«âishrUch 1,80 Mk., monatlich 80 ^.,fBt t* miirtiD« Adsuaext«, mit bem betreffenden Pvstausschl«». Die ebqdee Stummer teilet 10 Pf».
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
•eteetafedL St«Lâur: S. Schrecke, m Hemm»
At. 135 Fernsp*echa»schl«tz Nr. 605.
Montag den 13. Juni
Aernsprechanschlutz Nr. 605. 1910
Amtliches.
Durch die am 1. Januar 1908 in Kraft getretenen Unfall - Derhütuirgsvorschrlften für landwirtschaftliche Geräte ist u. a. ungeordnet, daß jede Sense auf dein Wege von und zur Arbeit entweder mit einer die Schneide und Spitze vollständig verdeckenden Scheide von Blech, Leder oder Holz versehen sein oder in der ganzen Länge der Schneide umwickelt oder mit abgeschlagener, an den Stiel festgewundener Schneide getragen werden muß. Auch ist untersagt, abgeschlagene Sensenklingen in Viehställen oder anderen Wirtschaftsgebäuden unbeweglich zu befestigen, um an den Klingen Stroh zu schneiden.
Sicheln müssen bei der Beförderung von und zur Arbeitsstätte mit der Spitze nach unten getragen werden. Werden sie auf Wagen mitgeführt so müssen sie mit der Spitze nach unten festgesteckt werden.
Heu- und Mistgabeln müssen mit nach unten ge» I richteter Spitze, Aexte, Beile und Hacken mit nach unten gerichteter Schneide festgelegt werden, wenn sie auf beladenen Wagen befördert werden.
Etwaige Belehrungen hierüber können auf den Bürgermeisterämtern, woselbst ein Exemplar der Unfall-Verhütungsvorschriften ausliegt, oder im Bureau der landwirtschaft, lichen Unfall-Versicherung — Kreishaus — eingeholt werden. Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß bei Zuwiderhandlungen gegen die obigen Bestimmungen sowohl gegen die Betriebsunternehmer als auch die Versicherten hohe Strafen festgesetzt werden.
Hanau den 6. Juni 1910.
Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Hanau (Land).
U 1098 I. A.: Dr. v. Waldow.
Kontursverf ahreu.
In dein Konkursverfahren über den Nachlaß des am 21. Dezember 1908 gestorbenen Rentners August Wenzel in Hanau wird Schlußtermin auf den
8. Juli 1910, vormittags 11 Uhr, oor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 5 — anberaumt.
Hanau den 7. Juni 1910.
Königliches Amtsgericht 5. 13469
In das Handelsregister B Nr. 2, Firma Leopold Cafsella & Co., G. m. b. H., in Frankfurt a. M., Zweigniederlassung Fechenheim ist eingetragen worden:
Dem Kaufmann Heinrich Raumer in Frankfurt a. M., dem Chemiker Dr. Karl Schramm in Fechenheim, dem Rechtsanwalt Dr. Johannes Moritz Steinthal in Frankfurt a. M. ist Gesamtprokura erteilt in der Art, daß jeder von ihnen berechtigt ist, die Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem anderen Gesamtprokuristen zu vertreten. Die Gesamtprokura des Dr. Alexander Pagen st echer und die Einzelprokura des Dr. Hermann Erb sind erloschen.
Bergen b. Hanau den 8. Juni 1910.
Königliches Amtsgericht. 13471
Die Politik des Ausreißens
mit dem Untertitel „Die Nordsee in Kriegszeiten" überschreibt der bekannte englische Schriftsteller H. W. Wilson einen äußerst interessanten Artikel, der sich mit den Ideen des Obersten Repington beschäftigt, die in letzter Zeit nicht nur in England großes Aufsehen erregt haben.
Das Studium der kleinen Waffen des Seekrieges, der Torpedoboote, Tauchboote und Minen brachte diesen zu der sonderbaren Schlußfolgerung, daß die großen und kostbaren Schlachtschiffe und Kreuzer in einigen entfernten, sicheren Ankerplätzen, z. B. Scapa Flow oderPortsmouth, Berehaven oder Lough Swilly versteckt werden müßten. Die Nordsee werde im Kriege eine Wasserwüste sein, die auf beiden Seiten unsicher, niemandem offen und von niemandem beherrscht sei.
Demgegenüber betont Wilson kräftig den von alters her tn der englischen Marine geltenden Grundsatz, den Krieg an des Feindes Küste zu tragen.
Der Oberst Repington, sagt er, erzählt uns, daß das moderne Unterseeboot ein außerordentlich gefährliches Fahrzeug geworden sei und daß es mit seinem Torpedo den größten „Dreadnought" zerstören kann. Er stellt fest, daß wir keine Mittel besitzen, das Unterseeboot zu bekäinpfen und da dessen Aktionsradius auf über 1000 Meilen gewachsen sei, so unterliege jeder englische Hafen innerhalb dieser Entfernung von der deutschen Küste der unterseeischen Bedrohung. Außer den Unterseebooten schwämmen aber Massen von Minen in der Nordsee herum, Minen, wie sie die japanischen Schlachtschiffe „Hatsuse" und „Paschima" und das russische Flaggschiff „Petroparvlowsk" zerstörten. Ferner seien Flotillen der schnellsten Torpedobootszerstörer, die mit den neuesten und mächtigsten Torpedos armiert seien, vorhanden.
Ts steckt eine gewisse Wahrheit in alle dem. Das Unter
seeboot ist eine neue furchtbare Waffe, die sich außerdem rasch entwickelt. Der Torpedo wird fortwährend vervollkommnet und verbessert. Im fernen Osten hat sich die Mine als eine große Gefahr erwiesen und der Zerstörer ist besonders bei Nacht ein entsetzlicher Feind. Aber es wird auch übertrieben. Wenn das Unterseeboot an der Oberfläche schwimmt, ist außerordentlich leicht verwundbar und muß dem schwächsten Schiff, das mit einer Schnelladekanone armiert ist, zum Opfer fallen. Unter Wasser bewegt es sich so langsam, daß eS nichts gegen moderne Kriegsschiffe in offener See erreichen kann. Sein Gesichtskreis ist, wenn es nur sein Periskop herausstreckt, so begrenzt, daß es nur schwer einen Feind entdecken kann. Auch ist das Navigieren sehr schwer, weshalb diese Fahrzeuge meist von einem Mutterschiff begleitet sind.
Was den Torpedo betrifft, den er abfeuert, so kennt man bis heute keinen Fall, in dem ein unverletztes Schiff in Fahrt von einem solchen getroffen worden ist. In dem russischjapanischen Krieg würden 4 russische Schiffe nach der Schlacht bei Tsushima von japanischen Zerstörern oder Torpedobooten durch Torpedos in den Grund geschaffen. Aber 2 von diesen 4 waren arg zerschossen und die Besatzung der beiden anderen war stark demoralisiert. Man wird finden, daß Unterseeboote nur dann irgendeine große Leistung erzielen sönnen, wenn sie „Dreadnoughts" und Kreuzer hinter sich haben.
Was die Minen betrifft, so sind zwar 6 oder 7 Schiffe im fernen Osten von ihnen vernichtet worden, es gab aber auch zahlreiche Fälle, in denen Schiffe auf Minen stießen, ohne großen Schaden davon zu tragen. Der Verlust der „Hatsuse" und des „Petropawlowsk" war fast sicher auf die Tatsache zurückzuführen, daß sie selber Minen an Bord hatten, welche bei der Detonation mit explodierten. Da unsere größeren Kriegsschiffe im Kriege keine Minen mit fich nehmen, so ist diese Gefahr sehr verringert. Um so mehr als man unter Benutzung von Schleppzügen imstande ist, freie Fahrwasser durch jedes Minenfeld zu legen, die von „Dreadnoughts" ohne allzu große Gefahr passiert werden können. Was die Zerstörer betrifft, so haben wir in den letzten 25 Jahren immer gehört, daß diese Fahrzeuge das Schlachtschiff nutzlos machen würden und doch zeigt die Erfahrung, baß von ihnen ohn« die Unterstützung der Schlachtschiffe nur wenig oder gar nichts gegen einen wachsamen Feind erreicht werden kann und daß die Schlachtschiffe di« Seekämpf« entscheiden.
Der beste Weg, uns gegen feindliche Unterseeboote, Zerstörer und Minenleger zu verteidigen, besteht nicht im Ausreißen, sondern in einem machtvollen Angriff auf die Küste des FeindeS und darin, daß man seine Schiffe verhindere in See zu gehen. Das war die Methode, welche die Japaner befolgten. Dicht bei Port Arthur hatten sie ihr« Torpedoboote und Zerstörer, weiter draußen waren 4 schnelle, Klein« Kreuzer, welche die Russen die „Windhunde" nannten. Dies« wieder stützten sich auf 3 mächtige Panzerkreuzer und in letzter Linie lag Togos Hauptflott« von Schlachtschiffen in einem 60 Meilen von Port Arthur entfernten wohlgeschützten Hafen. Wenn die Russen herauskamen, zogen sich die japanischen Zerstörer auf die leichten Kreuzer zurück und diese auf die schweren und diese auf di« Schlachtschiff«. Um das Herauskommen der Russen zu verzögern, hatt« man in dem Fahrwasser dicht bei Port Arthur Minen gestreut.
Die Russen hatten keine Unterseeboot« und waren sehr träge. Aber wir könnten diese Taktik, der Situation ange- paßt, in der Nordsee wiederholen. Die britisch» Hauptflott« würde in einer passen gelegenen Basis zu Anker liegen. Die Blockadearbeit dicht an der Küste würd« von Zerstörern und Unterseebooten, die von kleinen, schnellen Kreuzern unterstützt würden, geleistet werden. Disse stützten sich auf ein Geschwader Panzerkreuzer. Alle würden sich mit derHauptflotte durchFunken- telegraphie in Fühlung halten. Diese Arbeit würd« eine außerordentlich anstrengende und schwierige sein und würde eine große Menge von Zerstörern — viel mehr als wir jetzt besitzen — erfordern. Aber nur auf dies« Weis« kann der Sieg errungen werden.
Unsere Blockadegeschwader werden Minen streuen, ihre Unterseeboote werden für jeden Feind, der in Ses stechen will, eine furchtbare Gefahr sein. Da es zum Finden einer Ratte der bequemste Weg ist, sich vor ihr Loch zu setzen, so werden die englischen Unterseeboote, Minenleger und Zerstörer, die beste Aussicht zum Gebrauch ihrer Waffen und zur Hemmung der feindlichen Operationen besitzen, wenn sie sich vor dem feindlichen Hafen aufhalten. ES ist viel leichter und weniger teurer, zwei oder drei Einläufe mit Minen auS- zu füllen, als die ganze Nordsee mit diesen Mienen zu übersäen. Alles, was wir von den Unterseebooten wissen, beruht auf Friedenserfahrung, die nicht maßgebend sein kann. Im Frieden werden sie nicht von Zerstörern gejagt, es gibt keine Kreuzer, die mit Granaten auf ihre Mutterschiffe schießen, darum sind sie sehr im Vorteil. Im Krieg kommt aber alles anders. Das Unterseeboot ist ein teilweise blindes, sehr langsames Fahrzeug, das eine Flotte aufhält. Es kann eine gewisse Sicherheit erreichen dadurch, daß es untertaucht, also sich verbirgt, aber jo größer es ist, desto mehr Zeit nimmt das Tauchen in Anspruch. Ehe es irgendeinen Schaden anrichten kann, muß es den Feind überhaupt gefunden haben, muß sich ihm nähern, trotzdem er doppelt so schnell ist wie es selbst und muss ihn mit einem Geschoß treffen, das im Vergleich zu einer Granate sehr langsam ist. Das alles ist sehr schwer, wenn der Feind wachsam ist und Kreuzer und Torpedo bei sich hat.
Es müssen daher, genau so wie die japanischen großen
Schiffe entschlossen in der Gelben See kreuzten, so oft ei nötig war, unbekümmert um irgendwelche Verluste und Gefahren, die von Minen und Torpedos herrührten, auch die großen britischen Schiffe bereit sein, in der Nordsee zu kreuzen und zu fechten. Die Strategie muß auf dem Angriff und der Blockade beruhen, weil nichts anderes des Gegners Willen so lähmt und ihm nichts anderes ein solch demoralisierendes Gefühl der Unterlegenheit einflößt und weil in vergangenen Zeiten wir das entgegengesetzte System versucht, aber als einen bedauernswerten Fehler erkannt haben. Nur bei dieser Strategie kann eine Ueberlegenheit von zwei zu einem in jeder Schiffsklasse wirksam gemacht werden. Werden wir eine solche Ueberlegenheit uns verschaffen?
Politische Rundschau.
Gegen die Enzyklika.
Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hat gegen btt Borromäus-Enzyklika nachstehende amtlich« Kundgebung erlassen:
Berlins 10. Juni. Durch die öffentlichen Blätter sind schwere Verunglimpfungen und Herabwürdigungen bekannt geworden, die Papst Pius X. in der zum dreihundertjährigen Gedenktage der Heiligsprechung des Kardinals Carlo Borromeo erlassenen Enzyklika gegen bie Reformatoren, da» Werl der Reformation und die an ihr beteiligten Fürsten und Völker auszusprechen Anlaß genommen hat. Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hält eS nicht nur für sein unveräußerliches Recht, sondern betrachtet ti auch als seine unabweisbare Pflicht, im Namen der in ihm zusammenge- schlossmen deutschen evangelischen Landeskirchen diesen durch nichts begründeten Angriff gegen die evangelische Kirche mit voller Entschiedenheit zurückzuweisen. Zwar sind ähnliche Verstöße nicht neu. Sie find in gelehrten wie populären Schriften vielfach zutage getreten, ohne daß eine andere Abwehr erforderlich schien, als die Korrektur, bie die geschichtliche Wahrheit von selbst herbeiführt.
Anders verhält eS sich aber, wenn, wie es unlängst in der CanistuS-Enzyklika vom 1. August 1897 geschehen ist und nur hier in noch schärferer und verletzenderer Weise wiederholt wird, das Haupt der römisch-katholischen Kirche selbst das Wort nimmt. Mit der vollen Wucht höchster kirchlicher Autorität werden hier Behauptungen ausgesprochen, die durch auffallenden und weitgehenden Mangel geschichtlicher Einficht Unkundige irre führen müssen. Und nicht nur dies, sondern durch die Herabwürbigende Beurteilung der reformatorischen Großtaten, auf denen unsere evangelische Kirche ruht und die unser evangelische» Volk unter seinen heiligsten Erinnerungen bewahrt, werden Kirche und Volk auf das tiefste verletzt und da» friedliche Einvernehmen der Kon- fesfioneu wird schwer gestört.
Indem wir als einen durch dir Reformation errungenen Besitz bie Freiheit dr» Gewissen» forbern, achten wir jede religiöse Ueberzeugung, die anderen heilig ist, und verwerfen jede Kampfesart, bit diese Achtung vermissen läßt.
Wir trachten um unseres deutschen Volke» wie um bei Evangelium» willen danach, daß der unvermeidliche Gegen- satz der Konfessionen sich umwandle in einen heiligen Wettstreit des Ringens um die ewige Wahrheit zur Entfaltung und Erweisung der in ihr beschlossenen Kräfte der Liebe. Darin erblickt die evangelische Kirche den allein gewiesenen Weg zu dem für unser Vaterland unentbehrlichen Frieden der Konfessionen.
Eben darum aber können wir nicht anders, al» mit heiligem Ernste der Wahrheit im Namen der in dem Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß zusammengeschloffenen Landeskirchen Deutschland» aussprechen:
Wir weisen zurück die unbegründeten Schmähungen unserer Reformatoren, deren hohe und geweihte Gestalten unser evangelisches Volk als Bahnbrecher und Väter seines Glaubens zu verehren und hochzuhalten niemals aufhören wird.
Wir weisen zurück die Verunglimpfung ihres Werkes, durch das das evangelische Volk sich bewußt ist, den einigen Hohenpriester Christus und den Weg zum Heil, die Freiheit von aller Menschensatzung unb das allen zugängliche Wort Gottes gefunden zu haben.
Wir weisen endlich zurück die sittliche Herabwürdigung der Fürsten und Völker, die Träger der reformatorischen Bewegung geworden sind, und deren Nachkommen bis heut« den vollen Beweis geliefert haben, welche geistlichen, sittlichen, kulturellen Kräfte durch jene Bewegung entbunden und bei ihnen wirksam geworden sind.
Noch vor wenigen Tagen haben wir als Vertreter der deutschen evangelischen Kirchen in erhebendem Gottesdienste in der Kapelle der Wartburg uns zu dem Evangelium der Reformation bekannt.
Mit diesem Bekenntnis zum Werke der Reformation und ihren Trägern wiederholen wir in Einmütigkeit mit der gesamten evangelischen Kirche aufs neue da» Bekenntnis zu dem biblischen Evangelium, das sie uns als ein unvergäng- liches Gut gerettet haben, und zu dem Heilande, v»« dem Luther singt: Das Feld muß er behalten.