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Arbeit-raum auSgehändigt zu erhalten und die zu ihrem Transport dienende, verhältnismäßig große und schwere eiserne Kassette unbemerkt bei Seite zu schaffen,.so steht man hiervor einem förmlichen Rätsel. Man kann nur hoffen und wünschen, daß dem gefährlichen Patron — es scheint nach Lage der Sache immer eine und dieselbe Person zu sein — diesmal das Handwerk gründlich gelegt werde.
Gelnhausen, 10. Juni. In Kassel, Kreis Gelnhausen, verhaftete gestern Herr Gendarm Voigt von hier eine Fraueus- Person, die in dringendem Verdacht steht, vor einigen Jahren in der Nähe von Kirchheimbolanden ihr Kind getötet und in einem Walde vergraben zu haben. Die Verdächtige wurde in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. — In Wirt- heim kam eS vorgestern unter dortigen Einwohnern zu einer größeren Schlägerei, wobei einige Personen nicht unwesentlich verletzt wurden; auch gegen den anwesenden Gendarmen Boigt haben sich dir Beteiligten aufgelehnt.
Bad Orb, 10. Juni. Ein heftiges Gewitter ging am Mittwoch mittag über unsrre Stadt nieder, ohne jedoch größeren Schaden in der Gemarkung anzurichten. Der wolken- truchartige Regen hatte in den tiefgelegenen Stadtteilen Wasserstauungen, die ). T. eine Höhe von 25 Centimeter erreichten, verursacht. — Das am Dienstag über unsere Gegend uiedergegangene Gewitter soll im Joßgrund und den angrenzenden bayerischen Gebietsteilen mehrfach Schaden angerichtet haben. — In Aufenau schlug der Blitz zweimal ein, Än« zu zünden.
W. Gießen, 11. Juni. Die Universität Gießen hatte im Sommersemester außer 142 Hörern und Hörerinnen eine Gesamtfrequenz von 1835 Studierenden, darunter 36 Damen gegen 1282 im Sommersemester und 1267 Studierenden im Wintersemester 1909 eingeschrieben.
W. Marburg, H. Juni. Gestern fanden hier Einigungsverhandlungen im Baugewerbe für die Bezirke ©aff el, Gießen, Marburg, Wetzlar und Fulda statt. Es kam zu keinem Resultat.
Bebra, 9. Juni. Eine ältere Frau, welche gestern auf dem Felde mit Kartoffelhacken beschäftigt war, stürzte auf dem Felde plötzlich zusammen und war ein Leiche. Der hinzugezogene ärztliche Sachverständige stellte Hitzschlag als Todesursache fest.
Großalmerode, 8. Juni. Bei einem schweren Gewitter, welches sich heute abend hier und in der ganzen Umgegend des „Königs der hessischen Berge" entlud, hat der Blitz mehrfach eingeschlagen, ohne zum Glück zu zünden. Wiederholt hat es auch in die hiesige elektrische Beleuchtungsanlage eingeschlagen und erheblichen Schaden verursacht.
Von der Werra, 8. Juni. Auf einer Radtour begriffen, kam der Kaufmann Baumbach infolge eines Unglücksfalles bei seinem Wohnort Kreuzburg plötzlich zu Tode. Er stieß mit einem Automobil zusammen, wurde hoch im Bogen in den Chausseegraben geschleudert, erlitt einen Schädelbruch und war ^ wenigen Minuten eine Leiche.
Schenklengsfeld, 8. Juni. Der älteste Einwohner im benachbarten Stadtlengsfeld, der Kaufmann Jakob Huhn, welcher über fünfzig Jahre dem Gemeinderat angehörte, auch sonstige Ehrenämter verwaltete, ist dortselbst heute morgen im 83. Lebensjahre gestorben.
Eschwege, io. Juni. Die Wahl unseres Landtagsabgeordneten Herrn Dr. Wendlandt beschäftigte beute neben anderen Wahlprüfungen abermals das Abgeordnetenhaus. Das Haus beschloß, wie uns ein Berliner Telegramm meldet, die Wahl zu beanstanden und Beweis zu erheben.
Schmalkalden, 10. Juni. In Kleinschmalkalden ging gestern vormittag ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Die Schmalkalde trat über die Ufer und überschwemmte die angrenzenden Wiesen. Im Ort selbst wurden die tiefergelegenen Straßen teilweise unter Wasser gesetzt. Großen Schaden hat das Unwetter an den Wirsen und Ländereien angerichtet. Von den Bergabhängen wurde die Ackerkrume abgrschwemmt und die Wiesen versandet. Vielfach wurde das gemähte Gras fortgetrieben. Einer hiesigen Korbwarenfabrik wurden für mehrere hundert Mark Korbweiden fortgeschwemmt. Die Wafferwerksbesitzer an der Schmalkalde konnten nur mit Mühe ihre Betriebe tor den rapide ste:grnden Wassersiuten schützen.
SS Cassel, 10. Juni. Der hiesige Jnnungsausschuß, otm alle hiesigen Innungen angehören, beschloß auf seiner letzten Hauptversammlung, in Zukunft nicht mehr mit dem hiesigen sogen, großen Wahlausschuß die Stadtverordueteu- wahlen zusammen durchkämpfen zu wollen, sondern mit dem Hausbesttzerverein und den: Wirteverein für Cassel und Ums Legend eine Koalition zu bilden, um auf diese Weise wirkliche Handwerker und Gewerbetrribeude in die Stadtverordnetenversammlung hineinzubekommen, was jetzt nicht in dem Maße der Fall sei, als es die Vertreter von Handwerk und Gewerbe verlangen könnten. Die Aufstellung eines eigenen Kandidaten aus den Kreisen des Handwerks oder des Gewerbes für die nächste Reichstagswahl soll der nächsten Hauptversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Für den Handwerkskammertag in Kirchhain wurden drei Vertreter bestimmt, denen nahegelegt wurde, darauf zu achten, daß die Forderungen des Handwerks inbetreff des § lOOq der Reichsgewerbeordnung berücksichtigt werden und entsprechende Schritte nach dieser Richtung unternommen würden.
SS Cassel, 10. Juni. 15 Jahre hindurch verschwundene Grundbuchaktei: wurden bei einer Haussuchung in der Wohnung des Kanzlisten beim hiesigen Amtsgericht, Heinrich George, angetroffen, der sich nunmehr vor der Strafkammer wegen Beiseiteschaffen von Akten zu verantworten hatte. George bearbeitete die Grundbuch- und Entmündigungssachen und es war ihm erlaubt worden, außerdienstlich für Land- leute schriftliche Arbeiten unfertigen zu dürfen, die mit dem Grundbuch- und Entmündigungswesen im Zusammenhänge standen. George nahm sich nun Grundbuch- und Ent- mündigungsakten mit nach Hause und fertigte hier Auszüge oder Rechnungsaufstellungen an, vergaß infolge Ueberarbeüung vielfach gänzlich, die Akten wieder zur-Gerichtsstelle zu schaffen, 'odaß iebr oft aanze Aktenbündel einfach verschwunden waren;
wiederholt war George wegen dieser Bummeleien zur Rede gestellt worden und auch der vorgesetzte Amtsrichter drohte ihm wiederholt ernsteste Unannehmlichkeiten an, gründlicher Wandel wurde indessen nicht geschaffen, sodaß man sich entschloß, eine Haussuchung bei ihm abhalten zu lassen. Dabei wurde ein ganzer, großer Stoß Aktenbündel bei ihm gefunden, die sich bei ihm in der Wohnung bereits seit fünf bis fünfzehn Jahren befanden und von ihm gänzlich vergessen worden waren. Die Beweisaufnahme ergab, daß George ein tüchtiger und fleißiger Beainter war, ein generelles Verbot an ihn, keinerlei Grundbuchakten mit nach Hause zu nehmen, war nicht ergangen, doch beantragte der Staatsanwalt gegen ihn eine Gefängnisstrafe von einem Monat, da als erwiesen anzunehmen sei, daß er von dem Zeitpunkte an, wo er fürchtete, daß die Akten, die man an Gerichtsstelle vermißte und überall suchte, bei ihm gefunden werden könnten, heimlich behielt und sie der Gerichtsstelle entzog. Das Gericht schloß sich indes den Ausführungen des Rechtsanwalt Kästner an, der mehrere Reichsgerichtsentscheidungen anführen konnte, wo wegen ähnlicher Fälle wegen der fehlenden böswilligen Absicht trotz der grenzenlosen Bummelei die Freisprechung erfolgen mußte. Das Gericht sprach auch in diesem Falle den Angeklagten frei, obwohl es seine zu Tage getretene Bummelei auf das schärfste geißelte. — Am 15. März d. I. kamen 6 junge Burschen von der Musterung und krakehlten mit ihrem bunten Aufputz in angeheiterter Stimmung in der Karlsaue, sodaß die Parkwärter mehrfach diese Burschen zur Ruhe ermahnen mußten. Sie kehrten sich nicht daran, sondern fingen mit einigen jungen Leuten Krakehl an, was dazu führte, daß die Parkaufseher gegen sie einschreiten mußten. Mit Stöcken und Schlagringen setzten sich die Burschen den Beamten gegenüber in Kampffront, attakierten die ergrauten Parkaufseher und setzten ihnen übel zu, worauf sie die Flucht ergriffen. Allein alle 6 Burschen wurden ermittelt und von der Strafkammer wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu hohen Strafen verurteilt: Schlosser Karl Weckesser erhielt 1 Jahr, Arbeiter Eduard Vormschlag zu 8, Arbeiter Martin Schmidt zu 6, Weber Johann Sippel und Arbeiter Heinrich Weimann zu je 3 Monaten und Arbeiter Theodor Sundheim zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Alle 6 Angeklagten wurden sofort in Strafhaft genommen.
Vom Eichsfeld, 9. Juni. In der letzten Versammlung des Heimatkundlichen Vereins Untereichsfeld teilte der Vorsitzende mit, daß die Verhandlungen wegen Errichtung eines Denkmals für Heinrich Werner, den Komponisten des Goethe'schen Liedes „Sah ein Knab' ein Röslein stehn" in seinem Geburtsorte Kirchohmfeld (Kreis Worbis) zum Abschlusse gelangt seien. Die Einweihungsfeier wird anfangs September stattfinden.
Mühlhausen, 10. Juni. Angesichts der hier herrschenden Wohnungsnot w:ll der Mühlhäuser Bau- und Sparverein sich demnächst wieder praktisch betätigen, nachdem er seit verschiedenen Jahren keine Neubauten mehr ausgcführt hat. Vorläufig sollen 2 Wohnhäuser mit je 6 Wohnungen gebaut werden.
Eisenach, 10. Juni. Im Verlause eines heftigen Gewitters wurde der Forstaufseher Sust in Gerstungen, auf einer Bank im Walde sitzend, von einem Blitzstrahl getroffen und sofort getötet.
Kahl, 9. Juni. Dem Vernehmen nach hat das königliche Staaisministerium für Verkehrsangelegenheiten in München der Kahlgrund-Eisenbahn die Projektionsgenehmigung für die Linie Schöllkrippen—Bartenstein erteilt. Die Verlängerung der Linie nach Bartenstein einerseits und nach dem Main andererseits dürfte sich für die Rentabilität der Bahn und die Verkehrsentwicklung der betreffenden Gegenden als wertvoll erweisen. Die in Betracht kommenden Kreise und Gemeinden beschlossen, ihrerseits der geplanten Verlängerung größtmöglichste Förderung angedeihen zu lassen.
Büdingen, 10. Juni. Am Mittwoch abend gegen 9 Uhr wurde südwestlich ein schweres Gewitter beobachtet. Bei demselben hat der B'itz in das Haus des Julius Adler in Altwiedermus eingeschlagen ohne zu zünden. Die Familie hielt sich im Parterrestock auf, die Zimmerdecke wurde durchschlagen, die Leute glaubten sich in Feuer gehüllt, kamen aber glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Das Dach, ein Schornstein und einige Möbel im oberen Stock wurden beschädigt.
Treffurt, 10. Juni. Wegen fahrlässiger Brandstiftumg hatte sich ein hiesiger 84 Jahre alter Einwohner vor der (Straffammer in Mühlhausen zu verantworten. Er hatte Dornen ausgerodet und den Haufen augezündet, ohne sich weiter um das Feuer zu kümmern, das bald auf einen Waldbestand Übergriff und einen Schaden in Höhe von 100 Mark verursachte. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 30 Mark.
Wiesbaden, 8. Juni. In der „Wartburg" tagte heute unter dem Vorsitz von Haust-Darmstadt die 10. ordentliche Generalversammlung der .Haftpflichtkasse Deutscher Gastwirte (Sitz Darmstadt). Der Rechnungsabschluß für 1909 weist eine Gesamteinnahme von 183202 Mk. auf, die Gesamtausgabe beziffert sich auf 163409 Mk. Von dem Ueber- schuß wurden 15813 Mk. dem Reservefonds überwiesen. Die Kasse, der 365 neue Mitglieder beitraten, zählte am Jahresschlüsse 4288 Mitglieder. In den 9 Jahren des Bestehens der Kasse erziehlte man einen Reingewinn von 126 847 Mk., so daß unter Hinzuziehung des Garantie- kapitals von 136 000 Mk. über 262 847 Mk. an Deckungsmitteln verfügt wird.
Wiesbaden, 9. Juni. Nicht weniger als drei Selbst- morde sind gestern hier begangen worden. Ein löjähriger Knabe und ein Telephonist erschossen sich aus unglücklicher Liebe. Der letztere benachrichtigte vorher die Sanitätswache und beobachtete vor dem Südfriedhof noch die Anfahrt des Sanitätswagens, ehe er sich erschoß. Ein 51 Jahre alter arbeitsloser Tagelöhner erschoß sich aus Nahrungssorgen. — Im Cafè Hohenzollern, das den vielfachen Millionären Beckel gehört, müssen sämtliche Kellner drei Prozent ihres Umsatzes an die Inhaber zahlen. Ein Kellner, der plötzlich entlassen worden war, hatte sich während eines Zeitraumes von zwei Jahren genau notiert, was er täglich an das Geschäft zurück- gezahlt batte und Häate nun den Betrag, und zwar 1500
Mark, ein. Das Gewerbegericht war der Ansicht, daß et« solcher Vertrag gegen die guten Sitten verstoße und verurteilte die Beklagten zur Rückzahlung. — Der freireligiöse Pfarrer Welker aus Frankfurt wurde gestern von der hiesigen Straf- kammer nach zweitägiger, vielfach vertagter Verhandlung zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt, wegen Beleidigung des Nauenthaler katholischen Pfarrers Diefenbach durch Artikel in seiner Zeitschrift Eß werde Licht. Welker hatte an dem Verhalten Diefenbachs bei Gelegenheit des Ablebens eines der Kirche lange Zeit fern gebliebenen Gemeindemitgliedes abfällig« Kritik geübt. Von der Anklage der Beleidigung des bischös- licken Ordinariats in Limburg, die in einer Abonnements- aufforderung für die freireligiöse Zeitschrift bestanden haben sollte, wurde Welker freigesprochen.
r- Marburg, 9. Juni. Ein interessantes Bild der fortschreitenden Entwicklung unserer Universität gibt das soeben erschienenen Studenten-Verzeichnis. Danach beträgt die Gesamtzahl dec immatrikulierten Studierenden 2192 (darunter 55 Frauen.) Rechnet man noch die 31 Männer und 14 Frauen, welche zum Hören der Vorlesungen berechtigt sind, hinzu, so erhöht sich die Ziffer auf 2237, gegen 2113 im vorigen Sommer und 1829 im im letzten Winter. Von den Immatrikulierten studieren 171 (1 Frau) Theologie, 480 Jura, 384 (12) Medizin, 1089 (55) Philosophie. Beheimatet sind 1709 Männer und 47 Frauen in Preußen, darunter 721 Männer und 11 Frauen in Hessen-Nassau, 346 Männer und 12 Frauen in den übrigen deutschen Neichsländern, darunter 25 Männer im Großherzogtum Hessen. Aus den übrigen europäischen Ländern stammen 56 Männer und 7 Frauen, davon 20 Männer und 2 Frauen allein aus Rußland, 10 Männer und 2 Frauen aus Amerika und 3 Männer aus Asien. Der Lehrkörper der Universität hat sich gegen früher nur unwesentlich verändert.
Gericbtsfaal.
Verfehlungen eines Oberbürgermeisters. •
Dessau, 8. Juni. Ein verwerfliches System des Oberbürgermeisters Dr. Ebeling hat laut „Köln. Ztg." eine Schöffengerichtsverhandlung aufgedeckt, in der sich der Führer der anhaltischen Fortschrittlichen Volkspartei, Rechtsanwalt und Notar Dr. Hermann Cohn, wegen Beleidigung städtischer Beamten verantworten sollte. Dr. Cohn führt seit einiger Zeit eine heftige Preßfehde gegen den Oberbürger- meister Dr. Ebeling, dem er Willkürherrschaft vorwirft. In einem im „Anhaltischen Staatsanzeiger" erschienenen Eingesandt des Angeklagten, unterzeichnet mit vollem Namen, behauptete Dr. Cohn, der Oberbürgermeister habe die Dessauer Stadtverordneten in Gegenwart von zehn städtischen Bureau- Chefs Banausen, ein anderes Mal schafsköpfige Stadtverordnete genannt. Beim Neujahrsempfang sollte daS Stadt- Oberhaupt gesagt haben: Wie der Kaiser seine Generale im Zeughause, so versammele ich meine Beamten um mich. Meine Neuwahl steht bevor. Die kleinstädtischen Banausen (damit sind die Stadtverordneten gemeint) werden mich ja doch wiederwählen, weil sie die 6000 Mark Pension nicht zahlen wollen. Dann behauptete Dr. Cohn, der Oberbürgermeister habe ihn wiederholt in seiner (Dr. Cohns) Abwesenheit in Gegenwart von Zeugen Judenlümmel und Judenjunge geschimpft. Ferner behauptete Dr. Cohn, der Oberbürgermeister habe seine Beamten, die die Beschimpfungen gehört haben, ein von ihm verfaßtes Schriftstück unterzeichnen lassen, worin die Beamten in Abrede stellten, daß irgendeine Beschimpfung vorgekommen sei. Endlich sagte er, den Beamten sei nicht zu glauben, wenn sie nicht unter dem Eide stünden. Die Beamten verklagten Dr. Cohn daraufhin wegen Beleidigung. Die Verhandlung ergab eine geradezu glänzende Rechtfertigung des Angeklagten, der kostenlos freigesprochen wurde. Sie bestätigte aber auch das verwerfliche Gebaren deS Dessauer Oberbürgermeisters, gegen den jetzt ein Disziplinarverfahren bei der herzoglichen Staatsregierung schwebt, weil er von einem Stadtrat für seinen Bruder eine Assessorarbeit habe anfertigen lassen. Es wurde in der Verhandlung festgestellt, daß der Oberbürgermeister die Stadtverordneten tatsächlich Banausen geschimpft, daß er die Beamten verleitet hat, ein Schriftstück zu unterzeichnen, in dem diese Beschimpfung in Abrede gestellt wird, daß er den Angeklagten Judenlümmel geschimpft und eine ähnliche Beschimpfung Dr. Cohn gegenüber schriftlich zugegeben und deswegen um Verzeihung gebeten, im selben Moment aber die Beamten, die diesen Ausdruck gehört hatten, veranlaßt hat, an Dr. Cohn zu schreiben, sie hätten nichts von einer Beschimpfung gehört. Der Vorsitzende rügte das Verhalten des Oberbürgermeisters in den schärfsten Worten und billigte dem Angeklagten den Schutz des § 193 in vollstem Umfange zu. Der Wahrheitsbeweis sei vollständig erbracht worden. Gegen den Oberbürgermeister ist jetzt noch ein Rattenkönig von Prozessen anhängig, und seine Position ist so ungünstig wie nur denkbar.
^üt Errichtung eines AuSstchtsturmes auf dem Buchberge bei Langenselbold gingen ein
Durch Prof. Küster-Hanau . . 1.40 Mk.
Ungenannt.....0.10 „
Voriger Betrag . . . . 4111.— „
Zusammen bis jetzt 4112 50 Mk7^ Weitere Spenden nimmt gerne entgegen die Redaktion des „Hanauer Anzeigers".
Zur Errichtung eines Ausftchtsturmes auf dem Hühnerberg bei Wachenbuchen gingen ein:
Von zwei Hühnerbergfreunden ein Radanenkuchen gestiftet, Erlös . . 2.90 Mk.
(Das waren die Mandeln allein wert; aber wir wünschen den Damen ein gutes Kaffeekränzchen dazu.)
Voriger Betrag . . . . 1387.46 „
Zusammen bis jetzt 1390.36 Mk.
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