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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Fandkreis Kavan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssnn-° und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 138 ?s«rnlpr«cha»schl»sj Nr. 605.

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14 Seiten.

Amtliches.

Candkreis F>anau.

Im Laufe vorigen Monats ist die Landwirtschaftliche Versuchsstation der Landwirlschaftskammer für den Regierungs­bezirk Cassel von Cassel nach Harleshausen bei Cassel verlegt worden.

Von jetzt ab sind alle Zusendungen von Proben, Briefen usw. nach Harleshausen bei Cassel zu richten.

Hanau den 15. Juni 1910.

Der Königliche Landral.

Frhr. Laur.

Stadtkreis F)anau.

Bekanntmachung.

Zur Unterstützung invalid gewordener Hanauer, welche 1870/71 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht haben, so­wie der Familien der in diesem Kriege gefallenen oder nach­weisbar an den Folgen desselben gestorbenen Hanauer steht uns ein Fonds zur Verfügung, aus welchem evtl, die Zinsen zur Verteilung kommen sollen.

An die betreffenden ehemaligen Militärs bezw. an die Witwen und Waisen von solchen ober deren Vormünder, welche an jenen Fonds Ansprüche zu machen gedenken, er­geht daher die Aufforderung, sich unter Vorlage von Militär­papieren und allenfallsiger ärztlicher Zeugnisse bis zum 1. August d. J. entweder schriftlich zu melden oder aus dem Rathause, Zimmer Nr. 12, zu Protokoll vernehmen zu lassen. Spätere Anmeldungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

Hanau den 2. Juni 1910.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 13715

Gefundene und verlorene Gegenstiinde re.

Gefunden: 1 Damenregenschirm ohne Griff (grüner Raute), 1 silberne Damenuhr mit Goldrand, 1 Handtäschchen smit Portemonnaie ohne Inhalt und 1 weißes Taschentuch).

Verloren: 1 Star-Brille.

Hanau den 16. Juni 1910.

Die Ausstellung des Deutschen Künstler- bundes in Darmstadt.

(Schluß.)

Neben der Landschaft ist in Darmstadt besonder- da- Porträt stark vertreten. Wir hoben bereits das bedeutende Selbstporträt Liebermanns hervor. Weniger kühn in der Technik, aber desto aristokratischer, abgestimmter wirken die Arbeiten Sohn-RethelS. Sein Porträt des Groß- Herzogs Ernst Ludwig bat etwas ungemein Sympathisches. Es hält in seiner Auffassung die Mitte zwischen dem über­kommenen repräsentativen Porträt und dem modernen Augenblicksbildnis, das jede Repräsentation und die durch sie bedingte Maske zu vermeiden sucht, dafür umsomehr die Summe aller inneren Kräfte des Darzustellenden gleichsam in einem unbetauschten Momente zu erfassen strebt. Auch farbig wirkt das großherzogliche Porträt außerordentlich vornehm durch seinen distinguierten Zusammenklang von Weiß, Braun und Hellgrün der Kleidung, Töne, die im Gesicht und im Hintergründe sich diskret wiederholen. Weit moderner als die Art Sohn-Reihels wird die Slevogts empfunden. Bei ihm ist alles von einer jubelnden Frische. Zumal sein Sommermorgen", eigentlich das Porträt einer jungen Dame, die an einem strahlenden Sommermorgen sich in das tau­frische Gras eines Abhanges geworfen hat, auf dem wenige Kiefern ihre eckige Krone recken. Das ist ein wahrer Farbenrausch von leuchtenden, glitzernden und blendenden Tönen, ein Ausschnitt Naiur, dessen Wiedergabe nur einem so bedeutenden Beobachter wie Slevogt gelingen konnte. Vor diesem sonnigen Bilde hat man das sichere Empfinden ab­solut moderner Lichlempfindung. Keiner der alten Meister sat je gewagt noch vermocht, so kühn der Auflösung jeder ^inie im Licht und in der Farbe gerchet zu werden. Diesem Biibe stelll sich würdig das zweite von Slevogts Hand zur Seite;

Donnerstag den 16. Juni

Politische RundTcbao.

Ein Gedenktag. In den ersten Junitagen des Jahres 1900 fanden im Deutschen Reichstage die abschließenden Be­ratungen über das heute noch gültige, durch die Novellen von 1906 und 1908 im Sinne deS Gesetzgebers und seines ursprünglichen Gedankens folgerichtig ergänzte, in seinen Grundlagen aber dadurch nicht veränderte, nunmehr in 10 Jahren bewährte Flottengesetz statt. ES wurde am 6. Juni 1900 in zweiter Lesung mit 201 gegen 103 Stimmen unter lebhaftem Beifall des Hauses angenommen und unter dem 14. Juni 1900 nach erfolgter Genehmigung durch den BundeSrat alsGesetz, betreffend die deutsche Flotte" ver­öffentlicht. Dies Gesetz verdoppelte den bisherigen Schiffs­bestand, regelte die Jndiensthaltungen und den gleichmäßigen Ausbau der Seemacht, den Ersatz der veralteten Schiffe in bestimmten Fristen und die dem Anwachsen deS Material­angepaßte Vermehrung deS Personals der Marine. Seit der Gründung des Deutschen Reiche- ist, wie dieMarine- Rundschau" mit Recht hervorhebt, kein Gesetz gegeben worden, das von so einschneidender Bedeutung für die Wehrhaftigkeit Deutschlands, für den Schutz seiner wirtschaftlichen Interessen und für seine politische Stellung war, wie dieses. Gegm- wart und Zukunft der Flotte beruhen auf ihm. Die ganze Marine und mit ihr alle überzeugten Anhänger des Gedankens, daß das heutige Deutsche Reich zum Schutze seiner gewaltig angewachsenen, auf alle Gebiete unseres Wirtschaftslebens übergreifenden See- und Handelsbeziehungen eine achtung­gebietende Flotte braucht, werden sich bei der Wiederkehr be8 10jährigen Geburtstages dieses Gesetzes in Dankbarkeit derer erinnern, die eS schufen und seine Durchführung sichern halfen. Insbesondere wird diese dankbar« Erinnerung sich erstrecken auf den Allerhöchsten Kriegsherrn, dessen ernstes WortBitter not tut uns eine starke deutsche Flotte" die nationale Bewegung auslöste, die eine wichtige und unent­behrliche Begleiterscheinung dieser gesetzgeberischen Tat war. Sie wird sich auch ausdehnen auf Männer, die die geistige« Urheber der bewährten Form des Gesetzes waren, und auf die patriotische Volksvertretung, die, überzeugt von der Größe der neuen Aufgabe und von der Unzulänglichkeit deS bis­herigen Verfahren- deS alljährlichen Feilschens um einzelne kleine Schiffe, der Regierungsvorlage nach gründlicher Prüfung und Umarbeitung zur Annahme verhalf. Auch aller derer soll dankbar gedacht werden, die tatkräftige Helfer am natio­nalen Werke wurden, jener Männer der Wissenschaft und der Kunst, der großen Vereine, der patriotischen Blätter, deren Ziel es in dieser bewegten Zeit war, den Sauerteig des Verständnisses für die Anforderungen einer neuen Zeit in die breite Masse deS Volkes hineinzutragen und durch harte, selbstlose Arbeit den Boden für die heute Allgemeingut Der Piqueur". Auch in diesem kam eS dem Maler am meisten auf die Bewältigung der Farben an. DaS strahlende Rot des Reitrockes, das Braun deS Gesichte-, über daS zudem der Schirm der schwarzen Mütze einen schweren Schatten wirft, die weiße Hose und Weste, das gibt schon einen starken Klang. Welche Kühnheit, nun diese an sich schon harten Töne noch auf eine weiße, leuchtende Fläche zu setzen! Jedoch gibt der Erfolg dem Maler recht. Die Gestalt löst sich plastisch von der Fläche und ist von strahlendem Licht um­flossen. Damit ist schon das meiste erfüllt, was man von einem modernen Porträt verlangen kann, abgesehen natürlich von der sogenanntenAehnlichkeit", die bei einem Künstler selbstverständlich ist und nur bei dem Porträthandwerker noch als etwas besonderes empfunden wird. Mit stilleren Mitteln erstrebt unser Altmeister Leopold Graf von Kalkreuth d. j. das gleiche Ziel. Sein Porträt deS Frl. H. ist eigentlich mehr die Wiedergabe eine- Innen- raumeS, in. den zufällig die Dame in Straßenkostüm in ganzer Figur hereintritt. Gedämpftes weiches Licht spielt über Möbel, Fußboden und Gestalt. Drum scheiden alle harten Tone von vornherein aus, alles ist auf eine milde Zartheit gestimmt, darin verwandt den alten holländischen Interieurs, in denen auch so meisterhaft alles einem Grund­ton untergeordnet ist. Nur daß dieser ganz anders von Kalkreuth gesehen wurde. Nicht mehr ist er braun oder tiefrot wie bei jenen, ein malerisch empfundenes Einigungs- mittel, das sich fast von selbst aus der stets geübten Unter­malung in einem dieser beiden Töne ergab, sondern silbrig grau, abgelauscht dem leuchtenden Licht, das selbst in den Schatten keine toten Farben duldet. Deshalb ist Kalkreuths Bild weit überzeugender als die der alten Holländer, so sehr es in seiner peinlichen Durchführung an ihre Art erinnert. Auch die übrigen Jnnenbilder des Grafen zeugen von einer gleichen Hingabe an die Beobachtung des Lichtes, dessen Wirkungen ja gerade in Jnnenräumen viel schwieriger zu er­fassen sind als die ungebrochenen in der freien Natur. Auf

Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1910

gewordene Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Ver­besserung unserer Seerüstunqen erfolgreich zu lockern.

Der 33. deutsche Fleischerverbandstag würd, in Berlin vorgestern im großen Saal deS Zoologischen Gartens eröffnet. Man beschäftigte sich eingehend mit der Fleischversorgungsfrage und kam dabei zur Annahme folgender Resolution:Die jetzige, seit Jahren andauernde Fleisch­verteuerung hat einzig und allein ihren Grund in den hohen, nur der Landwirtschaft zugute kommenden Viehpreisen. DaS deutsche Fleischergewerbe hat ebensowenig wie daS kon­sumierende Publikum ein Interesse an den hohen Fleisch­preisen. Die vom LandwirtschaftSrat vorgeschlagenen Mittel zur Behebung der Fleischverteuerung sind fast durchweg- un­geeignet. So lange es der Landwirtschaft nicht gelingt, ge­nügende- und preiswerte- Schlachtvieh zur Verfügung zu stellen, kann keine Verbilligung der Fleischpreise erfolgen. Zur Erreichung diese- Ziele- ist in erster Linie anzustreben Vermehrung und Verbesserung der Viehhaltung im Inland, zollfreie Einfuhr von Futtermitteln aller Art, Einfuhr von Nutz- und Schlachtvieh au- dem Ausland unter Vermeidung aller erschwerenden Bedingungen, Verbilligung und Ver­besserung deS Viehversands auf den Eisenbahnen, Verbilligung der Abgaben auf Schlachtvieh. Der Vorstand des Deutschen Fleischerverbandes wird beauftragt, zur Erreichung diele- Zieles alle geeigneten Maßnahmen ru ergreifen." Ueber Marktpreisnotierung und PreiSstatistik" sprach W. Schmidt- Hannover. Das Gesetz vom Jahre 1909 über die Preis­notierung beim Markthandel mit Schlachtvieh und mehr noch die dazu erlassene Ministerialverfügung sei ausschließlich im Interesse der Landwirtschaft gehalten und schädige die In­teressen der Fleischer. Geheimrat Goeppert vom Handrls- minifierium erklärte, daS Handelsministerium versuche stets, zwischen den verschiedenen Interessen des Handels der Land­wirtschaft und des Gewerbe- eine mittlere Linie zu finden. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, die im Sinne der Darlegung des Referenten gehalten war. Ueber die zu­tage getretenen Bestrebungen nach Zentralisierung der Schlacht- viehmârkt« berichtete Reiffenstein-Altenessen. Die Zentralisation werde namentlich die kleinen Metzger schwer schädigen. Ge­heimrat Goeppert erklärt, von einer allgemeinen Tendenz aus Zentralisierung der Schlachtviehmärkt« könne keine Rede sein. Ein Antrag des Bezirk-verbandes Thüringen auf Schaffung einheitlicher Fleischpreis« würd« abgelehnt.

DaS Schiedsgericht im Bauarbeiterstreite.

Dresden, 15. Juni. Die am Mittwoch früh fortge­setzten Verhandlungen deS Zentralschiedsgerichts für das Bau­gewerbe bezogen sich zunächst auf den Vorschlag, bezüglich der Geschäftsführung eine andere Praxis einzuschlagen all am ersten DerhandlungStage. Man würde wochenlang ft^en und verhandeln können, bis die Differenzen in den etwa einem anderen Wege befindet sich Leo v. König, der ja bei dem letzten Sturm in der Berliner Sezession di« Führung der Jungmannschaft übernommen hatte. Man empfindet, daß er di« modern« Lichtbehandlung vollkommen beherrscht, jedoch di« natürliche Lichterscheinung noch zu steigern sucht, um einem innerlich Geschauten nah« zu kommen.Beim Lesen der Zeitung" nennt er ganz einfach sein Bild: zwei liebe junge Mädchen auf einem Sofa, in die Zeitung ver­tieft. Ein heimlicher Frieden geht von diesen beiden Kindern aus, deren Dasein sich so ungewollt hier enthüllt. Diesen Eindruck wohlumfriedeten Kinderglücke- steigerte der Künstler bewußt durch eine betonte Farbengebung. In ein sammet- weiches Blauviolett sind die Gestalten getaucht, eine Farbe, die man in solcher Stärke wohl nie beobachten wird, die aber dennoch in eine besondere Stimmung hinüberleitet. In dieser Art berührt sich der Künstler zweifellos mit der eng­lischen Malerei des 18. Jahrhundert-, die sich ähnlicher Stimmungsmittel in der Farbe bediente. Man denke nur an den Blue Boy" Gainsboroughs! Eine verwandte Stimmungs­malerei finden wir bei R o b e r t S t e r l. Dargestellt ist der berühmte Musikmeister Nikisch am Dirigentenpulte. Aus der Brandung der Hunderte von Köpfen leuchtet mitten im künstlichen Lichte, wie eine Vision, das Haupt des Dirigenten empor, der mit erhobenen Händen das Orchester leitet. Man fühlt, wie diese nervösen Augen das Orchester zur Einheit zwingen, wie in diesem beseelten Gesichte die Psyche deS ganzen Saales sich spiegelt. Erinnerungen an eigenes Er­leben werden geweckt, wo man mit der ganzen Gemeinde sich eins fühlte in der Abhängigkeit von jenem einen Menschen dort oben und darüber all die vielen anderen ringsum über­sah, vergaß. Ohne solche Erinnerung wäre die Unter­drückung der übrigen Umgebung, die nur angedeutet er­scheint, obwohl sie sich in der größten Nähe des Dirigenten befindet, wohl kaum zu rechtfertigen. Als Ganzes jedenfall- das Werk eines intensiv begabten Künstlers, der sich stark abhebt von der großen Menge der heutiges