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Zweites Blatt.

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Gcneral-Anzeiger

Amtliches Organ für Stabt an) Faadkreis Kana».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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8tTaxl®6ttL Redakte«: •. Schrecker « t^ewm,

M^ 71 ^ernsprechan schulst Nr. 605.

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Amtliches.

Stadt- und Landkreis Ranau.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises mache ich auf den in Nr. 11 des diesjährigen Regierungs-Amtsblattes von dem Herrn Regierungspräsidenten in Cassel unter dem 11. d. M. veröffentlichten Erlaß des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 25. Februar d. J. nebst Ausführungs-Anweisung zu der im diesjährigen Reichsgesetzblatt Seite 389 abge- druckten Verordnung des Bundesrats über den Verkehr mit Kraftfahrzettsien hierdurch aufmerksam.

Durch die am 1 April v. I. in Kraft tretende Der- kebrsvorschriflen und Strafbestimmungen des Reichsgesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909 (Reichsgesetzblatt Seite 437 von 1909) wird die Polizei­verordnung des Herrn Oberpräsidenten in Cassel vom 6. September 1906 (Amtsblatt Seite 313 ff. von 1906) auf» gehoben.

Zugleich weise ich insbesondere auf die neue Vorschrift des § 5 der Ausführungs-Anweisung bin, nach welcher zur Verminderung des Schreibwerks die Anträge auf Zulassung eines Kraftfahrzeuges nach dem daselbst abgedruckten Muster bei dem Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel direkt zu stellen sind.

Hanau den 21. März 1910.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

V 1731 Frhr. Laur.

Eandkreis Ranau.

Die Schulverbände mache ich auf den al» Beilage zum Regierungsamtsblatt Nr. 9 vom 2. d. Ws. veröffentlichten Verteinnqsplnn des Bedarfs der Alterszulage­kaffe re für 1910 hierdurch aufmerksam.

Die nach Aufstellung des Verteilungsplanes eingetret-nen Veränderungen infolge Errichtung neuer Schulstellen, Auf- lö'ung oder Umwandlung bestehender Schulstellen, weifte bei der Fe'lsetzung der Beiträge noch nicht oder nickt mehr be« rücksichügt werden konnten, werden im Rechnungsjahre 1910 durch besondere Verfügungen geregelt werden.

Hanau den 22. März 1910.

V1827

Der Königliche Landrat.

Frhr. Laur.

Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 91 Nr. 2 der Ausf.-Anweisung vom 25. Juli 1906 zum Eink.- ®ef. veranlasse ich die Herren Bürgermeister rc., die erfordern lich w-rdenden Ausfälligen über Einkommen« und Er-

Das Palsiaiisspitl in Oberammergau.

Von Dr. Heinz Stivanus.

Nach zehnjähriger Pause rüsten sich in diesem Jahre die braven Oberammergauer wieder zur Aufführung der welt­berühmten Passionsspiele.

Bei allen Völkern ist das Drama ursprünglich religiöser Art, es bat sich aus den religiösen Anschauungen, ja aus dem Kultus selbst heraus entwickelt. Bei uns Teutschen ist dasselbe im Mittelalter noch in seinen Anfängen begriffen und deshalb in jener Zeit ausschließlich noch religiöser Natur. Da wurden alle großen Tage der Kirche dramatisch gefeiert nach dem Vorgänge und teilweise auf Grundlage der fird)« sichen Liturgie. Solche Vergegenwärtigung der Festgeschichte nannte man „Spiele". Da haben wir Weihnacht»-, Passions-, Oster- und auch einige Fronleichnamsspiele. Das berührn« teste aller dieser geistlichen Spiele, das noch jetzt aufgeführt wird und in neuerer Zeit die Blicke der ganzen gebildeten Welt auf sich gezogen hat, ist das Passionsspiel in Ober- ammergau.

Oberammergau liegt südlich von München in den bayerischen Alpen, in der Mitte etwa zwischen Hohen­schwangau und Partenkirchen, wenige Stunden von der Grenze Tirols. Gewaltige Berge, welche die selbst in be­deutender Höhe liegende Talebene rings umschließeen, haben es abgeschieden von der übrigen Welt; und wenn diese alle zehn Jahre, wenn das Passiönsspiel stattfindet, lärmend her­einbrausen will, legt sich das Getöse sogleich unter dem Ein­druck des Friedens, den dies Stückchen Erde atmet, sowie der schlichten Einfalt, bte aus dem Bilde des Dörfchens spricht und alle Erwartungen derjenigen niederschlägt, die doch etwa? von einem weltlichen Schaugepränge zu finden gehofft hatten. Und tritt man dann hinein in die sauberen einladenden Häuser oder sonst unter die Bewohner, so wird man von neuem wunderbar berührt durch den Kontrast zwischen der Schlichtheit dieser Leute und der Höhe ihrer Aufgabe. Diese fleißigen Bildschnitzer voll dörfischer Naiv ität, ungewandt und fast befangen im Ausdruck, so in nichts unterschieden von den Be-

Samstag den 26. März

gânmngssteuer im laufenden Jahre in doppelter Aus­fertigung nebst Unterlagen sPsändnngSproto^olle, Versteige« rungSprotokolle usw.) am Schluffe dieses Monats der Königl. Kreiskaffe einzure'chen.

Hanau den 23. März 1910.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer - Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 560 Z. V.: vr. v. Waldo w.

Den Herren Bürgermeistern und GutSvorstehern deS Ver- anlagungsbezirkS bringe ich meine Bekanntmachung vom 13. März 1909, St 722, in Nr. 62 u. 63 des „Han. Anz.", in Erinnerung, wonach etwaige Amräge auf NteV-r- fchsaaung von Steuern solcher Steuerpflichtigen, deren Aufenthalt nicht zu ermitteln ist usw., mir bis zum 20. März jeden Iseres vorzulegen sind.

Das Versäumte ist alsbald nachzuholen.

Hanau den 22. März 1910.

Der Vorsitzende

der Einkommenstener-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 559 J. D.: Dr. v. Waldo w.

Nach Mitteilung des Großherzoglich-Hessischen Kreisamts in Büd ngen wird die Straße Altwiedermuß- Diebach wegen Vornahme von Walzarbesten in der Zeit vom 20. Mai bis 2 Juni l IS- für jeden Fuhrwerksverkehr ge­sperrt.

Hanau den 22. März 1910.

Der Königliche Landrat.

V 1842 Frhr. Laur.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung.

Der Verkauf der Schlachtscheine findet vom L April 1910 ab nicht mehr auf der Hemvage, sondern in der städtischen Steuerkasse, Rathaus, gludjer Erde statt.

Hanau den 22. März 1910.

Der Magistrat.

Hild. 7367

Bekanntmachung.

Gemäß S 7 Absatz 2 und § 8 des Statuts vom 28. Juni 1884 (Bürgerbuck Seite 112) ist durch Beschluß der S'adtv-r^rdneten-Versammlung vom 17 Februar 1910 an wohnern aller übrigen Dörfer ringsum als etwa durch größere Treub"rzigkeit, wohltuendere Schlichtheit und das lang« gelockte Haar, das der größte Teil auch der männlichen Jugend als eigentümlichen Schmuck trägt, — wie wollen sie imstande sein, fragt man sich erstaunt, den Rollen jener er­schütternden Begebenheiten der Weltgeschichte gerecht zu werden? Die Leitung des ganzen Spiels ist einem Aus­schuß anvertraut, die Besetzung der Rollen erfolgt durch diesen, die Hauptrollen vererben sich wie Ehrenämter in ge­wissen Familien.

Auch- das Theater, einem roh gezimmerten ZirkuS ver­gleichbar, ist äußerst schlickt. Und doch ist es etwas ganz Außerordentliches, das geboten wird. Das sagt schon die endlose Karawane von Fußgängern und Wagen aller Art, die schon Tage vorher von morgens früh bis tief in die Nacht in das Dorf hineinwogt, daß bald kein Platz in den Häusern, Scheunen und Ställen vorhanden ist, der nicht ytr Herberge hergerichtet wäre, nicht wenige der herbeigeströmten Gäste aber in ihrem Gefährt oder unter freiem Himmel zu kampieren genötigt sind.

Ein großer Zapfenstreich des Dorfmusikkorps, desselben, daS das Orchester während der Aufführung bildet, hat das Fest am Vorabend eingeleitet, Böllerschüsse eröffnen es am Festmorgen; denn in der Tat können die Oberammergauer Passionsspiele als religiöse Volksfeste bezeichnet werden. Schon um 6 Uhr ist daS Theater fast gefüllt, und doch be­ginnt das Spiel erst um 8 Uhr und endet nicht vor 5 Uhr nachmittags. Ueber 6000 Zuschauer decken die P ätze, und fort und fort strömt es zu; was nock untergebracht werden kann, wird noch bereingekbobeu, der Rest auf Wiederholung des Spiels am nächsten Tage vertröstet. Mit dieser Staffage hat nun freilich der Schauplatz ein imponierende? Aussehen gewonnen; das bunte Schauspiel der flutenden Menge, die zur Hälfte aus bayerischem und tiro'er Landvolk, zur Halste auS Touristen aller Länder und jedes Standes vom Fürsten bis zum schlichten Bürgersmann zusammengesetzt ist, scheint allein schon eine Reise wert.

Zug'eich erhält ein Stück antiken Leben? Wahrheit; man steht sich in das altgriechische Theater verletzt. Daran er- innert auch die Bühne, die an den ‘••«ben äußersten Seiten

flernsprechanschlus; Nr. 605. 1910

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Stelle des ausscheidenden Herrn Georg Deines Her Friedrich Kreuter für die Dauer der Wahlperiode — Junk 1911 — als Mitglied aus der Bürgerschaft in die Althanauer Deputation gewählt worden.

Gegen das fiattgehabte Wahlverfahren kann nach $ 29 Abs. 2 der Städte Ordnung vom 24. August 1897 von jedem stimmberechtigten Bürger innerhalb zweier Wochen bei unS Einspruch erhoben werden.

Hanau den 19. März 1910.

Der Magistrat.

Bode. 7497

Bekanntmachung

Die Heberollen über die von den Unternehmern land- unb forstwirtsckaülicker Betriebe des Stadtkreises Hanau und des OrtSbezirks Hanau-Keffeistadt zu zahlenden Beträge für das Jahr 1909 liegen in der Zest vom 1. bis 15 Aprik 1910 zur Einsicht der Beteiligten bei der hiesigen Stadt­hauptkaffe aus.

Gleichzeitig findet die Erhebung der Beiträge auf Grund der §S 111 ff. des U.-D.-G. für Land- und Forstwirtschaft vom 30. Juni 1900 statt.

Hanau den 22. März 1910.

Heffen-Naffauische landwirtschaftliche Derufsgenoffenschaft Sektion Hanau, Stadt.

Hild. 7499

Gewerbliche Fortbildungsschule.

Der Unterricht de» neuen Schuljahrs beginnt am Donnerstag den 7. April 1910. Die Neuanmeldungen sind in der Zeit vom 31. März bis 6 April im Schulgebäude Erbseirgasse 3/5 zu bewirken.

Derpflicktet zum Schulbesuche sind alle im Bezirk der Stadt Hanau beschäftigten noch nicht 18 Jahre alten gewerb­lichen Arbeiter, auch bte nur probeweise angenommenen Lehrlinge.

Die Anmeldungen für den freiwilligen Unterricht sowohl für das Zeichnen der Schulknaben am Mittwoch und SamS- tag nachmittag, als auch für den über die Ziele der Pflicht- Fortbildungsschule hinausgehenden Tages- und Abend­unterricht haben vor dem Schulbeginn zu erfolgen.

Hanau den 26. März 1910.

Der Direktor der qewerbl. Fortbildungsschule.

Geißler. 7503

Gefunden im Rathaus-Durchgang: 1 Türdrücker. Abzuholen auf dem Geschâftsttmmer der Armenverwaltung.

Hanau den 24. März 1910. 74 5

als ständige, stets offene Dekorationen den Einblick in je eine Straße von Jerusalem und ihre dahinter sich öffnenden Seitengäßchen zeigt. Die Mitte nimmt ein aus Holz er­richteter Palastbau ein, der zu beiden Seiten eine Pforte und darüber einen Balkon hat, besten Milte, durch einen Vor­hang verdeckt, die eigentliche Bühne im engeren Sinne birgt, die je nach Bedürfnis mit neuen Dekorationen einen neuen Schauplatz darstellt. Hinter den vordersten Pfeilern deS Proszeniums tritt der Chor hervor, der sich auf dem Vorder­gründe des ganzen sehr weiten BühnenraumeS bewegt.

Den Chor, besten Kostüm für beide Geschlechter in langen verschieden'arbigen Ober- und Untergewändern, Sandalen und einfachem Diadem besteht, nennen die Oberammergauer allerdings nicht Chor, sondern Schutzgeister oder Genien, den Chor'ührer aber Sprecher. Sie haben die Aufgabe, mit ihrem Gesänge die einzelnen Abschnitte der Handlung einzu­leiten, die dargestellten Bilder zu erklären, überhaupt die einzelnen Teile des Spiels in Verbindung zu bringen. Und diesen idealen Charakter weiß der Shor vortrefflich zu wahren, während der Chorflihrer seine Rolle, die offenbar eine der schwierigsten und anstrengendsten ist, mit wahrhaft priesterlicher Würde und zugleich königlichem Anstande durch­führt.

Noch während des Prolog? hebt sich der Vorhang der Mittelbühne, und man gewahrt als erstes der lebenden Bilder, die sich durch die ganze Handlung hindurchziehen, die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradiese. Es weist auf den innerlichen Zusammenhang deS Erlösungs­werkes mit der alttestamentlichen Geschichte hin; denn das ist die Zweiteilung der ganzen folgenden Darstellung. Den Kern und die Mitte bildet die neutestamentliche Haupt- Handlung, die dialogische Darstellung der Leidensgeschichte Christi, die schlechthin die Handlung genannt wird. Zwischen diese hindurch schlingt sich eine große Zahl von lebenden Bildern aus der alttestamentlichen Geschichte die sogenannten Vorbilder. Beide Gruppen, die den qemein- schaftlichen Namen der Vorstellt, nqen tragen, umschNeßt im Allensatz dazu alS ein drittes, 'selbständiges Element der Chorgesang der Schutzgeister.

Die neutestamentliche dramatische Handlung wird mm in