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Genersl-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 187
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Fernsprechanschlutz Nr. 605
Freitag den 12. August
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1910
Amtliches.
Wen bisherigen Hilfssachverständigen, Apotheker Hermann Hoffmann zu Lorch a. Rhein habe ich zum Sachverständigen in Reblausangelegenheiten für die Provinz Hessen-Nassau ernannt.
Cassel am 27. Juli 1910.
Der Oberpräsident.
V 4570 Hengstenberg.
Stadt- und Landkreis Hanau.
An die Ortspolizeibehörden des Kreises.
Der Handwerkskammer ist es ausgefallen, daß unter den Handwerkern, welche sich der Meisterprüfung unterziehen, verhältnismäßig wenige Maurer und Zimmerer vertreten sind, obwohl gerade für die Handwerker die Meisterprüfung besonders notwendig und wertvoll ist. Das Reichsgesetz zum Schutze des Baugewerbes vom 7. Januar 1907 und das Reichsgesetz über den kleinen Befähigungsnachweis vom 30. Mai 1908 knüpfen an das Bestehen der Meisterprüfung gerade für den Bauhandwerker wichtige Vorrechte. Nach dem ersteren Gesetz kann der Mangel an theoretischer oder praktischer Vorbildung nicht geltend gemacht werden gegenüber Bauunternehmern und Bauleitern, wenn sie gemäß § 133 R.-G.-O. die Meisterprüfung bestanden haben. Nach dem letzteren Gesetz aber ist die Berechtigung zur Ausbildung von Lehrlingen an die Ablegung der Meisterprüfung gebunden. Das Bestehen dieser Prüfung ist jedoch für Bauhandwerker, welche eine Baugewerkschule nicht besucht haben, sehr schwierig, weil hierbei außer einer guten praktischen Vorbildung auch erhebliche Kenntnisse in statischen Berechnungen, Baukonstruktioiislehre, Baukunde, Veranschlagen, Entwerfen, Flächen- und Körperberechnung, Physik u. s. w. verlangt werden. Diese hohen Anforderungen halten viele Bauhandwerker von der Prüfung ab, namentlich aber diejenigen, welche eine Baugewerkschule nicht besucht haben.
Um nun auch solchen Personen Gelegenheit zu geben, sich die bei der Meisterprüfung geforderten Kenntnisse zu erwerben, hat der Vorstand der Handwerkskammer beschlossen, bei Beteiligung von mindestens 30 Personen im nächsten Winter in Castel einen fachiheoretischen Vorbereitungskursus auf die Meisterprüfung für Maurer und Zimmerer abzuhalten, in dem die vorstehenden Prüfungsgegenstände sämtlich gelehrt werden sollen. Bei dem Unterricht wird namentlich auf die einheimische (bodenständige) Bauweise Rücksicht genommen werden. An dem Kursus können ältere Maurer und Zimmerer — selbständige und Gesellen — teilnehmen, die eine gute Volksschnlbildnng besitzen und über einige Kenntnisse im
Das Kiinstreitcrkind. Erzählung von A. R.
(Fortsetzung.)
Dort stand bereits ein mittelgroßer, untersetzter Mann mit einem bartlosen, edel geschnittenen Gesicht, aus dem zwei hellblaue Augen tiefernst herausschauten. Die Kleidung des Mr. String war die eines neumodischen Gecken: hellgrauer Anzug, gelbe Stiefeletten, bis an die Ohren reichender, glänzend weißer Stehkragen, feuerroter Schlips, in dem eine Brillantnadel steckte, — das alles paßte gar nicht zu dem nicht mehr jungen, ernsten, fast traurigen Gesicht.
„Sie sind aus dem Zirkus?" fragte der Geheimrat sehr von obru herab.
„Zu dienen, Exzellenz; ich gestatte mir, wegen der kleinen Pia um eine Unterredung zu bitten".
„Sind Sie der Vater?"
„O nein, Vater gibt's nicht!"
„Also der Direktor? Doch mich dünkt, der sah anders aus!"
„Ich bin der erste Clown", sagte Mr. String, ohne eine Miene zu verziehen.
Der Geheimrat blickte aufmerksam dem Mann ins Gesicht. War's möglich? Das sollte der Witzbold sein, "der dessen Spässe und Bewegungen er selbst bis zu Bremen gelacht hatte?
„Setzen Sie sich", sagte er und deutete auf einen Sessel, »Welches Recht oder welches Interesse haben Sie an dem Schicksal des Mädchens?"
»Ich bin der kleinen Pia einziger Freund", sagte der t-lown, „ihre Mutter ist eine Dirne, ohne eine Korn ®e=
in ihrem hohlen Schädel; sie hat nur mehr Geld von Zhnen erpressen wollen, als sie nicht gleich einging auf Ihren Antrag, — jetzt willigt sie ein."
„Wie kommt denn das? erkundigte sich Eding, den der sonderbare Mann lebhaft interessierte.
„Ich habe sie gezwungen, sie tut alles, was ich will, ich brauche ihr nur ein Goldstück iü aeben"
Zeichnen verfüge^. Die Anmeldung zum Kursus hat schrift- | lich bei der Handwerkskammer zu Cassel, Jordanstraße 12, zu erfolgen und zwar spätestens bis zum 15. September 1910. Dem Gesuch um Zulassung sind beizufügen: 1. ein kurzer selbst geschriebener Lebenslauf, 2. ein Führungszeugnis der Ortspolizeibehörde, 3. etwaige Schulzeugnisse. Die Teilnehmergebühr beträgt 60 Mk., wovon bei der Meldung zur Meisterprüfung 10 Mark auf die Prüfungsgebühr angerechnet werden. Die erforderlichen Bücher, Schreib- und Zeichen- utenfilien muß sich jeder Teilnehmer selbst beschaffen. Der Kursus dauert vom 21. November bis 18. Dezember 1910 und vom 10. Januar bis 19. Februar 1911. Er umfaßt 400 Unterrichtsstunden. An jedem Tage werden 6 Unterrichtsstunden abgehalten. Rechtzeitige Äumeldnng ist dringend erwünscht. Zu jeder weiteren Auskunft ist die Handwerkskammer gern bereit.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, alle in Frage kommenden Personen auf diesen Fachkursus schon jetzt aufmerksam zu machen und ihnen die Teilnahme zu empfehlen. Hanau den 8. August 1910.
Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.
V 4540 Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau. Ausschreiben.
Der am 16. Dezember 1869 zu Adolzfurt (Oberamt Oehringen) geborene Gasarbeiter Karl Macko hat am 11. Juli d. Js. seine aus Frau und 6 minderjährigen Kindern bestehende Familie verlassen, sodaß diese der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen ist.
Wir ersuchen, uns von dem jetzigen Aufenthaltsort des Macko Nachricht zu geben. (Zu J II Nr. 3243).
Hanau den 2. August 1910.
Der Magistrat, Armenamt.
Hild. 17489
Handelsregister.
1. Firma: W. Horst & Sohn mit dem Sitz in Hanau.
Die Prokura des Kaufmanns Louis Fuß in Hanau ist erloschen.
2. Firma: E. G. Zimmermann in Hanau.
Dem Kaufmann Otto Anton Albert Zimmermann zu Hanau ist Einzelprokura erteilt.
Die Prokura des Kaufmanns Hermann Voltz in Hanau ist erloschen.
Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 9. August 1910 17479
„Der Geheimrat blickte vor sich hin.
„Ich habe jetzt keine Zeit, lieber Freund," sagte er, „morgen um drei Uhr erwarte ich Sie als Bevollmächtigten der Mutrer dieses Kindes bei dem Notar Schneedorn, am Markt 4. — Noch eins: wie haben Sie von der Unterhaltung gehört, die ich mit Miß Harriet hatte?"
„Von ihr selbst. Pia hatte mir gesagt, daß ein Herr eine Besprechung mit ihrer Mama gehabt und daß dieser Herr sie selbst freundlich angesehen und gelobt habe".
„Hat das Kind Lust, sein bisheriges Leben aufzugeben ?"
Die ernsten Augen des Clown leuchteten auf.
„Das will ich meinen. Das arme Ding lebt ja von Hunger und Prügeln, selbst ich kann sie davor nicht schützen; wer in unserem Berufe steht, der führt ein nichtswürdiges Dasein, und dies kleine Mädchen ist so zart; sie wäre in wenigen Jahren tot, wenn sie im Zirkus bliebe!"
„Aber wird der Direktor sie fortlassen?"
„Er muß! Ich habe schon mit ihm geredet. Es ist ihm natürlich fatal, aber ich habe ihm gedroht, fortzugehen, falls er Pia nicht losließe, — und da ist er klug genug gewesen, nachzugeben. Die Pia kann bei ihrer Konstitution doch im besten Falle es nur noch wenige Jahre machen: Und gehe ich weg, hält die Schmiere nicht lange mehr zusammen. Hätte ich mir nicht vor zehn Jahren eine Verfnkung der einen Schulter zugezogen, so arbeitete ich ohnehin nicht in solcher Bude!"
Am folgenden Tage fand die formelle Abtretung der kleinen Pia an den Geheimrat Eding und seine Gattin statt. Der Notar hatte einen Kontrakt aufgesetzt, nach dem die Mutter des Kindes auf alle Anrechte an dasselbe sm- m allemal verzichtete gegen eine einmalige Ent schm '^' - summe von 200 Mark. Unter strömenden Tran zeichnete Miß Harriet dieses Schriftstück. n sichten
Sie hatte sich heute nicht geschminkt uno 0Dn dem , Schleier vor den großen, modernen Hut g ganze Blumenbeete herabschwenkten. bie Tränen S» U Manchmal lüftete sie den Schleier, um trocknen: es war alles sehr effektoo
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Rüdigheim belegenen, im Grundbuche von da, Band I Artikel 14 in Abt. I unter Nr. 4, 5, 6, 7, 8, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Heinrich Rau, Johann Heinrichs Sohn, in Rüdigheim eingetragenen Grundstücke:
Krtbl. 16 Parz. Nr. 210, im Dorfe, Hausgarten,
2 ar 58 qm groß,
Krtbl. 13 Parz. Nr. 78, auf dem heiligen Stock, Acker, 4 ar 26 qm,
Krtbl. 16 Parz. Nr. 35 bit Wiesengârten, Wiese,
4 ar 31 qm,
Krtbl. 13 Parz. Nr. 165/77 auf dem heiligen Stock, Acker, 9 ar 1 qm,
Krtbl. zu 16 Parz. Nr. 8 57/342 im Dorfe Borngaffe Nr 6 2, Hofraum, 3 ar 88 qm,
a) Wohnhaus,
b) Scheuer mit Stall, e) Schweinestall
am 18. Oktober 1910, nachmittag- 4 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht in Rüdigheim in der Wirtschaft Uhrig versteigert werden.
Hanau den 1. August 1910.
Königlicher Amtsgericht 2. 1747V
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 schwarzes Portemonnaie mit 24 Psg., 1 gelbes Portemonnaie mit 8 Pfg. und 2 Monatsfahrkarten, 1 goldenes Vorhemdknöpfchen mit kleinem Brillant. Zugelaufen: 1 schwarzer Wolfsspitz w. Geschl.
Hanau den 12. August 1910.
Politische Rundschau.
Landtagsersatzwahl. Bei der gestrigen Landtagsersatzwahl im 1. Auricher Wahlkreis wurde Oberbürgermeister Fürbringer (natl.) wiedergewählt.
Die Polen halten jetzt auch in dem schlesischen Kreise Löwenberg ihren Einzug. Der „Schiestschen Zeitung" zufolge hat der Bankdirektor Sikorski aus Posen das Graupnersche Gut in Röhrsdorf und das 400 Morgen große Vorwerk in Merzdorf für die Firma Drwenski u. Langner (Martin Biedermann) in Posen gekauft. Diese hat dasselbe sofort mit Gewinn an Landwirt Adalbert Rozek aus Rzemieniewice bei Schubin weiterverkauft.
Mr. Robert String unterschrieb als Zeuge ebenfalls den Kontrakt, dann folgten die Unterschriften des Geheimrats und seiner Frau, die sich ihrerseits verpflichteten, für Pia Jönson zu sorgen und ihr eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen.
Pia, die im Hintergrund« rechts an ihres Freundes, Mr. Bobs, Hand gestanden hatte, begann heftig zu gittern, als jetzt der feierliche Akt beendet war und der Clown sie freundlich den neuen Eltern zuschob, indem er seine muskulös« Hand von ihren mageren, kleinen Fingern zu befreien suchte.
„Sie wird es gut bei Ihnen haben, Madam, nicht wahr?" fragte er leise.
Frau Eding reichte ihm die Hand. „Bei uns wird sie nicht leben, aber bei einer guten, lieben Frau, die sich immer nach einem Töchterchen gesehnt hat, und mein Mann und ich werden stets für Pia sorgen!"
Ein Schatten flog über des Clowns Gesicht. „Ach so, Sie fürchten das Zirkuskind!" sagte er halblaut, »ich kannS Ihnen nicht verdenken!"
Frau Eding errötete und schwieg.
Ein gellender Schrei, dem unartikuliert« Laute foigren, unterbrachen das Gespräch. Wie*
Frau Berta Jönson, genannt Mrß Harrnu, h ^ risäie Anfälle bekommen und war auf ein ßeberloT« 8 das des Notars Bureau â'erte bereut eS gemi^
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lieb sich das nicht gefallen, sie sprang wie «in
*" L Ihm °mp°r und hing an seinem {.alle, ruhig. Kindchen. bleib bei der Dame. sie hat dich lieb" und du bekommst nun immer satt zu essen," flüsterte er dem Kinde zu, „nimm dich zusammen Pia!" Er logte die letzten Worte in einem herrischen Tone.
Da blieb das Mädchen stehen.