Mauer G Anzeiger
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Die dxKüw Nummer testet 10 Pf^
Otattoüttaut um Verlag der Buchdrucker« M eeteie. MU «aisachause» t» Harum.
General-Anzeiger
AmMts Organ für AM- uni Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 202 ?s.rn!pr«cha„s»l„tz Nr. 605. Dienstag heil 30. August
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1910
Amtliches.
Stadt- und Eandkreis Ranau.
Die Besitzer und Führer von Kraftfahrzeugen werden darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 40 der Bundesrats- Verordnung vom 3. Februar d. Js. über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen die Inhaber von Vor dem L April 1910 von den amtlich anerkannten Sachverständigen ausgestellten Besâstigungszengnissen zum Führen von Kraftfahrzeugen die Erteilung eines neuen Führerscheines bis spätestens zum 1. Oktober d. I. bei der für den Wohnort des Antragstellers zuständigen Ortspolizeibehörde zu beantragen haben.
Es erscheint zweckmäßig, die Anträge alsbald zu stellen und nicht bis zum letzten Termin zu warten.
Nach dem 1. Oktober d. Js. eingehende Anträge können keine Berücksichtigung mehr finden. Die Erteilung eines Führerscheins kann dann nur noch nach Ablegung einer Prüfung erfolgen.
Hanau den 27. August 1910.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
P 9929 I. A.: Dr. v. Waldow.
Stadtkreis Ranau.
Die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Milchführers und Landwirts Schaffrath, hier Josefstraße Nr. 5 wohnhaft, ist erloschen.
Die Gehöftsperre ist aufgehoben.
Hanau den 27. August 1910.
Königliche Polizei-Direktion.
P 9874 I. A.: Dr. v. Waldow.
Der Magistrat hier hat unterm 12. Juli d. I. beim Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel Antrag auf Erteilung der landespolizeilichen Genehmigung zu dem von den städtischen Körperschaften genehmigten Hafenprojekt betreffend die Anlegung eines Sicherheits- und Handelshafens oberhalb der Eisenbahnbrücke zwischen Hanau und Klein- Steinhnm gestellt. Bei diesem Projekt, das die Zustimmung der Königlichen Wasserbauinspektion zu Frankfurt a. M. gefunden hat bezw. nach ihrer Anweisung umgearbeitet ist, ist auch der Erwerb des zum Hafen gehörigen Jndustriegeländes in der Gemarkung Großauheim im Wege der Enteignung in Aussicht genommen.
Der Entwurf zu diesem Hafenprojekt liegt während der Zeit vom 30. d. Mts. bis 13. September d. I. im Zimmer 3 der Polizeidirektion, Hainstraße 10 hier, während der Bureaustunden zur Einsicht offen und können etwaige Einwendungen während dieser Zeit schriftlich einge- «S—^——-———«!. >___________________-......... I in in.
Reisebilder.
Von K. Schroeter. *
(Fortsetzung.)
Uebermut und Erregbarkeit des Franzosen zeigen nur zu leicht auch ihre Schattenseiten. Besonders in der Trunkenheit läßt sich der Franzose, ebenso wie der Italiener, nur zu häufig zu Tätlichkeit und Blutvergießen hinreißen. Ohne bewaffnet zu sein, kann man abends in Paris nicht ausgehen, denn zu oft kommt es vor, daß Vorübergehende aus lauter Vergnügen einem den neuen, schönen Hut mit ihren Stöcken einschlagen. Nicht weit von meiner Wohnung wurde ein Engländer von einem angetrunkenem Soldaten angefallen, weil er englisch gesprochen hatte.
Leider hat die französische Lebhaftigkeit auch häufig die Leichtfertigkeit im Gefolge. Der Franzose lebt meist voll und ganz im Augenblick, eilt von neuem zu neuem und läßt Vergangenheit Vergangenheit sein. Unheimlich ist es zu sehen, wie beim Glücksspiel die Frankstücke von befrackten Croupiers in Massen zusammen gerecht werden und verschwinden, und wie der Franzose immer wieder neue Geldstücke auf den grünen Tisch legt. Offiziell ist das Glücksspiel verboten, wird aber doch in aller Öffentlichkeit gespielt. Beim Zusehen kribbelts einem selbst in den Fingern und man muß seine ganze deutsche Gewissenhaftigkeit aufbieten, um nicht vom Spielteufel besessen zu werden. Schlimmer noch ist es, daß der Franzose sich so häufig vom Alkoholteufel fangen läßt, und man ihn so oft seinen gelben Absinth suckeln sehen kann. Ja selbst der Opiumgenuß verbreitet sich in erschreckendem Maße im Süden der Republik.
Glücklicherweise treibt den Franzosen in den meisten Fällen seine Lebhaftigkeit zu harmlosem, heiterem Lebensgenuß. Vergnügen muß der Franzose haben, immer wieder neue. Zahlreich sind die Pferderennen auf den zahlreichen Rennbahnen in der Umgebung von Paris. Zahlreich die
reicht oder mündlich im Polizeisekretariat zu Protokoll gegeben werden.
Hanau den 27. August 1910.
Königliche Polizei-Direktion.
P 8724 I. A.: Dr. v. Waldow.
Bekanntmachung.
Der Entwurf der neuen Freibankordnung liegt 2 Wochen lang, vom Tage nach der Bekanntmachung an gerechnet, im Neustädter Rathaus auf Zimmer Nr. 11 zur Einsichtnahme offen.
Hanau den 23. August 1910.
Der Magistrat.
Hild. 18683
Der Saatenstand Mitte August 1910.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hanau-Land. Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering.
Fruchtarten usw.
Durchschnittsnoten für den
e e
§
CD
Winterweizen
2,6
2,5
Sommerweizen Winterspel;
2,8
2,6
(Dinkel)
3,4
—*
Winterroqgen
2,7
2,6
Sommerroggen
3,0
2,8
Sommergerste
2,9
2,6
Hafer
2,8
2,4
Erbsen
3,0
2,8
Ackerbohnen
2,9
2,7
Wicken
2,7
2,6
Kartoffeln
2,7
3,3
Zuckerrüben
Winterravs- u.
2,4
2,4
Rübsen
2,7
Flachs (Lein)
2,8
Klee
2,3
2,3
Luzerne
Wiesen m. kstl.
2,3
2,3
Be- (Ent-)wâss.
2,3
2,1
Andere Wiesen
2,5
2,3
1
1
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten.
1 |1—2I 2 12—81 3
8-4| 4 14-5
2
1
4
2
5
1
2
2
2
2
2
1
1
1
1
2
1
1
5
1
1
1
3
2
1
3
2
2
1
1
1 4
1
1
1
1
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.
Dr. Blenck, Präsident. V 5012
Sportveranstaltungen jeglicher Art. Besonders beliebt sind die Theater. Am 14. Juli, dem Tag der Erstürmung der Bastille, dem Nationalfest der Franzosen, finden in allen Theatern kostenlose Aufführungen statt. Schon in aller Frühe steht dann ein mehrfach gewundener Schwanz von Menschen vor den Toren. Mittagessen wird mitgenommen und in aller Gemütsruhe verzehrt. An diesem Kaisersgeburtstag der Franzosen gehört die Straße dem Volk. Kein Omnibus, keine Elektrische darf mehr fahren. Auf freien Plätzen, an Straßenkreuzungen haben die in der Nähe wohnenden Wirte Tribünen für Musikkapellen errichten lasten, und dort wird nun mitten auf der Straße getanzt, abends bei Lampions und Illumination. Keiner darfs einem übel nehmen, wenn man da auch einmal eine Pariser Schöne, sei sie Küchenfee, sei sie Ladenhüterin, um die Taille faßt und mit ihr über das Pflaster walzt. Anzuziehen, ebenso wie sich anzuziehen verstehen sie meisterlich die schwarzäugigen Pariserinnen. Der Franzose, besonders der Pariser, ist im Grunde seines Wesens ernst. Und mit welch leidenschaftlichem Ernst verteidigen sie eine Sache! Die harte Arbeit, mit der sich die vielen kleinen Existenzen in der großen Stadt durchringen müssen, hat sie ernst gemacht. Um so fröhlicher wollen sie deshalb in den Stunden der Muße, in den Tagen der Feste sein.
Witz und Humor lieben sie dann. Je nach dem Stande des Einzelnen fallen die bons mots feiner oder derber aus. Der Pariser Arbeiter ähnelt in seiner Witzigkeit und anderen Eigenschaften dem Berliner sehr. Nur ist in Paris alles in dreifacher Potenz vorhanden. Witzigkeit, Frechheit, Verkehr, Schönheit der Bauten, alles was man haben will. Im Charakter des Parisers muß man genau auseinanderhalten das, was dem französischen Nationalcharakter an gehört und die Steigerungen und Veränderungen i L Eigenschaften, die Produkt der Großstadt ^riler und Kühnheit in der Witzigkeit sind denn ""^) hauptsächlich durch die Großstadt hervorgebracht, ^m
Politische RtmdTchati«
Der Reichskanzler und die Kaiserrede. Dit „Nordd. Allg. Zlg." schreibt: „Die Königsberger Rede des Kaisers rief in einem Teile der Presse starken Protest hervor. In der Rede soll die Verkündigung des Absolutismus, der Geringschätzung des Volkes und der Volksvertretung enthalten sein. Demgegenüber stellen wir zunächst fest, daß die Rede kein Regierungsakt, sondern ein persönliches Bekenntnis des Monarchen war. Als solches atmet es den Geist deS auf religiösem Grunde ruhenden Pflichtgefühls, das der Kaiser wiederholt bekundete und bei der Ausübung des Herrscherberufs stets bestätigte. Als Unterlage für jene Behauptungen dient hauptsächlich die Stelle, welche besagt, daß der Kaiser „ohne Rücksicht auf Tagesmeinungen" seinen Weg gehen werde. Der wäre ein schlechter König, der Ansichten des Tages zur Richtschnur seines Handelns nähme. Der kaiserliche Redner soll sich aber mit jenem Wort in einen Gegensatz zu der Verfassung gestellt haben. Diese Folgerung läßt sich nur aus der Fiktion einer von schwankenden Stimmungen abhängigen Parlamentsherrschaft oder gar eines Absolutismus der Masse erklären, wovon die Verfaffung nichts weiß. Ebensowenig liegt in der Erklärung der historischen Tatsache, daß die Könige von Preußen die Krone nicht aus der Hand von Parlamenten empfingen, eine Mißachtung von Volksrechten und Voltsbeschlüssen. Damit wäre auch nicht in Einklang zu bringen, daß die Königsberger Rede jeden im Lande zur Mitarbeit an der Wohlfahrt und der friedlichen Entwickelung des Vaterlandes auffordert. Der Herrscher, der so viele Beweise davon gegeben hat, daß er, fest auf dem Boden der Verfassung stehend, die schaffenden Kräfte bei Volkes zu fördern und zu achten weiß, sollte vor solcher Mißdeutung geschützt sein. Hiernach ist endlich die Frage, was der Reichskanzler tun werde, leicht zu beantworten. Der Reichskanzler weiß, wie fern es dem Kaiser gelegen hat, sich in den aktuellen Streit der Parteien zu stellen und kann nicht der Rede einen absolutistischen Sinn geben, der zu Agitationszwecken künstlich hineingelegt und herausgelesen wird. Er wird daher den Kaiser gegen willkürliche Auslegungen und bösartige Verdrehungen verteidigen und die Geschäfte, wi« bisher, in voller Uebereinstimmung mit der Krone unter Wahrung aller verfassungsmäßigen Rechte führen".
Reichstags - Ersatzwahl. Bei der am 24. August erfolgten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis 20 deS Königreichs Sachsen wurden insgesamt 24 179 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt Schriftsteller Paul Goehre-Zehlen- dorf (Soz.) 14 831, Landgerichtsrat Alfred Brodauf-Chemnitz (Fortschritt!. Volksp.) 4706, Kaufmann und Obstgutbesitzer Kurt Fritzsche-Waldau (Reformpt.) 4641. Ein Stimmzettel lautet auf einen anderen Namen.
Theater erlebte ich häufig großen Beifall bei ganz geringen Dienerrollen, ein Scherz, den bei uns höchstens die Studenten, vielleicht auch die Galerie in den großen Städten sich erlaubt. Einst sah ich mir im Theater von Sarah Bernhard die Dame aux Camelias an. Alles war tief gerührt und überall sah man die Taschentücher erscheinen. Auch hinter mir begann einer sich die Nase zu putzen. Immer heftiger wurde sein Schneuzen, bis schließlich alles herausplatzte, womit der Mann sein Ziel erreicht hatte. — Was andere durch Grobheit und Schimpfen erreichen, sich Platz zu verschaffen, unschickliches Benehmen in die gehörigen Schranken zurückzuweisen, überhaupt sein eigenes Recht zu wahren, das weiß der Pariser, wie der Berliner oft durch ein paar witzige Worte durchzusetzen. „Mein Fräulein, Sie sind sehr schön. Noch schöner ist das schöne Blumenbeet, das sie auf dem Kopfe tragen. Am schönsten aber wäre es, wenn sie mir damit nicht mehr die Aussicht auf die Parade verdürben. Denn die ist auch ganz schön," so sagte ein Arbeiter neben mir im Gedränge bei der großen Parade am 14. Juli.
Seelische Bewegung und Erregung bis zum höchsten Grad, das ist dem Franzosen Lebensbedürfnis. So sch denn auch seine Lebensfreude gar oft in Begeisterung • Vielfach ist Begeisterung Notwendigkeit für volle 3 ^ denheit. Von hoher Begeisterung ergriffen s h^^h ^
Volksmenge bei der großen die Auffahrt des gewährte der
fremder Staaten.
KÄS«’ Infante- « <l°ri-, Aâ-i-,
E.W K-l°nialtrupp-n, Maschinengewehr-, Ml- trailleusen zogen an uns vorüber. Von wertem näherte sich ein lenkbares Luftschiff, die Republique. Schon war es so nahe herangekommen, daß man die Propeller durch die Luft wirbeln sah, die Maschinen klappern hörte, die Bedienungsmannschaft erkannte, da tauchten plötzlich hinter der Präsidententribüne ein zweites Luftschiff auf. Jetzt konnte