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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Freitag den 1 Juli

A<r»sprecha»kchliitz Nr. 605

1910

Dir beiitisr Nummer umfaßt außer ii.llnterhultrißjllutt

14 Seiten.

Amtliches.

- Stadtkreis Fjanau.

Bekanntmachung

Die diesjährige Ernte von den an der Dörnigheimer- straße stehenden Aepfelbänmen soll am Montag den 4. Juli d. Js., nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden.

Treffpunkt: Ecke Burgallee.

Hanau den 29. Juni 1910.

Der Magistrat.

Hild. 14641

Bekanntmachung.

Der Tagelöhner Georg Baier zu Hanan-Keffelstadt ist als Hilfsfeldhüter der Stadt Hanau bestellt. Baier trägt Dienstmütze.

Hanau den 30. Juni 1910.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 14643

Politische Rundschau.

Stapellauf des LinienschiffesOldenburg". In Anwesenheit des Großherwgs von Oldenburg, der Prin­zessin Eitel Friedrich von Preußen, des kommandierenden Generals von Mackensen, des Oberpräsidenten v. Jagow, des Oberwerftdirektors Frhrn. v. Schimmelmann, des Vize­admirals Capelle vom Reichsmarineamt und sonstiger Ver­treter der staatlichen und städtischen Behörden fand gestern mittag in Danzig der Stapellauf des LinienschiffesOlden­burg" statt. Die Taufe vollzog Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, die Taufrede hielt der Großherzog von Olden­burg. Der Feierlichkeit wohnten auch die Mitglieder der zurzeit in Danzig tagenden 51. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure bei.

Hus Banau Stadt und Eand.

Hanau, 1. Juli.

* Zum Empfang der 88er- Neun Monate sind am heutigen Tage verflossen, seit das Infanterie-Regiment Hessen-Homburg Nr. 166 seinen hiesigen Standort verließ. Diese Zeit, während der nur ein Wachkommando in dem stattlichen, die Ostseite des Paradeplatzes flankierenden Bau untergebracht war, wurde eifrig zur Renovierung desselben benutzt. Ueberall konnte man fleißige, mit Pinseln, Hämmern and Graben beschäftigte Hände gewahren, um die Umgestal- lung der inneren Räume bis zum heutigen Einzug des aus Mainz hierher in Garnison verlegten II. Bataillons des 2. Nassauischen Infanterie-Regiments N r. 88 fertig zu stellen. Dies ist gelungen, und in neuem Estrich präsentiert sich das Innere der Mannschaftsstuben dem Auge der heute hoffentlich auf recht lange Zeit EingezogenenMieter" dar. Zum Empfang des gegen 10 Uhr am Ostbahnhöf eintreffenden Bataillons hatten sich u. a. einge­funden das Offizierkorps des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6, die Offiziere der Pulverfabrik, das Reserve-Offizier­korps und die Spitzen der städtischen Behörde. 5 Minuten Bor 10 Uhr lief der Sonderzug in der Bahnhofshalle ein. Das dem Zug entsteigende Offizierkorps begrüßte namens der Garnison Herr Oberst Paetow von der Pulverfabrik, während Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s dasselbe namens der Stadt Hanau bewillkommnete. Den Dank des Offizierkorps für den Willkommengruß erstattete der Kommandeur des Bataillons, Herr Major Kleyen- ber g. Nachdem auf dem Bahnhofsplatz die Truppen Auf- stellung genommen hatten, setzte sich das Bataillon, das Ulanen-Osfizierkorps zu Pferde an der Spitze, und unter Vorantritt der mitgeführten Regimentsmusik, mit klingendem Spiel durch die mit Fahnen und Girlanden reich geschmückten Straßen der Stadt, überall freudig begrüßt von der Kopf an Kopf stehenden Bürgerschaft, nach dem Paradeplatz zu in Bewegung. Hier angefommen, nahmen die Truppen an der Westseite des Paradeplatzes Aufstellung. Nach dem Kom­mandoPräsentiert das Gewehr" brachte der Kommandeur das Hoch auf den obersten Kriegsherrn auâ, das in ®er Nationalhymne ausklang. Herr Oberbürger­meister Dr. Gebeschus begrüßte hierauf namens der Stadt aS Bataillon, seine Worte mit einem Hoch auf daS- 'elb« schließe,^. Der Kommandeur dankte für den herzlichen

Empfang und erwiderte mit einem Hoch auf die Stadt Hanau. Den Beschluß des offiziellen Empfangs- aktes bildete ein Parademarsch. Nach diesem begaben sich die Ofsiziere in den Bürgerveiein, wo sie seitens der Stadt mit einem Gabelfrühstück bewirtet wurden. Die Mann­schaften werden heute abend in der Kaserne auf Kosten der Stadt bewirtet. Der überaus herzliche Empfang, der den Truppen bei ihrem Einzug von allen Schichten der Be­völkerung bereitet wurde, ist ein schöner Beweis guten Ein­vernehmens, das zwischen Zivil und Militär in unserer Stadt bisher bestanden hat. Hoffen ivir, daß sich dieses schöne Ver­hältnis auch auf die 88er überträgt!

* Das zweite Gleis der HanauFriedberger Bahn auf der Strecke Hanau-NordHanau-Ost ist nunmehr eben­falls dem Betriebe übergeben worden.

* Johanniterorven. Herr Landrat Freiherr von Laur ist zum Rechtsritter des Johanniterordens ernannt worden.

* Kreisgrnppe des deutschen FlottenvereinS. Die im Landkreise Hanau bestehenden Ortsgruppen deS deut­schen Flottenvereins in Mainkur * Fechenheim, in Kesfelstadt, in Bergen-Enkheim, in Mittelbuchen und in Windecken, sind vom 1. Juli d. J. ab auf Anordnung des Provinzverbandes zu einer KreiSgruppe unter dem Vorsitze des Herrn LandratS Frhr. von L a u r vereinigt worden.

* Dortrag in dem evangelischen Dereinshause (Nutzallee). Montag den 4. Juli, abends 81/» Uhr, wird der den alten Hanauern, welche bei Aufführung des Luther­festspieles im Jahre 1888 mitwirkten, wohl bekannte Rezitator Friedrich Hemp, durch eine Vorführung von Charakter­bildern aus der Reformationsgeschichte, im Mittelpunkte Luther stehend, ei"?" Vortags-Abend veranstalten. Wir wissen aus rat Hegerbei >',.-? : en mit meistem Eifer und Selbstverleugnung sich Herr Hemp seit 22 Jahren der evan­gelischen Sache durch seine reformatorischen Vorträge, teils in Poesie und Prosa gewidmet, und in den 600 Gemeinden wo er auftrat, in Kirchen, Schulen und Versammlungen große ideelle Erfolge erzielte. Dabei ist der Rezitator alt geworden, aber sein herrliches Organ ist ihm geblieben, ebenso sein bewundernswertes Gedächtnis und seine evan­gelische Glaubenstreue in den schwersten Lagen des Lebens. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man auf die edle VortragSkunst des Rezitators hinweisen, denn in allen evangelischen Kreisen unserer engeren und weiteren Umgebung ist Herr Hemp als Vortragsmeister bekannt. Das Thema, welches derselbe behandelt, ist aktuell und dürfte besonders alle evangelischen Gemeindemitglieder hoch interessieren. Der Vortrag wird durch 60 wohlgelungene Lichtbilder illustriert.

e Turn- it. Fecht-Klub e. D. Der monatliche Ver­einsabend findet heute abend nach der Turnstunde in der Brauerei Kaiser" statt. Entgegennahme der Anmeldungen für das Kreisturnfest in Kreuznach; Besprechung über Ab­fahrt rc. zum Ganfest in Fechenheim.

Hauptversammlung des Hanauer Tierschutz­vereins. ImHotel Riesen" fand gestern abend die dies­jährige Hauptversammlung deS Hanauer Tierschutzvereins statt. Nach der Eröffnung der Versammlung durch den Vor­sitzenden Herrn Pfarrer Hufnagel erstattete der Schrift­führer Herr Redakteur Schrecker den Jahresbericht, der in ausführlicher Weise die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre barlegte und hervorhob, daß in der Bearbeitung wichtiger, die Tierschutzsache tief berührender Fragen das Ver­einsjahr an die Vorstandsmitglieder große Anforderungen ge­stellt habe. Neben der Behandlung großzügiger Fragen sei auch Kleinarbeit in hervorragendem Maße geleistet worden, und zwar Kleinarbeit, die sich auf die verschiedensten Zweige des Tierschutzes erstreckte. Mit Dank wurde am Schluffe des Berichts hervorgehoben, daß Behörden, Geistlichkeit und Leh­rerschaft den Bestrebungen des Tierschutzvereins tatkräftig fördernd gegenüberstehen. Den Bericht über die Jahres­rechnung erstattete der Kaffenführer Herr Domänen-Rent« meister Reinhard, dem auf Antrag der Rechnungsprüfer Entlastung erteilt wurde.Die statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Professor Baseler, Stadtbau- meister Leers, Lehrer Schnell und Redakteur Schrecker wurden einhellig wiedergewählt.

* Zum Tode eines Dolksschälers. Die gestrige aus Fechenheim übernommene Notiz betr. die Landung der Leiche eines hiesigen Volkâschülers ist in wesentlicher Be­ziehung unrichtig. Di« sofort angestellte Untersuchung hat nachgewiesen, daß die Schule an dem traurigen Vorfall durch­aus unbeteiligt ist. Der Knabe hat sich in der Schule stets befriedigend geführt. Von einer Schulstrafe, die ihn angeb­lich erwartete, ist keine Rede. Wenn der Knabe sich wirk­lich das Leben genommen hat, was erst festzustellen ist, muß die Veranlassung anderswo gesucht werden. . .,«

* Ein arotzes Sow werfest veranstaltet, ww bere' - durch Annonce besannt gegeben. der Ge.angre

Germania" am Sonntag den 3. Juli im Konzertgarten Kaiserhof. Für eine überaus umfangreiche Unterhaltung ist seitens des Komitees bestens Sorge getragen. Neben den bekannt vorzüglichen Chören der Germania selbst werden auch dieses Mal wieder verschiedene auswärtige Vereine mit einigen Gesangsvorträgen aufwarten. Es ist dann auch ferner noch Gelegenheit geboten bei interessantem Preiskegeln und Preisschießen für Damen und Herren sich recht hübsche Gewinne zu erobern. Damit nun auch denkleinsten" Be­suchern deS Gartenfestes Rechnung getragen wird, werden diverse recht vergnügte Kinderspiele zur Ausführung gelangen. Wer sich daher wieder einmal im frohen Kreise unseres be­liebten GesangvereinsGermania" recht gut amüsieren will, der verfehle eS nicht, sich am Sonntag nachmittag beizeiten im herrlichen Garten des Kaiserhofes einzufinden. Die Fest­lichkeit findet bei jeder Witterung statt, da ja die großen Hallen und Wirtschaftslokalitäten schon eine Menge Per­sonen zu fassen vermögen und daher jedermann gegen die Unbilden der Witterung geschützt ist. Der Anfang ist aul 4 Uhr festgesetzt.

* Vortrag. Morgen abend halb 9 Uhr findet im Hotel zur Post ein Vortrag statt über Erkrankungen an Gicht, Rheayratismus, Ischias, Podagra und verwandte Krank­heiten, sowie Beseitigung der Schmerzen nach einer von dem Vortragenden entdeckten Methode.

* Ein Racheakt. In den Pferdestall des Oekonomen Franz Hofmann wurde in der verflossenen Nacht eingedrungen, wobei Geschirre der Pferde zerschnitten, wie auch Beschläge abgetrennt worden sind. Zweifellos liegt ein Racheakt vor, dessen Verüber jedenfalls bald ermittelt werden wird.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Etwas wärmer, wechselnde Bewölkung, geringe Nieder­schläge, westliche Winde.

Drahtnachrichten

Berlin, 1. Juli. Hauptmann Hildebrand berichtet im Lokalanz." über eine Unterredung dem Grafen Zeppelin; dieser sagte u. a.: Es habe sich heransgestellt, daß die drei Motore völlig intakt geblieben seien. Lediglich der Umstand, daß bei der Schrägstellung derDeutschland" nicht mehr genügend Benzin zulief, habe das Versagen des Motors herbeigeführt. Jedem anderen Luftschiffe wäre unter diesen Umständen genau dasselbe passiert. Der Graf meinte, daß ein neues Gerippe in etwa 8 Wochen fertiggestellt sein werde, sodaß schon im September die Fahrten wieder ausgenommen werden könnten.

Berlin, 1. Juli. Die Berliner Morgenblätter be­richten : Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin nahm gestern einen Antrag einstimmig an, den Magistrat wieder­holt zu ersuchen, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die zur Einführung der fakultativen Feuerbestattung er­forderlichen Maßnahmen getroffen werden.

Görlitz, 1. Juli. Wegen Unterschlagung von 30 000 Mark in einer hiesigen Fabrik wurde ein 29jähriger Buch­halter zu P/i Jahren Gefängnis verurteilt.

Petersburg, L Juli. Tolstoi sei ernstlich erkrankt; bei den 82 Jahren des greisen Schriftstellers erweckt dies große Besorgnis.

Wien, 1. Juli. Der Schauspieler Kainz verließ Wien und begab sich zur Nachkur auf den Semmering. Er sagte: Ich fühle mich so wohl, daß ich heute spielen könnte."

London, 1. Juli. Die Marconi-Gesellschaft unter­breitete dem Kolonialamte den Vorschlag zur Verbindung sämtlicher britischer Besitzungen durch drahtlose Telegraphie. Die hierzu erforderlichen 20 neuen Stationen würden eine Million Pfund Sterling kosten.

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