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Erstes Blatt.

Ser»S«Pieett:

vt«t«»iâhrlich 1,80 TIL, monatlich 60 Pfz., für au», gültig# Atonnoüeu ant dem betresjenden Postauflcht«z.

Sie einzelne Nummer tostâ 10 Vf 4.

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W»Wi«ad«<k u»b Verlag v« Buchdrucker» M$ Haw. e. SSaiseuhausrS m Ha»a«.

General-Anzeiger

Amtliches Organ fit Statt« an) FandKreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 43 A<»nsp»«cha,>schl«h Rr. 605. Montag den 21. Februar .."- I ,w^" ---------------------------------

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1910

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14 Seiten.

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Amtliches.

Jagdverordnung.

Für 1910 und die folgenden Jahre bis auf Weiteres soll die Schonzeit für milde Enten nach den gesetzlichen Bestim­mungen des § 39 Nr. 15 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 vom 1. März bis 30. Juni dauern.

Cassel den 4. Februar 1910.

BA 248/10 Der Bezirksausschuß. V 1130

Eandkreis Ranau.

Die Firma Steinhäuser & Petri in Offenbach am Main beabsichtigt in Langenselbold auf den am Land­weg 16 Langenselbold Staatsbahnhof Gelegenen Grund­stücken Karte 45 Nr. zu 72/19 re. und 76/27 eine Leder- leimfabrik zu errichten.

Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreis« ausichuffes Hainstraße Nr. 10 offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Lage des Erscheinens dieser Bekanntmachung gerechnet, hier anznbringen sind. Später eingehende Ein« spräche werden nicht berücksichtigt.

Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Ein­wendungen wird Termin auf

Samstag den 12. Mär- d. JS^ vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt.

Die Interessenten werden hierzu mit dem Bemerken ein- geladen, daß im Falle des Nichterscheinens des Antragstellers und der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau den 21. Februar 1910.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A 768 I. V.: Dr. v. Waldow, Reg.-Affessor. 4431

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Mittel­buchen belegenen, im Grundbuche von da, Band III Artikel 160 in Abteilung I unter Nr. 32, 33 und 34 zur Zeit der Eintragung des Veisteigerunqsvermerkes auf den Namen des Schreiners Christoph Hetzler, Johannes Sohn, zu Miitelbiichen eingetragenen Grundstücke:

Volk und Kunst von heute.

Der Vortrag des Herrn Dr. Schäfer über obiges Thema im Kunstindustrieverein hat in unserer Stadt weitest- gebendes Interesse gefunden, sodaß eine ausführlichere Be­sprechung erwünscht erscheint. Denn dieser Vortrag, der schon als solcher meisterhaft war und darum bereits außer­gewöhnlich fesselte, führte den Hörer auf ein Feld, das von jedem Arbeit gebieterisch verlangt. Nicht um ein der Allge­meinheit fremdes Gelehrtenqebiet handelte es sich, sondern um die Wiedergewinnung einer Kultur, von der im Grunde incht nur die geistige, sondern auch die materielle Entwicklung unseres Volkslebens zum nicht geringen Teile abhängt. Es ist ja fast schon eine Binsenwahrheit geworden, daß Deutsch­land trotz gewaltiger äußerer Entwicklung seines Innen­leben« seit ca. 70 Jahren fast ständig zurückgegangen ist. Politische und soziale Interessen verdrängten das aesthetische, mußten es in einer gesunden Reaktion verdrängen, da dieses auf Kosten jener im 18. Jahrhundert zu selbstsicher ge­herrscht hatte. Damit ging aber auch die innere Harmonie verloren, die den Menschen mit seiner täglichen Umgebung, seinen Lebensgewohnheiten und Schöpfungen eine höhere Weihe verleiht. Nene Gesellschaftsschichten, die bis dahin für die eigentliche Kultur kaum eine Rolle gespielt hatten, drängten herauf, setzten ihre Emporkömmlingsgewohnheiten durch und zerstörten damit den Zusammenhang des 19. Jahr­hunderts mit den vorausgegangenen. Mit den politischen und sozialen Revolutionen gingen eben die des Geschmacks und der Sitte Hand in Hand. Weniger aufdringlich macht stck natürlich uns Nachfahren die Umwälzung in der Lebens­auffassung und dem sich aus ihr ergebenden Sittengeietze &ibar, doch die Wandlung im Geschmack ist den feiner Empfindenden unteres Volkes schon seit Jahren immer pein* ißer zum Bewußtsein gekommen. Wer nur die Augen Äffutt sieht noch heute dicht nebeneinauber die Refultare der

Kartenblatt 5 Parzelle Nr. 108/27, hinter dem Affenberg, Acker = 11 ar 94 qm,

Reinertrag ----- 5 Mk. 73 Pfg. Kartenblatt 2 Parzelle Nr. 28, daselbst, Acker 10 ar,

Reinertrag = 4 Mk. 80 Pfg. Kartenblatt 10 Parzelle Nr. 30, die große Wiese, Wiese 12 ar 10 qm,

Reinertrag 10 Mk. 17 Pfg. Grundsteuermutterrolle Artikel 98

am 22. April 1910, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Marktplatz Nr. 18 Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Hanau den 4. Februar 1910.

Königliches Amtsgericht 2. 4377

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge­markung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 999 zur Zeit der Eintragung des Versteige« rungsvermerkes auf den Namen des Handel-manns Simon Goldschmidt in Langenselbold eingetragenen Grundstücke: Krtbl. 44 Nr. 264/123 re., Auf dem Felgen, Hausgarten, 10,57 ar,

Krtbl. 44 Nr. 263/122 *., Bahnstraße, Haus Nr. 12, 3,90 ar,

a) Wohnhaus mit Hofraum und HauSgarten,

150 Mk. Nutzung-wert,

b) Stall,

e) Backhaus,

90 Mk. Nutzuna crosrt, Krtbl. 44 Nr. 250/185, Auf dem Felgen, Hofraum, u,29 ar,

am 8. April 1910, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold den 15. Februar 1910.

Königliches Amtsgericht. 4387

LandmrWsllicher Kreismein tat

Nächste Versammlung Samstag den 26. d. M., nachmittags 2^ Uhr, im Gasthaus ,3um goldnen Löwen" hier.

Tagesordnung r

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Besprechung über den Bezug von Saatkartoffeln und sonstigen Saatartikeln durch die Kornhausgenossenschaft.

3. Vortrag des Herrn Oberingenieur Stamm aus Frank« früheren in sich gefestigten Kultur und die unserer heute noch herrschenden Geschmacksrichtung. Unsere Zeit ist im Grunde eine durch und durch unkünstlerische Epoche. Denn da« Hauptmerkmal jeder künstlerischen Kultur ist der Mangel des Bewußtseins, des Geflissentlichen. Wer viel vom Ge« brauch von Waffer und Seife spricht, ist schon verdächtig. Und wie viel sprechen unsere Zeitgenossen von Kunst! Da­bei aber türmt sich in der Straße, die wir täglich durch­wandern, eine architektonische Untat über die andere; unsere Wohnungen schreien von Tand und Talmi, zumal in der guten Stube, dem nachgeäfflen Salon des Rokokopalais, wo Nippes undAndenken" in schlechtestem Material und unkünstle« rischster Mache sich häufen, golbbebrucfie rolgebundene Pracht­ausgaben sich spreiten, goldlackierte Stühlchen ihr zweck- und sinnloses Dasein träumen eine Pracht, die scheinen und auffallen will, renommiert, ohne zu empfinden, wie faden­scheinig all dieser malerisch gruppierte Prunk jedem Wissen­den erscheinen muß.

Gewiß hat neben dem plötzlichen Empordrängen unterer Gesellschaitsschichten hauptsächlich die schnell fortschreitende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts diesen Mißstand verschuldet. Die Maschinenarbeit legte das blühende Hand­werk lahm und zerstörte dadurch den innigen Zusammenhang zwischen dem Schaffenden und Kaufenden. Zwecken beide schob sich der Händler, den keine Liebe bedingt durch die Herstellung durch die eigene Hand mit seinen nur als Ware behandelten Verkaufsartikeln verband. Sem Jnteresie mußte es sein, möglichst billige und zudem blendende Ware zu führ-'N, recht oft die Mode wechseln zu laffen, um immer neuen Kau'rciz 5ii schaffen. Im Baugewerbe löste so den in der Tradition und im Gewerk stehenden, durch sie ge- bundenen Maurermeister der Bauunternehmer ab, der feine Eigentliche Unkenntnis, sein mangelndes Brruisgefühl meist ziemlich gewissenlos hinter einer äußerlich blendenden Mache zu verbergen suchte und auch zu verbergen verstand. Dem Bauuntunehmertum dieser Sorte verdankt Deutschland die

furt überDie Elektrizität im Dienste der Landwirt­schaft."

4. Mitglieberausnahmr.

5. Sonstiges.

Gleichzeitig werden feiten« der KornhauSverwaltung im Verein«lokal Proben verschiedener Sorten Saatgetrek« und Saatkartoffeln ausgestellt.

Die Herren Bürgermeister wolle« vorstehende Be- kanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in dm Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanau, den 19. Februar 1910.

Der Königliche Landrat. Frhr. Laur.

Gefundene und verlorene Gegenstände rr.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 3.40 Mark, 1 Ar­beitsbuch für Elisabethe Dieß au» Seligenstadt.

Verloren: 1 Notizbuch im EtuiS mit 3 Mark.

Zugelaufen: 1 weiß- und schwarzgefleckter Hund ul Geschl.

Eingefang««: 1 gelbe Kuh zwischen Rückingen trab Langenselbold. Abzuholen Friedrich Eiuschütz lV, Meisen- mühle, Langenselbold.

Hanau de« 21. Februar 1910.

Politische Rundschau.

««röMaarprLNdent Graf Stolberg f. Reich,. tagSprästdent Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode ist Sams­tag abend kurz vor 7 Uhr in der Privatklinik de« Profeffor« Körte in der Martin-Luther-Straße zu Berlin gestorben. Dr. Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode, der einem alten Dynastengeschlechte angehört, ist am 7. März 1840 als Sohn de« Grafen Konrad zu Stolberg-Wernigerode und seiner Gemahlin Marianne, geb. v. Romberg, in Berlin ge­boren. Nach Studien in Halle trat er am 2L Mai 1859 beim Regiment der Garde« du Torp« ein, als dessen Offizier er die Kriegevon 1866 und 1870/71 mitmachte. Bei Königgrâtz wurde er schwer verwundet, im Deutsch-Französischen Krieg« erwarb er sich da« Eisern« Kreuz. Graf Stolberg gab sein« Offizierslaufbahn auf, als er im Jahr« 1872 von seinem Oheim Eberhard die Fideikommißherrschaft Kreppelhof in Schlesien erbte. 1884 fiel ihm von feiten seiner Mutter di« Herrschaft Dinhoffstädt in Ostpreußen zu; außerdem besaß er da« Rittergut Cammin in der Neumark. Der Gras widmete sich später dem höherem Verwaltungsdienst. Zunächst wurde er Landrat im Kreise LandeShut in Schlesien. E beendete diese Laufbahn 1895 al« Oberpräsident der Provi r 1 11 ........ ...... 1 > «-s»nz

entsetzliche Stilwirrnis de« vorigen Jahrhundert-, in der jede« Bürgerhaus einen Renaissancen« last in der vorgeklebte« Fassade vortâuichen sollte, wo mit Stuck und Cementform«» die Bauten nach den billigsten Dorlagefächern beklebt, di« schönsten Städte und Dörfer verschandelt wurden kurz eine Zeit, die völlig den Zusammenhang mit der ihr vor­ausgehenden gesunden Banenlwicklung verlor. Mit dem Verschwinden einer gesunden Bauweise war den übriaen Künsten die Führerin genommen. Denn zu allen Zeiten war die Architektur die unbedingte Herrscherin unter allen bildenden Künsten. Sie wies allen den Platz und die Ge­staltung. Malerei und Bildhauerei machten fortan allein den Begriff der Kunst aus. An sie denkt ja auch H^te der Durchschniltsgebildele allein, wenn von Kunst die Rede ist. Doch da beide für den allgemeinen Geldbeutel etwas sehr Kostbares bedeuten, behalf man sich damit, dieKunst" nach Kräften zu kritisieren. Das meist mit umso größerem Behagen, je weniger künstlerisch man selbst empfand. Denn wie tah's derweilen in den Häusern dieser künstlerisch so fein Empfindenden au«. Nur Arbeiten schlimmster Maschinen- mache. Talmischmuck und öder Renommiertand waren zu finden. Ueber Kunst konnte man ja im höchsten Falle gut sprechen, für sich begehren . . . nein! Dafür war man doch zu be­scheiden, denn Kunst ist doch teuer und eine teuere Sach« leistet man sich höchstens einmal Sonntags, Vater im Geh­rock, Mutter im Schwarzseidenen! Und das war gerade der Hauptirrlum der geschmacklichen Betätigung des vergangenen hie und da auch noch unseren Jahrhunderts! Man hatte ganz vergessen, das Gefühl dafür verloren, daß Schön« sein und Zweck mäßigsein durchaus eins sind. Ein Stuhl, der allen Anforderungen einer bequemen Sitzgelegenheit entspricht, ist an sich schön. Ihn außerdem noch schmücken zu wollen, ist nicht nötig. Tut man es aber trotzdem, ist höchstes Feingefühl am Platze, das man nur einer großen Tradition im allgemeinen verdankt. Da- 19. Jahrhundert verziert« viel zu viel, ohne das Wenigste