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General-Anzeiger

Acklilhes Organ für Stadt- und Faudkreis Sanas.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Ml. 114 K«rnipr«cha»kch!»»K Nr. 605.

Donnerstag den 19. Mai

Fernfprechanschlttß Nr. 605

1910

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau.

Auf Grund der allgemein erteilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für Sonntag den 29. Mai d. Js. eine vermehrte Beschäftigungszeit für alle Zweige des stehenden Handelsgewerbes in der Stadt Hanau und zwar bis 7 Uhr abends zugelaffen.

Während des Gottesdienstes und zwar in der Zeit von 91/» bis ll1/* Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nach­mittags ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b Abs. 2 der Reichs-Gewerbe-Ördnung ausge­schlossen.

In Betreff des Offenhaltens der Verlaufsbuden auf der hiesigen Frühjahrsmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt; am Sonntag den 22. d. Mts. ist nur den Ver-« kâufern von Verzehrungsgegenständen (Konditorei- und Back­waren sowie Obst) das Feilhalten während der für Sonntag den 29. d. Mts. allgemein freigegebenen Stunden gestattet.

Gleichzeitig mache ich unter Bezugnahme auf § 139e der Reichs-Gewerbe-Ordnung im Interesse der Meffebesucher darauf aufmerksam, daß die offenen Verkaufsstellen an allen Wochentagen um 9 Uhr abends und die offenen Verkaufs­stellen für Schuhwaren in Gemäßheit des § 139t der Reichs- Gewerbe-Ordnung an allen Wochentagen außer Sams­tags um 8 Uhr abends geschloffen sein müssen.

Hanau den 17. Mai 1910.

Königliche Polizeidirektion.

P 5646 J. A.: Dr. v. Waldow.

Gefundene und verlorene Gcncnständc re.

Gefunden: 1 Paar rotbraune Herren-Glacehandschuhe, 1 schwarzer Damen-Portemonnaie mit 50 Pfg., 1 Schlüssel- ring mit 2 Schlüsseln, einige Briefe für Robert Stroh.

Stehen geblieben bei Heintz, Lindenstr. : 1 Herren­schirm. Empfangnahme aus dem Fundbureau.

Verloren: 1 braunes Lederportemonnaie mit55 Pfg., 1 goldene Damensportnadel, 1 Kinderwagendecke mit Stickerei Babi", 1 grünes Portemonnaie mit 1,20 Mk. 2 kleine Schlüssel an kleinem Ring. Abzugeben in der Exped. d. Bl. Zugelaufen: 1 brauner Dachshund m. Geschl.

Hanau den 19. Mai 1910.

Politische RundTcbao.

Die Entschädigung der Tigarrenfabrikanten und Tubakarbeiter. Wie dieSüddeutsche Tabakztg." meldet, wird sich jetzt der Bundesrat mit der künftigen Ge­staltung der Unterstützung der durch das Tabaksteuergesetz arbeitslos gewordenen Tabakarbeiter und der durch das neue Gesetz etwas stark geschädigten kleineren Cigarrenfabrikanten befassen. Vorher wird im Reich-schatzamt am 19. und 20. Mai eine Konferenz mit den Vertreten: der Tabakindustrie und der Tabakarbeiter-Organisationen stattfinden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der 43/* Millionen-Fonds noch weiter erhöht werden müssen, um so mehr, als man sich in Regierungskreisen jetzt doch dazu entschlossen hat, auch die­jenigen Tabakarbeiter zu unterstützen, die vom Militär ent­asten wurden und keine Position finden konnten. In diesem Sinne ist soeben folgender Erlaß ergangen:Es ist an­geordnet worden, daß den im Herbst 1908 und 1909 vom Militär entlassenen Tabakarbeitern, denen zurzeit die Unterstützung verweigert worden ist, diese Unterstützung am Ansuchen aus Billigkeitsgründen nachträglich gr- lvährt wird. Dabei wird angenommen, daß diese Arbeiter bei der Wiederaufnahme ihrer alten Berufstätigkeit nach der Entlassung vom Militär zu der Erwartung berechtigt waren, » die Beschäftigung eine dauernde sein werde, und daß sie bereits wieder einige Zeit beschäftigt waren, bevor die Arbeits­losigkeit eingetreten ist."

Die Betriebseinnahmen der preutzifch hesfi- schen Staatseisenbahnen betrugen derNordd. Allg. Biß " zufolge im April 1910 im Personenverkehr 2,6 Mill, Dear! gleich 5,35 Prozent weniger, im Güterverkehr 10,9 Millionen Mark gleich 10,77 Prozent mehr, insgesamt ein- chiießlich der sonstigen Einnahmen 8,5 Millionen Mark gleich 3,37 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bu berücksichtigen ist hierbei, daß das Osterfest im Jahre 1910 in den März fiel und der April 1910 daher zwei Festtage weniger und zwei Werktage mehr hatte als im Borjahre, was naturgemäß den Güterverkehr günstig, den Bastagierverkehr aber ungünstig beeinflußt.

Eine neue Mottenvorlage für Oesterreich- Üngarn. Ueber die gemeinsamen Konferenzen der öster- 'eiebücben und unqarischen Minister iu Budavest verlautet.

/ daß Gegenstand der Beratungen auch sehr ernste, militärische Anforderungen gewesen sind. So soll ein Flottenbauplan vorgelegt sein, der 280 bis 300 Millionen Kronen umfaßt, nämlich 235 Millionen für 4 Dreadnoughts, den Rest für 3 neue Schnellkreuzer, 4 Donaumonitorr, 6 Unterseeboote und 10 bis 12 Zerstörer und Hochseetorpedos. Gleichfalls verlautet aber, daß der ungarische Staalskassenausweis um über 72 Millionen Kronen ungünstiger ist, als im Vorjahr; insbesondere waren die Betriebsausgaben der Staatsbahnen um 25 Millionen Kronen höher, als im Vorjahr. Ferner hat auch die verworrene innere und äußere Lage einen Ein­fluß auf das Defizit gehabt.

Der Zentralausfchuß für Volks- und Jugend­spiele in Deutschland hält vom 1.3. Juli seinen diesjährigen Kongreß in Barmen ab. Nach erfolgter Be­grüßung und Einführung in die Aufgaben des Kongresses durch den Vorsitzenden, Abgeordneten v. Schenckendorff-Görlitz, sprechen am 2, Juli Regierungsrat und Beigeordneter Dominicus-Straßburg über die Fürsorge für die schul- entlassene Jugend und Oberrealschuldirektor und Landtags­abgeordneter Dr. Hintzmann-Elberfeld, sowie Turnlehrer Edelhoff-Barmen über Turnpflicht und Spielpflicht. Am Sonntag den 3. Juli findet die Jahrhundertfeier zu Ehren von Friedrich Ludwig Jahn statt, der 1810 zuerst die öffent­lichen Jugend- und Volksspiele in Deutschland ins Leben rief; die Festrede wird Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen halten. Sodann folgt ein Vortrag des Sanitätsrats Prof. Dr. Schmidt über soziale Fürsorge für die Schwächlinge in unseren Volksschulen. Die Behandlung dieser Frag« ist in Barmen darum besonders angebracht, und auch allgemein von Bedeutung, weil derBergische Verein für Gemeinwohl" mit seinen zahlreichen Ortsgruppen in den gewerbreichen Städten des Bergischen Landes auf diesem Gebiete Ein­richtungen geschaffen hat, welche in mancher Beziehung als vorbildlich in Deutschland dastehen. Außerdem wird eine größere Ausstellung für Dolkswohl, Gesundheitspflege und soziale Fürsorge ein lehrreiches Bild aller dieser im Bergischen Lande mit Eifer gepflegten Bestrebungen bieten; auch Spiel­geräte werden ausgestellt sein. All den Nachmittagen des 2. und 3. Juli finden auf dem auf BergeShöhe liegenden Spielplatz umfangreiche Vorführungen der Barmer Jugend, der Turner, Spielvereine und Frauenabteilungen statt, di« mannigfachst vorbildlich sein dürften. Auch einige Militär- abteilungen des 7. Armeekorps werden Spiel« vorführen. Ein Provinzial-, sowie ein Orts-Ehrenausschuß laden mit dem Zentralausschuß und dem Geschäftsführenden Ausschuß alle Freunde frischer und gesunder Jugend, wie alle Förderer der Volkswohles zum Kongresse, zu dem jedermann Zutritt hat, ein. Ausführliche Programme nebst Kongreßeinladung sind von dem Geschäftsführer des Zentralausschusses, Hofrat Professor Raydt in Leipzig, Löhrstraße 3/5, kostenfrei zu beziehen. Nähere Auskünfte über Gasthöfe und Pensionen erteilt der VerkehrsveeinBarmen und das Bergische Land" in Barmen.

Das deutsche Vieh für die Ausstellung in Buenos Aires wegen Tuberkulose zurückgewiesen.

Wie dieHallesche Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, wurden die von der Deutschen Landwirtschafts­gesellschaft für die Ausstellung in Buenos Aires bestimmten hundert Rinder angeblich wegen Tuberkulose zurückgewiesen. Trotzdem die Tiere hier vorher sämtlich dreimal geimpft wurden, ohne zu reagieren, will man dort die Tuberkulose festgestellt haben. Es besteht die Absicht, die Tiere nach Hamburg zurückzutransportieren und sie dort' zu schlachten, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Tuberkulose handelt, ober ob andere Gründe für die Zurückweisung bestimmend ge­wesen sind.

Die diesjährige Spionagesaison an der Tiroler Grenze scheint schon begonnen zu haben. Aus Innsbruck wird demLok.-Anz." gemeldet: In Gargnano am Garda­see wurde ein reichsdeutscher Kurgast von italienischen Carabinieri unter dem Verdachte der Spionage verhaftet. Nach zweistündigem Verhör wurde er aber wieder freigegeben.

Die türkische Kammer verwarf einen Antrag auf Beantwortung der von den politischen Versammlungen in Kreta eingetroffenen Depeschen. Einige Abgeordnete verlang­ten, zur Beruhigung der patriotischen Erregung des Volkes solle die Flotte nach Kreta und die Armee an die Südgrenze des Reiches entsandt werden. Die Führer der Jungtürken sprachen sich gegen den Antrag aus. Die Kammer müsse die Regierungsaktion abwarten, wenn sie dem Kabinett vertraue.

Die argentinische Jahrhundertfeier. Die deutschen KreuzerEmden" undBremen" und der österreichische KreuzerKaiser Karl II." sowie der holländische Kreuzer Utrecht" sind zu der argentinischen Jahrhundertfeier in Buenos Aires einaetroffen. Der javanische Krrurer Jkomo"

bleibt wegen seines Tiefganges im Hafen von Bahia Blanca und wird zu der internationalen Truppenschau am 25. Mai 200 Mann seiner Besatzung entsenden. Der Minister des Aeußern eröffnete den 17. Internationalen Amerikanischen Kongreß.

Die Kriegsgefahr in Südamerika. Zum Kon­flikt zwischen Peru und Ecuador erfuhr der Mitarbeiter des Berl. L.-A." von dem Berliner peruanischen Konsul, Herrn Schwabach, folgendes:Der Grund zu der Spannung zwischen den Republiken ist in Grenzstreitigkeiten zu suchen. Es handelt sich um Terrains, die von alter- her durch ihren Reichtum an Gummiwaldungen bekannt sind und seit unge­zählten Jahren Peru gehören. Ecuador macht nun Ansprüche auf diese Wälder. Ecuador und Peru haben auf^Grund einer Verabredung den König von Spanien zum Schieds­richter gewählt. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Sollt« der König zugunsten von Ecuador urteilen, so werd« Peru anstandslos seine Ansprüche fallen lassen. ES ist nicht zu leugnen, daß die Spannung sehr ernst ist. Die kriegerischen Rüstungen haben einen großen Umfang angenommen, die beiderseitigen Gesandten sind von der Be­völkerung der Hauptstädte belästigt worden, und auch sonst liegen zahlreiche Symptome vor, die auf einen Krieg hin- deuien. Allein vor zwei Wochen mußt« man seinen Ausbruch eher noch für wahrscheinlich halten als jetzt. Zwar kann man den Lauf der Dinge bei solchen Anlässen niemals vor­aussehen man denke nur an Oesterreich und Serbien doch besteht entschieden Hoffnung auf gütliche Beilegung des Zwistes. Chile und Brasilien versuchen vermittelnd einzu­greifen, wenn man auch den chilenischen Bemühungen etwas skeptisch gegenüberstehen muß, denn Chile hat ja die anderen Staaten erst gegen Peru aufgereizt. DieS ist die Lage nach einem Telegramm, da- ich vorgestern empfing."

Evang. Arbeitervereine.

Elberfeld, 18. Mai. Bei der Vertreter-Versammlung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutsch­lands überbrachte der Regierungspräsident von Düsseldorf Dr. Kruse Grüße des Reichskanzlers, des Staatssekretärs des Innern, des preußischen Ministers det Innern und des Oberprâstdenten der Rheinprovinz und beglückwünschte zu­gleich im Slawen dieser Herren den Elberfelder Verein zu seinem 25jährigen Bestehen. Er erinnerte an die Botschaft Kaiser Wilhelms I. vom 17. November 1881, betonte, daß fast alles, was sie vorgeschrieben habe, erreicht und im Ver­hältnis zu dem Großen, was geschaffen sei, nur noch wenig übrig geblieben sei, daß aber auch das nach dem Willen d«r Staatsregierung und mit Gottes Hilfe wohl noch zu einem guten End« kommen werde. Weiter verwies er auf die Thronrede des Kaiser- vom Jahre 1900 über die Arbeits­schutzgesetzgebung und hob hervor, daß man die feste Zu­versicht hegen könne, daß der Kaiser und die Regierung alles aufbieten würden, um den berechtigten Wünschen der Arbeiter zu entsprechen. Der Beigeordnete Forkel begrüßte die Ver­sammlung im Namen der Stadt; weitere Begrüßungs­ansprachen hielten Vertreter des Zentral- und Provinzial- auSschuss«- für innere Mission, der kirchlich-sozialen Konferenz, der Geschäftsstelle für daS evangelische Deutschland usw. Von mehreren Körperschaften lagen Entschuldigungsschreiben vor. Alle wünschten der Tagung zur Stärkung deS evan­gelisch-sozialen Geistes besten Verlauf. An den Kaiser, den Reichskanzler, den Staatssekretär des ReichSamts deS Innern und den Minister des Innern wurden Danktelegramme abgesandt.

Deutscher Lehrerta«.

Straßburg i. Elf., 18. Mai. In der zweiten Hauptversammlung des Deutschen Lehrervereins wurde das auf die gestrige Huldigungsdepesche auS dem Zivilkabinett des Kaisers eingetroffene Antworttelegramm bekannt gegeben, das besagt, daß der Kaiser den hier versammelten VolkSschul- lehrern für das erneute Gelöbnis treuer Anhänglichkeit danken lasse. Auch der Statthalter Graf Wedel, der gestern die beiden Vorsitzenden der Versammlung Röhl-Berlin und Löschner-Stuttgart empfing und sich mit diesen sehr eingehend über die Lehrervereinstagung unterhalten hatte, hat der Ver­sammlung folgende Dankdepesche gesandt:Der zur dies­jährigen Tagung im Schatten des alten ehrwürdigen Münsters, eines herrlichen Denkmal- deutscher Baukunst ver­einten Lehrerversammlung sage ich wärmsten Dank für ihre freundliche Begrüßung. Ich verbinde damit den Wunsch, daß Ihr Wirken von reichen Erfolgen begleitet sein und daß Ihre gemeinschaftlichen Bestrebungen der Ihnen anvertrauten deutschen Jugend auf wissenschaftlichem, religiösem und methodischem Gebiet zum Nutzen und Segen gereichen möchten. Graf Wedel." Nach Eröffnung der Verhandlungen vroteftierte der erste Vorsitzend« ^«bbStrltn «ntf (hieben ba»