Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die füafgefsai^n« Vetitzeii« »bet »trat Reum 16 0ts im SieÜameiUeü b» Zeit« *3 Pfg.
BanatmertL Rebehew: S. Schrecker tat $wk
Nr. 164
Fernsprechanschlitß Nr. 605
Samstag bcii 16. Juli
Fernsprechanschluß Nr. 605
1910
Sit 6 tätigt $mnnitr mfM mßer LUnWtiiflMifl
14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Fjatiau.
Zwecks Herstellung einer Verbindungsrohrleitung von den neuen Apparatenräumen des Gaswerks bis zu den auf beiden Seiten der Leipzigerstraße liegenden Hauptröhren wird die Leipzigerstraste zwischen der Bernhard- und Waldstraße von Montag Pen 18. bis Freitag den 22. d. M. einschließlich für den öffentlichen Fuhrwerks- Verkehr gesperrt.
Hanau den 15. Juli 1910.
Königliche Polizei-Direktion.
P8033 I. A.: Dr. v. Waldow.
Landkreis Fjanau.
In der Gemarkung Bergen ist die Schweineseuche er- loschen,
Hanau den 14. Juli 1910.
Der Königliche Landrat.
V 4133 Frhr. Laur. #
Zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen sind vom Herrn Obei Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau dem diesigen Regierungsbezirk die weiteren Nummern I T 3201 bis 3600 überwiesen worden.
Hanau den 15. Juli 1910.
Der Königliche Landrat.
V 3822 Frhr. Laur.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Damenschirm.
Liegen geblieben bei Altschüler Nürnbergerstr. 24: 1 blauer Arbeitskittel in einem gelbgestreiften Taschentuch gebunden. Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 rotes Herren-Portemonnaie mit etwas über 5 Mark, 1 Skizzenheft.
Entlaufen: 1 wolfsfarbiger deutscher Schäferhund (hört auf den Namen Lux), 1 schwarzer Dachshund (hört Mf den Namen Lump).
Hanau den 16. Juli 1910.
Die alten Slaämalereien im Chor der Marienkirche.
Wohl wenige Besucher unserer Marienkirche werden den in den Chorfenstern befindlichen Resten alter Glasmalereien Beachtung und besonderen Wert beigelegt haben, sind doch die wenigen über die sieben Fenster zerstreuten und vielfach zusammengeflickten gemalten Tafeln zum Teil durch die Orgel oerdeckt, oder zum Teil durch ihre geringe Größe nicht weiter auffallend. Und doch birgt unsere älteste Hanauer Kirche in diesem alten Fensterschmuck einen großen Schatz, den man schon seit vielen Jahren erkannt und gewürdigt, dessen Wiederherstellung man jedoch bis zur gegenwärtigen Renovation hinausgeschoben hat. Die Glasmalereien stammen aus dem Ende des 15. und dem 16. Jahrhundert, ja es scheint noch ein Rest einer von Katharina Belgia, der Gemahlin des Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau ff 1612) gestifteten Tafel vorhanden zu sein. Da die Einweihung des Chorbaues im Jahre 1487 stattfand, so darf man die ältesten Reste der Glasmalereien wohl als aus dieser Zeit stammend ansehen, was auch das ornamentale Beiwerk einiger Figuren bestätigt. Prof. Linnemann in Frankfurt, eine auf dem Gebiete der Wiederherstellung alter Glasmalereien anerkannte Autorität, sagt in seinem vor zwei Jahren verfaßten Gutachten über unsere allen Glasgemälde, daß diese „ohne Zweifel einen hohen künstlerischen Wert besitzen" und sich zum größeren Teil „weit über das Mittelmaß der aus mittelalterlichen Werkstätten stammenden uns überkommenen Arbeiten erheben und auf die Hand eines ganz ausgezeichneten Meisters schließen lassen".
Es sind im ganzen 22 mehr oder weniger gut erhaltene Felder von je ca. 0,82X0,60 m Größe vorhanden, davon 14 figürlichen und acht ornamentalen bezw. heraldischen Inhalt zeigen. Teile ein und derselben Figur sind jedoch in mehreren Fenstern untergebracht, kleine delikat gemalte Figurengruppen sind hoch oben im Fenster, dem unbewaffneten Auge kaum erkennbar, eingesetzt und, ivie schon erwähnt, fitzt ein großer Teil der Glasmalereien hinter der Orgel in Fenstern, die von innen mit Brettern verschalt, also der Be-
Politische RundTdrau.
Fürst und Fürstin Bülow sind gestern auf der Durchreise nach Norderney zu mehrtägigem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Der Fürst halte nachmittags eine Zusammenkunft mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg.
Schiffahrtsabgaben. Die Handelskammer in Straßburg faßte eine Entschließung, in der sie gegen einzelne Bestimmungen des Entwurfs zum Schiffahrtsabgaben-Gejetz scharfen Widerspruch erhebt.
Jubiläum der Unfall- und Jnvaliden-Ver- stcherung. Am 1. Oktober dieses Jahres wird eine große Feier zur Erinnnerung an die Einführung der Unfall» und Jnvaliden-Verstcherungs-Gesetzgebung begangen werden. Es ist bekannt, daß unsere Arbeiter-Versicherungs-Gesetzgebung nicht mit einem Schlage ins Leben getreten ist, daß sie vielmehr aus einer langen Reihe von einzelnen Gesetzen besteht, die in verschiedenen Jahren einqeführt worden sind. Der erste Vorstoß geschah mit dem Unfall-Versicherungs-Gesetze. Zustande gekommen ist aber zunächst ein Gesetz über die obligatorische Kranken-Versicherung. Dann folgte das Gesetz über die obligatorische Unfall-Versicherung der gewerblichen Arbeiter und darauf das Gesetz über die Unfall-und Krankenversicherung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter. Die Gründung der Beruisgenossenschaften geschah aber vor jetzt 25 Jahren. Die Einführung der Alters- und Invalidenversicherung erfolgte etwas später. Da aber die Errichtung der Berufsgenossenschaften als eine erste große Etappe und als ein Ausgangspunkt unserer sozialen Versicherungsgesetzgebung zu betrachten ist, so sind der Verband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Vorstände der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie der Landesver- sicherungsanstalten übereinqekoinmen, am 1. Oktober das 25jährige Jubiläum der Unfall- und Invalidenversicherung zu begehen.
Die hessische Zweite Kammer erledigte gestern die Einteilung der Wahlbezirke für das neue Wahlgesetz nach den Vorschlägen der Nationalliberalen, des Bauernbundes und Zentrums. Nunmehr wird sich die Erste Kammer mit der Vorlage zu befassen und über ihr Schicksal zu entscheiden haben. Der Landtag wird im Herbst seine Arbeiten fortsetzen.
Von dem Plane eines großen Zeitnngs- «nternehmens in Süddeutschland haben wir kürzlich Mitteilung gemacht. In Fachkreisen werden Zweifel an der Richtigkeit gehegt, namentlich, weil man an der Einigkeit der genannten Helfer über den Inhalt des Blattes zweifelt.
trachtung ganz unzugänglich sind. Die noch vorhandenen j verständlich anzusehen. Es besteht nun die Absicht — und
Stücke gehören zu verschiedenen Darstellungen, vornehmlich Heiligen, die in der Kirche verehrt wurden, z. B. Maria Magdalena, St. Georg, St. Nikolaus u. a. mehr. Dr. Winkler sagt in seinem Werk „Die Bau- und Kunstdeukmâler
der Stadt Hanau u. a. folgendes:
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über die übrigen verschiedenen Tafeln Auf den Marienkult weisen eine Figur
ff
der Himmelskönigin auf Mondsichel eine Mater dolorosa neben dem Schmerzensmann mit der Unterschrift ,0 mise- rande domine salva nos", eine Pieiügiuppe, endlich eine figurenreichere Darstellung, die Maria mit dem Kind umgeben von einer Gruppe meist weiblicher Heiligen, dabei eine Heilige mit drei kleinen Kinderfiguren, eine andere mit zwei Kindern, wohl den jung verstorbenen Kindern der Stifter der Glasbilder (Philipp der Jüngere, f 1500 und Reinhard IV., f 1512?)".
Der materielle Wert dieser Tafeln ist, bei der relativen Seltenheit derartig vorzüglich gemalter Stücke ein sehr beträchtlicher. „Und dieser hohe Wert", so führt Prof. Linnemann in seinem obenerwähnten Gutachten weiter aus, „legt u. E. der Gemeinde, die zur Hüterin dieser Schätze bestimmt ist, schon aus praktischen Gründen die Pflicht auf, für die Konservierung und Zugänglichkeit der fraglichen Objekte zu sorgen. Noch befinden sich die Tafeln in verhältnismäßig gutem Zustand: es fehlen nur wenige Stücke, fremde und störende Einflickungen späterer Jahrhunderte sind, im Vergleich mit anderorts ausbewahrten alten Glasmalereien selten. Dagegen ist der Zustand der Verbleiungen, wenigstens bei den Stücken, an die man zur Untersuchung herankann, ein recht mangelhafter und die weitere Zerstörung fördernder. Die Instandsetzung der Tafeln würde in absehbarer Zeit das vielfache der jetzt aufzuwendeuden Kosten erfordern, ohne daß sich ein gleich günstiges Resultat erzielen ließe. Einzelne Glasstücke ^H"'11'11 sich aus der Verbleiung schon zu lösen und so beispielsweise bei dem prächtigen spätgotischen wappen im mittleren Fenster." -s,„^en Weise ge-
Daß diese Schätze unmöglich m der Stetig lasien und aufbewahrt werden dürfen, ist woht
Wenn man bedenkt, daß es schon innerhalb einer Partei zu Meinungsverschiedenheiten kommt und den Redakteuren oft große Schwierigkeiten entstehen, so würde bei einem derartigen Blatte dem leitenden Redakteur eine schier übermenschliche Aufgabe zufallen.
Das deutsche Diamautensyudikat aufgelöst. Das deutsche Diamantensyudikai — das Trutzsyndikat gegen die Diamantenregie — löst sich auf. Zu Liquidatoren sind die Herren R. Hartmann und E. KrepUn ernannt worden, bei welchen etwaige Forderungen bis $um 31. Juli anzumelden sind. Die Auflösung dieses Kampf'yndckals läßt die Hoffnung zu, daß die Verhandlungen des Gerrit Stauch mit der Diamantenregie zu einem befriedigenden Resultat gc'ährt haben, und daß der Friedensschluß zwischen den Lüderitz- buchter Diamantinteressenten und der Regie nunmehr endgültig geschlossen ist.
Marmorlager in Kamerun. Der Geologe Dr. Mann hat in Adamaua (Kamerun) bei Bidjar 100 Kilometer nordöstlich Garua an der französischen Greise sehr ausgedehnte Marmorlager enideckt. Wie das „Koloniabl." berichtet, handelt es sich meist um dickbankigen, rein meisten Marmor, daneben auch um grauen Marmor. Für Bildhauerzwecke erscheint der weiße wegen seiner gleichmäßigen Farbe, Durchsichtigkeit und seines guten Bruchs hervorragend geeignet. An Ort und Stelle könnte der Marmor zu $au« und Düngungszwecken Verwendung finden. Da der Marmor umweit eines zeitweise schiffbaren Nebenflusses des Kebi liegt, ist es möglich, ihn zu Schiff auf dem Benue-Niger bis zum Meere zu befördern.
Das belgische Königspaar ist gestern nachmittag von Paris wieder abgereift.
Die russische Staatsbank konnte gestern auf ein 50 jähriges Bestehen znrückblicken.
Rußland und Perstert. Aus Teheran wird gemeldet: Der Zwischenfall in der Astrabadbucht bei Guemisch-Tepe wird in den auswärtigen Zeitungen nicht richtig dargestellt. Folgendes ist vorgefallen: Einige Kosaken waren nach Guemisch- Tepe abgesandt worden, um Diebe, die den russischen Fischern ihre Netze geraubt hatten, ausfindig zu machen. Ein Turkmene von dem Kelpegeschlecht beschoß die Kosaken, tötete einen und verwundete einen anderen. Hu dem Zweck der Herausgabe des Mörders ließ der russische Konsul ein Dorf des Kelpe- geschlechtes besetzen und einige Stammeshäuptlinge verhaften, die nach der Herausgabe des Mörders alle wieder freigelassen wurden. Dabei wurde weder Guemisch-Tepe beschossen, noch wurden Kaufleute verhaftet; auch wurde nichts zerstört. Der Mörder wurde dem Gericht übergeben.
diesem Plan hat auch schon unser Bezirkskonservator Herr Geheimrat Prof. Dr. von Drach in Marburg zugestimmt — alle vorhandenen Glasmalereien aus den Fenstern herauszunehmen, die störenden Einflickungen zu entfernen und durch sorgfältig zu den alten Malereien gestimmte Stücke zu ersetzen und in ebensolcher Weise fehlende Stücke zu ergänzen. Nachdem sämtliche Tafeln neu in Blei gefaßt sind, sollen die sich nunmehr ergebenden Figurengruppen mit ihrem ornamentalen Beiwerk in zwei Chorfenster (ein zwei- und ein dreiteiliges) verteilt werden, wodurch diese Fenster zu ein bezw. zwei Drittel von den Glasmalereien ausgefüllt werden. Der obere freibleibende Teil und ein unterer schmaler Streifen dieser Fenster werden mit einer Rautenverglasung aus Antikglas versehen, da das häßliche kalt« moderne Glas, durch das jetzt die Lichtöffnungen abgeschlossen sind, ein ruhiges Genießen der Bilder unmöglich macht. Mit der Ausführung dieser schwierigen Renovierungsarbeiten soll das rühmlichst bekannte Atelier des Prof. Linnemann in Frankfurt betraut werden.
Erstehen auf diese Weise die alten Schätze an Glasmalereien in unserer Marienkirche wieder in verjüngter Schönheit, dann erhält Hanau in künstlerischer Beziehung eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges mehr. Und setzt g^r0 ist b« 3-itpunr, gefcnmcn bid- «H» « S^ nehmen. Schon steht das Gerüst f 8«» UNd Maler — vor den Fenstern aufger.cht ^ ^ 'Wieder- nützung durch die Kunstglawr re. „tlich verringern. Herstellung der s-n-mâ,-^ kosten N°ch Wr hoch und Immerhin aber sind 5'^ ^J 6fj weitem mcht dazu die Mittel der M-r Bitte an unsere Tunst» “^. Hanauer" Bürger, hier helfend sich zu betätigen, sinnigen H ferw-lligkeit der Hanauer sich schon oft m schöner Weise gezeigt hat, so dürfen wir auch diesesmal hoffen, daß die fehlende Summe zusammenkommt, besonders wo ts gilt wertvolle alte Kunstwerke zu retten, welche dann im Diadem unserer Stadt als Edelstein erglänzen werden.
Ernst I. Zimmerman».