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laffung einer Anzahl Tuben mit Reinkulturen des neuent- kj deckten Pilzes, damit auch in unserer Kolonie entsprechende Versuche angestellt werden könnten. Die Kapreqierung entsprach dem Ersuchen auf das bereitwilligste. Die gewünschten Reinkulturen trafen mit einer Gebrauchsanweisung ein. Diese gab verschiedene Arten des zu beobachtenden Verfahrens an. Die in unserem Schutzgebiete Südwestafrika angestellten 1 Versuche waren jedoch nur teilweise von Erfolg. In den letzten Jahren hatte dasselbe und hauptsächlich. der Süden unter einer anhaltenden Dürre und Trockenheit arg zu leiden; die Reinkulturen erfordern aber feuchte Witterung, und so war das Mittel nicht daS, was man sich von ihm versprach.
Line WanjmzSjiatistik ms StutfHWtih.
Kürzlich konnte Staatssekretär Dernburg dem Deutschen Handelslage darlegen, welch bedeutende Entwicklung die Bewirtschaftung Deutsch-Ostafrikas genommen habe, noch be- vor die größeren Bahnbauten zu neuen Unternehmungen im großen Stil einladen. Jetzt veröffentlicht das „Deutsche Kolonialblatt" eine Statistik der Pflanzungen, die das Gouvernement Daressalam für das Jahr 1908 aufgemacht hat. Danach betrug die Zahl der Pflanzungsunternehmungen 362; das Grundkapital belief sich bei 112 Unternehmungen, di« darüber Mitteilung gemacht haben, auf 291'» Millionen Mark, wovon bei 86 Unternehmungen, die Angaben geliefert haben, l9,6 Millionen eingezahlt sind. Die Pflanzungen haben 366 253 ha belegt und davon 45 614 ha bebaut. Die Zahl der weißen Angestellten beträgt 323, die der eingeborenen Arbeiter 36 126. Die einzelnen Kulturen verteilen sich wie folgt:
Bebaute
davon __
Fläche ertragfähig ha ha
Pflanzenzahl
davon ertragfähig
130
20
59 641
1105
3 822
2280
4 637 192
3 115 006
33
27 025
—
42
—
40 418
—
12 853
2150
12 661 166
1 925 479
—
75
25
11
—
206 018
—
10,4
7
—
—
6 275
1292
574 665
106 113
6 367
6367
—
14 316
4376
40 979 061
7 868 406
663
81
352
240 021
128128
Kakao .... Kaffee .... Kickxia-Kautschuk. Tastilloa-Kamschuk Manihot-Kautschuk Vanille . . . Pfeffer . . . Tabak . . . Kokospalmen . Baumwolle Sl'alagaven . Kapok . . .
1 Zuckerrohr . . .
Besonders groß ist die Ausdehnung der Agavenkulturen, die man im vorigen Jahre auf kaum über 25 Millionen Stauden schätzte. Eine starke Zunahme — um 131724 Bäume für das Jahr — zeigt die Kultur der Kokospalmen, wobei zu bedenken ist, daß die Europäerwirtschaft hier weit weniger in Belrackl fommt als die Eingeborenen- und Araberwirtschaft. Bei der Baumwolle hat die Anbaufläche gegen 1907 um 2u67 ha zugenommen. Ebenso zeigt mit ^673 ha mehr die Kultur von Manihot-Kautschuk eine starke Zunahme. Beim Kaffee dagegen, der aus bekannten Ursachen in den dafür weniger geeigneten Lagen Westusambaras andern Kulturen Platz macht, hat das Berichtsjahr eine Abnahme um 367 ha in der Anbaufläche und 335 123 Stück in der Zahl der Bäume gebracht.
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Drittes Bunvesfest Ves Weimarer C. C., Der- banves ventscher Sängerschaften, vom 19. bis 21. Mai 1910 in Weimar. Das dritte Bundesfest begann am Abende des 19. Mai mit einem Fackelzuge, welcher sich am Bahnhof ordnete. Es machte einen erhebenden Eindruck, die 600 jungen Leute mit den Wachsfackeln durch die Hauptstraßen der Stadt Weimar ziehen zu sehen, die Teilnehmer in ihren bunten Pekeschen und Mützen, die Chargierten der einzelnen Korporationen in Wichs mit fliegenden Fahnen. -Born Rathausbalkon auf dem Markte wurde der Verband durch den Bürgermeister Dr. Danndorf in herzlichster Weise begrüßt; der Bundesvorsitzende Medizinalpraktikant Klitzsch dankte in zündender Ansprache. Nach dem Fackelzuge fand ein kurzer Begrüßungsabend in dem Saale des Brouhofes statt. Am 20. Mai vormittags wurde die Generalprobe, nachmittags das Festkonzert zum Besten des Wildenbruch- Denkmales abgehoben; beide Veranstaltungen in dem voll besetzten Großherzoglichen Hoftheater. Ein ganz prächtiges Bild boten die Sänger auf der Bühne in ihrem bunten Schmuck. Der erste Teil des Konzertes stand unter Leitung von Professor Dr. Paul Klengel-Leipzig und bot Stücke von Brahms, Dürrner, Schumann und Goldmark. Der zweite Teil unter Direktion von Professor Brandes enthielt Kom- positionen von Liszt, Veit, Otto und Sckulz-Beuthen. Die Aufführung war ein Kunstgenuß ersten Ranges und löste stürmischen Beifall aus. Am Abende dieses Tages wurde A A^saale des Brauhofes ein Festkommers abgehalten. Die Damen saßen in den Nebensälen und in den Seiten- nimwn. Trotzdem der Saal reichlich groß bemessen war, reichte er nicht für die über 2000 Personen zählenden Teil- nehmer aus. Der Kommers wurde durch packende Reden gewürzt. Der 21. Mai begann mit einem solennen Frühschoppen auf dem Marktplatze. Um halb 3 Uhr formierte
• oug, um in einer Anzahl von über 2000 Menschen mir Musik nach Belvedere zu wandern. Hier wurde musiziert und getanzt und am Abend ein prächtiges Feuerwerk ge» boten, welches auch von der Stadt Weimar aus gesehen werden konnte. Der Rückzug fand unter Musikbegleitung Hatt. Die Teilnehmer trugen Lampions, welche die Farben der einzelnen Korporationen zeigten. Es war ein außerordentlich langer Zug, der sich nach Weimar bewegte; er nahm in der Stadt seinen Weg über den Marktplatz, welcher wieder wie am ersten Tage festlich beleuchtet war. — Der Schlußtrunk im Brauhofe verlief ebenfalls in wohlgelungener harmonischer Weise. — DaS ganze Fest war durch das prachtvollste Wetter begünstigt und jeder Teilnehmer sprach seine Zufriedenheit über die wohlgelungenen Tage auS. Am Sonntag den 22. Mai verließen sämtliche Teilnehmer im
1 Laufe des Vormittages die gastliche Musenstadt, um in ihre I Heimat zurückzufahren.
Aus Seenot qevettst» AuS Swinemünde meldet ein Telegramm: Die Fischer Rickmann, Rüsch und Loback waren gestern in See gegangen, nm ihrem Gewerbe nachzugehen. Das Doot wurde von einem heftigen Sturm in die Ostmole geschleudert, wo es 'zerschellte. Die drei Insassen stürzten in die See und nur dem sofortigen Eingreifen von vier Lotsen verdanken sie ihre Rettung. Die einzelnen Stücke des zertrümmerten Bootes treiben in der Ostsee.
Siamesische Zwillinge. Aus Wien meldet ein Privat- telegramm des „Berl. L.-A.": Im Großwardeiner Krankenhaus brachte gestern eine Bäuerin zusammengewachsene Zwillinge zur Welt, die bald nach der Geburt starben. Die Zwillinge hatten zwei Köpfe und vier Beine. Die Untersuchung der Leichen ergab, daß die Mißgeburt ein gemeinsames Herz und eine gemeinsame Leber besaß.
Ein amerikanisches Küstenschiff gesunken. Aus Washington meldet der Preßtelegraph: Soeben wird offiziell bekannt gegeben, daß der Rammkreuzer „Kathahdin", der bei den großen Manövern in letzter Zeit als schwimmende Zielschiebe diente, am Sonntag bei Schießversuchen mit einem neuen weichspitzigen Zwölf-Zoll-Geschütz auf dem Schießge- gelände des Potomcap bei Indian Head untergegangen ist. Ein verirrtes Geschoß traf daS Küstenschiff unterhalb der Wasserlinie. Es wurde Mittelschiffs leck und begann sofort zu sinken, so daß alle Hilfe vergebens war.
Unterschlagungen eines Notars. Aus Oppenheim a. Rh. wird berichtet: Großes Aussehen erregt weit über Rheinhessen hinaus die Tatsache, daß in dem Nachlaß des vor kurzem plötzlich aus dem Leben geschiedenen Notars Jiistizrat Hubert hier grobe Unregelmäßigkeiten sich herausgestellt haben. Es sind bereits Unterschlagungen in Höhe von über 100000 Mark festgestellt 'worden und eS besteht die Befürchtung, daß die Verluste von Privatpersonen noch nicht abgeschlossen sind. Notar Hubert war einer der am meisten beschäftigten Nore Hessens und genoß in den weitesten Kreisen deS Landes uneingeschränktes Ansehen.
Schwerer Unfall in der französischen Marine.
Calais, 26. Mai. Das Unterseeboot „Pluviose" ist infolge eines Zusammenstoßes mit einem Postdampfer gesunken. 23 Mann der Besatzung sind ertrunken.
Paris, 26. Mai. Zu dem Schiffsunglück im Kanal wird auS Calais weiter gemeldet: Das Unglück ereidnete sich, als das Unterseeboot „Pluviose", welches Tauchübungen vornahm, unterhalb des den Hasen verlassenden Postdampfers „Pas de Calais" durchschwimmen wollte. Die Mannschaft des Unterseebootes bestand aus dem Sckiffsleutnant Callot, dem Schiffsfähnrich Engel und 25 Mann. Das Untersee- boot „Pluviose", welches 450 Tonnen faßte, war im Jahre 1907 nach den Plänen des Ingenieurs Laubeuf gebaut worden. Der Postdampfer „Pas de Calais" gehörte der Nordbahngesellsckalt.
Calais, 26. Mai. Ueber den Untergang des Unterseebootes „Pluviose" wird weiter gemeldet: Der Dampfer „Pas de Calais", der regelmäßig zwischen Dover und Calais fährt, hatte soeben den' letztgenannten Hafen verlassen, als eins der Schaufelräder einen außerordentlich heftigen Stoß erhielt. Der Dampfer stoppte, der Kapitän glaubte zunächst, er habe eine unter Wasser befindliche Boje berührt. Dann aber tauchte hinter dem Dampfer ein kleines Fahrzeug auf, in dem man ein Unterseeboot erkannte. Da der Kapitän niemand an Bord des Unterseebootes bemerkte, ließ er ein Boot klar machen, um Aufilärung zu erhalten. Die Mannschaft des Bootes ruderte nun an das Unterseeboot heran, klopfte an seine Wände, erhielt aber keine Antwort. Bald darauf versank das Unterseeboot in den Fluten. Es stellte sich heraus, daß es der Pluviose war, der 23 Mann an Bord hatte und eine halbe Stunde zuvor von Calais in See gegangen war. Zweifellos hatte er eine Tauchübung vorgenommen und war im Augenblicke des Wiederauf- tauchenS von einem Schaufelrads der „Pas de Calais" getroffen worden. Der Dampfer hat einige Beschädigungen erlitten und kehrte nach Calais zurück. Die Passagiere werden mit einem anderen Dampfer befördert. Man kann sich nicht erklären, wie das Unterseeboot auf einem von so vielen Schiffen befahrenen Wege eine Tauchübuug hat vornehmen können. Die Nachricht von dem Unglück rief die größte Bestürzung hervor. Zwei Schleppdampfer sind nach der Unglücksstätte abgegangen.
Calais, 26. Mai. Ueber den Untergang des Unterseebootes „Pluviose" wird weiter gemeldet: Der Kapitän des Postdampfers „Pas de Calais" hatte ungefähr eine Seemeile entfernt eine Art Wrack bemerkt und sofort den Befehl erteilt, rückwärts zu fahren. Die Geschwindigkeit, mit der das Schiff fuhr, verhinderte aber den augenblicklichen Erfolg des Manövers und so ereignete sich der fürchterliche Zu- sammenstoß. Da der Dampfer „Pas de Calais" ebenfalls beschädigt war, kehrte er ebenfalls nach Calais zurück. Die Reisenden fuhren um 4 Uhr nachmittags mit einem anderen Dampfer nach Dover. Mehrere Torpedoboote, Torpedobootszerstörer, Schleppdampfer, Baggerschiffe und Schwimmdocks mit Rettungswerkzeugen sind an die Unfallstelle abgegangen, haben aber die Stelle, wo das Unterseeboot liegt, nicht gefunden. Man weiß nicht, ob die Besatzung des Tauchbootes noch lebt. Außer der gewöhnlichen Besatzung hatte die Pluviose" noch drei Offiziere der Unterseestation von Calais an Bord. In Calais selbst herrscht ungeheure Aufregung. Auf der Mole verfolgt die Menge ängstlich das Rettungswerk.
(demetnnü^iqes.
Salat. Die Zeit des Salats hat wieder begonnen. Da dürfte es nicht uninteressant sein, einmal einem Blick auf die Geschichte des köstlichen und überaus gesunden Grünzeuges zu werfen. Die ursprüngliche Heimat des Salats ist nicht festzustellen. Der Name Salat kommt von dem lateinischen insalata, das heißl gesalzen, und bedeutet eigentlich keine Pflanze, sondern jede mit Essig, Oel und sonstigen gewür- zigen Zutaten bereitete kalte Speise. Man bereitet ja auch aus Fleisch, Hering usw. Salate, wie beispielsweise den Ochsenmaulsalat oder den sogenannten italienischen Salat, den man aber in Italien gar nicht kennt. Jetzt handelt es ' sich aber um den in den Gärten kultivierten Kopfsalat, botanisch lactuca sativa genannt, der jetzt auf unserem Tische prangt und in allen Familien genossen wird. Schon die Perser zur Zeit des Kambyses kannten den Gartensalat, Römer und Griechen erlabten sich daran, und bei PliniuS Linden wir bereits die meisten der bei uns gebauten Varie-
täten. Die Alten sagten von ihm: Das Temperament des Salates ist falt und feucht, erfrischt das Gemüt, kühlt di« Leber, macht guten Appetit und wohl schlafen. Unb dies« wohltätigen, gesundheitlichen Wirkungen des Salatgenuffes, die schon die Alten erkannt hatten, haben noch heute ihr« volle Gültigkeit. Darum versäume keiner bei der nahenden Zeit des Salatgenuffes, sich daran recht gütlich zu tun! Eßt Salat 1
Eas Hab and fern.
Grosi-Steinbeim, 25. Mai. Die Firma Mepersohn, welche auf dem Grundstück des Gg. Kutzelmann, Offenbacher Landstraße, eine Diamantschleiferei betrieb, hat ihr Geschäft geschloffen. Es sind dadurch 4 Schleifer und 1 Lehrling arbeitslos geworden. — Die Gemeindeverwaltung hat die Absicht, ein Wasserwerk zu erbauen, um die Einwohnerschaft mit gutem Trinkwasser zu versorgen. Eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister Spielmann und den Gemeinderäien Busch, Hoffmann und Illert, besichtigten am letzten Sonntag die Wafferwerke der Gemeind« Rheinau bei Mannheim.
):( Schlüchtern, 25. Mai. Die feierliche Einweihundes neuerbauten Kreishauies findet in Gegenwart des Herrn Regierungspräsidenten Dienstag den 31. Mai, mittags 12 Uhr statt.
r.- Marburg, 26. Mai. Am nächsten Dienstag wird hier in den Stadtsälen die Hauptversammlung der Zentralstelle für das Gefangenen-Fürsorgewesen in der Provinz Hessen-Nassau abgehalien.
r.- Biedenkopf, 26. Mai. Im nahen Laaspherhütt« brannte gestern Wohnhaus und Scheune des Landwirt- Wagner nieder.
Fulda, 26. Mai. Der Kreistag hat beschlossen, den Kreisausschuß zu ersuchen, mit dem Magistrat der Stadt Fulda in Verbindung zu treten zwecks Verständigung über die Errichtung einer elektrischen Ueberlandzentrale mit dem Sitz in Fulda, welche allen Gemeinden deS Kreises elektrisch« BeiriebSkraft zu liefern bestimmt ist und dafür die Konzession nicht nur seitens der Stadt, sondern auch seitens des gesamten Kreises erhält.
Darmstadt, 26. Mai. Heute mittag erschoß sich in seiner Wohnung der Weißbindermeister Georg Hellmuth, nachdem er vorher seine Frau durch einen Schuß in di« Schläfe gelötet hatte. DaS Motiv soll in Zahlungsschwierigkeiten zu suchen sein.
Darmstadt, 25. Mai. In Groß-Rohrheim wurde der des Mords in Dorndiel verdächtige Lorenz Brenner aufgegriffen ; da er aber sein Alibi nachweisen konnte, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. — Wegen Verbrechen gegen § 173 wurde gestern ein 44 Jahre alter verwitweter Tag- lâhner und seine Tochter von Radheim festgenommen. — In Nauheim stürzte gestern der Zugführer Scherr vom Zug und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. — Beim Neben für das ©autumfeft fiel der Turner Phil. Müller von Nierstein so unglücklich vom Reck, daß er eine schwere Kopfwund« erlitt. — Der 9jährige Johann Deitz von Harxherm, der kürzlich von der Scheune herabstürzte, ist heute im RochuS- Hospital in Mainz gestorben. — Den Gläubigern der im Konkurs befindlichen Kasse von Ober-Mockstadt, denen bisher 10 Prozent ihrer Forderungen ausbezahlt wurden, soll im kommenden Monat eine weitere Teilzahlung von 20 Prozent ausgehändigt werden. — Am 27. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet die landespolizeilicht Abnahme des fertiggestellten An- schlußgeleises des Wasserwerks Inheiden nach der Bahnstrecke Gießen-Gelnhausen statt.
Melsungen, 26. Mai. Wenn eine Meldung richtig ist, die das amtliche „Melsunger Krsbl.* bringt, haben die Bestrebungen zur Herstellung einer Ueberland-Zentrale für elektrische Starkstromleitungen in den Kreisen Cassel, Melsungen, Münden, Fritzlar und Wolfhagen eine unerwartete Forderung erfahren. Der ursprüngliche Plan, das im Kreise Cassel liegende Baunatal mit elektrischer Kraft zu versorgen, wurde anfänglich auf den ganzen Landkreis Cassel ausgedehnt und dann durch den Beitritt des Kreises Melsungen sowie der übrigen benachbarten Kreise für Teile ihres Gebietes erweitert. Nach den Vorverhandlungen der zur Beratung deS Unternehmens berufenen Kommission wurde nun am Montag in einer Sitzung der ausgearbeitete Bauplan vorgelegt. Di« beteiligten Kreise, Städte und Landgemeinden hatten bu absichtl'gt. das Werk auf genossenschaftlicher Grundlage zu et* richten und den Bau selbst zu betreiben. Dieser gewiß schon großzügige Plan wurde jedoch durch einen noch weit größeren überholt. An Stelle der kommunalen Verbände will jetzt die Staatsverwaltung treten und das Werk selbst in die Hand nehmen. Die in der Kommission anwesenden Vertreter der Staatsverwallung verkündeten nämlich, daß beabsichtigt werde, die Anlage in Verbindung mit einer umfangreichen Landesmeliorationen zu erbauen und die Pläne schon in wenigen Wochen fertig sein. Das gewaltige Werk wird demnach als großer Ring enter Starkstromleitung errichtet, deren Kraftquellen an 3 Stellen liegen, die untereinander verbunden werden. Diese 3 Krafiquellen sind: 1. die Eddertalsperr«, 2. eine zu errichtende Diemeltaliperre und 3. eine Wesertalsperre. (?) Die ungeheure Wasserkraft dieser Sperren soll durch die Verbindung untereinander ergänzt werden, so baf andere Kraftquellen sich vollständig erübrigen. Diese entscheidende Wendung der Dinge eröffnet für die beteiligten Kreise eine unerwartet günstige Perspektive, da die Staatsbehörden nach den in der Sitzung gemachten Mitteilungen das großartige Unterließ men lediglich als Kulturwerk, also zur Verbesserung der Wasserverhältnisse im Interesse bei Landwirtschaft, zur Regelung des Wasserstandes der Flüsse im Interesse von Schiffahrt, Handel und Gewerbe, sowie Ausnutzung der in den rasch strömenden hessischen Flüssen schlummernden Fallkraft des Wassers für landwirtschaftlich« wie gewerbliche Zwecke beabsichtigt. Die Zusammenfassung der Kräfte ern öglicht nach den angestellten Berechnungen einen so billigen ElektrkitâtspreiS, wie ihn kaum ein anderes