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General-Auzeiger
AMihts Orga» für Mt- un) Mkreis Kalla«.
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Nr. 127
Freitag den 3. Juni
1910
Amtliches.
I Ersatzwahl zur Handelskammer.
Gemäß § 17 des Gesetzes betr. die Errichtung von Handelskammern vom 24. Febr. 1870 / 19. Aug. 1897 soll, laut Plenarbeschluß der Handelskammer vom 8. April d. I., für das am 12. März ausgeschiedene Mitglied Herrn Iulius Steinheuer noch im Laufe des Juni eine Ersatzwahl zur Handelskammer stattfinden, unter Zugrundelegung der bei der letzten Ergänzungswahl festgestellten Liste der Wahlberechtigten.
Zur Vornahme dieser Wahl lade ich die wahlberechtigten Firmen und Firmenvertreter auf
Freitag de« 10. Juni, 10 Uhr vorm., d 'n den unteren Rathaussaal ein (parterre, links).
Die Wahlstimme abgebende Prokuristen haben sich durch schriftliche Vertretungsvollmacht ihrer Firma zu legitimieren.
Die Wahlhandlung wird 2 Stunden dauern.
Hanau den 2. Juni 1910.
Der Wahlkommissar.
Canthal, Kommerzienrat. 12803
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuche von da, Band 70, Blatt 3715 in Abteilung I unter lfde. Nr. 3, 4 und 5 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Bauunternehmers Karl Knoll in Hanau eingetragenen Grundstücke:
Krtbl. H Parzelle 270/30 re., Große Dechaneistraße Nr. 39, 2 ar 88 qm,
a) Wohnhaus mit Hofraum,
3640 Mk. Nutzungswert, Krtbl. H Parzelle 271/32 re., an der Großen Dechaneistraße Hofraum, 13 qm,
Krtbl. H Parzelle 272/32, alte Stadtmauer zwischen Markt- und Bangertstraße Hofraum, 5 qm, Grundsteuermutterrolle Artikel 2886, Gebäudesteuerrolle Artikel 1243, am 19. August 1910, vormittags 11 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. Hanau den 28. Mai 1910.
Königliches Amtsgericht, Abt. 2. 12795
Grundstücksverpachtung.
Die Ackerparzelle Blatt Y Nr. 40 db „Aschaffenburger Acker^ der hiesigen Gemarkung von 0,0955 ha wird nicht Samstag sondern Montag den 6. d. Mts., vormittags 9 Uhr, im Geschältszimmer des Domânen-Rentamtes hierselbst öffentlich meistbietend unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen verpachtet werden.
Hanau den 2. Juni 1910.
Reinhardt. 12615
Bekanntmachung.
Die diesjährige He«- und Grummeternte aus dem der Stadt Hanau gehörenden, in der Gemarkung Dörnigheim beim Wassertum liegenden Wiesenflächen soll
Dienstag den 7. Juni 1910, nachm. 3'/» Nhr, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.
Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben. Hanau den 1. Juni 1910.
Wasserwerksdirektion.
von Gäßler. 12787 LandmrWstlijer Kreisverei« Hms.
Seitens des landwirtsch. Kreisvereins findet am Sonntag den 5. Juni d. Js. eine Besichtigung von landwirtschaftlichen und anderen Betrieben in Dörnigheim, Bischofsheim, Fechenhein und Hochstadt, sowie der Maschinenfabrik von Mayfarth & Eomp. bei Mainkur statt.
Treffpunkt der Teilnehmer aus Hanau um 1 Uhr nach" mittags an der Wirtschaft „$ u m goldnen Löwen" Vorstadt Nr. 1 hierselbst, für die übrigen Teilnehmer um 1*/» Uhr in Dörnigheim bei der Wirtschaft „zum weißen Roß."
Wegen der Bereitstellung von Fuhrwerken wollen die
hiesigen Teilnehmer ihre Beteiligung an der Bereisung alsbald dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domänenrentmeister Reinhardt hierselbst, mitteilen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau, den 24. Mai 1910.
Der Vorsitzende.
Frhr. L a u r, Königlicher Landrat.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Herrenschirm (stehen geblieben bei Hock, Franz. Allee 6. Empfangnahme auf dem Fundbureau).
Verloren: 1 Bernsteinbrosche in Hufeisenform mit Perlen.
Zugelaufen: 1 grauer Pinscher m. Geschl., 1 gelber Spitz mit weißen Abzeichen w. Geschl.
Entlaufen: 1 grauer Boxer, 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen.
Hanau den 3. Juni 1910.
Politische Rundschau.
Die Erhöhung der Zivilliste. Die Fraktionen des Abgeordnetenhauses hielten im Laufe bei gestrigen Vormittags vertrauliche Sitzungen ab, bei denen eS sich um eine Besprechung über die Erhöhung der königlichen Zivilliste handelte. Die Notwendigkeit einer Erhöhung der Zivilliste wird begründet mit der inzwischen erfolgten Erhöhung aller Beamtengehälter, die sich nun auch auf die Hofbeamten erstrecken soll, was die Zivilliste mit fast */* Millionen jährlich mehr belasten würde. Die Begründung weist ferner auf die notwendige Erhöhung der Apanagen für die verheirateten Prinzen, auf die wachsenden Ausgaben der Krone für allgemeine Zwecke, beispielsweise für die königlichen Theater usw. hin. Bei der jetzt angeregten Erhöhung soll es sich um 3 bis 4 Millionen jährlich handeln. Nach dem Ergebnis der gestrigen Fraktions-Verhandlungen — soviel man hört, hätten sich alle bürgerlichen Parteien grundsätzlich zustimmend geäußert — hat gestern abend eine Konferenz der Parteivorsitzenden mit dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten stattgefunden. Schon in den nächsten Tagen soll dem Landtage eine Vorlage zugehen, die dann schon im Laufe der nächsten Woche verabschiedet werden wird. Die Zivilliste beträgt gegenwärtig 15 719 296 Mark.
Zur Reichstagsersatzwahl im Kreise Frank- surt a. O.—Lebus, dessen Mandet durch den Tod des nationalliberalen Abgeordneten Professor Detto frei geworden ist, beabsichtigen die Nationalliberalen, wie der „Inf." mitgeteilt wird, den Provinzialvorsitzenden der nationalliberalen Partei für die Provinz Brandenburg und Stadtverordnetenvorsteher von Wilmersdorf, Regierungsrat Prof. Dr. Leidig aufzustellen.
Ein Fürst, der keine Zivillifte erhält, sondern sogar zum Etat dazuzahlt. Fürst Georg von Schaumburg-Lippe hat, wie die „Lehrerzeitung für Westfalen" schreibt, durch einen Erlaß mitgeteilt, daß er, um die Aufbesserung der Beamten- und Lehrergehälter zu ermöglichen, der Landeskasse aus seinem eigenen Vermögen die Summe von 100 000 Mark zur Verfügung stelle mit der Bestimmung, daß diese Summe so lange in Anspruch genommen werden könne, bis die regelmäßigen Einnahmen wieder die zum Ausgleich des durch die Gehaltserhöhung entstehenden Mehrbedarf erforderliche Höhe erreicht haben. Der Fürst bezieht übrigens nicht nur keine Zivilliste, sondern zahlt für die Verwaltung seines Landes jährlich aus seiner eigenen Tasche seit einigen Jahren ungefähr 200 000 Mark zu.
Entschädigung bei Arbeitseinstellungen. In der kürzlich unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Dr. Zöphel, Leipzig, stattgehabten Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft des Verbandes Sächsischer Industrieller zur Entschädigung bei Arbeilseinstellungen teilte Herr Kurt Grützner-Deuben, in seinem Jahresbericht mit, daß sich die Zahl der Mitglieder seit dem 1. Januar 1909 wiederum um nahezu 600 industrielle Betriebe vergrößert hat. Im vergangenen Jahre sind nach dem Berichte an die Mitglieder für 38 Streiks die satzungsmäßigen Entschädigungen gezahlt worden, während 20 drohende Streiks durch das rechtzeitige Eingreifen der Gesellschaft verhütet werden konnten. Der Gesellschaft, die ihre dem Baugewerbe angehorenden Mitglieder in deren gegenwärtigem Kampfe unterstützt, sind namentlich in letzter Zeit eine größere Zahl von Anmeldungen
zugegangen, sodaß ihr Einfluß auch in dem laufende« G« schäftsjahre wiederum beträchtlich zunehmen wird.
Zum Kamps des Kölner Krankenkassenverbandes gegen die eingesessenen Aerzte ver- öffentlicht der „Kölner Lokalanzeiger" folgenden, die mangelhafte ärztliche Versorgung der Kassenmitglieder kennzeichnenden Brief eines der neuen Kassenärzte an einen Kassenvorstand; der Kassenarzt schreibt: „Ich habe auf Wunsch der Kasse (diese Worte sind im Original unterstrichen)die Patientin erwerbsfähig geschrieben, obwohl dieselbe nach meiner (im Original unterstrichen) Ueberzeugung noch einige Tag« Schonung bedürft hätte." Diese Bekenntnis läßt darauf schließen, daß für die wichtigste Frage der ärztlichen Behandlung in erster Linie nicht die Kassenärzte, sondern btt Kassenvorstände maßgebend sind; dieser Mißstand wurde auch in einer öffentlichen Versammlung durch einen Redner beklagt, der die Unhaltbarkeit des jetzigen System« kennzeichnete durch eine Beschwerde, daß „heute die Kaffenvorstände die Kassenmitglieder behandeln und nicht die Aerzte". Angesichts solcher Verhältnisse erscheint die seitens deS Kassenverbandes öffentlich als ungewöhnlich günstig gerühmte Finanzlage der Kassen in eigenartigem Licht, und zwar um so mehr, als schon zu Zeiten bei früheren Arztsystems erhebliche Überschüsse zu verzeichnen waren.
Eine Enzyklika. Wie Papst Leo XIII. zu Ehren des Jesuitenpaters CanasiuS, der im 16. Jahrhundert in Deutschland gewirkt hatte, so hat jetzt sein Nachfolger PiuS X. zu Ehren des Erzbischofs Carlo Borromeo, der namentlich in der Schweiz für die Gegenreformation tätig war, eine Enzyklika erlassen, di« in evangelischen Kreisen großes Aufsehen erregt. ES ist nicht selten, daß daS Oberhaupt der katholischen Kirche bei Ausübung seines, unfehlbaren Lehramts eine scharfe Sprache gegen Andersgläubige führt. Die neueste Enzyklika leistet aber Ungewöhnliches in starken Worten gegen die Reformatton und gegen die Fürsten, die sich der Bewegung angeschlossen hatten. Wir haben nichts dagegen, daß die katholische Kirche daS Andenken von Männern wie Canisius und BorromäuS feiert, die im Jahrhundert der Reformation für den alten Glauben tätig waren und zu dessen Erneuerung beitrugen. Aber wir können nicht einsehen, waS in unseren Tagen noch mit einem Uebermaß politischen Eifers zu gewinnen wäre. Der gegenwärtige Papst hat wie seine Vorgänger wiederholt anerkannt, daß in dem Hauptlande der Reformatton der katholische Glaube so frei ist wie in irgend einem andern Lande der Welt, während der Vatikan wegen Verfolgung der geistlichen Kongregationen und Schulen im Lande der allerchristlichsten Könige alle Beziehungen zur Regierung der französischen Republik abgebrochen hat. Di« „Kreuzzeitung" hat gewiß recht, wenn sie klagt, daß gegenüber einem solchen Vorgehen die Versuche, den äußeren Frieden unter den Konfessionen zu fördern, erfolglos bleiben müßten. Scharfe Proteste von protestanttscher Seite werden nicht ausbleiben. Die Abwehr wird aber um so wirksamer sein, je würdiger sie ist, d. h. j« mehr fie sich von Angriffen auf den Glauben unserer katholischen Mitbürger frei hält. Die Zentrumspresse hat bisher geschwiegen, eS wird ihr auch schwer fallen, den Ton der neuesten Enzyklika zu verteidigen, und wenn das Zentrum im Reichstage wieder mit seinem Toleranzantrag« kommt, wird eS der Gegenfrage nach dem Geiste der Unduldsamkeit in päpstlichen Hirtenbriefen nicht entgehen. DaS Zentrum selbst will k«me konfessionelle Partei sein und hat noch jüngst Versuche der Roeren und Genossen, den konfessionellen Charakter schärfer hervorzuheben, unterdrückt. Di« BorromäuS-Enzyklika gäbe ihm eine gute Gelegenheit zu zeigen, daß eS wirkliche Toleranz vertritt.
Reichstagswahlen in Ungarn. Nach den bis abends vorliegenden Wahlergebnissen entfallen auf die Kossuth- partei 37 Mandate, auf die Justhpartei 31, die katholische Volkspartei 12, die Nationalitäten 7, die Andrassy-Fraktion 14, die Parteilosen 16, die Demokraten 2 und auf die Regierungspartei 225 Mandate, mithin 18 Stimmen mehr als die 207 Mandate betragend« absolute Majorität. Die Kossuthpartei verliert 51 und gewinnt 9 Sitze, die Justhpartei verliert 86 und gewinnt 9 Sitze, die Nationalitäten verlieren 15 Sitze und gewinnen einen Sitz. 12 Stichwahlen sind erforderlich. In 60 Bezirken werden die ersten in den nächsten Tagen statlfinden. Die Wahlen sind in größter Ordnung verlaufen; das Militär hat nirgends Veranlassung gefunden, einzuschreiten. Nur in Nagylomhut kam es zu Ausschreitungen, wobei ein Mann getötet wurde; in Csenger wurde ein Wähler, der einen Gendarmen vom Pferde ziehen wollte, von dem Beamten erstochen.
Die Kretafrage. Bezüglich der Note der kretenfischrn Regierung erklärte der türkische Minister des Aeußern Rifaal Pascha einem Mitarbeiter bei „TempS", die kretensischev