolution für die bedürftigen Veteranen in Verbindung mit dem Vorschlag einer Wehrsteuer gefaßt wurde. Bei dem Gegenstände:Die Stellung der Krieger- vereine bei öffentlichen Wahlen" wurde Verwahrung einge­legt gegen die von der Mehrheit der Wablprüfungskommisston des Reichstages niedergelegte, von dem Plenum allerdings verworfene Ansicht, daß die Kriegervereine amtliche oder halb­amtliche Vereine seien und daß deshalb Wahlen, für die Auf­rufe von Vorständen der Vereine oder Verbände erfolgt seien, als ungültig erklärt werden müßten. Auf Grund der Satzungen wird die Stellung gegen die Welfen, Großpolen und insbesondere gegen die Sozialdemokraten die gleiche bleiben wie bisher.

WeiterePolitische Rundschau" in der Beilage.

im

EandwirtTcbaftlicbes.

Versuche mit Eofingerstefütterung. Nachdrm Winter und Frühjahr Versuche gemacht worden sind, ob

alledem zu hoffen.Frankreich ist so groß, daß man niemals verzweifeln darf . . . Aber was wird Paris tun ? Was mag sich in den Straßen zutragen? Das muß man sich ansehen . . / Und wenige Minuten später waren wir in unseren Gymnasiastenuniformen wieder auf den Bou­levards. Es ist zehn Uhr: die Boulevards scheinen sehr ruhig zu sein; nur vor den Kriegsberichten und den Zeitungs­kiosken stehen kleine Gruppen von Menschen. Stafetten jagen vorüber. An der Porte Saint-Denis marschieren ein paar Männer Arm in Arm durch die Straßen und schreien! Abzug . . . Abzug . . . Hoch Trochu!" Viel National­garde in Uniform, Freischärler, Straßenbummler mit dem Käppi auf dem Kopf und dem Gewehr auf der Schulter... Bamelots rennen und brüllen die neuesten Tageszeitungen aus . . . Man bereitet zwei Offizieren, die im Wagen vor­überfahren, Ovationen, eine Dame wirft ihnen weinend Blumen zu . . . Auf der Place de la Concorde sieht man nur sehr wenig Leute: die Straßenreiniger gehen ruhig an ihre Arbeit, und der Omnibus ist dicht besetzt mit ÄuS- flüglern, die den schönen Sonntag in Saint-Cloud verbringen wollen. Der Park der Tuilerien ist geschlossen und leer; an den Quais sitzen wie immer friedliche Angler. Auf dem Hauptgebäude des kaiserlichen Schlosses flattert die dreifarbige Fahne; die Kaiserin-Regentin ist also noch immer im Schlosse. Im Hofe des Carrousel gehen einige diensttuende Offiziere mit sorgenvoller Miene auf und ab. Vor den Schilder­häuschen, die rechts und links vom kleinen Triumphbogen stehen, halten zwei Reiter, mit dem Karabiner in der Hand, Wache. Nach dem Frühstück beginnen wir unseren Streif­zug durch Paris von neuem; mein Bruder geht mit unserem Vater, während ich den Großvater begleite. Das Sluâfeoen der Boulevards hat sich jetzt vollständig geändert: die Bo - menge, die sich am Vormittag ruhig verhielt, g ei 1 einem brausenden Meer, Bataillone der Natwna gar ; mit Mastk »«Über; überall ftSveil man : »^g' *'M , und .6 lassen sich auch einige schüttern- .Hoch d>° R-»ubitk 1

durch Fütterung mit Eosingerst« die Gesundheit des Viehes geschädigt und die Beschaffenheit des Fleisches und Fette- nachteilig beeinflußt werde, sind neuerdings Untersuchungen über die Wirkung der Fütterung mit Eosingerste bei Milch- kühen gemacht worden. DieNeue Politische Korrespondenz" berichtet darüber: Der Versuch fand im Werk- und Armen« Hause in Hamburg unter Leitung des Staatstierarztes statt. Zwei Reihen von je neun Milchkühen erhielten zunächst acht Tage lang ein ganz gleiches, Gerste nicht enthaltende? Futter (täglich 900 Kilogramm Grünfutter, 26 Kilogramm Kartoffel» flocken, 30 Kilogramm Kraftfutter, bestehend aus einem Ge­menge von Weizenkleie, Daumwollsaatmehl, Erdnußmehl, Palmkernschrot, Kokosmehl» und Maisprotemschrot und 270 Kilogramm Futterkalk). Während die eine Reihe in der­selben Weise weiter gefüttert wurde, setzte man bei der anderen vom 26. Mai d. J. ab 0,5 Kilogramm und vom 15. Juni ab «in Kilogramm Eosingerstenschrot für den Tag und den Kopf an Stelle der gleichen Menge Kraftfutter- in die Ration ein und fuhr mit dieser Fütterung bis zu? Beendigung des Versuchs am 27. Juni fort. Auch diesmal wurde nicht wahrgenommen, daß Eosingerstenschrot von den Versuchstieren verweigert oder ungern gefressen wäre. Vor allem aber ergab eine Vergleichung der Menge, des Aussehens und des Fettgehalts der Milch, die von den Ver­suchs» und den Kontrollieren während des Versuchs und von den ersteren vor Beginn und nach Beendigung des Ver» such? täglich geliefert wurde, daß die Fütterung mit Eostn­gerste die Milch der Kühe weder vermindert noch in ihrer Beschaffenheit und Güte verändert hatte. Ebenso wurde, da man die Milch der Versuchstiere wie der Kontrolltiere an Säuglinge verabreichte, ohne daß die geringste Klage sich erhob, der Beweis erbracht, daß jene Fütterung auch der Bekömmlichkeit der Milch keinen Eintrag tut.

Kurzer Getreide-Wochenbericht der PreisberichtSftelle des Deutschen Landwirt» schaftsrats vom 30. August bis 5. Septbr. 1910«

Weder die meist matten amerikanischen Berichte, noch die zeitweise größere Verkaufsgeneigtheit auf russischer und rumänischer Seite vermochten in der Berichtswoche einen nachhaltigen Druck auf die Stimmung des deutschen Weizen­marktes auszuüben. Auch große Weltexportziffern und Meldungen über günstigere Witterungsverhältnisse in den bisher von Dürre bedrohten argentinischen Weizengebieten blieben ziemlich wirkungslos. Der Grund für die uner­schütterliche Festigkeit lag in der andauernden Nachfrage für deutschen Weizen zu Exportzwecken und der dadurch ange­regten Kauflust im Inland«. Diesen vielseitigen Ansprüche^ stand zwar etwas größeres Angebot gegenüber, aber c3 kommt viel geringeres Material an den Markt, und wie hören. Weit und breit nicht ein einziger Schutzmann. Wit ziehen mit einem Bataillon mit und gelangen zur Place de la Concorde. Die Brücke ist durch eine doppelte Reihe von Gendarmen gesperrt. Auf der andern Seite steht vor den Toren deS Parlamentsgebäudes eine dichte Menschenmenge. Man hört gewaltigen Lärm und Hurrarufe. Auf unserer Seite wird erzählt, daß Gambetta und Jules Ferry drüben zum Volke reden. Bald sind die Gendarmen auf der Brücke überrannt, und alles strömt von der Place de la Concorde zum Parlament; man fingt dieMarseillaise" und den Chant du Däpart"; in unserer Nähe wird mitgeteilt, daß Gambetta und Jules Favre ins Rathaus geeilt sind,

um wird

die Republik zu proklamieren . . . Der Lärm

immer größer;

niedergerissen worden;

das Gitter der Tuilerien ist das Volk dringt zaghaft in

den Park ein; viele Neugierige suchen Deckung hinter Statuen und Bäumen, denn man fürchtet, daß die Voltigeurs, die in Schlachtordnung vor dem Palaste stehen, plötzlich schießen könnten. Ihr Kommandant ist der Generat Mellinet, und er sieht nicht aus, als ob er Furcht hätt«. Vorsichtiger­weise führt mein Großvater mich wieder fort, und wir kehlen zu den Boulevards zurück. An allen Fenstern sieht man Neugierige, und die Trottoirs und die Fahrstraßen sind schwarz vor Menschen ... An der Ecke der Rue Le Pel-N betrachtet eine große Menschenmenge zweiMa, ner, d>e Säbeln das kaiserliche Wappen vom Ladensch,Id des yos» schneiders Dussautoy herunterhauen: der zwei.opfige russische Adler der sich neben dem napoleonischen Adler befindet, wird p ll-rl und («gfättig «rf*-- Di- Entfernung M Hoflieferanten,vappens ist wie ein Signal, und die Menge wird von einer wahren Zerstörungswut gepackt; die An­gestellten der Hoflieferanten tun sich bei dem Sturm auf die Wappen ganz besonders hervor ; in weniger als einer Stunde sind alle Kronen und alle N von den Läden verschwunden; einige besonders eifrige Bürger kratzten sogar von Reklame­zetteln der Kaufleute die Vignetten von Ausstellung-medaillen