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General-Anzeiger
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Amllickts Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
au Ballen!)au1e$ ie Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verastrvvrti. Ned sN aer: O. Schrecker N ^oae
Nr. 39
Fernsprechanschluß Nr. 605*
Mittwoch bar 16. Februar
Ferusprechanschlutz Nr. 605. 1916
Amtliches.
Stadtkreis Ranaa. Bekanntmachung.
Nachdem der Plan betreffend die Abänderung der Fluchtlinie» für den Salisweg, Strecke: Frankfurt — Hanauer Eisenbahn bis Brauerei Käfter bezw. Baumweg, durch Beschluß vom 1. d. Mis. förmlich sestgestellt worden ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im städtischen Vermeffungsbureau. Rathaus, Zimmer Nr. 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.
Hanau den 8. Februar 1910.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 4025
Bekanntmachnnn.
Die im Stadtschloß (Friedrichsbau) gleicher Erde befindliche Wohnung, bestehend aus 5 Zimmern und Zubehör ist vom 1. April 1910 ab zu vermieten.
. Auskunft wird erteilt im Rathaus Zimmer Nr. 11.
Hanau den 11. Januar 1910.
Der Oberbürgermeister. __I. V.: Hild. 1053 Nutz- und Brennholz-Verkauf.
Am Mittwoch den 23. Februar er., von vormittags 9 Uhr ab, soll in der Gastwirtschaft „Zum Schützenhof", Witwe Lucas, in Niederrodenbach aus dem Schutz- bezirk Niederrodenbach, Jagen 49c, 61b, 67b, 68a u. c, 77d, 86b und Totalität das nachstehende Nutz- und Brennholz und zwar:
Eichen: 3 Stämme A 3. Kl. ----- 3,34 fm, 57 Stämme B 1.—5. Kl. = 27,16 fm, zu Schwellen geeignet : 41 Stämme = 21,49 fm, 1 rm Nutzscheil 2. Kl., 132 rm Scheit, 82 rm Knüppel, 62 rm Stockholz 1. Kl., 13,30 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.,
Ahorn: 3 Stämme B 2. und 3. Kl. = 2,72 fm,
Buchen : 124 rm Scheit, 116 rm Knüppel, 9 rru Stock- holz 1. Kl., 31,70 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.,
Erlen re. : io rm Nutzscheit 2. Kl. in Rollen, 13 rm Scheit, 58 rm Knüppel, 4 rm Stockholz 1. Kl., 3,10 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.,
Fichten r 36 Baubolfftâmme 4. Kl. = 7,97 fm, 818 Stück Derbholzstangen 1.—8. Kl. und 3,85 Hdt. Renerbolzstangen 4. Kl.,
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Stadtthcaler in Hanan.
— Hanau, 15. Februar.
„Die Jüdin von Toledo", historisches Trauerspiel in 5 Auszügen von Fr. Grillparzer.
Alfred von Berger nennt dieses Trauerspiel Grillparzers nicht mit Unrecht ein Erziehungsdrama. Man möchte es besser ein modern-ethisches Erz'.ehungsdrama nennen. Denn eS variiert die Forderung einer höheren Moral als die übliche, nämlich die: daß eine individuelle Schuld mirs» I i ch nur gebüßt werden könne burd) Selbstaufopferung für die Gesamtheit, ganz und gar nicht durch seldstgewählten InbiöibueHen Untergang. Emil Reich, ein bekannter E'kiärer Grillparzers, pflicht dem bei, wenn er sagt: „durch Schuld und Fehl, unentrinnbar, doch nicht unvergeltbar, werden wir alle erzogen zu echten, selbstlosen Menschen. Wer fremdes Glück schaffen soll, muß erst lernen das eigene zu opfern und die Verirrungen des Einzelnen mögen nur dann Ver- T^ung erlangen, wenn sie ihn dazu 'ühren, künftig uneigennützig im Dienste der Menschheit zu wirken. — Wo Pflicht und Lust (Neigung) in Konflikt geraten, weist Grillparzer unbeirrt den Pfad der Treue. Als treu aber bewährt sich bloß jener, der seiner höheren Lebensaufgabe nicht dauernd entfremdet werden kann und aus allen Anfechtungen, die keinem erspart bleiben, den Weg zurückfindet zu ehrlicher Pflichterfüllung.
Hebbel ist noch weiter gegangen. Er hat ein Drama geschrieben, in dem diese Idee auch hervortritt: „Agnes Bernauer". Er setzt da die Schuld sogar für not» wendig, und zwar eben d's Sitiengesetzes wegen. Ja, alles Notwendige ist ihm sittlich. In seinem Tagebuch sagt er einmal: „Es gibt nur eine Notwendigkeit: die, daß dir W lt besteht; wie eS aber den Individuen in der Welt ergeht, ist gleichgültig". Versöhnung im Drama ist ihm: „Heilung der Wunde durch den Nachweis, daß sie für die erhöhte Gesundheit notwendig war". Man erkennt hier den, man möchte sagen, fast grausame», weil bis ins Letzte hinein konsequenten Tragiker, der vor nicht- zurück-
Kiefern r 1 Sägeblock 2. Kl. = 1,97 fm, 70 Bauholz- stämme 2.-4. Kl. = 46,28 fm, 143,5 rm Nutzscheit 2. Kl. in Nollen, 1,12 m lang, 157 rm Scheit, 211 rm Knüppel, 136 rw Stockholm 208 rm Reiser 3. Kl. (Schleifhaufen) und 88,70 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.
DaS Brennholz kommt von ca. 10 Uhr vormittags ab zur Versteigerung
öffentlich meistbietend zum Verkauf ausgeboten werden. Der im Termin anwesende Rendant nimmt Zahlungen entgegen.
Der betreffende Förster erteilt über daS zum Verkauf kommende Holz auf Ansuchen mündlich nähere Auskunft.
Die Verkaufsbedingungen werden vor Beginn der Versteigerung bekannt gemacht.
Wolfgang den 15. Februar 1910.
Königl. Oderförsterei Wolfgang. 4033
In der Strafsache
gegen den Ziegeleiarbeiter Heinrich Volz zu Ravolzhausen, geboren am 2. Februar 1872 zu Haingründau in Ober- heffen, evangelisch, wegen Beleidigung, hat daS Königliche Schöffengericht in Langenselbold am 26. Januar 1910 für Recht erkannt:
Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung des Wachtmeisters Burhenn in Langendiebach und der Nachtwächters Georg Kreis in Ravolzhausen zu einer Geldstrafe Done 50 — fünfzig — Mark, an deren Stelle im Falle der Uneinziehbarkeit für se 5 — fünf — Mark ein Tag Gefängnis tritt und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.
Den Beleidigten wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angeklagten aus dessen Kosten durch einmalige E nrückung der Ürteilsformel in dem „Hanauer Anzeiger" und durch 14lâgigen Aushang der Urtetlâformel am Gemeindebrett in Langendiebach und Ravolzhausen binnen 2 Monaten nach dem Eintritt der Rechtskraft öffentlich bekannt zu machen.
Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt.
Langenselbold den 4. Februar 1910.
4037. ‘ Krahl, Aktuar. Gerichtsschreiber der Königlichen Amtsgerichts.
Erfundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 silbernes Kettenarmband, 1 schwarze Perrücke, 1 etwa 4 Meter lange Spannkeile, 1 Schlüffel (mit der Aufschrift : „System Sulv").
.Ra nan den 16. Februar 1910.
schreckt. So konsequent ist Grillparzer, die viel weichere, fast lyrische Natur, nicht. Die einzig wahre Folge, die Schlußfolgerung aus den in seinem Trauerspiel gegebenen Präm'ff'n, müßte anders lauten. Es ist in den vorhergehenden Akten nicht deutlich, nicht sicher genug auf einen solchen Ausgang — der an sich zu billigen ist — hingezielt. Die Smnesänderung Alfonsos kommt zu wenig vorbereitet, zu überraschend — und daß sie ausgehen soll von dem Anblick der gelöteten, nun um den Mundwinkel einen verstohlenen Zug tragenben Rahel —, es befremdet. Alfonso fand die Jüdin doch vorher schön? . . . Alfonso ist Rahel gegenüber schuldlos. Die Schuld trifft Rahel, obwohl ihre Liebe wahrhaft und nicht erheuchelt ist. Aber ehe sie erkennt, daß sie ihn wirklich und echt liebt, batte sie sich vorgesetzt, den König in ihre Netze zu ziehen. Ihr Ehrgeiz ist ihre „Schuld". Wenn nun Alfonso Rahel gegenüber eigentlich schuldlos ist, so dürfte seine innere Wandlung nicht von dem Augenblick ausgehen, als er das „lauernde Etwas" an »hr, der Toten 0), entdeckte: die Büßuna ferner Schuld, d>e er Leonore und vor allem dem Staate xezenüder halte, mußte ihre Veranlassung aus lieferen Gründen holen — eben aus der Notwendigkeit der Pflicht, die er einem Größeren gegenüber hatte, dem Staat.
G. Hauptmanns „Karls Geißel" nimmt übrigens das gleiche Thema auf und führt es, wie Hebbel, ebenfalls viel beweiskr äftiger durch, obwohl es sonst, namentlich a' Wucht der Sprache und Sicherheit der Charakterisierung, weit hinter Grillparzers „Jüdin" steht ...
Die gestrige Ausführung war im ganzen wohlgelungen. In Be ug auf Ausstauung sollte aber md)i der Fehler unterlaufen, in einem Stück, daS um 1195 spielt, ein Gartenhaus aus der Renaissancezeit Hiuzuftellen. Nicht ist das gesagt, als ob damit der Ausstartuug ein z u gewichtiger Wert bei- geleat werden sollte, sondern um von neuem auf die Shatkiptare-Dühne h'nzuweiseu; die mangelhafte JNusionS- bühue, wie sie hier besteht, läßt sa doch keine auch nur einigermaßen sichere Täuschung aufkommen.
Frl. Kate Waldau spielte die Rahel mit echt orien
Politische Rundschau.
Oberpräfident Alfred V. Conrad. Zum Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg ist an Stelle des in den Ruhestand tretenden Wirklichen Geheimen RatS v. Loebell der Unterstaatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft usw. Wirklicher Geheimer Rat v. Conrad ernannt worden.
Reichstaasabgrardneter Dr. Junck und di« Privatbeamtenverstcherung. Die nationalliberal, Fraktion des Reichstages hat beschlossen, den Antrag auf Vorlegung des PenflonsversicherungsgesetzeS für die Privatbeamten nochmals beim Etat des ReichsamtS des Innern zu stellen, und zwar auf Vorlegung noch in dieser Session. Dieser Beschluß ist auf Veranlassung deS Reichstagsabge- ordneten für Leipzig, Justizrat Dr. Junck, erfolgt und darf alS unmittelbare Wirkung der beiden großen öffentlichen Privatbeamtenversammlungen, die kürzlich in Leipzig statt* gefunden haben, angesehen werden. Der Antrag soll die Regierung nochmals an ihr früher gegebenes Wort mahnen.
Zur Frage der Schiffahrtsabgaben betont entgegen anderen Meldungen der „Schwäbische Merkur", daß die Verhandlungen mit dem AuSlande eingeleitet werden sollen, wenn die Frage der Schiffahrtsabgaben im Deutschen Reiche ihre Erledigung gefunden hat. Ueber die Form, die der Gesetzentwurf über die Schiffahrtsabgaben auf Grund des Beschlusses des Bundesrates vom 2. Februar im einzelnen erhalten soll, sind in Berlin in letzter Woche kommissarisch, Verhandlungen gepflogen worden, die einen befriedigenden Verlauf gefunden haben.
Die Neuregelung der Entschädigung fÜH Dienstreisen, über die setzt zwischen den Verwaltungen des Reiches und Preußens im wesentlichen eine Verständigung erzielt ist, wird aller Voraussicht nach gleichzeitig den Bundesrat und die gesetzgebenden Faktoren Preußens beschäftigen Es ist erwünscht, die Regelung für daS Reich und für Preußen wie bisher gleichlautend zu halten. Für die Personen des Soldatenstandes in Armee und Marine wird durch entsprechende Aenderung der Reiseordnung dasselbe geschehen.
Vertretung von Industrie und Handel i« den preußischen Kreistagen. Dem Deutschen Handels« tag wurden von der Wiesbadener Handelskammer auf Anfordern zwei Wünsche betreffend die Vertretung von Industrie und Handel in den preußischen Kreistagen mitgeteilt. Dit Kammer wünschte die Einführung des Wahlrechtes für die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, ferner die Einführung des direkten Wahlrecht» der Aktiengesellschaften ohne eigenen ländlichen Grundbesitz.
Die Einjährigen • Berechtigung für hervorragende Turner fordert der TurnauSschuß der Deutsche« Turnerichakt vom SrieaSminifterium und zwar besonders für
talischem Temperament. Hervorgehoben sei ihr Spiel im ersten Akt, wo sie dem König zum ersten Mal« entgegentrit^ dann die Szene „Rahel vor dem Bild des Königs" (ein besseres Bild deS Königs wäre erwünscht I) daS dämonischsuggestive Mienenspiel im zweiten Auftritt deS zweiten Auszugs nach den Worten: „Ich weiß daS besser, komm!" und das Capriccio im dritten Auszug. Den AlfonS spielte Herr MaximilianHerbft ebenfalls mit Kraft und Glut. Nur hätte die Glut ein wenig verhaltener fein können und di« Sprache nicht allzu hastig. Sein stummes Mienenspiel im dritten Akt (mit Rahel und Garceran) hatte manche psychologische Feinheiten und in der Begegnung mit der König!« im vierten Akt riß er unbedingt mit sich fort. Auch di« stürmische Entladung seiner ganzen innersten Gefühle bei der Nachricht von Rahels Tod entbehrt« nicht der fortwachsende« Steigerung, obwohl es nach dem Einsatz schien, daß feine Kraft vielleicht nicht ausreichen würde. Herr Joh. Burau gab den Juden Isaak. Er hat manche- von Schildkraut gelernt. Seine Handbewegungen z. B. waren genau die be« Meisters. Er hat unleugbar ein starke« Talent, das sich durch Fleiß sicherlich zu Genie ausbilden läßt. Denn Geni« ist Fleiß, wie Fontane sagt; Talent allein — „Spielzeug für Kinder". Frl. Alide Ballin gab die Königin Eleonore mit vornehmer Würde. Vom Dichter ist dies« Gestalt zu kurz weggekommen. Und wenn sie auch bie Leidende ist, so hatte Grillparzer mit dem Wort doch m-hr zu Hilfe kommen müffen, um ihre innere Qual zu zeigen. Umsomehr ist es an;uerke''nen, wie Frl. Ballin diesen Mangel durch ihr ausgezeichnetes Mienenspiel aushob. Der Manrique des Herrn Wilh. Hellmuth war ernst und seiner Aufgabe entsprechend gemessen. Herr P. Liebert spielte den Don Garceran anfangs zu matt, aber allmählich kam er in Zug. Frl. Marg. H a u s s i g spielte die Esther mit allzu anbrinqhcbem Pathos, gelegentlich verfiel sie dann auch ins entgegengefetzte Extrem, in eine an die Stimme der Ahnfrau erinnernde monotone Sprechweise.
Das Gesamtspiel war lobenswert. Es war wohl di« beste Klafsikervorstellung dieser Saison. K .Erd.