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v«ant»»rU. Redakteur: ®. Schrecker i, H««^
Montag bcn 22. Augnst
Kernsprechaiifchlitß Nr. 605
Mt. 195 Aernsprechanschlitß Nr. 605.
1910
Amtliches.
Zwarrgsversteigerung.
I Das Verfahren zum Zwecke der Zwangsversteigerullg der in Niederissigheim belegenen, im Grundbuche von da, Band I Artikel 19 in Abt. 1 unter Nr. 1, 25, 26, 27 und 28 auf den Namen des Ackermanns Konrad Gruner, Philipps Sohn, zu Niederissigheim eingetragenen Grundstücke: Krtbl. 4 Parz. 85/22 Hauptstraße Nr. 45, a) DOhuhaus mit Hofraum, b) Scheuer mit Stallung (A), c) Stall, d) Schweinestall, 4 ar 93 qm groß, Gebäudesteuernutzungswert 60 Mk.,
Krtbl. 2 Parz. 42 Am Butterstädterweg, Acker, 22 ar 94 qm groß, Reinertrag 16,56 Mk.,
Krtbl. 1 Parz. 59 An der untersten Kreuzweide, Acker, 1 ha 66 ar 45 qm groß, Reinertrag 73,38 Mk., Krtbl. 5 Parz. 86 An der Brücke, Acker, 3 ar 98 qm groß, Reinertrag 3,15 Mk.,
Krtbl. 5 Parz. 152 Auf der Dürren Seite, Wiese, 1 ar 93 qm groß, Reinertrag 1,47 Mk., Grundsteuermutterrolle Art. 63, Gebäudesteuerrolle Nr. 49 a—c, ist der zur Versteigerung auf den 12. Oktober 1910, nachmittags 4 Uhr, in der Viehmannffchen Gastwirtschaft zu Niederissigheim anberaumte Versteigerungsiermin aufgehoben worden, da der betreibende Gläubiger die einstweilige Einstellung des Verfahrens bewilligt hat.»
Hanau den 6. August 1910. 18117
Königliches Amtsgericht, 2.
Politische RundTtbaa.
„ Die Konkurrenzklaufel. Wenn mitgeteilt wird, daß schon in dem nächsten Tagungsabschnitte dem Reichstage gesetzgeberische Arbeiten unterbreitet werden sollen, die sich auf die Einschränkung der Konkurrenzklausel beziehen, so ist hier wohl der Wunsch des Gedankens Vater; das Stadium, in welchem sich die betreffenden Vorarbeiten befinden, läßt nicht darauf schließen, daß der Reichstag sich mit der Frage schon im nächsten Tagungsabschnitt zu belasten haben wird. Erst vor kurzem hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe die Handelsvertretungen zur Abgabe von Gutachten zwecks Einschränkung des Gebrauchs der Konkurrenzklausel aufgefordert und ihnen dabei elf Grundsätze, die bei ihm in Anregung gebracht waren, unterbreitet. Der preußische Handelsminister hat in dem betreffenden Begleitschreiben ausdrücklich hervorgehoben, daß, ehe er zu den ihm auf diesem Gebiete gegebenen Anregungen Stellung nehmen will, er die Gutachten der Handelsvertretungen über die elf Vor
lieber bas Verhältnis des moberne» Lebens znr Natnr. Wiederabdruck des Aufsatzes von Ern st Rudorfs aus dem Märzheft 1880 der preußischen Jahrbücher.
(Fortsetzung.'!
Die Schweiz ist das Musterland für den geschäftsmäßigen Betrieb des Naturgenießens. Sie steht nicht nur in Beziehung auf die Menge und Großartigkeit beP Hotels, das Raffinement ihrer inneren Einrichtung, die Ausbeutung jeder irgendwie auffallenden einzelnen Naturerscheinung • 3um Zweck des Gelderwerbes obenan, sie hat auch den Ruhm, die erste Eisenbahn gebaut zu haben, die mit Hilfe einer besonders hierfür erfundenen Konstruktion gerades Weges einen hohen Berg hinanführt. Der Rigi ist durch die ^ahst,. die im Sommer tagtäglich ganze Schwärme von Touristen jeder Nationalität, jedes Standes,Geschlechts und Alters den Berg heraufschleppt, noch mehr, als er es bereits Dar, zu einem Rendezvousplatz der europäischen Gesellschaft geworden. Wenn abends nicht ein Blick aus den Fenstern darüber belehrte, welche Höhe man erstiegen hat, so könnte man ebensogut meinen, man befände sich in einem der großen Hotels von Berlin, Paris oder welcher anderen Großstadt. Mag man sich freuen, daß es vermittelst dieser Grsenbahn Schwachen, Alten und Kranken ermöglicht mor= , ^- einmal Hochalpenluft zu trinken (wenn auch in un- mlttelbarer Nachbarschaft von Salonparfüm und Loko- motioendampf); mag man ferner zugestehen, daß ein be- ”S ""^gehungertes Gemüt auch unter so erschwerenden mstanden immer noch ein Plätzchen, einen Augenblick finden wird, wo es sich dem gewaltigen Eindruck des Pano- ramas ungestört hinzugeben vermag: im großen und ganzen erbt es doch wahr, daß man den Rigi zu vermeiden hat, wenn man Natur haben will. Es ist hier wirklich gelungen, vor lauter Zurüstungen für den Naturgenuß so gut wie gar lerne Gelegenheit übrig zu lassen, um im wahren Sinne des Wortes „Natur" zu genießen.
schlage und auch darüber kennen lernen will, ob einer Ausdehnung der für die technischen Angestellten vorgeschlagenen Grundsätze auf alle gewerblichen Arbeiter Bedenken entgegen- stehen. Auch bat er um eine Aeußerung darüber, ob und inwieweit der Grundsatz der bezahlten Karenz und eine etwaige Formschrift auf Vereinbarungen Anwendung finden könnten, durch die sich der Angestellte einem Schweigeverbot unterwirft, ohne daß ihm der Eintritt in ein Konkurrenzunternehmen verboten ist. Kurz der Stoff, um deu es sich hier handelt, ist ein so außerordentlich mannigfaltiger, daß schon an sich seine Prüfung und die Entscheidung über die gesetzgeberisch zu erfassenden Punkte längere Zeit in Anspruch nehmen würden. Dazu kommt, daß der Handelsminister selbst den Termin, bis jh dem er der Einsendung der Gutachten der Handelsvertretungen entgegensieht, auf den 15. September d. J. festgesetzt hat. Also erst von da ab wird überhaupt das eingelaufene Material im preußischen Handelsministerium einer Sichtung und Prüfung unterzogen werden können. Daß diese Monate hindurch dauern müssen, liegt auf der Hand. Da mit der Entscheidung im preußischen Handelsministerium aber gegebenenfalls die Angelegenheit innerhalb der Regierung nicht . abgeschlossen sein würde, würde zur Ausarbeitung von dem Parlament vorzulegenden Entwürfen natürlich' noch längere Zeit zur Verfügung stehen müssen. Es ist demnach schon nach der Lage der tatsächlichen Verhältnisse garnicht daran zu denken, daß die Konkurrenz- klausel den Reichstag schon in der nächsten Tagung beschäftigen wird. Darauf, daß die Fülle des sonstigen dem Reichstage vorliegenden und bei ihm notwendig einzubringenden Materials die Zurückstellung aller nicht dringenden Arbeiten bedingt, ist schon mehrfach hingewiesen worden.
• Die ftebenitndfünsztgfte Generalversammlung der Katholiken Deutschlands nahm gestern vormittag mit einem im Dom zu Augsburg zelebrierten Hochamt ihren Anfang. Seit den frühesten Morgenstunden brachte die Eisenbahn große Menschenmasten in die Stadt, welche reichen Schmuck angelegt hat. Vom Bahnhof bis zur Festhalle war eine via triuuiphalis errichtet, und mit Fahnen in bayerischen Reichsfarben geschmückt, durch welche die ankommenden Vereine in ihre Quartiere marschierten. Auf dem Domplatz war eine Tribüne errichtet, von der aus die anwesenden geistlichen Würdenträger und die Mitglieder des Komitees den Festzng beobachteten, der sich um 2 Uhr in Bewegung setzte. Den Festzug bildeten 556 Vereine mit 46 Musikkorps, in ihm waren alle Kreise Bayerns und außer den vielen deutschen Städten vom Auslande Salzburg, Chur, Zürich u. a. vertreten. Der gewaltige Festzug brauchte trotz des flotten Tempos zum Vorbeimarsch 2'/» Stunden. Nachher begaben sich die Vereine in die verschiedenen Lokalitäten, in denen Versammlungen stattfanden.
Doch die Schweiz ist groß und wenn es auch an den meisten ihrer weltberühmten Punkte, in Interlaken, am Gießbach, auf der Wengernalp, im Chamounix-Tal usw. um nichts bester steht, die Dimensionen der Alpen sind so ungeheure, die Frische ihrer Hochgebirgsnatur ist eine so tiefgründige, daß es schwer halten möchte, sie in der Tat zu erschöpfen. Noch schlimmer sind unsere kleinen mitteldeutschen Gebirge daran. Hier ist das Verderben, wo es einmal platzgreift, radikaler und fühlbarer, weil das Einzelne näher zusammenrückt, weil man nicht, wie in den Alpen, rechts und links ausweichen kann. So sind gewisse hervorragende Partien des Harzes, der sächsischen Schweiz, des Thüringer Waldes, der Nheingegenden zum Besten der Touristen und Sommerfrischler schon längst total verdorben; ihre Ursprünglichkeit ist bis auf die Neige vernichtet; der Rest aber dessen, was noch einigermaßen verschont geblieben, wird von Jahr zu Jahr kleiner.
Und was kommt für die Menschheit im allgemeinen bei dieser Praxis heraus? — Sind wir poetischer, idealer geworden, seit das Reisen en mässe in die Mode gekommen ist? Man müßte blind sein oder der Wahrheit geflistentlich den Rücken kehren, wenn man nicht zugeben wollte, daß gerade das Gegenteil der Fall ist. Die Majorität aus allen Schichten der Gesellschaft ist - j bleibt trivial. Wenn diese Leute auf Reisen gehen, so webten sie im Grunde nichts als einmal eine Veränderung des Lokals, um dann draußen bas; J - Treiben fortzusetzen, das sie zu Hause verlasten haben. Wer das nicht glauben will, der beobachte das Publikum, das die Fest- und Sonntagsextrazüge z. B. in den Harz transportieren. Wohl werden sich Ausnahmen finden, Bei den meisten handelt es sich nur um eine Kneiperei in veränderter Form, höchstens zugleich um eine Befriedigung der Neugier. Hier wie dort dieselben Nichtigkeiten rm eps und auf der Zunge, derselbe Plunder von Elte ke.t fertigkeit, Albernheit, rein äußerlicher Vergnugung.su ) , das alles ist mit auf die Reise gegangen, und macht sich in
29. Derbandstaq der Vereine Creditreform. Vom 23.-26. Juli 1910 fand in Halle a. S. der 29. Verbandstag des Verbandes der Vereine Creditreform e. V. in Leipzig statt, dem auch der Verein Creditreform in Hanau angehört. Die Behörden, sowie die Handelskammer und kaufmännischen Vereinigungen bekundeten ihr Interesse an dem von Delegierten aus allen Teilen des In- und Auslandes zahlreich besuchten Verbandstage durch Entsendung von Vertretern, die den Bestrebungen der Vereine und bei Verbandes ihre Sympathien ausdrückten. Neben den Verhandlungen, die sich zum großen Teil auf Gegenstände der inneren Verwaltung und Vereinstechnik bezogen, verdienen ganz besondere Beachtung die Erörterungen über eine Förderung des Exports durch eine großzügige Erweiterung der Auslands-Organisation dieser internationalen Vereinigung. Angesichts der Tatsache, daß dem deutschen Export'Schwierigkeiten über Schwierigkeiten bereitet werden, wird es dieser ganz besonders begrüßen, daß der genannte Verband für seine ca. 80 000 Mitglieder und deren Reisende neben seinen bisherigen ca. 700 Stellen für mündliche Auskunftserteilung noch mehr als die gleiche Anzahl weiterer Stellen im Auslande zu erschließen beabsichtigt, wo den Mitgliedern und deren Reisenden die große Annehmlichkeit geboten wird, sich auf der Reise an Ort und Stelle über die Geschäfts- und Creditverhältnisse zu unterrichten. Daß die Vereine Creditreform auch schriftliche Auskünfte auf alle Orte der Erde besorgen, versteht sich von selbst. Außerdem haben sie, wie ihre Statistik zeigt, bedeutende Erfolge auf dem Gebiete des Mahnverfahrens aufzuweisen. Der Vorstand besteht nach der in Halle vorgenommenen Wahl aus den Herren: Rechtsanwalt Dr. jur. Georg Zöphel-Leipzig, 1. Vorsitzender, Carl Leßmeyer-Hamburg, 2. Vorsitzender, Emil Dumont-Leipzig, Emil Haeußler-Halle a. d. S., M. Lindheimer-Frankfurt am Main, Aug. Pechmann Cassel, B. Sanson-Rotterdam, Carl Schaeser-Jterlohn, G. Scheuer-Saarbrücken, L. Spicken- heuer-Gresrath. Der Verbandsgeschäftsführer, Herr Hermann Pielert, wurde zum Verbandsdirektor ernannt. Der nächste Verbandstag soll in Braunschweig abgehalten werden. Nähere Auskunft über Erwerbung der Mitgliedschaft bei dieser mehr als 80 000 Mitglieder umfassenden Organisation wird bereitwilligst mündlich oder schriftlich erteilt im Vereinsbureau Marktplatz 4.
Der panamerikanische Kongreß nahm einen Antrag des Bureaus der panamerikanischen Union, eine Abteilung für Handel, Zölle und Statistik zu schaffen und Grundlagen zu einem Entwurf vorzubereiten, der die Ver- ein-heitlichung der internationalen Handelspapiere, sowie eine strenge Befolgung des dezimalen Maßsystems vorschlagen soll, an. Der Entwurf wird dem nächsten Kongreß zur Beratung vorgelegt werden. Ferner nahm der Kongreß die Fabrifreier Luft um so widerlicher breit. Ist es schön und richtig, daß zum Besten dieser Leute, für die ein brillanter Kaffeegarten vor der Stadt mit bunten Lampions, guter Küche, gutem Getränk und Tanzmusik der ganz entsprechende Aufenthalt wäre, eine Stelle wie das Roßtrappental banalisiert wird? Alle die Zurüstungen, die gemacht werden müssen, um solchem Publikum gefällig zu sein, alle die Spuren die es zurückläßt, verwischen den ursprünglichen Charakter einer Gegend so vollständig, drücken ihr so deutlich das Gepräge des Entweihten, Verbrauchten auf, daß es einem feineren Sinn kaum gelingen wird, unter dem Vann dieser Eindrücke noch einigermaßen Empfänglichkeit für das zu bewahren, was nicht zerstört werden konnte. — Eine andere Gattung wiederum schwätzt und tut entzückt über das Idyllische einfacher ländlicher Verhältnisse, und ist doch wenig fähig, sich der erfrischenden Gesundheit solcher Eindrücke in Wahrheit hinzugeben, daß sie, statt der eigenen Verwöhnung Zwang anzutun, für sich selbst den Anspruch erhebt, von all dem Apparat umgeben zu bleiben, den die Befriedigung verfeinerter Lebensbedürfniste fordert, bis sie es glücklich soweit gebracht hat, daß dank der ganzen importierten Wirtschaft die ursprüngliche Einfalt entweder völlig vernichtet ist oder halb erheuchelt fortbesteht.
Gewiß, ein Lehrling ehedem, der auf die Wanderschaft ging, ein Student, der zu Fuß die Welt durchstreifte; soweit Ferienzeit und Geldbeutel ihn kommen ließen, erfuhr mehr von Land und Leuten als etn heutrger Tourist, der sich durch Vermittlung von Stanzens Rersebureau bis an die Enden der Lybien hat schieben lasten. Auch für die Gesundheit ist der Ertrag der modernen Reisemethode meistens nicht allzugroß; die Hast unterwegs verzehrt die Hälfte, der Rest von Erfrischung wird in dem Räderwerk des städtischen Getriebes nur allzubald wieder zerrieben. Und — last not least — die ansässige Bevölkerung aller der Ortschaften und Distrikte, die dem Fremdenverkehr im großen Stil verfallen. träat trotz des Geldes, das plötzlich von außen ru-