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Drahtnachrichten

Elsaß Lothringen als Bundesstaat.

Etraßl'nrg, 5. April. Eine Ver'ammlimg deS frei- konservativen Vereins Straßburg i. E. nahm einstimmig eine Resolution an, welche die Erhebung Elsaß-Loihrmgens in einem selbständigen deutschen Bundesstaat verlangt, an dessen Spitze der Kaiser als Landesherr steht.

Aufgehobenes Verbot

Berlin, 5. April. Der preußische HandelSminister Sydow hat den Erlaß seines Vorgängers vom Jahre 1903 aufgehoben, der den Innungen den Beitritt zu den Arbeit­geber-Verbänden verbietet. Das Veibot wurde damals damit begründet, daß die Innungen nicht einseitig die In­teressen der Arbeitgeber vertreten dürften.

Deutscher Kohlenbergbau in Südafrika.

Berlin, 4. Avril. Wie derDeutsche Bote" von zu­verlässiger Seite erfährt, steht eine Reihe anqe'ehener deutscher Kapitalisten soeben im Begriff, im Gew nnungsbereich der besten Na'alkohlen auf Kohlenfarmen, die eilten Gesamigebalt von 100 Millionen Tonnen versprechen, die Ausbeute dieser reichen Bodenschätze in die Hand tu nehmen.

Menelik.

Berlin, 5. Avril. DasBerliner Tageblatt" meldet aus Adis-Absba: Am 2. April, um 4 Uhr nachmittags, er­mächtigte der Regent den Vertreter des Blattes, die durch die europäische Presse verbreitete Nachricht von dem Tode des Kaisers Menelik offiziell zu dementieren.

Vulkanausbruch.

Paris, 5. April. Aus Point â Pitre (Guadeloupe) Mrd gemeldet, daß seit gestern vulkanische Asche, wahrschein­lich vom Mont Pelè herrührend, in der Umgebung von Basse Terro niederging.

Lawine.

Paris, 5. April. Aus Madrid wird gemeldet, daß durch eine Lawine das Haus eines Bahnwärters in Bnston (Proo. Leone) verschüttet wurde. Die sechs Kinder des Bahnwärters wurde getötet, während er selbst und seine Frau Verwundungen erlitten.

Probeflug.

Prag, 5. April. Der Aviatiker Hieronymus verun­glückte gestern bei einem Probeflug. Infolge Sturmes kippte sein Apparat um, stürzte aus einer Höhe von neun Metern zu Boden und zerschellte völlig, der Aviatiker erlitt mehrfache schwere Verletzungen.

18 Personen ertrunken.

London, 4. April. Nach einem Telegramm ans Fal­mouth ist der ViermasterKäthe Thomas" auf der Ausreise von Antwerpen, während er sich im Schlepptau eines belgi­schen Schleppdampfers befand, von einem unbekannt gebliebe- nen Dampfer gerammt worden und nach 10 Minuten ge­sunken. 18 oder 19 fronen sind bei dem Zusammenstoß umgekommen. Nur ein Mann ist gerettet worden.

Die Grenz Zwischenfälle.

Sofia, 4. April. Das KriegSministerium erließ infolge per zahlreichen Zwischenfälle an der Grenze ein Rund- ischreiben, in welchem die früheren strengen Weisungen erneut leingeschärft werden, jedwede Provokation zu vermeiden. Die »Aufgabe der Grenzposten sei, den Schmuagel zu verhindern,

wobei sich die Grenzposten beider Länder unterstützen müßten. Nur wenn Soldaten die Grenze absichtlich überschritten, um irgend einen Punkt zu besten oder die Grenze abzn- ändern, sollten sie ohne Waffen gebraub feftgenommen werden; bloß bei einem oflensichtlichen Widerstand sei von der Waffe Gebrauch zu machen und auch dann nur mit größter Mäßigung.

Englisches Unterbaus.

London, 4. April. Nach lebhafter Debatte wurde das Opvositioiis Amendement mit 357 gegen 251 Stimmen ab» gelehnt und der Antrag Asquith angenommen. Die Natio­nalisten und die Arbeiterpartei stimmten mit der Negierung.

Die Wahlreform in Ungarn.

Budapest, 4. April. Handelsminister Hieroi'ymi führte in einer Rede über die Wahlreform vor seinen Wählern aus: Das größte Gcbiecben des gegenwäriigen WahUechls bestehe darin, daß die industriellen Arbeiter im Gegensatz zu großen Schichten der Landbevölkerung das Wahlrecht nicht besäßen, da schon eine gelinge Grnndsteiierleistung die Wahl­berechtigung ver'eihe. Die Negierung könne zwar nicht die radikalste Lösung des Wahlrecht^problems in Aussicht stellen, werde aber auch keinen reaft onâren Vorschlag annehmen. Er bitte die Wählerschaft, zu vertrauen, daß die Regierung die Absicht habe, jede durchführbare freisinnige Forderung auch du'chzuiühren. Die Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen.

Vom deutschen Baugewerbe.

Berlin, 5. Aprtl. Die Entscheidung über Krieg oder Frieden im deutschen Baugewerbe wird erst heute fallen. Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen wird an­genommen, daß die Generalversammlungen der Arbeiter- Organisationen, die sich gestern mit dem neuen Vertrags­muster der Unternehmer beschäftigt haben, des Zentral­verbandes der Zimmerer, deS Baugewerbeverbandes nnb des christlichen Bauarbeiter-Verbandes, zu einem ablehnenden Votum kommen werden.

Abgebrochen.

Berlin, 5. April. Der Direktor der Komischen Oper, Gregor, hat die Verhandlungen mit dem Komitee der Frank­furter Theater definitiv abgebrochen und bleibt in Berlin.

Gelbes Fieber.

Berlin, 5. April. Nachrichten aus Liffabon zufolge sind auf dem dortigen DampferBugio", von Brasilien kommend, 4 Fälle von gelbem Fieber konstatiert worden. Der Dampfer wurde in Quarantäne genommen.

Der Ausstanv der Seeleute.

Paris, 4. April. Wie aus Marseille gemeldet wird, haben die eingeschriebenen Seeleute in einer heute nachmittag abgehaltenen Versammlung die Fortsetzung des Allsstandes beschlossen, bis die verhafteten Seeleute derMuluja" in Freiheit gesetzt, die ungesetzlichen Klagen der.Kapitäne zurück­gezogen und die bei einzelnen Gesellschaften beschäftigten farbigen Matrosen entlassen werden. In Toulon haben die eingeschriebenen Seeleute ebenfalls den Ausstand verkündet

Paris, 5. April. Ueber den Ausstand der Mannschaften der Handelsmarine in Marseille äußerte sich Ministerpräsident Briand zu einem Berichterstatter in folgender Weise :Wir haben den eingeschriebenen Seeleuten gegenüber den Geist der Versöhnlichkeit bis zur äußersten Grenze getrieben. Um zu vermeiden, daß etwaige Zwistigkeiten unter denselben be­klagenswerten Verhältnissen wie früher vorkämen, haben wir eine gemischte Kommission eingesetzt, der Anlässe zu Miß­helligkeiten unterbreitet werden sollen. Die eingeschriebenen Seeleute haben sich selbst in bestimmtester Weise verpflichtet, die Sch'ffe nicht mehr einfach im Stich zu lasten; sie wollten

ihre etwaigen Beschwerden bekanntgeben und dann die weiter* Entscheidung abwarten. Das Vorgehen der Mannschaft deH Dawy'ersMulaso" bedeutet eine unbegreifliche und unver­zeihliche Verletzung dieses Uebereinkommens. Es handelt sich da geradezu um eine Herausforderung, der die Regierung mit allen gesetzlichen Mitteln entgegentreten muß. Indem die Regierung da Ordnung schafft, hat sie das Bewußtsein, daß sie nicht nur den Interessen des Landes, sondern vor allen Dingeu auch denen der Seeleute selbst dient. Hoffen wir, daß diese begreifen, auf welchen unheilvollen Weg sie geraten sind.

Paris, 4. Avril. Ministerpräsident Briand, der Marine- minister und der Unterstaatssekretär im Marineministerium Chèron traten zu einer Konferenz zusammen, in der sie über die Maßnahmen berieten, um den öffentl'chen Dienst, sowie die Beförderung leicht verderblicher Ware und von Pasta­gieren sicherzustellen. Es wurde beschlossen, gegebenenfalls die schärfsten Maßregeln zur Anwendung zu bringen, um dem Konflikt ein Ende zu machen. Man plant u. a. dis Indienststellung von Kriegsschiffen.

Paris, 5. April. In der bereits gemeldeten Unterredung sprach sich Ministerpräsident Briand energisch gegen den plötzlichen, unverständlichen und unentschuldbaren Kontrakt« britch der eingeschriebenen Seeleute aus; er sehe darin eine absichtliche Provokation, gegen die er mit allen gesetzlichen Mitteln ankämp'en werde: er werde der Zerstörung und der Herbeiführung deS Ruines der Handelsmarine unter dem Einflüsse einiger Hitzköpfe nicht untätig zusehen.

FC. Frankfurt a. M., 4. April. Zu der von Taaesblâllern gebrachten Nachricht Friedrich Karl Prinz von Hessen, Oberst und Kommandeur des 1. Kurbessischen In­fanterie-Regiments Nr. 81 in Frankfurt a. M. werde den Abschied nehmen, wurde von autoritativer Seite folgende Mitteilung : Seit Anfang Februar b. % bat der Prinz infolge eines plötzlich ausgetretenen Leidens am Fuße, das ein allge­meines körperliches Unbehagen im Gefolge hatte, zur Herstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub ge­nommen und sucht im milden Süden, in Cannes, Genesung. Der Prinz, der vom Scheitel bis zur Sohle Sodal ist, denkt gar nicht daran, den Dienst zu quittieren und sich in seinem 42. Lebensjahre in das Privatleben zurückzuziehen. Sobald der Prinz völlig genesen sein wird, waS in Bälde der Fall, wird er das Kommando der 81er, deren Führung zur Zeit Oberstleutnant v. Rauchhaupt übernommen, wieder über­nehmen.

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