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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 121 Ferner echanschlitst Nr. 605.

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Gefunden: 1 braunes Sammet-Visitenkartentäschchen.

Verloren: 1 goldene Brosche mit Steinen (gewun­dener Doppelreif mit Querbalken, Dolch), 1 Portemonnaie mit 5 Mk.

Zugelaufen: 1 grauer Spitz m. Geschl., 1 gelber Spitz w. Geschl.

Hanau den 27. Mai 1910.

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PolitiTcbe RundTdfau.

Ein Geschenk des Zaren an den Kaiser ist, wie das »Berl. Tagebl." meldet, in . Gestalt eines Kessel- pauken-Pferdes in Eydikubnen eingetroffen. Es wurde von dort nach Potsdam verladen. Das wertvolle Pferd ist für das Leibhusarenregiment bestimmt.

Der neue Präsident des Württembergischen Konsistoriums. DerWürit. Staatsanz." meldet die Ernennung des Ministerialdirektor« Dr. von Habermaas tum Präsidenten des württembergischen evangelischen Konsi­storiums.

Für die ReichStagsersatzwahl in UeckermÜnde- Nsedom-Wollin hat auch der Bund der Handwerker nach derOstseeztg." einen eigenen Kandidaten in der Person seines Bundesvorsitzenden Voigt-Friedenau ausgestellt.

Die Reisekosten der preußischen Staatsbeamten. Zum Reisekostengesetz für Staatsbeamte hat die preußische Regierung dem Landtage wichtiges Material überreicht, das sehr interessante Einblicke gestattet. Bekanntlich erstrebt Preußen eine Reform deS Reisekostenwesens, um Ersparnisse zu erzielen. Welche Behörden die meisten Gelder für Reisen ausgeben, ist aus diesem Material ersichtlich. So wurden für diesen Zweck im Jahre 1906 ausgegeben: Von der Verwaltung der Steuern über 3 400 000 Mark, von der Eisenbahnverwaltung nach Einrechnung des Wertes der Frei­karten über 6 Millionen Mark, Ober- und Regierungs­präsidenten 4,6 Millionen Mark, Ministerium der öffent­lichen Arbeiten fast 1 Million Mark, Justizministerium 1,5 Millionen Mark, landrätlicke Behörden 1,2 Millionen Mark, Generalkommissionen 1,8 Millionen Mark. Am wenigsten Reisespesen beanspruchten die Seehandlung mit 3000 Mark, das Statistische Landesamt mit 900 Mark und das Staats- Ministerium mit 427 Mark. Im ganzen wurden 1906 über 25*/, Millionen für Reisen ausgegeben. Diese Summe steigt alle Jahre um 5 Millionen Mark. Interessant ist die Feststellung, daß der Kilometersatz von 9 Pfg. für die 1- Wagenklasfe nicht immer die Unkosten deckt. So kostet das Billet BerlinHalle 1. Klasse 15 Mark, das Kilometer­geld beträgt aber nur 14,58 Mark. In den meisten Fällen fällt aber ein kleiner Verdienst ab. Bekanntlich wünscht das

Aus dem Familienleben der Vögel.

Eine Studie aus der heimischen Natur.

Von Alfred Schrader.

(Nachdruck verboten.)

Die Frühlingsliebeslieder der Vögel sind verstummt. Die Sänger haben anderes zu tun, als zu singen aus dem Heim der Neuvermählten ist eine Kinderstube geworden, in der die Kinder nach Nahrung schreien, und Vater und Mutter haben, wenn man so sagen darf, alle Hände voll zu tun, ihre Brut zu nähren, zu wärmen, zu reinigen, zu be­schützen und zu unterrichten. Da heißt es denn, von früh bis spät tätig sein. Vater und Mutter teilen sich gewöhnlich in ihr« vielen Pflichten.

Ein eben ans dem Ei geschlüpfter Vogel ist, wenn es sich um einen Nesthocker handelt, ein recht hilfloses Geschöpf, denn er ist blind und nackt. Er bedarf also der elterlichen Wärme, um nicht zu erfrieren. Sieht man in ein Nest mit eben ausgekrochenen Jungen hinein, so sieht man in der Mitte die Hälle und Köpfe nebeneinander, mitunter auf noch vorhandenen Eiern als Unterlage; die Alte klammert sich während der ersten Tage mit den Füßen an das Nest an, um ihre Kleinen nicht zu beschädigen; nach ein paar Tagen jedoch verändern die Jungen ihre Haltung; sie drehen die Köpfe nach. dem Rande des Netze«. Nach dem Ausschlüpfen der ersten Jungen auS den Eiern ist die Wärme der brütenden Mutter im Zunehmen begriffen; am dritten oder vierten Tage erreicht sie ihren Höhepunkt. Einstweilen ver­läßt die Mutter ihr Nest so wenig wie möglich, und auch dann nur auf ganz kurze Zeit; erst wenn die größer werdenden Jungen mehr Nahrung verlangen, ändert sich dies. Die Mutter der Kinder läßt sich zuerst überhaupt ihre Nahrung von ihrem Eheherrn zutragen; auch später bleibt sie, soweit es möglich ist, immer in der Nähe des

Freitag den 27. Mai

Abgeordnetenhaus die Freikarten für Eisenbahnbeamte einge­schränkt zu sehen, damit diese Beamten gegenüber den an­deren Staatsbeamten nicht besser gestellt sind. Die Ver­waltung steht diesem Wunsche nicht sehr sympathisch gegen­über und will ihren Beamten die Benefizien nicht kürzen. Wie groß aber das Freikartenunwesen sich auSgestaltet hat, mögen einige Zahlen beweisen: Freikarten besitzen in der Eisenbahnverwaltung 1965 höhere, 61 466 mittlere, 119 288 Unter-. 76 583 Hilfsunterbeamte, 225 806 Arbeiter, insge­samt 485 108 Mann. Dazu kommt, daß auch für Ange­hörige zu bestimmten Zwecken Freischeine ausgegeben werden. Freie E'senbahnfahrt genießen außerdem noch 397 Reichs- tagsabgeordnete, rund 400 preußische Landtagsadgeordnete, 350 Mitglieder der preußischen und der hessischen Ersten Kammer.

Der konftttttierende Parteitag der Fortschritt­lichen Volkspartei für Kirrheffen, Waldeck und die angrenzenden Landesteile ist auf den 28. und 29. Mai nach Cassel einberufen worden. Dem zu gründen­den Bezirksverband sollen angeschlossen werden die Reichs- tagswahlkre-se Cassel, Wildungen, Rinteln, Hofgeismar, Eschwege, Schmalkalden, Hersfeld, Hünfeld, Homberg, Fritzlar, Ziegenhain, Marburg und Waldeck. Am 28. Mai, abends, findet eine öffentliche Versammlung statt, in der Professor Dr. Rade auS Marburg sprechen wird, während die ge­schloffene Vertreterversammlung am Sonntag zusammen­treten soll.

Deteranenfürsorge. An die Mitteilung von der Einberufung der Konferenz zur Beratung der Frage der Deckung für die Kosten der Erweiurung der Veteranenfür- sorge wird von einem Blatte die Bemerkung geknüpft, der Reichsschatzsekretär Wermuth babe zunächst wenig Geneigtheit bezeugt gegenüber dem vom Abg. Prinzen Schönaich-Carolath gemachten Vorschlag, doch habe er jetzt diesem Wunsche entsprochen. Demgegenüber soll an der Hand des steno­graphischen Berichts über die Verhandlungen deS Reichstags in feiner Sitzung vom 27. April folgendes festgestellt werden: Dem Vorschläge des Prinzen Schönaich-Carolath auf Einberufung einer Konferenz zur Beratung der Deckung«- frage, deren Ergebnis dem Vorschlagenden selbst zweifelhaft schien, setzte der Reichsschatzsekretär den anderen Vorschlag entgegen, für die Veteranenfürsorge einen Teil der Erträg- niffe des WertzuwachsstenerqesetzeS flüssig zu macken. Gegen diesen Vorschlag wurde Widerspruch erhoben. Mit Bezug hierauf sagte der Reichsschatzsekretär:Ja, meine Herren, woher soll ich denn sonst Deckung schaffen? Sie muten mir -u, Vorschläge zu machen, die, wie ich bestimmt voraussetze, erfolglos sein werden. Ich mache Ihnen aber einen nach meiner Ansicht ausführbaren Vorschlag, und gleich sagen Sie: davon kann keine Rede sein. Meine Herren, auf dem Weae werden wir uns schwer verständigen, auch nicht im Neste«, um zu seinem Schutz und seiner Verteidigung bereit zu sein. Selbst der kleinste Singvogel verteidigt seine Jungen heldenmütig, wenn irgend ein Feind sie bedroht.

Fällt eins der Jungen aus dem Neste, so bedeutet die« in der Regel seinen sicheren Tod. Die Eltern sind nicht im­stande, e« wieder hineinzutragen. Zuweilen verlassen Vögel ihre Nester, in denen sich bebrütete Eier oder auch schon ausgeschlüpfte Jungen befinden, jedoch lassen sie sich hierzu nur dadurch veranlassen, daß Menschenhände da« Nest be­rührt haben. Der Sperling gehört beispielsweise zu diesen mißtrauischen Vögeln.

Die Ernährung der Brut ist in den ersten Tagen meistens der Mutter allein überlassen, der der Vater die Nahrung zuträgt, von der die Jungen sie so doppelt vorbereitet be­kommen. Hermann Müller hat sehr sorgfältige Beobachtungen über die Brutpflege der Vögel angestellt. Ehe di« Eltern die Jungen füttern, so führt er an«, wetzen sie aus Rein- lichkeitsgründen sorgfältig den Schnabel. Zum Fressen brauchen die jungen Vögel meistens nicht besonders einge­laden zu werden, im Gegenteil, sie kommen mit einem recht guten Appetit zur Welt. Bei der geringsten Bewegung ihrer Mutter reißen sie den Schnabel weit auf, und wenn die Fütterung beginnt, sucht jedes dem andern den Biffen weg­zuschnappen. Tritt einmal der seltene Fall ein, daß die Jungen zum Fressen aufgefordert werden müssen, falls sie schlafen, so suchen die Eltern sie zuerst durch sanfte Töne zu ermuntern, dann tippen sie mit dem Schnabel auf die Schnabelwurzel der Jungen oder auf ihre Augenlider, um, falls auch dies nicht wirkt, die Schnabelspitze in die Schnabel- spalte der Jungen zu bohren und deren Schnabel so gewalt­sam zu öffnen. Anfangs wird ein stark wasserhaltiger, sirupdicker Speisebrei verfüttert, der durch würgende Be­wegungen aus dem Kropfe hervorgestoßen und sorgfältig mit der Zunge abgetastet wird, damit keine harten Teilchen mit verfüttert werden. Manche Vogelmütter tun beim Füttern der Jungen des Guten zu viel. Müller bat zum Beispiel

Fernsprechattschlust Nr. 605* 1910

Wege einer Konferenz." Später führte der Reichsschatzsekre­tär das Nachstehende aus:Meine Herren, ich habe auf den Vorschlag des Prinzen Schönaich-Carolath deswegen nicht geantwortet, weil ich ihn zunächst ersetzt habe durch meinen Vorschlag, die ganze Sache bei dem Gesetzentwurf über die Reichswerlzuwackssteuer nochmals einer Erörterung zu unterziehen. Diesen Vorschlag halte ich aufrecht, und ich fürchte, ihn dadurch abzuschwächen, wenn ich jetzt dazu über­gehen würde, alsbald eine Konferenz zusammen zu berufen. Daraus könnte nämlich hervorgehen, daß ich meinen Vor­schlag als nicht zum Ziele führend erachte. Er führt aller­dings, wie ich gleich bemerken muß, auf alle Fälle nur teil­weise zum Ziel, d. h. wenn man die Ansprüche, die hier im Hause erhoben werden, als Maßstab annimmt. Ob er soweit zum Ziele führt, wie eS nach der Meinung der ver­bündeten Regierungen notwendig ist, darüber will ich mich heute nicht au-lassen. Aber ich bin allerdings der Meinung, daß wir bei der schwierigen Finanzlage, in der wir un« befinden, gut tun, dasjenige zu nehmen und uns an das­jenige zu halten, was unS mit verhältnismäßiger Leichtigkeit geboten wird. Ob wir weiter auf den Weg einer Konferenz gelangen werden, vermag ich vorläufig nicht zu übersehen. Selbstredend liegt e« mir ganz fern, diesen Gedanken von der Hand zu weisen. Es wird mir eine Freude sein, eine derartig« Besprechung herbeizuführen, nur bitte ich, dasjenige, waS ich hier ausgeführt habe, nicht alS irgendwie dadurch abgeschwächt anzusehen." Der Reichsschatzsekretär hat danach nicht nur nicht dem Gedanke,! einer Konferenz zur Beratung der Deckung-frage für die Veteranenfürsorge wenig Geneigt­heit bezeugt, er hat vielmehr durchaus folgerichtig gehandelt. Nachdem sein Vorschlag durch die Vertagung der Ent­scheidung über die WertznwachSsteuervorlage hinfällig ge­worden ist, beruft er die Konferenz ein. Welch« Ergebnisse sie zeitigen wird, wird man ab unzarten haben.

Der Deutsche Buchdrucker-Verein hält in diesem Jahre seine Hauptversammlung in Stuttgart ab. Jeder der 13 Kreise, in die sich der Verein gliedert, entsendet dazu eine Anzahl Abgeordnete. Die Tagesordnung ist wieder sehr reichhaltig. Die wichtigsten Vorgänge im Buchdruckgewerbe find auch für die Allgemeinheit beachtenswert, vor allem die Weise, in welcher die Buchdrucker die ArbeitS- und Lohn- verhâ'tniffe ihres Gewerbes geregelt haben. Der Deutsche Buchdruckertarif hat verschiedenen anderen Gewerben als Vor­bild gedient. Dieser auf Grund langjähriger Erfahrungen auSgebaute Lohntarif hat nach jedem neuen Abschluß, der nie ander« al« zentral erfolgt, für die Dauer von fünf Jahren Gültigkeit. Die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer haften fich gegenseitig für Einhaltung der tariflichen Bestimmungen. Der zentrale Tarifabschluß wird im Buch- druckgewerbe von Prinzipalen und Gehilfen, weil er di« Er- Haltung deS gewerblichen Frieden« verbürgt, al« eine für das bei Zeisigen, die er im Käfig hielt, ein Junges mit so voll­gepfropftem Kropf gesehen, daß eS längere Zeit den Schnabel nicht schließen konnte! Raubvögel werden zu der Zeit, wo sie Junge haben, zu einer wahren Geißel für ihr Jagd­revier, denn sie schleppen ihrem Nachwuchs überreiche Beut« zu. Bechstein erzählt von einem Adlerhorste mit 2 Jungen, in dessen Umgebung die Reste von 40 Hasen und 300 Enten gefunden wurden!

Bei noch so guter Fütterung würden die jungen Vögel zu Grunde gehen, wenn ihre Eltern nicht für di« größte Sauberkeit sorgten. Mit peinlichster Sorgfalt werden da­her alle Auswurfstoffe aus dem Neste entfernt, damit nicht die Afterfedern verkleben, was den sicheren Tod bedeutete. Wenn die Jungen größer geworden sind, ist diese Gefahr vorüber, und zu dieser Zeit geben einige Vögel daher dies« Reinigungsmaßregeln auf. Dahin gehört der Wiedehopf, der deswegen auch den verächtlichen Namen Kotvogel trägt. In der Tat ist ein Nest mit halbausgewachsenen Wiedehopfen alles andere al- reinlich; eS verbreitet einen geradezu unerträglichen Gestank, und dieser Duft hastet natürlich all seinen Insassen an I Zur Sorge um die Reinlichkeit des Heimes gehört auch der Kampf gegen das Ungeziefer. Viele Vögel haben sehr unter Schmarotzern, namentlich Milben, zu leiden, und die hilf- losen Jungen von diesen zu säubern, gehört zu den uner­läßlichen Pflichten einer sorgsamen Vogelmutter. Hermann Müller gibt eine anschauliche Schilderung diese« nicht gerade appetitlichen, aber notwendigen Vorgänge«: Sobald die Jungen abgetrocknet sind und sich vom beschwerlichen Eintritt in die Welt erholt haben, setzt sich die Mutter zurecht und beginnt sie zu milden. Sie besichtigt ihre Kinder mit leuch- tenden Augen von allen Seiten, bewegt sich mit äußerster Vorsicht, um das verhaßie Wild nicht zu verscheucken, faßt plötzlich zu, ergreift und verzehrt einen Schmarotzer und lauert von neuem. Die sorgsame Mutter begnügt fich nicht nur mit dem Kopie der Kleinen» sondern untersucht