Erstes Blatt.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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_________14 Seiten.______
Amtliche«!.
Stadtkreis Ran au.
Äsn Stelle des verstorbenen Oekonomen C H r i st i a N Bracker ist der Oekonom Heinrich Stettner, Gärtnerstraße 1/3 hier, als Schätzer für die Abschätzung von Gärten, Wiesen und Feldgrundstücken bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 2. Mai 1910.
Königliche Polizei-Direktion.
P4262 I. A.: Dr. v. Waldow.
Landkreis Ranau.
Mit der Erledigung meiner Rnndverfügung vom 30. März 1899 — V 3243 — betr Ausräumung der Flut, Ent- wäfserungs- und Abzugsgräben ist noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände. Ich bringe dieselbe daher mit einer Frist von 8 Tagen in Erinnerung.
Hanau den 2. Mai 1910.
Der Königliche Landrat.
V 2691 Frhr. Laur.
Die Herren Düraermeister ersuche ich, die Jagdpächter auf Grund der Jagdpacht-Veriräge anzuhalten, daß sie sich während der Brutzeit an der Vernichtung der Raben durch Abschießen beteiligen.
Hanau den 3. Mai 1910.
Der Königliche Landrat.
A Frhr. Laur.
PolitiTcbe Rundschau.
Die Neichstagsersatzwahl in Usedom Wollin ist auf den 9. Juni festgesetzt worden. Es handelt sich bekanntlich um das bisherige Mandat des bei der Saßn tzer Ballonkatastrophe verunglückten freisinnigen Relchstagsabge- vrdneltn Dr. Delbrück.
Im elsaß ■ lothringischen Landesansschuh kam es bei der Bewilligung der vorjährigen Eiaisüberschreitnngen unvermutet wieder zu einer Sprachen- oebatie. Der Regierung wurde vorgeworfen, daß sie die französische Sprache vergewaltige, weil sie in einzelnen lothringischen Gemeinden den amtlichen Gebrauch der deutschen Sprache ««geordnet habe. Die Regierung verteidigte sich damit, daß sie dies aut Grund deS Gesetzes von 1872 getan ^abe, welches jenen Gebrauch vorsiebt, wenn über 50 Proz. her Bevölkerung die deutsche Sprache als Muttersprache hätten; dies sei durch die Volkszählung nachgewiesen. Die deutsche Sprache dränge vor. Seit 1892 habe die Regierung keine Neuanordnung in dieser Hinsicht getroffen, jetzt aber sei das notwendig. Ein Gesetzentwurf über die Werterhöhungssteuer wurde einer Spezialkommission überwiesen. Der Lothringer Block erklärte sich dagegen, so lange nicht die ganze Wertabgabe aufgehoben werde. Abgeordnete des Zentrums befürchteten eine Doppelbesteuerung bei Einführung der Neichswertzuwachssteuer und wünschten die Landgemeinden auszunehmen. Die Regierung erklärte sich mit einer Beschränkung auf die Städte einve« standen. Dann wurde noch ein Antrag angenommen, daß die Regierung bei der Reichs- regierung wegen der Militärbeiträge für eine Verminderung ver Heer- und Mariuekosten vorstellig werde. Die Regie- mnq äußerte sich dazu nicht. Nächste Sitzung am 24. Mai.
Eine militärische Ehrunft -es Professors Hergesell. Der Kaiser hat dem Professor Hergesell, dem bekannten Förderer der Luftschiffahrt, dadurch eine besondere Auszeichnung erteilt, daß er ihm die Erlaubnis zum Tragen der Uniform der Reserveoffiziere des Lusiscknfferbataillons gab. Professor Hergesell hatte bei seiner Verabschiedung aus dem Landivehrditnstverhältnis das Recht erhallen, die Uni» orm der Landwehr-Jnsanterieossiziere des Laudmehrbezirks Straßburg i. E. zu tragen.
Die Verfassnngsresorm in Mecklenburg. Der Großherzog empfing gestern nachmittag die von den Mitgliedern der Ritterschaft und der Landschaft am 16. April in Rostock gewählte Deputation und eröffnete ihr, daß er zwar der erbetenen Audienz das dankenswerte Bestreben entnehme, mit der Regierung zu einer Verständigung über die Bcrfassungsreform zu gelangen, jedoch in der Resolution mit dem Güstrower Protokoll eine geeignete Grundlage zur Verständigung nicht zu ervlicken vermöge. Die Zurückziehung der btSheriaen NeaierunLsoorlaae tonne daher zurzeit nicht
in Frage kommen. Er, der Großherzog, halte sich aber für verpflichtet, kein Mittel unversucht zu lassen, mit den gesetzgebenden Pastoren des Landes zu einer Einigung über die Verfassungsreform zu gelangen. Er werde daher seine Re- aierung beauftrage», mit den einzelnen Mitgliedern der Ritterschaft und der Landschaft einen Meinungsaustausch herbeizuführen, durch den ihnen Gelegenheit geboten werden soll, ihre Ansichten darzulegen.
Vem Flottenverein. Unter dem Vorsitz des Großadmirals v. Köster hielt in Berlin am Dienstag der Haupt- verband deutscher Flottenvereine im Auslande im Reichtags- gebäude seine diesjährige Mitgliederversammlung ab. Der Verband umfaßt zurzeit 146 Flottenvereine und 947 Einzelmitglieder in allen Teilen der Erde. Er kann auf das Flußkanonenboot „Vaterland" und die Wetterwarte in Tsingtau als die bisherigen Ergrbnisse der freiwilligen Selbstbesteuerung der Ausländsdeutschen Hinweisen und besitzt zurzeit wiederum ein Vermögen von rund 140 000 Mark. Als wichtigstes Ergebnis der diesjährigen Versammlung ist der Beschluß zu verzeichnen, den Vereinen in erhöhtem Maße geeignetes Belebrungsmaterial und sonstige Drucksachen zugängig zu machen, um so dem nunmehr seit zwölf Jahren tätigen Verbände einert weiteren Zuwachs von Mitgliedern zuzulühren.
Ensisiscbe Offiziere auf den Schlachtfeldern von 1870/71. Wie die „Köln. Ztg." aus Saarbrücken meldet, besichtigten am Dienstag 30 englische Offiziere unter Führung eine? Generals das Schlachtfeld von Spichern. Von hier reisen sie nach Metz zum Besuch der dortigen Schlachtfelder.
Der Besuch des italienischen Ministers des Auswärtigen in Berlin wird jetzt auch offiziös ange- fünbigt. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, wird Minister Ma'guis di fan Giuliano Ende dieses Monats in Berlin eintreffen, um sich dem Kaiser Dorinfteden und den Besuch des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg in Rom zu erwidern.
Hus Ranau Stadt und Cand.
Hanau, 4. Mai.
• Redaktionell. WU Des Himmelfahrtfestes Wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Freitag den 6. Mai zur gewohnten Stunde.
* Ladenschluß am 2 Pfingstfeiertage. Einer Anregung des „Hanauer Detaillfften-Vereins" zu'olge haben sich hier eine große Anzahl von Ladenbesitzern bereit erklärt, ihre Geschäfte am 2. Pfingstfeiertage ganz geschlossen zu halten. Den Piinzipalen sowohl wie dem Personal wird, zumal den Feiertagen eine Periode besonders angestrengter Tätigkeit vorauszugeben pflegt, die auf solche Weise erreichte zweitägige Ruhepause zu gönnen sein, und eS steht zu erwarten, daß auch das faufenbe Publikum sich unschwer mit dieser Neuerung wird einverstanden erklären können. Wenn sie sich bewährt, waS wir namentlich im Interesse der männlichen und weiblichen Gehilfenschaft wünschen möchten, sollen, wie wr hören, auch an den 2. Weihnachts, und Osterfeier- tagen die Ladengeschäfte geschloffen bleiben. Die beteiligten Firmen werden noch rechtzeitig durch Inserat bekannt gegeben werden.
* Der Touristenverkehr nach dem Dorfpeffart (Kahlgrund) war am vergangenen Sonntag den 1. Mai ein sehr reger. Viele Touristen machten die herrliche Tour- Aschaffenburg über Johannesberg nach Mömbris, sowie von Gelnhausen über Geiselbach duich den Trufelsgrund nach Niedersteinbach und von Gelnhausm über Geiselbach durch Westergrund nach Schöllkrippen. Die gute Verpflegung und das billige bayerische Bier hörte man allgemein loben. Die Blüten der 8äume haben sich sehr gut entwickelt; die Wiesen gleichen einem Blumenmeere. Durch die in letzter Zeit niedergegangenen Regengüsse sind alle Wege vollständig staubfrei.
* Kurhaus Wilhelmsbad. Morgen (Himmelfahrtstag) morgens von 7 Uhr ab Früh-Konzert und nachmittags von 4 Uhr ab großes Militär- Konzert, ansgcsührt von der Kapelle des Thüring. Ulanen-Regts. Nr. 6.
* Katholischer Gesellenverein. Unsere werten Freunde und Mitglieder werden noch einmal- aufmerksam gemacht auf die morgige Tour nach Aichaffenburg. De Abfahrt erfolgt 11.58 Wesi- und 12.04 Ostbahnhof. Der Weg führt durch das Steinbachertal. Im Gescllenvereins- Hause zu Aschaffenburg gemütliches Zusammensein.
* Bon den Apotheken ist morgen nachmittag von 2—9 Uhr die Einhorn - Apotheke geöffnet; auch ist dieselbe nachts in Anspruch zu nehmen.
* Das Habneukammhaus ist iâalich geöffnet.
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1910
* Schut - Personalien. Einstweilig ang e» stellt: die Handarbeitslehrerin Selma I a c o b i zu Bergen- Enkheim. — Versetzt: die Lehrerin Katharina Penningh von Langendiebach nach Neukirchen, Kr. Hünfeld. — Entlassen: der Lehrer Dullin in Hanau, in den Bezirk Arnsberg.
* Schauturnen des Turn- «. Fechttlubs. Seit einer Reihe von Jahren veranstaltet der Turn- und Fechiklub anfangs Mai als Abschluß seiner winterlichen Tätigkeit ein Schauturnen. DaS diesjährige fand am vergangenen Sonntag in der Turnhalle statt. Welch großer Beliebtheit sich diese turnerischen Veranstaltungen zu erfreuen haben, zeigte sich auch in diesem Jahre wieder, denn Saal und Galerie waren mit Gästen und Angehörigen der Mitglieder bis zum letzten Platz besetzt. Nachdem die aus Mitgliedern gebildete 11 Mann starke Vereinskapelle mit einem schneidigen Mar ich die Feier eingeleitet hatte, hieß der Vorsitzende die Anweienden willkommen und wies in kurzen Worten auf die Bedeutung der körperlichen Uebungen hin, bie namentlich unter den heutigen Zeitverhältmsien für Körper und Geist unentbehrlich seien und schloß mit der Bitte an die Eltern, dafür zu sorgen, daß die auS der Schule entlassene Jugend den Turnvereinen angeführt werde. „Wir wollen unserem Vaterlande eine starke, wetterfeste, ausdauernde Jugend heranbilden, die sich im Kampf ums Dasein zu behaupten weiß, die den Gefahr- hingen der Gesundheit einen zähen Widerstand entgegensetzen kann, vor Gefahr und Anstrengung nicht zuiückschreckt und im Notfall entschlossen und erfolgreich die heiligsten Güter unseres Volkes zu verteidigen imstande ist." Den Reigen der Vorführungen eröffneten 34 Turnerinnen, die nach einem kurzen Aufmarsch, Kugelstabübungen (Stabwinden) zur Vorführung brachte. Während die erste Gruppe einige grundlegenden Uebungen zeigte, brachten die drei folgenden mit steigender Schwierigkeit sich entwickelnde Verbindungen mit Stabfreifen, Schrittstellungen und Drehungen. Sämtliche Uebungen wurden zuerst nach Befehl und darauf im ’/< Takt im Wechsel mit Schritibewequngen, Wiegeschritt, halbe und ganze Kreuzzwirbel, ausgeführt. Hierauf folgte die Vorführung einer Floretschule von jüngeren Fechtern, die unter der schneidigen Befehlsweise des Fechtwarts in gleicher Weise zur Ausführung kam. Die dritte Darbietung war ein gemeinsames Riegenturnen der Turner an Reck, Barren, Bock und Pferd und der Turnerinnen an Ringen, Pferd und Barren. Der für die einzelnen Riegen zusammengestellte Uebungsstoff ließ eine zielbewußte sachmânuische Leitung erkennen und wurde mustergültig durchgeführt. Namentlich war es die unter Leitung des 1. TurnwartS stehende 1. Riege, die in ihren Uebungen am Längspferd und Barren vorzügliches leistete, sodaß sich die Zuschauer zu Beifallskundgebungen veranlaßt sahen. Hieran schloß sich ein Fechten der filteren Fechter in Floret und schwerem Säbel in fester, sowie Floret und leichtem Säbel in loser Stellung. Diese Vorführung der alten in manchem Wettkampfe erprobten Fechter haben gezeigt, daß neben der alten Art auch die moderne Fechiweise in dem Turn- u. Fechtklub eine würdige Pflegestätte gefunden hat. — Das zweite Auftreten der Turnerinnen brachte Freiübungen in den Paaren im Wechsel mit Umkreisen und Schwenkungen in den verschiedensten Formen. Während bei den Stabübungen mehr das Gewandte und Anmutige zur Geltung kam, zeigten diese letzteren im */* Takt ausgeführten Uebungen, daß die Turnerinnen auch mit kraftvollen Uebungen aufwarten können, ohne jedoch dabei die weibliche Eigenart zu verlieren. Den Schluß der Vorführungen bildete ein Keulenschwingen der Turner. Vier Grlippen der zum mittelrheinischen Kreisturnfest in Kreuznach bestimmten Keulenübungen waren hierzu auSgewählt worden und kamen in bester Weise zur Ausführung. — In einem kurzen Schlußwort dankte der Vorsitzende den Erschienenen für das Interesse, das sie den einzelnen Vorführungen entgegengebracht häiteit, ermahnte die Turner zum treuen Aushalten bei der edlen Turniache und schloß mit einem dreifachen Gut Heil auf die deutiche Turnerei. Die Veranstaltung des Turn- und Fechtklubs hat wiederum gezeigt, daß er auch in dem vergangenen Jahr wieder eifrig bemüht war, das Turnen und Fechten in verständnisvoller Weise zu pflegen, und können die bewährten Leiter der einzelnen Abteilungen, sowie ihre Mitglieder mit Befriedigung auf die sonntägliche Veranstaltung zurückvlicken. Wir aber wünschen dem Verein, daß er auf der betretenen Dahn rüstig weiterschrelte und zu den errungenen Erfolgen neue hinzufügen möge, wozu ihm in diesem Jahre reichlich Gelegenheit geboten ist. An das Schauturnen schloß sich eine Familienfeier mit Unterhaltung unb Tanz an, die sich ebenfalls eines überaus zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Darbietungen der Vereins- kapelle, Vorführungen auf der Bühne und Tänze wechselten in bunter Reihenfolge und hielten die Besucher bis nach Mitternacht beisammen, sodaß sich auch die gesellige Beran- staltuna der turnwiic&tn in würdiaer Werle alückioL.