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PolittTcbe Rundschau.
Reichskanzler von Bethmann L^ollweq Hielt gestern nachmittag in Homburg v. d. Sv auf der Rückreise nach Berlin dem Kaiser Vortrag. Die Weiterreise des Kanzlers erfolgte abends.
„Zur Millionenerlparnna im Reichsbeer" Macht in der „Nat.-Zig." Generalmajor i. D. v. Loebell einen Vorschlag, in dem er die Aufhebung der Obere,satz- kommissionen im Au^hcbungseri'atzgeschäft anregt. Er teilt mit, daß die Angelegenheit zurzeit im KriegSminlsterium er» wogen werde.
Der Vorstand des Preussischen Lehrervereins hat an den Äuhudminifter die Bitte um Erlaß einheitlicher Bestimmungen über de Vertretung von Lehrern und Zehrerinnen an den Volksschulen gerichtet: 1. die inne,halb her allgemeinen Pflichtstnndenmhl unentgeltlich zu übernehmende Zahl der Vertretungsstunden festuxfefeen ; 2. einen angemessenen E.tschädiguugssatz für die VertreiungSstunde zu bestimmen; 3. die Entschädigung für die Wege zur Vertretung an fremden Schulen in Uebereinstimmung mit den nach dem Gesetz vom 2l. 5uli 1897 ben unter V bezeichneten unmittelbaren Staatsbeamten zu gewährenden ^ubrtoften zu regeln und 4. bei Heranziehung von Leh,Personen zur Vertretung an fremden Schulen eine Herabsetzung der Unterricht-- stunden zahl an der eigenen Schule möglichst zu vermeiden.
Die Bremer Sozialdemokratie hatte für Samstag fünf Demonstrationsveriammlungen einberufen, in denen der Forderung nach dem gleichen, allgemeinen Wahlrecht AuS-, druck gegeben wurde. Nach Schluß der Versammlungen bildeten sich Demonstrationszüge, die, au- den verschiedenen Stadtteilen kommend, auf den Marktplatz zusammentralen, und von hier aus unter Gesang und Hochrufen auf da- gliche Wahlrecht durch die Straßen der Stadt zum Bürger- park zogen. Im Dürgerpark wurden Arbeiterlieder gelungen und fortdauernd Hochruke auf da« gleiche Wahlrecht au8< gebracht. Auf dem Spielplätze formierten sich die Teilnehmer zu einem großen Kreis. Nach Absingen weiterer Lieder forderten die Führer zum AuSeinandergeben auf und öie Menge leistete dieser Aufforderung willig Folge. Es ist nirgends zu Ruhestörungen oder Ausschreitungen gekommen.
Kolonial-Wirtschaftliches. Die soeben erschienene Apritnummer deS „Tropenpflanzer", Organ beS Kolonial- Wirtschaftlichen Komitees, Berlin, Unter den Linden 43, bringt an erster Stelle einen Bericht von A. Aaronsohn- Haiffa über den 4. Dry Farming Congreß zu Billings, Montana. Der Verfasser, der im Auftrage des Kolonial- Wirtschaftlichen Komitees den Kongreß zur Klärung der „Dry Farming^-Frage besuchte, gibt hier ein interessantes rLtimmungsbild deS Kongresses und weist auf die großen Eriolge hin, welche die Amerikaner mit bieier, auf wissenschaftlicher Grundlage durchgefübrien und bei uns salscher» weise oft mit dem Namen „(SampbeCHnftem* bezeichneten Lanbwirtschaflsmethode in Gebieten mit wenig Regenfall erzielt haben. Der Verfasser belebt seine Schilderung durch Vergleiche mit anderen Ländern und durch Hinweise auf die Fehler und Schwächen, die dem System beute noch anhaften. Eine ausführliche Arbeit über „Dry Farming" im allgemeinen wird als Beiheft zum Tropenpflanzer folgen. Der Artikel von D. Sandmann, Berlin: „Gefahren, Fehler und Verbesserungen in der Kauischukproduktion Asiens" wird forlgesührt. Der Verfasser bespricht in diesem Teile ausführlich die Verarbeitung der Kautschukmilch in ihren samt- Uchen Phasen, u. a. auch die KoaaulationSmittel, Herstellung der verschiedenen Handelsmarken, Versand u. a. Alich unsere Kautschukpflanzer dürften au- den Ausführungen Sandmanns manches lernen können. DeS weiteren enthält die Nummer eine kleine Abhandlung über den Kaffeemarkt im Jahre 1909 von Moritz Schanz, über Verbrauch von Kakao, Kaffee und Tee in den Hauptkonsumländern, sowie kleinere Mitteilungen au- dem Gesamtgebiete der tropischen Agrikultur. Dieser Nummer ist als zweites Beiheft des Jabres
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Andreas Achenbach.
Am 1. April starb Andreas Achenbach in Düsseldorf, ein Greis, der fast die Schwelle deS Jahrhundert- überschritt. Ein Künstler von Tizianscher Lebenskraft und Anschauung, eine der markantesten Persönlichkeiien in der Kunsteniwicklung deS 19. Jahrhunderts. Sein Eintreten in die Kunstgesch chl« liegt weit zurück; in den Jahren 1835 - 89 errang er seine ersten Siege, — war lange Zeit hindurch einer der ge- seierlsten Führer der Kunst in den deutschen Landen, ein unendlich fleißiger Arbeiter, um schließlich doch den Tribut jcb”« alternden starken Geistes zahlen zu müssen: ein Reaktionär zu heißen. Gewiß, Andreas Achenbach war keiner der Dieg- samen, konnte harte Worte gegen die Leute der ^u'unft sprechen und hat's auch weidlich getan — ober eS hieße doch seine kunstgeschichtliche Stellung arg verkennen, wenn man sein Lebenswerk nach dem beurteilte, was der Greis, der nicht altern wollte, aus den Händen gab. Die neue brausende Zeit war auch über ibn hmauSgestürmt, trotzdem er lange in ihr seinen Standpunkt mit eisernem Trotz zu behaupten wußte, auch Hne Hellen Blauaugen trübten sich langsam, bis der emsigen Hand der Pinsel entglitt. Die Kunstgeschichte wird nicht den Andreas Achenbach unterer Tage kennen, der für seinen Ruhm fast zu alt wurde, sie wird aber der Nach- well die Taten seiner Jugend — und Mannessahre danenid bewahren. Denn derselbe Mann, der unserer Zeit bereits als Reaktionär galt, gehörte vor fast 75 Iah' en zu den Bahnbrechern der demichen Kunst. Auf dem Gebiet der Laud- schaftSmalerei wies er als einer der ersten die Bahnen, die von unserer Generation als selbstverständlich nicht mehr empfunden, geschweige denn betuunbrrt werden. Wir können unS kaum mehr vorstellen, daß es eine gar nicht so ferne 3"t gab, in der die Landschaft als e was so Gleichgültiges empfunden wurde, daß sie der künstlerischen Verwertung 'öllta enuogen wurde. Kein germgeier atS unter Diel»
e ne ausführliche, Arbeit von ^r. W. La Baume, Berlin, über afrikanische Wanderheuschrecken beioegeben. Diese Arbeit b^anbeh sämtliche in A'rika üorfommenben schädlichen Wanderheuschrecken nach dem heutigen Stande ni,seicr Kenntnis, sowie ihre Bekämpstwgsmethode und bildet zu dem bekannten Werk von Dr. Sander über den gleichen Gegenstand eme wichtige Ergänzung.
Der französische Se»mt beriet am Samstag nachmittag das Flottenbudget. Auf die Angriffe mehrerer Redner der Rechten, die ihm vorwarfen, daß er den Niedergang der französischen Marine als eine unabänderliche Tatsache betrachte, protestierte der Berichterstatter Monis, indem er bemerkte : Er habe in seinem Bericht lediglich ge'agt, angesichts der Situation, in der sich die französische Flotte befinde, ließen sich gewisse Träume nicht mehr verwirklichen, weil Frankreich von Deutschland und den Vereinigten Staaten schon zu weit und endgültig überholt worden sei; er habe gezeigt, daß Frankreich auf den Wettbewerb in der Zahl der Kriegsschiffe verzichten und sich im Ozean auf dir Politik der Verteidigung beschränken müsse, während es im mittelländischen Meere eine maritime Ueberlegenheit anstreben müsse. Es werde weniger Schiffe haben, müsse aber für eine überlegene Ausrüstung sorgen. Der Marineminister legte dar, er habe sich bemüht, ans dem, waS Frankreich an Kriegs- schiffen habe, eine lebendige, schlagfertige Flotte zu schaffen. Zuerst seien die Geschwader reorganisiert worden; er habe sie in ein Geschwader der modernen Panzerschiffe vereinigt, so daß sie eine ernsthafte gleichmäßige Streitkraft bilden. In einem anderen Geschwader habe er die älteren Panzerschiffe zusammeugefaßt. Beide Ge chwader wü'den jede« Jahr unter einem einheitlichen Oberkommando Manöver abhalten. Er könne nicht sagen, daß diele beiden Geschwader sehr stark seien, denn sie umfaßten nur 14 Schiffe, aber das sei so ziemlich alle«, waS Frankreich an krieg-tüchtigen, größeren Kriegsschiffen besitze. ES sei ohne Zweifel wenig, aber Frankreich könne darauf rechnen, daß diese Schiffe sich von setzt ab in vollkommener Kriegsbereitschaft befänden und auf den ersten Deicht in einer Schlacht da« Marimum an Offensivkrast zeigen würden, beffen sie fähig seien. DaS Arsenal in Diserta werde im Jahre 1912 fertig sein und die Stellung Frankreichs im Mutelmeere wesentlich verstärken. Der Minister führte weiter aus, eS würde ein schwerer Irrtum sein, auf tremde Hilfe bei der Verteidigung zu zählen. Das Volk müsse aus eigener Kraff sich verteidigen können. Die Torpedoboote müßten allmählich durch Unterseeboote ersetzt werben; auch brauete man eine gewisse Anzahl von Baggerschiffen zum Minenlegen, die die Marineverwaliuug zu beschaffen bemüht sei. Das Flotteuprogramm der Regierung beruhe im wesentlichen auf dem Gedanken, alles an die Schaffung einer schlagfertigen Flotte zu setzen und die Flotte so sehr als irgend möglich in dem Zustande dauernder Ver- wenbungSberettfdmft zu halten. Nach dem vorgesehenen Programm werde die Floite 28 Panzerschiffe zählen. Eine Flottenpolitik sei nur möglich mit großen Kriegsschiffen. Man verteidige die Küsten w rksam nur auf hoher See. Schließlich erklärte der Minister, nach den beieits erzielten Ergebnissen und nach dem Erfolge der letzten Schießübungen könne er versichern, daß das Geld Frankreichs gut angewenbet sein weihe. (Anhaltender Beifall.) Im weiteren Verlauf der Sitzung gab Unierstaal-sekrelär Cberen Aufschluß über die im Verwaltungsdienste eingefubrten Verwaltungsreformen, worauf die Generaldebatte geschlossen wurde. Die dreizehu eisten Kapitel des Etats wurden bewilligt und die Sitzung vertagt.
Englischrs tlnferlmitS, In Erwiderung einer Anfrage erklärte der Parlamentssekretär des Austväriigeit McKinnon Wood, es sei bisher kein Grund zri der Aiinahme, daß die Regierung es für tunlich erachte, am 1. September 1911 sich von der Zuckerkonvention zurnckzuziehti». Hierauf wurde die Beratung beS Opposition« Amendemeitts zu dem Anträge Asguiths, daß das Haus sich als Kommission konstituieren solle, um die Vetoresolutionen zu beraten, wieder aipgenommen. Lyttleton ging auf Churchills letzte Rede im
bewunderter Gotthold Ephraim Lessing prägte das gefluge te Wort von der „gemeinen Natur", die jeder künstlerischen Wiedergabe unwert sei, da nicht« in ihr den Menichen in eine höhere Sphäre zu heben vermöchte. Und die um Winke mann, die ganze klassizistische Richtung um die Wende bei 18. Jahrhunderts, nahmen freudig dieses Schlagwort auf, sodaß die Landschafiskunst fast für 30 Jahre in einen Dornröschenschlaf, versank. Statt ihrer wandelte die Kunst auf dem hohen Kothurn des klassizistischen Jdea's, sah allein in dem harmonischen Aufbau unb der schönen Linie idealer Körper das erstrebenswerte Zi l, veroaß darüber das Handwerkliche der Kunst, die Technik der Malerei, um schließ ich in einer philosophischen Karionzeichne'ei zu enden. Ihr anerkannter Führer war Cornelius, der den Pinsel für den Verderb der Kunst erklärte. Ein großer Mut mußte in diesen Tagen einer blutlosen, weltfremden Jdealkuust, die durch starrste Dogmen jede fremde Regung zu et slicten drohte, denen eignen, die es wagten, wieder die Landschaft in der Kunst zu Ehren zu bringen. Langsam ging der Weg bergan. Der erste, der der Landschaft einen gebühren- den Raum in feiner Kunst gönnte, war her alte Friedrich Preller. In seinen berühmten Odyseefiesken tritt uns bereits eine gewaltige Natur entgegen, deren Formen eine nie geschaute Steigerung ins Gigantische, Heroische aufweisen. S,e ist nicht Selbstzweck, sondern nur Begleitakkord der Begebenheit und gibt geistvolle Komposilionen einzelner besonders charakteristischer Motive südlicher, speziell süd- italieiiischer Landschaft wieder. Noch immer ist die Landschaft im Grunde ihres Weleiis Kulisse, untergeordnet der sich in ihr abipielenden Handlung bebeuteuber Menschen. Einen Schritt we ter als Preller geht Carl Rotimauu. Er malt bereite die Natur um ihrer selbst willen, aber auch noch die fremde südliche Laud chaft, deren einfache großzügige Linien er bewnßt zu einer heroisch aulg fasnen Jdeallaud- ichaft jiifamimnsteGt, ohne sich um die Behandlung von Luft und Licht zu tummeln. Immer noch muten icuie
8. Srurit
Unterbaute ein und protestierte gegen daS, was er alS einen unschönen unb Nnziem'ichen Versuch bezeichnete, dem Kömq • eine Politik ziru’cbreiben, die der König nicht verleugnen könne und ihm beinahe ein Bündnis zwischen dem thron und der radikalen Partei zu empfehlen, wofür auch nicht ein Schatten einer Berechtigung vorliege. (Beifall bei der Opposition.)
Die Neicklsdrima ging gestern zur Verhandlung beS Maiineeials über. Referent Oktobrist Svegineff begründete die von der Budgetkommission gemachten Kürzungen um 16 Millionen Rubel, darunter 11 Millionen Rubel kür Schiffsbau, unb wies auf die nicht zweckentsprechende Verwendung von Geldern durch das Marineressort hin und zwar auf die übertriebene Sparsamkeit in allem, was sich auf die Kampf- fäbigfeit bezieht. Ein Vertreter der Kadetten führte aus: Die Genehmigung von Krediten zum Bau von Panzerichiffen müsse so lange vorenthalten werden, bis das Marineressort einen allgemeinen Gesetzentwurf mit bestimmten Plänen und Etats einaebracht habe. Der Marineminister bat, die Kredite für den Ban von vier Linienschiffen wieder herzustellen, unerklärte, der Finanzplan sei bereits unbearbeitet und würde in den nächsten Tagen der Duma vorgeleat werden. Ein Gesetzentwurf, betreffend die Kredite für den Bau von Schiffs- Werften fei schon eingebracht. Jede Verzögerung in der Verwirklichung des SchiffSbauvrogramm« sei eine Verzögerung in der Sicherung der Reichsverteidigung. Graf Nwaroff sprach sich für die Genehmigung der Schiffsbankredite aus. Die Duma habe kein Recht, Pläne und Zeichnungen zu »er« : langen, da sie sich nur mit her finanziellen Seite brr Frag« zu befassen habe. ES sei notwenbig, die Schwarzmeerflotte zu verstärken, da die Ufer deS Schwarzen MeerrS ein Dia» j mant in der Kronè des KaüerS feien. Ein Vertreter der Nationalisten erklärte, feine Fraktion würbe für die Kredite stimmen, da der Staat nicht ohne Flotte bleiben könne. Die Duma würbe dann auf heute vertagt.
Die türkische Kammer veihandelte über den Gesetz» entwurf betreffend jene Konze'sionen, die der Kammer vor- aelegt werden sollen. Ein Deputierter beantragte die Ab- änbrrung, daß biefrnigen Bahnverbindungen, welche fremde Einflüsse mit sich bringen, der Kammer vorgelegt werden
I müssen. Der Großwesir erklärte diese Abänderung für über» flüssig, da die Epekutive die Pflicht habe, bafür zu sorgen, daß keine fremden Einflüsse vorhk'rtchen und die Jntereffeir br« Staatcâ gewahrt werden. Ans ein Ersuchen um Aufklärung über die Donau-Adriababn erwiderte der Großwesir, die Regierung traf noch keine Entscheidung, sie nehme die Interessen des Staates wahr und lasse sich von niemanden beeinflussen.
Der Sultan verlieh dem König von Serbien den , Shanebanoröen ; der König verlieh dem Sultan und dem 1 Thronfolger den Stern zum Karageorgorden mit Brillanten, y
Theodore Roosevelt, der frühere Präsident der Ver- w einigten Staaten, ist in Rom einoetroff n.
Kunst und Leben. |
Die Teilnahme an der Prinz Heinrich-srahrt in biefcip Jahre ist recht stark, soweit sich aus der uns vor- : liegenden Liste beurteilen läßt. Bis $um 1. April (Nen- 1 nuttgsschluß) waren 127 Meidungen eingelaufen. Aus Süd- j deutschlaud beteiligen sich: A. Fischer-Stuttgart, Fritz Erie- ’ Mannheim, Konsul Dr. Brosieii-Mauubeim, C. SZenmaier»
Mannheim, Dr. O. Kollniann-Müiichen, H. Ninaud-Mann- Hkim, A. Schmierer- Feuerbach bei Stuttgart, Erbgraf Schönborn-Müucheu, E. Forchheimer-Nürnberg, O. Lind-
' paitner-Müucheu und Ing. H. Guhl-Karlsruhe. Außerdem i wären noch zi» nennen: Lüdr-Frankfurt a. M., Notlson- ; Frankfurt a. M., F. und H. Opel Rüsselrheim, Landrat von
Marx-Homburg v. b. H., Direktor A. Paul Frankfurt a. M. unb Frau O. vou Nenkville-Frankfurt a. M.
Deutsche Sänger in Rom. Der Kölner Männer- aesangvereiu, der auf seiner Kunstreiie jetzt nach Rom'ge-
Landichaftkn wie kolorierte Zeichnungen an, die weit an künstlerischem Wert hinter Werken der Holländer (Jakob und Salomon Rliy'darl, Hobbema, Everdingen) oder deS genia'en Franzosen Claude Lortain (f 1682) zurückstehen. In ihrer öden Stilisierung sieben sie den „klassischen" Land- schastrn Nwolas Poussins (f 1GG5) innerlich am nächsten, ohne allerdings dessen geniale Mache zu erreichen. Allmählich wagte sich auch die deutsche Landschaft in die deiitsche Kunst zurück, allerdings eine recht aufdringliche. Alle Effekte — Mondscheinstimmungen, Sewitterbimm-( mit grellen Blitzen, Regenbogen —, dazu die grausigsten Szenerien, Nällverburgen, Schluchten und Ge'pensterwälder, mußten anigeboikn werden, um dem deutschen Publikum diese.
. .Kunstgattung wieder schmackhaft zu machen. Diese Art I der Landschasismalcrei, wie sie vorzüglich von Carl Friedrich
Lessing und der alten Düsseldorfer Schule gepflegt wurde, wurzelte eben ganz in der romanii chen Strömung des deutschen Geisteslebens, die sich bewußt von dem kalten Kla'siciSmus und feiner blinden Verehrung der Antike abgewandt hatte, um sich fast ebenso traurig in einer anderen falsch verstandenen Vergangenheitsepoche zu verlieren: dem Mittelalter. Darum durften in den düsteren Landichafien dieser romantischen Maier all bie : Gestalten der Romantik nicht fehlen, die und heute so garnicht mehr g fallen wollen. Wer kennt sie nicht, diese rührend edelmütigen Räuber oder jene zartsinnigen Nitterkrânleins, die nichts anbered zu tun haben, als auf dem Balkon zu stehen, die Ritter und Feen und was sonst zu den Versatzstücken dieser rückivärts gewandten Lyrik aus Nraroßmulters Zeiten gehörte. In ihnen lebt die ganze Sehnsucht des teutschen Volkes, das sich nach ben Riesenopfern der Befreiungskriege in erneute Geistesknechtschaft gen eben sah und nun in der brünstigen Versenkung in die gew luge Ver. gangeuhkil des Deutschen Reiches für die Ideale schwärmte, betten bie Gegenwart keinen Raum bot. Gewiß war dieser historische Fetischismus auS der ganzen Enge der Zeit erklärlich, aber fruchtbar und entwictiunaSjörderud war er