Erstes Blatt.
»ezvgSpreiS:
BitrtdiSfirlt» 1,80 IRL monatlich 60 M-., Hit ™i« l»äxtige Abonnenten mit dem bürel enden Postauffchiag.
Die eutzeine Nummer testet 10 Pfg.
—
®eteti»nlbni(f und vertaq der Buchdruckerei frei verein, n. Waiienhauie» in Hanau.
Gcneral-Anzeißtr
Amliiches Grges für SUM- m) fetikrtis giwi.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrâcknngSg^Lhx t
Dir Lufgesv-rtten« Detüreile ober deren Raum 20 M» im Aektameruâl die Seile to ^
Berarrtwsrü. Redakteur: 0. Schrecker la $«*&
Nr. 60
ftmifyredimtfdihif; Nr. <»05.
Sümstlig heu 12. März
Fern sprech« « schirrst Nr. 605. 1910
Sie 6 tnliof Kummer nmfult unütt IdhitrSnto^Md)
34 Seiten.
Hierz«
Amtliche Beilnne Nr. 3"
Amtliches.
Landkreis Ranau.
In der Gemarkung Roßdorf ist die Schweineseuche verloschen.
Hanau den 11. März 1910.
V 1584
Der Königliche Landrat.
I. V.: Dr. v. Waldow.
Gefundene mih verlorene Gcncnstände re.
Gefunden: 1 dunkelgrünes Mäppchen mit Schüler- ! I Utensilien. . .
Verloren: 1 blau^eidener Damengürtel, 1 goldene Man'chettenknopfplaite mit rotem Stein, 1 Damenlederiä'chchen (mit Portemonnaie mit einem Zwanzigmarkstück und etwas Kleingeld und 1 weißes Taschentuch gez. O. Z.).
Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer Spitz m. Geschl., I grauer Wolfshund m. Geichl.
Hanau den 12. März 1910.
'e
Momiicne nunaimau*
Der rheinische Provinziallandtag nahm in seiner gestrigen S'tzung einen Beschluß an, in dem anerkannt wird, daß das geplante Wasserstraßengesetz geeignet sei, ein besondere, Talsperrengesetz für die westlichen Provinzen zu ersetzen, und in dem weiter die Nolwendigk it betont wird, daß »an den Erlaß eines solchen Talsperrenaesetzes gedacht werden müsse, wenn das Wasserstraßenge eß 1911 im Landtag nicht verabschiedet werden sollte.
In der Sitzung der Budgetkommission des Reichstages wis Unterstaatssekreiâr Dr. Slemrich wiederum verschiedene Einwände zurück, die gegen die Politik der Regierung in Sachen der Mannesmann - Konzession erhoben worden waren. Die Regierung hielt an der Erfordernis der Publikation für die Rechtsgültigkeit eines Gesetzes immer fest e und zwar komme die Publikation für die Europäer in Frage. Die Mannesmann'sche Urkunde mit dem Bagdadbahnvertrag zu vergleichen, der allen rechtlichen Anforderungen entspreche, gehe nicht an. Die französische Regierung beob chte gegen- i über den Monopolbestrebungen dieselbe Haltung wie die deutsche; auch Spanien fügte sich bezüglich der Rifminen dem deutschen Standpunkte. Die Ansichten über den Wert der marokkanischen Minenschätze gingen diametral auseinander, aber eine Gesellschaft, die 60 000 Quadratkilometer bean- ' spruche, würde jedenfalls das Recht auf freien Wettbewerb illusorisch machen. Die Verhandlungen über das Berggesetz würden nach Ostern wieder ausgenommen. Alsdann gab : ■ Freiherr v. Schön im Auftrage des Reichskanzlers folgende Erklärung ab : Das Auswärtige Amt hält an der Rechis- auffassung fest, die seiner Behandlung der deutschen Berg- n werksinteressen in Marokto zu Grunde lag. Diesen Interessen wird innerhalb des durch internaiionale Verträge und Abmachungen gegebenen Rahmens um so ausdrücklicher Schutz und Förderung gewährt werden können, je mehr die deutschen Interessenten mit der Reichsregierung bei deren weiteren Bemühungen Hand in Hand gehen. Rach der Erklärung des Staatssekretärs wurde aus der Mitte der Kommi sion erklärt, man solle jetzt mit der Sache zu Ende kommen. Der Reichstag und die Budgetkommission dürften sich nicht für irgend eine Jnteressentengruppe engagieren. Die Frage sei lediglich die, ob das Auswärtige Amt seine Pflicht getan habe. Dann äußerte sich der Staatssekretär noch zu der von mehreren Seiten erwähnten Zeitungsnachricht, die österreichische und spanische Regierung hätten sich der deutschen gegenüber bereit erklärt, für die Unanfechtbarkeit der Mannesmannkonzession einzutr-ten, sobald die deutsche Regierung die Sache der Gebrüder Mannesmann zur ihrgen mache. Der Staatssekretär erklärte diese Nachricht für unbegründet. Der Vorsitzende Frhr. v. Gamp konstatierte hierauf zum Schluß, daß eine Einigung erzielt worden sei und daß die Koinmi'- sion die Erwartung hege, daß das Auswärtige Amt die großen wirnchaftlichen Interessen, die in Frage stehen, nachdrücklich wahren wird. Damit ist die Mannesmann-Ange- legenhert erledigt. Die Kommission ging sodann zur Bera
tung des Etats des Auswärtigen Amts über. An Reisekosten wurden 13 000 Mark gestrichen. Bei dem Kapitel „Geiandtschasien und Konsulate" ivu'den von Tagegeldern und Fuhrkosten 20 000 Mark gestrichen. Die weiteren der Kommission überwiesenen Titel wurden genehmigt. Der Vorsitzende erklärte noch, die Pressemeldungen, daß infolge der Abstriche der Budgetkomm ssion am Marine-Etat Ar- beiterentlassungen in Kiel nölig würden, seien durchaus un- bezründet. Nur an persönlichen Ausgaben seien Abstriche vorgenommen worden. Dagegen hat die Marineverwaltung tatsächlich noch eine Million Mark mehr zur Verfügung als im Vorjahre.
Weitere „Politische Rundschau" im vierten Blatt.
Hus Ranau Stadt und Cand.
Hana«, 12. März.
* Zur Vermeidung von Weiterungen weisen wir daraufhin, daß an dem Vorabend zu Ostern sowie i n der ganzen Karwoche weder öffentliche, noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten in öffentlichen Lokalen nicht veranstaltet werden dürfen. Am Karfreitage dürfen außerdem auch öffentliche theatralische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige öffentliche Lustbarkeiten mit Ausnahme der Aufführung ernster Musikstücke (Oratorien re) nicht staUsinden.
* Eisenbahnpersonalien. Eisenbahn • Assistent Gauckler vom Ostbahnhof hier ist zum Bahnhofsvorsteher befördert und zum 1. April d. J. nach Jossa versetzt. — Eisenbahn - Assistent Glaeser vom Ostbahnhof hier ist zum Bahnhofsvorsteher befördert. - Eisenbahn - Assistent Naumann vom 'Ostbahnhof hier ist zum 1. März d. J. als Babnbofsverwalter nach Flieden versetzt.
* Oralorien-Verein. Das a m Dienstag den 15. März stattfindende Konzert beginnt um 7 V2 U br. — Die Generalprobe am Montag nimmt ihren Anfang um 7 Uhr.
* Stadttheater. Auf die heutige Aufführung von Ludwig Thomas lustiger satyrischer Komödie: „Moral" sei nochmals hingewieieu. Die Vorstellung findet bei kleinen Preisen statt und beginnt um 8 Uhr. — Morgen Sonntag, nachmittags 1/s4 Uhr, wird die erfolgreiche Operette: „Der fidele Bauer" nochmals bei ermäßigten Preisen in Szene gehen und abends ^28 Uhr gelangt Felix Philipp's wirkungs- volles Schau'piel: „Das große Licht" neu einstudiert zur Aufführung. Stets hat man den Werken des bekannten Schtiftstellers ein besonderes Interesse entgegengebracht und dürfte auch das Schauspiel: „Das große Licht", eines seiner besten Stücke, wieder eine beifällige Aufnahme finden. Mit seiner fesselnden Handlung und feinen packenden dramatischen Szenen hat sich das Werk stets als besonders bühnenwirksam ertpiejen und wird seinen Hörern auch jetzt wieder einen genußreichen Theaterabend bereiten. Die Regie führt Herr Hellmuth. Die Vorstellung findet im Abonnement C statt.
* Gastspiel Irene Triesch. Ein besonders interessantes Gast'piel steht uns am Freitag nächster Woche bevor. Die geniale Künstlerin Frau Irene Triesch wird als „Nora" ein einmaliges Gast'piel absolvieren.
* Auèverkairst ?! In letzter Zeit kursierte bei einzelnen Vorstellungen mehrfach in der Stadt das Gerücht, ba3 Theater sei „ausverkauft", während jedoch an der Theaterkasse noch fast alle Dillelsorien zu haben waren. Es sind durch dieses Gerücht viele abgehalten worden, das Thecuer zu besuchen und e» pfiehlt es sich da^er, an der Kasse, die täglich von 11 — 1 Uhr und 4—5 Uhr geöffnet ist, nachzufragen, welke Plätze noch zu haben sind.
* P rroiem«sik. Die Ulanenkapelle wird morgen mittag im Schloßgarten folgende Snicke spielen: „Auf hoher Warte", Preismarsch von C. Gageur; Siegmunds Liebes-, gelang a. d. „Walküre" von R Wagner; „Die Jungfrau von Belleville", Walzer von A. Millöcker; „Anona", Charakterstück von A. Grey; „Kosaken - Patrouille" von E. Rüdiger.
* Unredlicher Hattsbursche. Ein bei einem hiesigen Bäckermeister beichä'tigier Hausourebe unierichlug Kundengelder für Back varen im Betrage von 20 Mk. Der Haus- bnr'che wurde, da seine Entlassung sofort erfo'gte uns er ohne festen Wohnsitz war, in Haft genommen.
* Zttlammen'fotz. Ein bayerisches Automobil durchquerte gestern nachmittag den Paradeplatz. Von den Um- stehenden auf das Verbotnndrige dieses Fahrens aufmerksam gema-bt, bog der Lenker des Automobils in schnellem Tempo in die Fahrstraße ein und stieß an d.r Ecke Markip'atz mit • einem Wagen der elektrischen Straß.nbahn zusammen. Glück
licherweise verlief dieser Zusammenstoß ohne besonders nach teilige Folgen, nur kleine Beschädigungen der Fahrzeug sind einaetreten.
* Tonbild- und Kinematographen - Theater Ecke Bangertstrahe. Auf das dieswöchentliche vorzüg I che Programm (siche Inseratenteil) weisen wir empfehlend hin
• 1. Hanauer Fußballklub 1893. Nach dem morgen nachmittag stattfindenden Spiel der 1. Mannschaft wird die 3. Mannschaft gegen die gleiche des Offenbacher Fußballklub 1899 antreten.
[] Niederrodenbach, 12. März. (Vortrag.) An dieser Stelle fei nochmals auf den morgen Sonntag abend 8 Uhr im Saale „Zum Löwen" stattfindenden Vortrag bei Ausschusses für Volksvorlesungen über „China, Land und Leute" (Referent Herr Pfarrer F l a d aus Frankfurt a. M.) hingeiviesen. Der Vortragende war früher als Missionar in China und hat die zur Vorführung kommenden Lichtbilder selbst an Ort und Stelle ausgenommen.
Weitere Berichte „Aus Stavt und Laud" im zweiten Blatt.
Oeffcntlichcr Wetterdienst. Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt a. M voraussichtliche Witterung für vie Jeit vom Abeuv des 11. März bis zum nächsten Abend.
Zur Zeit mild, trübe, regnerisch, später Uebergang zum Kälterückfall.
Hus Dab und fern.
C. Offenbach, 12. März. (Telegramm.) Der israelitische Händler Lederberger, der wie von uns seinerzeit berichtet wurde, einen umfangreichen Handel mit Wandergewerbescheinen betrieb, der ihm ein beträchtliches Vermögen eingebracht haben soll, wurde nach 5stündiger Verhandlung mangels genügender Beweise freigesprochen, obwohl es nach den Ausführungen des Verhandlungsleiters ohne Zweifel ist, daß Lederberger sein gemeingefährliches Tun schon Jahre lang treibt. Die mitangeklagte Ehefrau und Tochter wurden ebenfalls freigesprochen. Zwei Frauen aus Wiesbaden, die der Beihilfe angeklagt waren, wurden wegen Vergehens gegen § 146 D.-O. mit Geldstrafen von 10 und 20 Mk. für jeden einzelnen Fall belegt, auch muffen sie einen Teil der Kosten bezahlen.
? Cuffel, 12. März. Das Schwurgericht verurteilte heu:e die Ehefrau des Dienstknechts Greulich aus Bebra wegen Kindesmordes zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus. Die G. ist bereits vor Jahren wegen des gleichen Deliktes mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft worden. — Wegen Totfchlagsversuchs und gefährlicher Körperverletzung hatte sich weiter der 1880 in Wabern geborene, bisher noch unbe* bestrafte Schlosser Johs. Hansmann auS Bad Wildungen zu verantwo. eit. H. halte sich im Jahre 1908 mit der Tochter des Fuhrhaliers Hatzfeld in Wilduiigen verheiratet. Die Ehe war aber keine glückliche. Zank und Streit waren an der Tagesordnung. Schuldig waren aber ichließlich beide Eheleute. Auch die Schwiegereltern Hansmanns gaben ihr Teil dazu. Da man schließlich HanSmann noch mitteilte, daß seine Frau mit einem bei ihm wohnenden Chambregarnisten intimen Verkehr gepflogen habe, wurde er immer erregter und das eheliche Verhältnis immer schlechter, obwohl die Frau mit dem Abvermieter gar nichts zu tun hatte. Am letzten Neujahrstag kamen beide Eheleute wieder aneinander. Die Folge war, daß der Vater der Frau diese schließlich zu sich nahm. Als Hansmann am 5. Januar d. I. sein Kind zu feiner Mutter nach Wabern brachte, ließ fein Schwieger- vaier in Wildlingen seine Wohnung offnen und nahm alles Mobiliar, was feine Toch-er in die Ehe eingebracht hatte, mit. Darob winde H., als er andern Tages nach Hause fam, noch erboster. Er kaufte sich einen Revolver, um seinem Leben ent Ende zu machen. Am 10. Januar d. J. beraumte er aber, um sich mit seiner Frau zu vereiniaen, einen Schiedsiermm an. Da feine Frau dort nicht erschien, eilte er in die Wohnung seiner Schwiegereltern, wo sich seine Frau befand. Hier schlug er seine 60,ährige Schwieger- mulier sowie seine 16jährige Schwägerin mit einem Knolenstock auf den Kopf. Beide erlitten schwere, blutende Verletzungen. Wie die Schwiegermutier heute vor den Ge- schivorcnen angab, sollte sie Hansmann außerdem noch mit dem Revolver geschossen haben. Der ärztliche Sachverständige sonnte aber in der Wunde keine durch einen Schuß verursachte erblicken. Auch von anderen Zeugen war kein Schnß gehört worden. Die Geschworenen verneinten deshalb bie Schuldfrage nach Totschlag. Sie erkannten H. lediglich der gefährlichen Körperverletzung sowohl seiner Schwieger-