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Amtliches.
Die von mir erlassenen Bestimmungen, betreffend die Einrichtung von Kehrbezirken für (Schornsteinfeger vom 22. Februar 1907 — Amtsblatt S. 65/66 — werden rote folgt abgeändert: Unter II Ziffer 7 wird hinter Satz 4 zwischen die Worte „vermerken" und „Eintragungen" folgendes eingeschaltet:
„Für kleinere Ortschaften, in denen das Kehrgeschäft in 1 bis 2 Tagen ausgeführt wird, genügt die Angabe der Gesamtzahl der Gebäude und der zu reinigenden Schornsteine, des Tages bezw. der Tage, an denen das Kehren der Schornsteine in der Gemeinde stattgefunden hat, und des Gesamtbetrages des erhobenen KehrlohneS." AUG 118.
Cassel am 1. Februar 1910.
Der Regierungspräsident.
V 939 I. V.: Rieß von Scheurnschloß.
Candkreis Ranau.
In der Gemarkung Niederrodenbach 'ist die Schweineseuche festgestellt worden.
Hanau den 21. Februar 1910.
Der Königliche Landrat.
V1162 Frhr. Laur.
Stadtkreis Rana«. Bekanntmachung.
Für den Stadtkreis Hanau, als Sektion der Heffen- nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft sind als Vertrauensmänner bezw. Stellvertreter gewählt:
Vertrauensmann für die Neustadt Oekonom Franz Hoffmann,
stellv. Vertrauensmann für die Neustadt Kunstgärtner Friedrich Henrich,
Vertrauensmann für die Altstadt Oekonom Friedrich Alt,
stellv. Vertrauensmann für die Altstadt Kunstgärtner Alexander Holzschuh.
Hanau den 11. Februar 1910.
Der Vorsitzende
der hessen-nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschast Sektion Hanau — Stadt.
J. B.: Bode. 4477
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuche von da, Band IX Artikel 511
k-moll-Polonaise.
Eine Erinnerung an Chopins hundertsten Geburtstag, den 22. Febr.
Von C. Gerhard.
Gedämpftes, goldenes Kerzenlicht strahlte von hohen Wandleucktern auf einen eleganten, behaglichen, von Blumendüften durchzogenen Salon, es umfloß mit seinem Schimmer das schmale, edle Antlitz eines am Flügel spielenden Jünglings. Süße und weiche Melodien erklangen unter seinen Händen, leichtbeschwingt und doch tiefsinnig, schmelzend von bestrickender Grazie und sprühendem Feuer. Ein Hauch der Schwermut ruhte auf diesen glänzenden Tongemälden, ungestilltes Sehnen vibrierte in der leidenschaftlich-ernsten Musik. Die Empfindungen, die in seinem Spiele zum Ausdruck kamen, spiegelten sich in dem Antlitz deS jungen Virtuosen wieder, diesem schmalen, edlen Antlitz, dem der Genius seinen unverkennbaren Stempel ausgedrückt.
Träumerisch schaute er vor sich hin; versunken in die Welt der Schönheit, die er in Tönen erstehen ließ, achtete er nicht seiner Umgebung, seiner vornehmen Zuhörer, die auf Causeusen und Sesseln ruhten und ihm wie verzaubert lauschten.
Ihm wars, als wandelte er durch blaue Mondnacht in einem herrlichen Garten, in dem silberne Brunnen rauschten und Nachtigallen ihre Lieder sangen; ihm wars, als schmiegte sich ein blühend-schönes Mädchen an seine Seite, und auch sie erhob ihre Stimme. Sie sang von der heiligen Liebe zum Vaterlande und von der unsterblichen Liebe zu ihm. Wie Schwertgeklirr tönte es aus den Saiten des In- strumentes und nun wie feurige Schwüre, wie der Hauch eines Kusses, — dazwischen das jauchzende, klagende Lied der Nachtigall.
Der letzte hinsterbende Akkord der Fantasie verhallte; nach eines Augenblickes Schweigen klatschten schöne Hände «einander, der hochmustkalische Fürst Radziwill neigte den
Dienstag den 22. Februar $m.rvr*»f<fM Nr. «os. 1910
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in Abteilung I unter lfde. Nr. 3 und 4 zur Zeit der Eintragung des Dersteigerungsvermerkes auf den Namen des Goldarbeiiers Heinrich Mahr, Heinrichs Sohn, in Hanau eingetragenen Grundstücke: Kartenblatt H Parzelle Nr. 233/94 = 2 ar 11 qm^ Hospitalstraße Nr. 27,
a) Wohnhaus mit Seitenbau links (A, B) abgesondertem Holzstall und Abtritt (D), b) Seitenbau rechts (C) nebst Hofraum, — Gebäudestenernutzungswert: zu a) = 675 Mk., zu b) = 300 Mk. —
— Gebâudesteuerrolle Nr. 1317 —
Kartenblatt H Parzelle Nr. 273/93 = 1 ar 51 qm, Bangert Nr. 16,
a) Wobnhaus mit Hofraum,
— Gebâudksteuernutzungswert : 900 Mk. — — Gebäudesteuerrolle Nr. 1179 — — Grundsteuermutterrolle Artikel 952 —
am 29. April 1910, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. — 2 K 2/10 —
Hanau den 11. Februar 1910.
______ Königliches Amtsgericht 2. 4459
Proviantamt Hanau
kauft fortgesetzt Hafer und Roggenstroh. 4091
Politische RundTcbaa.
Der Seniorenkonvent des Reichstages trat gestern mittag zu einer Besprechung der durch das Hinscheiden seines ersten Präsidenten geschaffenen Lage zusammen und beschloß, gestern Montag und heute Dienstag die Sitzungen ausfallen zu lassen und zwar sowohl im Plenum roie in den Kommissionen. Am Mittwoch werden Plenum und Kommissionen die Arbeiten wieder aufnehme". Zu den BeisetzungSfeierlichkeiten entsendet der Reichstag eine Deputation von 20 Mitgliedern, die von den Fraktionen gewählt werden. Zu der Trauerfeier in der DreifaltigkeitSkirche werden für die Reichstagsmitglieder Plätze reserviert werden. — Die Ersatzwahl für den ersten Präsidenten ist auf Dienstag der nächsten Woche festgesetzt worden.
Zum Hinscheiden deS Grafen Stolberg.
Berlin, 21. Febr. Ihre Exzellenz Frau Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode hat noch folgende Depeschen erhalten: Möchten Sie mir erlauben, Ihnen meine tiefempfundene Teilnahme bei dem so schmerzlichen Heimgänge Ihres Gatten ausnisprechen und Sie in Ihrer schwersten Prüfung trösten.
vornehmen, weißhaarigen Kopf befriedigt seinem jungen Gast entgegen, die Fürstin nickte ihm mit mütterlicher Herzlichkeit zu, Frederic Chopins Augen aber hafteten an einem zarten Mâdchenantlitz, das von Tränen betaut war.
„Sie weinen, Prinzessin Elise?" stammelte er erschreckt.
„Höchste Schönheit, wo ich sie auch höre und sehe, ergreift mich stets," erwiderte sie leise, „e6 ist mir, als wäre sie ein Abglanz jener ewigen Welt über den Sternen."
„Nach der du dich aber hoffentlich nicht sehnst," fiel ihre muntere Schwester Wanda ein. „Ich muß gestehen, in mir erweckt vollendete Kunst, wie die Ihre, lieber Chopin, ganz andere Empfindungen, ich möchte immer jubeln, fingen und tanzen vor Entzücken."
„Der Ausführung dieses Wunsches steht ja nichts im Wege," rief lebhaft ihr Vetter Boris, der sie schon lange anschmachtete. „Monsieur Chopin ist gewiß so liebenswürdig, uns einen seiner reizenden Walzer zu spielen, und rotr wiegen uns nach seinen Klängen nebenan in dem nur vom märchenhaften Mondlicht erhellten Tanzsaal."
Er schlang seinen Arm um ihre biegsame Taille und bereits erklang wie hingehaucht und doch durchweht von Leidenschaft einer jener melodischen, temperamentvollen Tânz«, die schon damals des jungen Chopins Genie entsprossen.
Durch die geöffneten Türen folgte er mit den Blickenden Tanzenden, denen sich der junge Graf Friedrich Skarbek init der Prinzessin Elise zugesellte, aber während auf ihrer Schwester Wangen rote Rosen der Freude erblühten, belebten sich ihre marmorblassen Züge Nicht, und eine rätselhafte Traurigkeit sprach aus ihren umschatteten Augen. Hatte ein Leid um ihre Seele Schattenflügel gebreitet? Als Chopin sie das erste Mal vor vier Jahren gesehen, nachdem der Fürst, der ihn in Warschau spielen gehört, ihn nach Antonin geladen, hatte das Glück aus ihren herrlichen Augen gestrahlt; jekt erschien sie ihm wie eine Blume, aus die vernichtender Reif gefallen war. Er hatte nicht Muße, sich in Gedanken an sie zu vertiefen, denn Prinzessin Wanda eilte ins Zimmer
Ich sah den Grafen hier zuletzt bei der Beisetzung meines teuren Heimgegangenen Großherzogs. Diese Erinnerung vermehrt nur noch mein herzliches Mitempfinden für Sie, ebenso wie das Gedenken an unsere Beziehungen in der fernen Vergangenheit. Der Verlust des Graten berührt die weitesten Kreise, die seiner selbstlosen Tätigkeit stets in großer Dankbarkeit gedenken werden. Gott befohlen: Großherzogin Luis« von Baden. — Tief bewegt durch den Heimgang Ihres Mannes, mit dem ich durch vieljährige, gemeinsame Arbeit und aufrichtig« Freundschaft verbunden war, bitte ich Sie, verehrte Gräfin, den Ausdruck meiner aufrichtigen Beileid- entgegen zu nehmen. Meine Frau schließt sich meiner Teilnahme von Herzen an. Fürst Bülow.
Berlin, 21. Febr. Der „Reich-anzeiger" widmet dem verstorbenen Präsidenten de- Reichstages Grafen zu Stolberg- Wernigerode einen Nachruf, worin eS heißt: Al- Mitglied deS Reichstages erwarb er sich durch offenes, gerades, entgegenkommendes Wesen allgemeine Achtung und Zuneigung. Seine Leitung der Geschäfte deS Reichstag-, die stets unparteiisch, gerecht, umsichtig und tatkräftig war, fand bei den Mitgliedern des Hauses ungeteilte Anerkennung und Wertschätzung.
Eröffnung deS englische« Parlaments.
London, 21. Febr. Der König und die Königin begaben sich gegen l’/< Uhr in Galawagen in Begleitung der hohen Hofbeamten von dem Buckingham-Palast nach Westminster zur Eröffnung des Parlaments. Truppen bildeten Spalier. Auf dem ganzen Wege bereitete die Menge den Majestäten Ovationen. Um 2 Uhr trafen der König und die Königin im Parlament ein; sie begaben sich nach dem Oberhause, wo der König die Thronrede verlaS. Kurz vor dem Königszuge trafen der Prinz und die Prinzessin von Wale- sowie Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen im Parlamentsgebâude ein.
London, 21. Febr. Di« Thronrede besagt, die Beziehungen Englands zu allen auswärtigen Mächten seien andauernd freundschaftlich. Die Thronrede kündigt die Begründung der Union in Südafrika an, die für Ende nächsten Mai festgesetzt sei, sowie die Entsendung deS Prinzen von Wale-, der im Herbst, bevor er das Parlament eröffnet, eint ausgedehnt« Reise in den südafrikanischen Besitzungen machen solle. Der König betrachte mit Interesse diesen Besuch, worauf sein Sohn das Vorrecht habe, das parlamentarische Leben deS großen geeinigten Dominien- zu eröffnen und der Fürst werde feine — deS König- — und des Reiche- heiße Gebete für die Wohlfahrt und künftigen Fortschritt des Volke- überbringen. Nach einem Hinweis auf die jüngst erfolgte Begründung erweiterter legislativer Räte in Indien fährt die Thronrede fort: Der ©tat deS folgenden Jahre- wirb Ihnen in gebührender Zeit vorgelegt. Er ist mit de«
und rief lebhaft: „Tausend Dank für den entzückenden Walzer! Ich bitte Sie, lehren Sie mich morgen, ihn zu spielen!*
Chopin verbeugte sich mit edlem Anstand«. „Ich lege Ihnen nur die Noten aufs Pult und Sie spielen ihn vollendet, denn in Ihrer Seele, Prinzessin, wohne« wahrhaft musikalische Empfindungen."
Wie ein Kind klatschte sie in die Hände. „Papa, hörst bn, was Chopin sagt?! Freilich, im Grunde gilt das Kompliment dir, denn von dir erbte ich mein Talent."
Lächelnd streichelte der Fürst ihre glühenden Wangen, sie aber wandte sich wieder dem jungen Künstler zu, brr ihr erzählte: „Ich habe heute eine Alla Polaoca komponiert, Prinzessin; wenn eS Ihnen recht ist, studieren wir da- Stück auch morgen ein; el eignet sie vortrefflich zum Bortrage in Fhren SalonS."
Entzückt reichte fie ihm die kleine Hand, auf die er eine# feurigen Kuß drückte; ihr Vetter aber, eifersüchtig auf die Bevorzugung, die dem Komponisten zuteil werden ließ, lockte fie auS dessen Nähe mit einer Frag« über em neues, die Wand zierendes Gemälde.
Bald darauf ging man zur Abendtafel; ein lebhafte- Gespräch über die polnische, französische und deutsche Literatur entspann sich, an dem sich Chopin, der eine vortreffliche Ausbildung in allen Fächern des Wissens rrhalten und der mit mehreren polnischen Schriftstellern befreunbet war, gewandt beteiligte. In seinem Benehmen, seinen Formen unterschied er sich in keiner Weise von den hocharistokratischen Teilnehmern der Tafelrunde. Er verkehrte feit langem in dru vornehmsten Gesellschaftskreisen Warschaus und hatt« sich dort die abgeschllffenen Manieren, die weltmännische Eleganz angeeignet, die seinen Neigungen entsprach. In fesselnd« Weis« erzählte er nun von seinem Aufenthalt in Berlin, Prag und Wien und den Künstlern, die er dort kennen gelernt. Oft sprühte es dabei aus seinen Augen wie Funken und um seinen feinen Livven spielten die Geister der Jrouk