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Drahtnachrichten

Der Reichshanshaltsetat — Gesetz.

Berlin, 30. März. Der „Reichsanzeiger" veröffent- lichte gestern das Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichs- haushâltseiats für das Rechnungsjahr 1910, sowie das Ge- setz, betreffend die Feststellung des Hansdalisetais für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1910. Beide Gesetze tragen das Datum des 21. März. Der Reichshausballsetat schlißt danach in Einnahme und Ausgabe ab mit 2 8Ü3 781095 Mark. Zur Bestreiiung einmaliger außer- ordentlicher Ausgaben wird der Reichskanzler ermächtigt, die Summe von 147 981822 Mark im Wege deS KredstS flüssig zu machen.

Weiheakt.

Monte Carlo, 29. März. In Gegenwart des Fürsten Albert, der Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Spaniens, Portugals und Italiens, sowie zahlreicher Delegierter ans- ländijcher Akademien und anderer hervorragender Persönlich­keiten fand heute nachmittag die Einweihung des Cj-ano« graphischen Museums statt. In seiner Festrede gedachte Fürst Albert zunächst deS deutschen Kaisers, des hohen Protektors des neuen Museums, der, ein Förderer der Wiffenschaft und aller Institutionen zum Wohle der Menschheit, speziell der Wiffenschaft des Meeres ein so großes Interesse entgegen- bringe, und sodann des verstorbenen Königs von Po'tugal, der ebenfalls seine besten Mußestunden der Ozeanographie gewidmet habe. Weiterhin dankte Fürst Albert den zu der Feier erschienenen BeUretern der fremden Regierungen und der gelehrten Körperschaften für ihr Erscheinen und übergab schließlich den Dienern der Wissenschaft das Museum mit dem Wunsche, es für die ganze Menschheit nutzbar zu machen. Nach der mit stürmischem Beifall, auf­genommenen Ansprache des Fürsten Albert hielt der französische Minister des Aeußern, Pichon, eine Rede, in der er auf die Verdienste des Fürsten um die ozeano- graphische Wiffenschaft hinwies und die Gründung des Mu'eums als eine Tat begrüßie, für die die ganze Welt dem Fürsten Dank schulde, da sie der Sache der Menschheit diene. Nach dieser ergriff der deutsche Vertreter, Großadmiral v. Köster, das Wort, um die herzlichsten Wünsche Kai'er Wilhelms zu überbringen, unter brffen Protektorat der Fürst das Museum gestellt und sich damit ein Denkmal gesetzt habe, das gleicher­weise zur Förderung der Wissenschaft, wie zum Fortschritt der Menschheit beitragen werde. Nachdem die anderen Ver­treter der fremden Regierungen gesprochen hatten, folgte ein glänzendes Konzert, dem sich ein Nundaang durch das Mu­seum anschloß. Abends fand im Kasino Galavorstellung statt.

Zur Dieheinfuhr aus Dänemark.

Flensburg, 29. März. Die hiesigen Viehhändler, die durch die Kassierung des aus Dänemark eingeführten Viehes ebenfalls empfindlich geschädigt worden sind, haben sich ge­meinsam mit den Quarantânepächtern an das Ministerium gewandt. In Flensburg wurden durch den Departements- tierarzt von 400 Stück Vieh zirka 100 Stück kassiert. ES steht noch nicht fest, was mit dem Vieh geschehen wird.

Cin Butterboykott.

Berlin, 29 März. Ein Butterboykott ist seit den Feiertagen in Berlin in Kraft getreten. Vom Hirsch- Dunckerschen Ortsverein der Maschinenbauer und Metall­arbeiter wurde der Beschluß gefaßt, vorläufig auf die Dauer von drei Monaten keine Butter zu konsumieren. Wie

die „Tâgl. Rundsch." hierzu erfährt, werden nicht nur die anderen Ortsvereine der Hirsch-Dunckericken Gewerk­schaften diesem Beschluß folgen, sondern auch die sozialdemo- krati'chen Arb iter Berlins werden derartige Beschlüsse fassen. Auch die Freie Vereinigung der Gewk' kschaften wud gegen die Butter Verteuerung Front machen. Es steht daher zu er­warten, daß in etwa 14 Tagen bis drei Woch n 'ämtliche Berliner Arbeiterorganisationen ein Butterboykolt beschlossen haben werden.

Ehruna-

Paris, 29. März. Das Institut für Internationales Recht hat die Prosfforen Wa'tber Schücking-Marburg und Heinrich Trieple-Kiel zu korrespondierenden Mitgliedern er­nannt.

Französischer Senat.

Paris, 29. März. Der Senat nahm die Etats des Ministeriums des Innern und de« Kultusm-nisterinms, sowie die Gesetzesvorlage über die R vilion des Zolltarifs in der von der Kammer angenommenen Fassung an.

Zum Rücktritt deS GouverncurS v. Schuckmann.

Berlin, 29. März. Ueber die Gründe seines bevor- stehenden Rücktritts soll Gouverneur von Schuckmann, wie die „Windhuker Nachrichten" in ihrer neuesten Nummer mitteilen, sich vor feiner Abreise auS Südwestgstika mehreren Herren gegenüber wie folgt ausgesprochen haben: Seine Rückkehr als Gouverneur sei ausgeschlossen wegen der großkapitalistischen Politik, welche er nicht mitmachen könne; dann aber auch wegen deS schweren Vorwurfs, welchen Staatssekretär Dernburg im Reichstage gegen die Beamten der Kolonie erhoben hätte. 30 Jahre diene er seinem Kaiser und habe niemals auch nur einen Verweis er­halten, und jetzt müsse er sich bieten schweren Vorwurf vor der breiten Oeffent'ichkeit machen lassen I Der Gouverneur soll noch hinzuaesiigt haben, die Herren könnten dies einem jeden, der es hören wolle, wiedersagen.

Die Weltausstellung in Brüssel.

Brüssel, 30. März. Die Eröffnung der Weltausstellung wurde bestimmt für den 23. April in Aussicht genommen.

Englisches Unterhaus.

London, 30. März. Ein offizielles Amendement zu der Resolution der Regierung wird am Donnerstag beantragt und die Debatte am Montag abend geschloffen werden. DaS offizielle Amendement, welches von Sir Robert Finlay be­antragt wird, ist folgendes: Nach der Ansicht deS HauseS ist eine starke wirksame Zweite Kammer notwendig. Das HauS ist bereit, Vorschläge für die Reform und Zusammen- setzung der bestehenden Zweiten Kammer in Erwägung zu ziehen, lehnt eS aber ab, sich mit Vorschlägen weiter zu be­fassen. welche den ganzen Nutzen jeder Zweiten Kammer wie sie auch zusammengesetzt sein möge, vernichten und die einzige Sicherung entfernen würden, dagegen, daß die Regierung große Aenderungen nicht nur ohne die Zustimmung, sondern gegen die Wünsche der Mehrheit der Wähler vornimmt.

Rußlands Flottenreorganisatton.

Petersburg, 29. März. Die Regien,ng wird in den nächsten Tagen einen Gesetzentwurf über die Wiederherstellung der russischen Seemacht in der Duma einbringen und zu diesem Zwecke einen Kredit von 700 Millionen Rubel ver­langen. Dem Gesetzentwurf wird ein Programm der Schiffs- bauten beigefügt sein. Auch die vom Dumapräsidenten in feiner Antrittsrede angekündigte Vortage über die Heeres- resorm wird der Duma in der allernächsten Zeit zugehen.

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Berlin, 30. März. In einer gestrigen Versammlung der Maßschuhmacher Großberlins wurde beschlossen, wenn die Arbpstgeberorgnnfiation einen Mindestlohntaris bis zum

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15. April nicht anerkenne, solle in einer neuen Versammlung am 18. April die Arbeitsniederlegung beschlossen werden. — Aufsehen erregte die Verhaftung deS Inhab- rS der graphischen Kunstanstalt Otto Schloß, dem zum Vorwurf gemacht wird, Lieferscheine gefälscht und auf Grund davon Rechnungen ausgestellt zu haben.

Kiel, 30. März. Die freisinnigen ReichStagSabgeordnets Dr. Leonhart und Struve, die während der Beratung deS MarinretatS vom Staatssekretär v. Tirpitz eingeladen waren, eine Fahrt in einem Unterseeboot mitzumachen, leisteten gefle-n biefer Einladung Folge.

Dortm und, 30. März. Mehrere deutsche Bergleute wurden von vier polnischen Kollegen mit scharf geschliffenen Dolchen angegriffen. Einem deutschen Bergarbeiter wurde der Leib aufgeschlitzt, ein zweiter erhielt einen Stich in bis Lunge.

Graz, 30. März. Zwei Wärter der Landesirrenanstalt mißhandelten einen Geisteskranken dermaßen, daß er ver­starb. Die Wärter wurden verhaftet.

Konstantinopel, 30. März. Vierzehn in Smyrna von einem tollen Hund gebissene Leute wurden lebenSgesährlich verletzt hierher gebracht.

Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.

V o I l m e r v Zum Zwecke der Aufhebung der Ge- mtlnjchast, die in Ansehung der in der Gemarkung Voll- merz belegenen, im Grundbuche von Vollmerz zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen: 1) der Margareta Jahn, 2) der Katharina Iahn, 3) btt Elisabeth Iahn, 4) der Eva Jahn, 5) der Dorothea Katharina Jahn, 6) des Georg Iahn, 7) der Barbara Katharina Iahn, 8) der Maria Jahn, 9) des Dahn- arbeitet Heinrich Iahn zu Elm, 10) deS Kaufmannes Israel Hecht (Lazarus Sohn) zu Sterbfritz zu je ^m, 11) der Ehefrau des Tagelöhners Iohannes Weidlein, Anna Margareta, geb. Jahn, zu Vollmerz zu “/n eingetragenen Grundstücke besteht, sollen diese Grundstücke am 9. Mai 1910, vormittags 11 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Schlüchtern — in der Freund'schen Gastwirtschaft zu Vollmerz — versteigert werden.

Schtsssnachrichten.

(MitgeteiU non tigern Äv. $ re » i <t • ^aueu.)

Der Hamburger Dampfer „Pretoria" ist am 25. Mär­wohlbehalten in New-Pork eingetroffen.

Hamburg, 25 März. Der Dampfer „Kdemannta6 von der Hamburg - Amerika • Linie ist gestern in Vera- Cruz und der Dampfer ,Odenwald" vorgestern in St. Thomas eingetroffen.

Bremen, 24. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Frankfurt" ist gestern in Philadelphia eingetroffen.

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