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General-Anzeiger
Amllilhes Organ für Statt« und Landkreis Kanan.
Ericheirtt täglich mit Ausnahme der Sonn- mu Feiertage, mit belletristischer Beilage.
BerasiwsrÜ. SUbafteut: G. 64te<et in (tM*
Nr. 62
Fernspttchairschlich Nr. 605
Dienstag den 15. März
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Fernsprechanschlnf; Nr. 605. 1910
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Amtliches.
Landkreis Ranau.
Mit Bezug auf die Bestimmung im Artikel 881 der
Auss.-Auwsg. vom 25. Juli 1906 zum Eink.-Gesetz veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvolsteher, die für das II. Halbjahr 1909 fälligen Eittkommen- und Ergänz,mgsfte«er-Ztt-«ndAbgangslistett mit den zur Begründung der Zu- und Abgänge gehörigen Be- lägen spätestens bis zum 20. d Mts einzuteichen. Im übrigen verweise ich wegen der Aufstellung rc. der Listen auf die Bestimmungen im Artikel 83—88 der genannten ministeriellen Anweisung und meine Verfügung vom 7. September 1908, St 2838, abgedruckt in Nr. 210 des ^Han. Anz." von 1908.
Hanau den 12. März 1910.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission
St 478
für den Landkreis .Hanau.
I. V.: Dr. v. Waldow.
Stadtkreis Fjanau
Bekanntmachnng.
Die Polizeiverordnung vom 23. Januar 1894, betr. das Ein sperren der Tauben zur Saatreit, wird mit dem Bemerken in Erinnerung gebracht, daß sämtliche Tauben mit Ausnahme der Plautauben, Römer, Malteser, Carriers, engl. und franz. Kröpfer, Perücken, Show-Antiverps und Brünner vom 15. März bis 15. April -. I. eingesperrt zu halten sind.
Hanau den 11. März 1910.
Städtische PolizeiverwaÜung, Der Oberbürgermeister.
J. V.: Hild. 6431
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Bekanntmachung
Die nach der Ordnung über die Erhebung einer Gemeindesteuer von Fleisch, Wild und Geflügel für den Bezirk der Stadt Hanau vom 22. August 1899 seither erhobene Gemeindesteuer aus Vieh, Fleisch, Fleischwaren und Fett kommt vom 1. April 1910 in Wegfall.
Vom gleichen Zeitpunkt ab ist das nach der erwähnten Ordnung weiter zu versteuernde Wild und Geflügel nicht mehr an den bisherigen Anmeldestellen in der Vorstadt, an der Wilh^lmsbnicke, am Nürnberger-, Steinheimer- und
Paul Heyse.
Zu seinem 80. Geburtstage, 15 März 1010.
Von Carl Kohlhepp.
Die berühmte Münchener Tafelrunde deS Königs Max, die nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen starken Einfluß auf das gesamte literarische Deutschland hatte, ist zusammengeschmolzen dis auf einen letzten Gast, der heute als Achtzigjähriger noch lächelnd seinen Fenpokal heben darf, in dem sich ein überaus reiches Dichter- und Menschenleben spiegelt. Kein Müdegewordener, Verdrossener ist's. der seinen Ruhm überlebt; der unerbittliche Zeitstrom hat kaum ein paar Blätter auS seinem Kranz gerissen und die gewaltige Springflut der naturalistischen Bewegung in den Achtziger Jahren hat wohl in grimmigem Eifer den ihr im Herzen feindlich Gesinnten übersprühen, aber keineswegs aus der Literatur fortschwennnen können. Freilich die rauschenden Erfolge aus Heyses Jugend- und Mannesjahren gehören der Vergangenheit an, aber ihr Echo ist noch heute lebendig, und die unermüdliche Feder des Ewigjungen behauptet ungeschwächt ihren Rang und Ruf, von seniler Unzulänglichkeit so wenig beeinträchtigt wie von liebedienerischen Konzessionen an den Modegeschmack. Hinter dem Dichter Heyse steht immer aufrecht und unbeirrbar der herzenswarme, seelenstarke Mensch mit der prächtig strengen Charakterlinie, die etwas erhaben Goel hisches hat, das zur Bewunderung zwingt. Wir Heutigen verehren den Meister nicht mehr bedingungslos, wie eine frühere Generation, wir schätzen aber die wirklich große und unvergängliche Seite seiner Kunst mit umso stärkerer Ueber« Zeugung.
Paul Heyse ist uns vor allem der Klassiker der Novellen. Was er da geschaffen, von der unvergleichlichen „Arrabiata" bis zu den „Novellen vom Gardasee", kann weder in der Literatur noch in der Gunst des Volkes untergehen. Wenn auch manchmal von der von ihm selbst ausgestellten Forderung des altitalienischen Prinzips: jede gute Novelle müsse ihren „Falken" haben, abweichend, erfüllen sie doch immer die ureigenste Ausgabe, dieser Dichtungsgattung, nämlich besondere Schicksale ungewöhnlicher Menschen in
Kanaltor, sondern auf der H e u w a g e während der Dienst- stunden zur Versteuerung an zumelden.
Hanau den 10. März 1910.
Der Magistrat.
Hild. 6397
Im Namen des Königs.
In der Privatklagesache des Landwirts Wilhelm V i e l VIIT. in Rückingen, Privatklägers, vertreten durch Rechtsanwalt Hönnghoff in Langenselbold, gegen den Landwirt Karl Gottlieb Richter in Rückingen, geb. am 4. Februar 1861 in Lißberg, Kreis Büdingen, evangelisch, Angeklagten, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Langenselbold in der Sitzung vom 12. Januar 1910, an welcher teilgenommen haben:
Amtsrichter Hess e, als Vorsitzender, Heinrich Wilh. Tag, Landwirt, Ravolzhausen, Valentin Habermann, Landwirt, Hüttengesäß, als Schöffen,
Justizanwärter Müller, al» Gerichtsschreiber, für Recht erkannt:
Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Geldstrafe von 5 — fünf — Mark, an deren Stelle im Falle der Uneinzieh^arkeit ein Tag Gefängnis tritt, sowie in die grämten Kosten de» Verfahren» verurteilt.
Dem Privatkläger wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angeklagten auf dessen Kosten durch einmalige Einrückung der Urteilssormel in den „Hanauer Anzeiger" binnen 4 Wochen nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils öffentlich bekannt zu machen.
gez- Hesse.
Au»g,fertigt
Langenselbold den 8. Februar 1910.
(L. S.) Krah I, 6399
Gerichtsschreiber deS Königs. Amtsgericht».
Gefiiildciit und verlorene Kcgciistöiide rc.
Gefunden: 1 Segeltuch-Handtasche mit schmutziger Wâ'che (in einer Droschke liegen geblieben), 1 Brille mit Scheide, 1 gelbe Brosche mit Sim'listeinchen, 1 braunes Portemonnaie mit 1 Mk., 1 brauner Pelz-Doa.
Verloren: 1 schwarzer Damenaürtel mit Silberschnalle.
Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund (hinkt auf einem BeinX
Hanau den 15. März 1910.
eigenartigem Gewände zu behandeln. „Seelenanalysen" sind es immer, aber niemals mit doktrinärem oder gar pedantischem Einschlag. Seelengemälde mit so leuchtenden und doch immer vornehmen Farben, mit einer Glut und Tiefe deS Ausdrucks, einer-so rastlosen Erschöpfung deS Wortes, wie wir's nur bei den paar ganz Großen und selbst da nicht immer ebenbürtig wiederfinden. Wir sehen bei Heyke eine souveräne Beherrschung der Sprache, die ohne jedes Virtuosentum immer ihre Höhen behauptet und ohne Zweifel die vielfach gezogene Parallele mit Goethescher Sprachkunst rechtfertigt. Weit über hundert Novellen hat der Dichter geschrieben und kaum eine ist darunter, die nicht vor dem höchsten Forum zu bestehen vermöchte.
Als Zwenmdzwanzigjähriger trat Heyse mit der schon erwähnten und vielleicht nie mehr überbotenen „Arrabiata" hervor, die schon einem Mörike Bewunderung abzwang. Aus der langen Folge der weiter erschienenen Novellen seien nur einige wenige Herausgegriffen : Die prächtige venezianische „Andrea Delfin", die ganz eigenartige, auS dem gewöhn- liegen Nahmen vollständig heraustretende „Der letzte Centaur", „DaS Mädchen von Treppi", „Die Reise nach dem Glück" u. a. Mit Vorliebe verlegt der Dichter seine novellistischen Schöpfungen in seine zweite Heimat: sein geliebtes Italien, dem er ein unermüdlicher Fürsprecher ist und dessen charakteristische Eigenheiten er mit seinem Verstehen aufleben läßt. Literarisch und poetisch am wertvollsten sind wohl seine Novellen in Versen, die in der Gesamtausaabe zwei stattliche Bände füllen. Hier ist am vollkommensten erreicht, waS als höchste Forderung für alles poetische Schaffen gilt: Form und Gedanken so restlos mit einander zu verschmelzen, daß die Gestaltgebung am Stoff nicht mehr nachzuweisen ist. In dieser aparten, leider wenig gepflegten Kunstgattung ist Hl'yse unbestrittener Meister. „Die Brüder," „Rasael", „Die Furie", „Syritha", „Madonna im Oelwnid" und die ganz unübertreffliche, so einfache und packende Terzinendichtuug „Der Salamander" gehören zu den schönsten Schöpfungen novellistischer Poesie.
In der Cturmperiode des Naturalismus, als kampfhitzig die „Umwertung aller literarischen Werte" begann, hat man versucht, Heyse als weichlichen „Frauendichter" verächtlich ab
PolitiTcbe Rundschau.
Der Entwurf zur ReichsverftcherungSord» NttNg. Der Entwurf zu einer Reichsversicherungsordnung, der gestern dem Reichstage zugegangen ist, steht bei der In- valideuversiche'ung, um den Wünschen deS Mittelstände» ent- gegenzukommen, die Einführung der sogenannten freiwilligen Zniatzversicherung vor. Danach kann jeder Versickerungs- pflichlige und jeher Versicherungsberechtigte die ihm auf Grund des Gesetzes an sich zustehenden Leistungen dadurch erhöhen, daß er jederzeit und in beliebiger Zahl Zusatz- marken einer beliebigen Versicherungsanstalt in seine Quittungskarle einflebf. Von besonderer Bedeutung ist weiter die Einführung der Witwen- und Waisenversicherung; sie erstreckt sich auf die Versicherung aller gegen Invalidität versicherten Personen und gewährt Witwen — in Ausnahmefällen auch Witwern — Renten, sowie Waisenrenten, Witwengeld und WaisenauSsteuer. Voraussetzung für die Gewährung von Hinterbliebenenbezügen ist, daß der verstorbene Ernährer zurzeit des Tode» Invalidenrente bezogen oder die Voraussetzung dafür in seiner Person erfüllt hatte. Nach dem Tode des Versicherten erhalten Invaliden und Witwen eine Witwenrente und Kinder bi» zum vollendeten 15. Lebensjahre eine Waisenrente. Uneheliche Kinder sind bei dem Tode der versicherten Mutter, auch wenn der Vater noch lebt, zur Waisenrente berechtigt, dagegen haben die ehelichen Kinder, wenn der Vater noch lebt, in der Regel keinen Anspruch auf Waisenbezüge. Einmalige Kapitalzahlungen, Witwengeld und Waisensteuer sollen Witwen und Waisen auS solchen Ehen erhalten, in denen nicht nur der Ehemann, sondern auch die Ehefrau Beiträge zur Invalidenversicherung geleistet haben. Die festen Reichszuschüsse betragen für jede Witwenrente 50 Mark, für jede Waisenrente 25 Mark jährlich ; die Renten sind so zu bemessen, daß sie- in Lohnklasse 4 — etwa 1000 Mark Lohn jährlich — nach 1500 Beitragswochen betragen Invalidenrente 290 Mark 40 Pfg., Witwenrente 122 Mark 40 Pfg. und Waisenrente für ein Ktnd 61 Mark 20 Pfg.
Für die Besserung der Lage der Landwirt» schaft liefern Uebersichten über Domänenverpachiungen, die daS Landwirtschaftsministcrium dem Abgeordnetenhaus« zugestellt hat, erfreuliche Beweise. Im Jahre 1909 sind in Preußen im ganzen 26 Domänen mit einer Fläche von 9721 Hektar neu verpachtet worden. Sie waren bis dahin in der Anfang der 90er Jahre beginnenden Pachtperiode zu einem Pachtpreis von 447 580 Mk. verpachtet gewesen, ergeben aber jetzt bei ihrer Neuverpachtung einen Pachtzins von 491 7 34 Mk., also 44 154 Mk. mehr als in der ab« gelaufenen Pachtperiode. Nur 6 von diesen 26 Domänen brachten bei der Neuv-rpachtung einen geringeren Pachtzins.
zutun. Die Abgeklärtheit seiner Form und seine vornehme, nie effektgierige @eftaltnng§hmft hatten Rückgrat genug, um aus allen Anfeindungen unbeschadet hervorzugehen. Heyse hat einmal feine ganze Meinung über seine Widersacher in den seinen Spruch gegossen:
Wenn aller Raketenspuk verweht.
Der hoch ergötzt die lieben Kleinen, Dann werden in stiller Majestät Die alten ewigen Sterne scheinen.
Nächst dem Novellisten spricht uns Heyse besonder» als L y r i k e r an. In seinen gesammelten Gedichten nehmen die allzu persönlichen und Gelegenheitsgedichte gewiß einen zu breiten Raum ein; daneben finden wir aber nicht wenige feine, zarte, liedhafte lyrische Schöpfungen in konzisester Form, in einer tiefen Stunde kristallisierte Empfindungen, die uns unverkennbar als innere Erlebnisse ansprechen. Wie sein und prägnant ist z. B. die eine Strophe:
Euch ist die Welt so viel l Mir gilt sie nur geringe, Gleich einem goldnen Ringe,
• Aus dem die Perle fiel.
Und dann die „Tristien" überschriebenen erschütternden Totenlieder. diese erhabenen Zeugen eines heißen Schmerzes um die trüb verlorenen Kinder, der sich dem Leihzerwühlten in Terzinen von wunderbarer Schönheit löste. In der Wage der Unsterblichkeit werden diese Schöpfungen wohl ant schwersten wiegen.
Von Heyses acht Romanen sind nur zwei in weitere Kreise gedrungen : „Die Kinder der Welt" und „Im Paradiese". Die Innerlichkeit seiner künstlerischen Natur und seine Abneigung gegen das Einfangen einer Idee im Okular seiner Lebensanschauung sind der Tätigkeit auf diesem Gebiete nicht günstig, doch darf nicht verkannt werden, daß auch die fdnuäcberen unter seinen Romanen in Einzelzügen große poetische Schönheiten aufweisen und stilistisch immer auf achtunggebietender Höhe bleiben.
Als Dramendichter hat Heyse nicht viel Glück gehabt, obgleich das Verzeichnis seiner dramatischen Werke an fünfzig Titel ausweist. „Hans Lange",. „Colberg", „Alkibiades" «Maria von Magdala" sind allerdings geschickt aufgebaut
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