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General-Anzeiger
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14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Nachdem der Fluchtlinienplan für da» Gelände zwischen Philippsruber Allee, Himergasse, Salisweg, Frankfurt—Hanauer Eisenbahn und Kinzig, mit Ausschluß der Straßen Nr. 155 und 155ar durch Beschluß vom 12. d. M. förmlich festgestellt worden ist, wird er auf Grund deS 8 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im städtischen Vermessungsamt, Rathaus, Zimmer 21, während der Ge- schâflsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.
Hanan den 19. April 1910.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 9817
Dicustnachriihtkn aus dem Kreise.
Der Landwirt Philipp Demuth in Roßdorf ist als Nachtwächter dieser Gemeinde bestellt und verpflichtet woiden.
Gefiiildtiic iiiid verlorene Gearustäude re.
Zugelaufen: 1 gelbgescheckter Foxterrier m. Geschl. Abzuholen bei W. Schadt, Ravolzhausen, Friedrichstr. 4.
Hanau den 22. April 1910.
Politische RundTdrau.
Der Hansa-Bund für den Bezirk Lothringen hat gegen die französischen Zollerhöhnngen folgende Resolution angenommen: Der Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie, Bezirk Lothringen, verlangt Sicherung deS deutschen Exporthandels gegenüber den Zollerhöhungen, die in einer großen Zahl von Staaten gegen Deutschland eingeleitet worden sind und den deutschen Exporthandel und damit alle Kreise von Gewerbe, Handel und Industrie und die Volkswirtschaft des Deutschen Reiches aufs schwerste schädigen. Nachdem die Handelsbeziehungen zu Amerika, Portugal, Bosnien neuerdings in einer Weite geregelt worden sind, welche durchaus den Beifall der deutschen gewerbetreibenden Stände gefunden haben, stehen Handelsvertragsverhandlungen mit Schweden und Japan bevor, die die besondere Aufmerksamkeit und Energie unserer leitenden Stellen erfordern. Im Anschluß an das rücksichtslose Vorgehen der französischen Politik, die, ohne daß Milderungen der harten französischen Zollerhöhungen erlangt worden wären, sogar ohne Neber- gangsfrist zwei Tage nach der Beschlußfassung der Depu- tierienkammer, die neue Zollerhöhung in Kraft treten ließ, fordert der Hansa-Bund, daß gegenüber Staaten, die gegen das Deutsche Reich ihre Zölle erhöhten, im Rahmen deS geltenden ZollrechtS ebenfalls in wirkungsvolle Erhöhung unserer Zollsätze eingetreten wird.
Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Die Abgeordneten begannen die zweite Lesung der Anleihevorlage. Berichterstatter Steinwender setzte, zunächst die Gründe auseinander, weshalb die Anleihe von 180 auf 220 Millionen erhöht wurde und warnte vor der Fortdauer einer Finanzwirtschaft, die darin bestehe, die Ausgaben zu erhöhen und Schulden zu machen. Graf Sternberg polemisierte gegen die letzte Rede des Finanzminister-. Im Verlaufe seiner Ausführungen griff Redner den Abg. Wolf heftig an, wobei eS zu einem erregten Wortwechsel zwischen dem Abg. Sternberg einerseits und den Abgg. v. Stransky und Kasper andererseits kam. Sternberg rief dem Abg. Wolf zu: Ich habe Sie bewußt beschimpft, ich stehe Ihnen zur Beifügung! Redner erklärte schließlich : Wir fordern die Aufrechterhaltung , der Verfaffungsinstituiionen. Wenn die Regierung uns diese nicht gibt, ist sie nicht nur ein Feind des böhmischen Volkes, son erst ein Feind der österreichischen Monarchie. (Lebhafter Beifall unb Händeklatschen; Redner wird beglückwünscht.) Der Finanzminister erklärte gegenüber dem Abg. Sternberg, der behauptete, der Sektionschef Wimmer telephoniere allabendlich der „Neuen Freien Presse" die Vorgänge im Finanzministerium und der Finanzminister lege jeden Gesetzentwurf der „Neuen Freien Presse" zur Begutachtung vor. Es wäre richtiger, wenn der Minister selbst angegriffen würde, als seine Beamten; er als Minister stehe gegen jeden Angriff zur Verfügung. (Lebhafter Beifall.) Gegenüber einem zweiten Vorwurf erklärt er, daß er nie in seinem Leben mit oder bei der „Neuen Freien Presse" wegen eines Gutachtens über irgend eine Regierungsvorlage verbandelte.
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» Die Behauptung des Abg. Sternb-rg über den Sektionschef Wimmer sei zurückzuweisen. Der Minister hofft, daß der Abgeordnete seine Behauptung beweisen oder Wimmer ehrlich sagen werde, ich habe über die Schnur gehauen. Im übrigen stehe der Minister mit seiner ganzen Persönlichkeit dafür ein, daß der Vorwurf des Abg. Sternberg ungerecht sei. Der Minister konstatierte dann, daß sich der Ton im Kampf gegen die Vorlage verhältnismäßig abgedämpft habe und glaubte, das auf einen gewissen Erfolg der von ihm gemachten Ausführungen zurückfüdren zu dürfen.
Englisches Unterhaus. Auf eine Anfrage Lloyd- (Unionist), ob von der Regierung die Erwerbung von Eisenbahnkonzessionen in Persien seitens einer fremden Macht lediglich als eine Erwerbung in ökonomischen oder auch polnischem Interesse angesehen würde, erwiderte Unterstaats- sekretâr Mc Kinnon Wood, daß er auf die Beantwortung einer derart allgemeinen Frage nicht vorbereitet sei. Auf eine Anfrage Dillon- (Nat.), ob daS Auswärtige Amt nunmehr die Bedingungen, unter denen der persischen Regierung daS englisch russische Anleihegebot gemacht wurde und die darüber gepflogene Korrespondenz bekannt geben wolle, erwiderte der Unterstaatssekretär Mc Kinnon Wood, daß biet nicht beabsichtigt sei. Als Dillon darauf fragte, warum die Kenntnis dieser Bedingungen, die in Berlin und Petersburg öffentlich erörtert würden, dem Unterlaufe vorenthalten würde, erklärte der Unterstaatssekretär seine Bereitwilligkeit, die Veröffentlichung des in Rede stehenden Schriftwechsels in Erwägung zu ziehen. Eine weitere Frage Dillon-, ob die Regierung jetzt, nachdem die Anleiheangelegenheit erledigt sei, beabsichtige, die persische Regierung an der Aufnahme einer Anleihe an anderer Stelle zu hindern, beantwortete Mc Kinnon Wood mit Verneinen.
Roosevelt in Paris. Der Minister de- Aeußern, Pichon, liefert auf Bestellung des „Matin" in diesem Blatte einen dithyrambischen Willkommengruß für Roosevelt, der gestern morgen hier an kam und am Ostbahnhofe sympathisch begrüßt wurde. Außer allerhand Banalitäten betont Pichon besonder- Roosevelt- Mut und robuste ehrenhafte Leben-- auffassnng, sowie seine Friedensliebe. Er fei ein sicherer, verläßlicher Freund Frankreich-, der begreife, daß beide große Republiken sich gegenseitigen Schutz schulden, da sie gleiche Ziele, Prinzipien und Ideale verfolgen. Die Franzosen würden sich erinnern, daß Roosevelt Frankreich in schwieriger Stunde die Freundeshand gereicht habe. Der „Matin" erklärte letztere Bemerkung dahin, daß Roosevelt während der • Marokkokrije und der Algeciraskonferenz eine franzosenfreund- l che Rolle gespielt und zur Erhaltung des Friedens beige- tragen habe. Ein Reporter des „Mann" will mit Roosevelt von München nach Straßburg in demselben Abteil gereist, mit ihm gespeist und lange geplaudert haben. Der Expräsident habe betont, daß ibn auf seiner afrikanischen Jagdreise französische Bücher von Molière, Pascal u. a., sowie namentlich „Tartarin de Tarascon" von Daudet begleitet hätten. Verschiedene Pariser kaufmännische und Verschönerung-- komitees fordern zur Beflaggung und Illuminierung der Straßen anläßlich Roosevelts Besuch auf. Sie suchten eine Audienz beim Expräsidenten nach, dem sie eine Adresse überreichen wollen.
Japanische Unternehmungen in Korea. Der japanische Reichstag hat für Bahnbauten in Korea etwa 80 Millionen Mark bewilligt, die sich auf die Zeit von 1910 bi- 1920 verteilen. Die fertigzustellenden Linien sind: a) die Mokpo-Tälschonger oder Houam-Bahu, die den äußersten Südwrsten mit der Sirecke Ssoul-Fusan verbindet; b) Sioul-Wönsan (Geusau); nach deren Fertigstellung, also nach etwa fünf bis sechs Jahren: c) die Noidostbahu Wönsan-Tscbungdjin, über Hamhöng, Ssöngtschin und Kyongßong; dj Tschungdjin bis Hoirioug am Tumeuflusse, in einer Entfernung von etwas mehr als 80 Klm., wo schon seit dem russisch-japanischen Kriege eine Militärbahn in Betrieb ist; als Fortsetzung kommt: e) die Hoirioug- Dritter Bahn hinzu, die im japanisch-ch'nesiicheu Abkommen vom August 1909 den Japanern eingeräumt worden ist. Ganz neuerdings ist nach Meldungen aus Tokio beschlossen worden, die schon früher geplante Querbahu Pinjang^Wönsan zu bauen; die Strecke Pinjaug-Tschiunampo wird bald dem Verkehr übergeben iverben können. — Ebenso ist die japani'che Verwaltung unablässig bemüht, große Heerstraßen auzulegen ober schon bestellende zu verbessern, wofür insgesamt über 2 Millionen Mark in diesem Jahre zur Verfügung gestellt sind. — Auch die japanische Kolonialgesell- schast säugt tatkräftig an zu arbeiten; außer für Dauern werden im Nordwesten Koreas niedrere größere Ansiedlungen für japanische Fiscber angelegt, die besonders die Hoch'ee- fischerei an der Westküste betreiben sollen, wo noch vielfach von Tschifu kommende chinesische Fischer unerlaubt reiche I Beute einheimsen. ’
Parlamentarisches.
mb Die Wahlrechtsrommisston de- H-rrenhauseS trat gestern in die zweite Lesung der Vorlage ein. Der in erster Lesung auf Antrag deS Grafen Park beschlossene Artikel 5, wonach bei künftigen Wahlrechtsänderunyen eine Zwei Drittel-Majorität notwendig sein sollte, wurde, nach- dem sich der Minister deS Innern noch einmal lebhaft dagegen gewandt hatte, mit 14 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Die §§ 1—4 wurden unverändert, wie in der ersten Lesung, nach der Faffung deS Abgeordnetenhauses angenommen. § 5, der die Bestimmungen über die Stimmbezirke enthält, wird ebenfalls in der Faffung deS Abgeordnetenhauses genehmigt. Der Anfang deS § 6 lautet in bet Fassung bei Abgeordnetenhauses: „Die Wähler jedes Stimmbezirks werden nach den von ihnen zu entrichtenden Steuern in drei Abteilungen geteilt usw." Hier wurden nach einem neuen Anträge deS Graten von Behr-Behrenhoff die Worte „jedes Stimmbezirks" gestrichen unb folgender neue Absatz in den § 6 eingeschaltet: „Die Gesamtsumme der Steuerbeträge wird berechnet: 1. für den Umfang des Stimmbezirkes, wenn dieser aus mehreren Gemeinden gebildet ist; 2. für den Umfang deS ganzen Gemeindebezirks, wenn dieser nicht mehr als 5000 Einwohner zählt; 3. für den Umfang besonderer, von der Gemeindeoerwaltungsbehörde zu bildender Dritte- lunflsbezirke von Nicht weniger als 1749 und nicht mehr als 5000 Einwohner umfaßt. Die Drittelungsbezirke sollen tunlichst räumlich zusammenhängen unb abgerunbet sein. Sie müssen, wenn die Gemeinde in mehrere Wahlbezirke geteilt ist, innerhalb dieser liegen." Der vom Reichskanzler in seiner bekannten Erklärung vom DienStag als allein geeignete Grundlage für die Drittelung bezeichnete ursprüngliche Antrag Behr-Behrenhoff — der von anderer Seite wieder ausgenommen wurde, und bie Gemeindedrittelung in Orten bis zu 20000 Einwohnern, in größeren Orten Drittelungsbezirke von 10—20000 Einwohnern verlangt — wurde mit 11 gegen 9 Stimmen abgelehnt, ebenso eine Anzahl kleinerer weiterer Abänderungsanträge. Zur Frage der Maximierung, die nach den Beschlüi;en des Abgeordnetenhauses 5000 Mark und für Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern 10 000 Mark betrug, blieb es bei den Beschlüffen erster Lesung, nach der diese beiden Summen 3(XX) Mark und 6000 Mark betragen sollen. § 8, der sogenannte Kulturträgerparagraph, wurde nach einem Antrag« der Subkommission in folgender Faffung angenommen: »Aus der Abteilung, der sie nach ihrer Steuerleistung angehören, werden der nächsthöheren Abteilung Wähler der 2. und 3. Abteilung zugewiesen, die entweder: 1. dem deutschen Reichstag oder dem preußischen Landtag aü Mitglieder angehören oder gewählte Mitglieder eines preußischen Prooinzialrals, ProvinzialauSschuffeS, Landesausschusses oder BezirksauS- schuffeS oder Handelsrichter sind; 2. Mitglieder des Vorstandes einer preußischen Handelskammer, LandwirtschaftS- kammer, Handwerkskammer oder ArbeitSkammer sind; oder 3. Kreisdeputierte, gewählte Mitglieder eineS Kreis- oder StadtauZschuffes, unbesoldete Mitglieder deS Magistrats oder unbesoldete Beigeordnete eineS Stadtkreises sind; ober 4. eine der zu 1—3 genannten Stellung, wenigstens zehn Jahr« lang eingenommen haben; oder 5. vor wenigstens zehn Jahren vor einer akademischen deutschen Behörde oder einer staatlichen oder kirchlichen Behörde in Preußen eine Prüfung bestanden haben, zu deren Ablegung ein wenigstens dreijährige- Studium auf einer Universität, oder einer sonstigen deutschen höheren akademischen Lehranstalt erforderlich ist. Durch bie Wahlordnung wird bestimmt, welche deutschen Anstalten als höhere akademische Lehranstalten zu gelten haben." Alißerdem wurde ein Antrag Graf Wedel-PieSdorf angenommen, der entsprechend der ursprünglichen Regierungsvorlage bestimmt, daß die Offizier« der Armee und Marin«, die 10 Jahre gedient haben und mit Ehren verabschiedet sind, mit unter die Kulturträger ausgenommen werde«. Hierauf trat die Mittagspause ein.
mb. Die Wahlrcchtskommisst-n deS Herrenhauses hat in ihrer gestrigen Nachmittagssitzung den Rest der Vorlage ohne längere Debatte unverändert angenommen und schließlich das gan^e Gesetz mit 11 gegen 8 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Die Feststellung des Berichts soll am nächsten Montag erfolgen. Am Donnerstag den 28. ds. tritt dann das Plenum des Herrenhauses wieder zusammen, um die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage auf Grundlag« der Beschlüsse der Kommission vorzunehmen. .
Die Geschâftsorvnungsrommission veS Reichstages hat gestern daS Institut der kurzen Anfragen in der Gesamtabstimmung mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 22. April.
* Zum konservativen Parteitag. Man schreibt uns: Herr Julius Werner, Pfarrer an der Paulskirch« in Frankfurt a. M., wird auf dem konservativen-Parteitag der Provinz Hessen-Nassau, der Sonntag den 1. Mai b. I., 3 Uir nachmittags, im großen Saale der „Wartburg" in Wiesbaden, Schwalbacherstraße Nr. 35, stattfindet, einen $ottrag halten: „ Die politische Notwendigkeit und bie sieghafte Kraft eines deutschen und^christlichen Äonfereatwiimui*.