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General-Anzeiger

AMches Orga» für Statt* uni Zaudkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

vte fünfgchpaltem Petitzeile oder der« Ream Ä Pf» ha ^Wlm^fHtefl die Aeile 45 Vft

Sersntuwrü. Redakteur: O. Schrecker h Hernm,

«r. 180

^ernsprechanschlitf; Nr. 605*

Donnerstag dcn 4. August »«nlvwdjanldilitß Nr. 605. 1910

Amtliches.

Eandkreis Fjanati.

In den Gemarkungen Niederrodenbach und Rüdigheim Sdie Schweineseuche erloschen.

Hanau den 1. August 1910.

Der Königliche Landrat.

r 4493 Frhr. Laur.

Stadtkreis Hanau. I Bekanntmachung.

Die Lieferung von 2000 m wilden Rand- teinen soll unter Zugrundelegung der Bedingungen für ie Ausführung von Arbeiten und Lieferungen für die Stadt )anau öffentlich verdungen werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen im Rathaus, Zimmer 11, zur Einsicht aus und können von dort bezogen werden.

Verschlossene Angebote sind bis zum Eröffnungstermin tM 8. August, vormittags It Uhr, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa er« chienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Hanau den 29. Juli 1910.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 16987

Dieiistnachrichten ans dem Kreise.

In der Gemarkung Wachenbuchen ist die Schweineseuche stgestellt worden. V 4421 gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Hundehalsband Nr. 1370/10 Wies­baden, 1 blaue Knabentuchmütze, 1 gelbes Handtäschchen Inhalt: Taschentuch, Schlüssel, schwarzes Haarband, (Serien* über rc.), 1 Schlüsselring mit 4 kleinen Schlüsseln.

Verloren: 1 kleines schwarzes Damenportemonnaie mt etwa 3 Mk., 1 Zwanzigmarkstück, 1 Korallenkelte mit olbenem Schlößchen.

Hanau den 4. August 1910.

PolitiTcbe RundTcbaa.

Der Kaiser in Stettin.

Kreckow bei Stettin, 3. Aug. Das Grenadier-Regi­ment König Friedrich Wilhelm IV., Erstes PommerscheS tr. 2, hatte unter Führung des Kommandeurs, Obersten Dickhuth, desselben, welcher als Gast des Kaisers bei der

Die Bergdamara oder Klippkoffern.

In den einsamen Hochgebieten unseres südwestafrikanischen Schutzgebietes, und zwar im Westen des mittleren und süd- chen Damaralandes, lebt noch ein schwarzes Volk, das zu en Kaffernstämmen Südafrikas in keinen verwandtschaft- chen Beziehungen steht. Dies sind die sogenannten Berg­amara oder, wie sie sich selbst nennen, Haukoin, d. h. Menschen oder wahre Menschen. Sie werden als dieUrein- >ohner Deutsch-SüdwestasrikaS betrachtet. Körperlich stehen ie Bergdamara dem bekannten Typus des südwestafrikani- Hen Negers viel näher als die Kaffern. Intelligente Ge- chtszüge sind unter ihnen sehr häufig, und die ganze An- ige der Muskulatur deutet auf eine ziemlich große Kraft, shre Farbe ist durchgehends ein tiefes, bisweilen fast ins bläuliche spielendes Schwarz. Die an sich nicht unschöne, iesschwarze Farbe ist aber unter einer dicken Schmutzschicht Zöllig verborgen, sodaß der Bergdamara fast aschgrau ec- cheint. Der Hang zur Unsauberkeit ist bei ihnen sehr groß, oon den anderen Eingeborenen haben sie deshalb den Ehren- ltelKaubdamara", d. h. Dreckdamara erhalten.

Wie die Buschleute, so stehen auch die Bergdamara unter ^en Eingeborenen Deutsch-Südwestafrikas auf der niedrigsten 2tufe der Kultur; sie gehören zu den ärmsten Schichten der Bevölkerung. Die Herero und Hottentotten gefallen sich Jann, von den Bergdamara zu sagen, sie stammten von den davianen ab. Wegen ihrer großen Neigung zum Stehlen, Las dem Bergdamara zur zweiten Natur geworden, wurden le von den Herero niedergeknallt, wo man sie fand. Nicht , kam es vor, daß die Kinder, wenn sie abends, nachdem le sich tagsüber im Felde ihre Nahrung gesucht hatten, zur leimatlichen Werft zurückkehrten, ihre Eltern und Geschwister und die Werften zerstört vorfanden. Wenn die ^tchionare den Hereros Vorhaltungen darüber machten, gaben e Antwort:Warum sollen wir nicht Jagd auf Paviane nachkn?" Die Körperform der Bergdamaras ist ein kurzer, gedrungener, vierschrötiger, muskulöser Bau. Kräftiger Knochenbau mit massiven Muskeln und hervorragender Körper­haft ist sogar den Weibern eigen. Eigentümlich find bei

Nordlandreise war, auf dem großen Exerzierplätze zur Be- stchtigung in Linie Aufstellung genommen, die Maschinen­gewehrkompanie auf dem linken Flügel. Die direkten Vor­gesetzten von dem Regiment mit dem kommandierenden General von Linsingen an der Spitze waren anwesend. Das Publikum hielt die Umgebung des Platzes besetzt. Zugegen waren ferner die Gemahlin des kommandierenden Generals, Oberpräsident Frhr. von Maltzahn mit Gemahlin, Ober­bürgermeister Dr. Ackermann mit Gemahlin und die Damen des Regiments. Um IO1/» Uhr erschienen der Kaiser, welcher die Uniform des Regiments trug, Prinz Eitel Friedrich, welcher â la suite des Regiments steht, und das Gefolge im Automobil und stiegen auf dem Exerzierplätze zu Pferde. Nach Entgegennahme des Frontrapports ritt der Kaiser die Front des Regiments ab und nahm bei dem Gedenkstein Aufstellung, welcher den Platz anzeigt wo Kaiser Wilhelm I. die letzte Heerschau hielt. Der Kaiser nahm drei Parade­märsche des Regiments in Zugkolonnen, in Kompaniefronten und in Regimentskolonne entgegen. Prinz Eitel Friedrich defilierte jedesmal mit dem Regiment. Nach der Kritik setzte sich der Kaiser an die Spitze des Regiments und führte dieses zur Stadt zurück. In den Straßen von Stettin, durch die der Kaiser das Regiment führte, hatten sich große Menschenmengen angesammelt. Die Fenster und Dächer der Häuser waren dicht besetzt. Das Publikum brachte dem Kaiser anbaiternb begeisterte Kundgebungen dar, für die der Monarch auf das herzlichste dankte. Auf dem Wege bildeten die übrigen Truppen Spalier, auch Vereine hatten Auf­stellung genommen. Am 12 Uhr machte der Kaiser an der Nordspitze der Buggenhagenkirche Halt und ließ hier das Regiment noch einmal in Sektionen vorbeimarschieren. Hier­nach nahm der Kaiser das Frühstück bei dem Offizierkorps des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm IV. ein. Der Kaiser verlieh dem Obersten Dickhuth den Königlichen Kronenorden zweiter Klasse.

Stettin, 3. Aug. Bei der Frühstückstafel im Offiziers­kasino brachte der Kaiser einen Trinkspruch auf das Regiment aus, auf welchen Oberst Dickhuth erwiderte. Der Kaiser und Prinz Eitel Friedrich reisten etwas später als vorgestern um 2 Uhr 15 Minuten mit Sonderzug von dem hiesigen Bahn­hof nach Berlin. Zur Verabschiedung auf dem Bahnsteig waren der Oberpräsident und der Polizeipräsident erschienen. Das Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Ovationen.

Kaiserz«sammenkunft. Offiziell wird bestätigt, daß zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm eine Zusammen­kunft im Friedberger Schloß stattfinden wird.

Von den Siegestagen im August 1870. An der Mosel, in der Pfalz und am Oberrhein zog sich in den Augusttagen des Jahres 1870 dunkles Kriegsgewölk zu­

Männern und Weibern die zahlreichen Falten der Oberhaut am Knie, die durch die Sitte, in kauernder Stellung auf den Fersen zu hocken, so daß sich Ober- und Unterschenkel be­rühren, entstanden sind. Das alte Volksabzeichen der Berg­damara bestand darin, daß sie sich fast ausnahmslos das erste Glied des kleinen Fingers der linken Hand amputierten; eS sollte Glück und Fülle für den Lebensweg bedeuten. In neuerer Zeit hat man von dieser Unsitte abgelassen, was haupt­sächlich den Lehren der Missionare zu verdanken ist.

Ein Heimatgefühl kennen die Bergdamara nicht. Ihre Wohnplätze sind stets nur flüchtige Niederlassungen ; sie ver- legen diese fortwährend, je nachdem die Natur ihnen Nah­rung bietet. In die höchsten, verstecktesten Schlupfwinkel

bet Berge und Felsen ziehen sie sich auS Buschwerk und Dornen stellen sie fachste Art her. Ebenso einfach ist dieses Volkes. Als Viehzüchter und sie nicht in Betracht. Auf größeren

zurück. Ihre Hütten auf die denkbar ein* die LebenSgewohnheit Herdenbesitzer kommen Missionsstationen be­

sitzen sie kleine Herden von Kleinvieh und betreiben dort etwas Gartenbau. In ihren .Gürten ziehen sie Kürbiffe, Melonen und Mais, wofür sie sich bei den Kaufleuten Vieh, Kleider, Neis, Kaffee und Hausgerätschaften, wie Eimer, Töpfe und Becher, die sonst in der Wildnis nicht bei ihnen existieren, kaufen. Anders jedoch ist es mit den in den verstecktesten Schlupfwinkeln der Berge wohnenden Bergdamara; ihnen dienen alle möglichen jagdbaren Tiere, wie Antilopen, Scha­kale, Hyänen, kurz, das Fleisch aller größeren und kleineren Tiere, deren sie habhaft werden können, zur Nahrung. Weiße Ameisen und Raupen gelten als Leckerbissen. Eidechsen und Mäuse stehen nicht minder auf seinem Speisezettel; auch Aas jeglicher Art ist sehr beliebt. Eine besondere Freude für den Bergdamara ist die Heuschreckenplage. Wenn diese Tiere das Land in ungeheuren Scharen heim- suchen, dann hat er wirklich gute Tage und lebt auf ü 1" hinaus in Saus und Braus. Ebenso mannigla g ^ die vegetabilische Nahrung der Bergdamara. ^mben Buschleute kennen auch sie eine Menge vone eignen Beeren, Früchten und Wurzeln, die sich zu, sHiedenartigster und die von den Weibern gesucht und i Doll neben Weise xubereitet werden. Wie aber en *

sammen, um sich in furchtbaren Schlägen zu entladen. Bor vierzig Jahren war's. Noch leben viele von ihnen, di« damals mitgestritten ; aber viele, allzu viele deckt lange schon die Erde. Doch lebendig bleibt in den Herzen derer, bit mit dabei gewesen, die große Erinnerung jener Tage, die Deutschlands Einheit vorbereiteten. Und in Kindern und Enkeln lebt der Väter Ruhmestat fort. Wir greifen auf einige Einzelheiten jener Tage zu Anfang des August zurück. Dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm war mit der dritten Armee unstreitig die schwierigste Aufgabe zugefallen. Seine Armee war aus Truppen der verschiedenen süddeutschen Staaten und preußischer Provinzen zusammengesetzt und ent­behrte zunächst der innerlichen Einheit. Aber der prinzlichr Feldherr wußte sich rasch aller Herzen und Vertrauen zu gewinnen. In seinem Armeebefehl hieß es:Es erfüllt mich mit Stolz und Freude, an der Spitze der aus allen Gauen des Vaterlandes vereinigten Söhne für die gemein­same deutsche Sache, für deutsches Recht, für deutsche Ehre gegen den Feind zu ziehen." Seine deutsche Begeisterung riß seine Armee vorwärts. Am 3. August war das Haupt­quartier der dritten Armee in Landau. Unterm Donnerstag, 4. August 1870, trug sein Generalstabschef Blumenthal in sein Tagebuch ein:Vormarsch der ganzen Armee gegen die Lauter. Um 91/* Uhr Beginn des grausamen Spiels bei Weißenburg, was die Bayern angreifen mußten. Be­festigte Stadt und die formidable Höhe des Geisbergs bildeten vortreffliche Position. Sie war aber nur mit einer Division besetzt. General Douay. Um 1 Uhr waren Stadt und Geisberg genommen. Mac Mahon soll noch in Straßburg sein. Morgen rücken wir weiter vor und muß das grau­same Werk von neuem beginnen. Wir haben leider stark« Verluste. Das 5. Armeekorps ging famos drauf." Der Kronprinz hatte, an einen Nußbaum gelehnt, von einer An­höhe ostkich von Schweigen, den Kampf geleitet. Nach der Schlacht ritt er durch die Reihen der Bataillone und sprach zu Verwundeten und Sterbenden. Er küßte die zerschoffene Fahne des Königsregiments und umarmte dessen tödlich ver­wundeten Kommandeur v. Kayserberg. Nachmittags erwies er der Leiche des französischen Generals Abel Douay eine stumme Ehrung. Am Tage darauf fand bei grausamer Hitz« Vormarsch gegen Sultz statt. 50 000 Mann französischer Truppen unter Mae Mahon erwarteten die vordringenden Deutschen auf den Höhen von Wörth und Fröschweiler.

Bassermann nnd die nationalliberale Reichs» tagsfraktion. Dem Abgeordneten Bassermann ist fol­gender, von den Mitgliedern der nationalliberalen Reichstags­fraktion unterzeichnete Schreiben zugegangen:Hochverehrter Herr Baffermann! Sie find in den vergangenen Wochen Gegenstand gegnerischer Angriffe gewesen, die Ihr während vieler Jahre betätigtes politisches Wirken im Dienste bei

seiner Nahrung noch besondere Genüffe hat, so auch die Berg­damara, und solch« haben sie in einem berauschenden Honig- und Zuckerbier gefunden. Bei der Zubereitung dieses BierS gebrauchen sie unter anderem Hülsenfrüchte tragende Pflan­zen und Hühnerdung. Um das wunderbare Gemisch noch schmackhafter zu machen, wird in heißem Wasser gelöster Honig hineingetan, so daß Alkoholgärung eintritt. Mit gleicher Leidenschaft stöhnen Mann und Frau dem Genuß des Rauchens von wildem Hanf. Dieser hat eine stark be­täubende Kraft, und da die Bergdamara den Rauch nicht ausstoßen, sondern hinunterschlucken, kann man häufig be­obachten, daß Mann und Frau bewußtlos zu Boden sinken. Dis ehelichen Bande zwischen Mann und Frau sind bei diesem Volke gerade nicht sehr fest, und mit ihrem sittlichen Verständnis ist es traurig bestellt. Fälle von Blutschande sind nicht ganz selten unter ihnen. Trotz der Armut betreibt der Bergdamara Vielweiberei, und das noch schändlicher« Gegenstück zu dieser, die Sielmännerei, fehlt auch nicht ganz.

Wie bei allen Negervölkern, so spielen auch bei den Berg­damara die Zauberdoktoren mit ihren Betrügereien und Zaubersprüchen eine traurig unheilvolle Rolle. Diese sind auch die erbittertsten Feinde des Evangeliums, wenn die Missionare ihnen mit diesem nahe zu kommen versuch Feierlichkeiten und Beerdigungen werden nur bei ^ vollzogen; die andern werden wie ein Tier ob ^J^ Die monie und Todenklage einfach in die unartigen Tänze, Erholung der Bergdamara bilden ihre g ber Auf- die das Auge jedes e-nz-lnen ^ ^ @[eni) jhZ führung desselben vergessensie l s unb Zerspringen Daseins: in und Frauen,

tanzen bei Hellen ^^ ^>ck>. Der geistigen Begabung ^""^damaras stehen iudesCharaktereigenschaften gegenüber, bfe^Bebeutung dieses Zweiges der Eingeborenen durchaus n unterschätzen lassen. Dazu gehört ihre Anspruchslosigkeit und natürliche Bescheidenheit. Gutmütigkeit, Arbeitswilligkeit und Sparsamkeit sind weitere Eigenschaften, die den Berg- damara besonders geeignet machen, in dienender Stellung unter der Botmäßigkeit der Weißen zu leben. Der Hang zur Ungebundenbeit bricht zuweilen noch mit elementar«