Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
Allltlilhts Organ für ShM= und FanLKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Samrirssrü. Redakteur: G. Schrecke, i» -««,
Ms. 35 Rernh-redionWuf; Nr. «05. FttilNg dkll 11. Ftblllar A«»»spr-cha»schliik> Nr. «05. 1910
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14 Seite».
Amtliches.
Als Sa^verstänbiqe für die Prüfung von Kohlensäure» zwischenbehâltern bei Bicrdruckvorricktungen im Sinne deS § 11 der Pol zeiverordnung vom 19. Mai 1909, die Ein- richlung und den Betrieb von Bierdruckvorricktungen betreff nd ^Amtsblatt Seite 154), sind von mir durch Verfügung vom 17. Juli 1909, A II 3737b, der Ober-Ingenieur H. Niemeyer, die Ingenieure K. S ch n e i d e r, T h. Seemann, F. Gunkel, W. Goepfert und F. Runge, sowie der Lehrheizer C. Fröhlich, sämtlich beim hiesigen Damp'kessel-Ueberwacbungsverein ernannt Cassel den 30. Januar 1910.
Der Regierungs-Präsident.
All 308a I. V.: v. Ri e8.
Stadtkreis Fjanau.
Polizeiverordnung.
Auf Grund der §§ 70 und 149 der Gewerbeordnung in ver Fassung der Bekanntmachung vom 26. Juli 1900 und der §$ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu« erworbenen Landesteilen, in Verbindung mit dem § 143 beS Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landes« Verwaltung wird mit Zustimmung deS Magistrats nachstehende Polizeiverordnung für den Stadtkreis Hanau erlassen:
$ 1. .
Der WeihnachtSmarkt findet an den Tagen deS 15. bis einschließlich 24. Dezember auf dem Neustädter Marktplatz statt.
8 2.
Die Verkaufsbuden dürfen bereits am 14. Dezember auf- geschlagen werden, es sei denn, daß dieser Tag auf einen Sonntag fällt. Sie sind noch am Abend bei 24. Dezember wieder zu entfernen.
_ S 3.
DaS Feilhalten arf dem WeihnachtSmarkt ist observanz- mäßig nur hiesigen Einwohnern gestattet und beschränkt auf sogenannte Weihnachtsartikel: Kinder'pielwaren, Christbäume, Christgärten, Lebkuchen und Konditorwaren.
§ 4.
Jeder Feilhaltende ist den marktpolizeilichen Anordnungen unterworfen. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mk. eventuell mit Hast geahndet.
8 5.
Vorstehende Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntmachung in Kraft. Mit dem gleichen Tage wird die Polizeiverordnung vom 3. Dezember 1881 betreffend den Weihnachtsmarkt aufgehoben.
Hanau den 25. Januar 1910.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister.
Dr. GebeschuS. 8593
Gefundene nnd verlorene Grlirnstnnde re.
Gefunden: 1 Herren-Regenschirm (am Dienstag in Der Krämerstraße), 1 Damenschnürstiesel, 1 braun und weißer Kinderhandschuh (rechter), 1 kleines grünes Portemonnaie mit 59 Pfg. und 4 fremdländischen Freimarken (am Dienstag abend im Concordia-Saal).
Liegen geblieben bei J. Hermann, Langstr. 62; 1 schwarzer Muff.
Verloren: 1 rotbraune Tasche mit einem weißen Taschentuch und 2 Abonnements-Theaterkarten, 1 Zehnmark- lchein, 1 Kindergummischuh.
Hanau den 11. Februar 1910.
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PnrlomcntllrisllitS.
mb. Der Etat des ReichSamts in der Budgetkommission.
AuS dem Etat des Reichsamts des Innern sind nur die neuen Titel des Extraordinariums der Budgetkommission überwiesen. Für die Beteiligung an der internationalen Kunstausstellung in Rom 1911 ist eine erste Rate von 80000 Mark in den Etat eingestellt. Der Berichterstatter fragt, ob der Ausstellungsplan vom Staate oder von Privaten angegangen ist. Man habe früher darauf gehalten, daß keine bestimmten Richtungen in der Kunst bevorzugt würden. Es
sei nun eine einzige bestimmte Persönlichkeit für die Anmeldungen in Aussicht genommen; man befürchte daraus eine einseitige Bevorzugung gewisser Kunstrichtungen. Der Korreferent schließt sich dem Bedenken an. Nicht nur die deutsche Kunstgenossenschaft, sondern auch die deutsche Künstlerschast und die Sezelsion müßten zur Bildung einer Jury zugelaffen werden. Der Präsident der Akademie könne ja die Präsidentschaft dieser Jury übernehmen. Unter dieser Voraussetzung würde gegen die Beteiligung nichts einzumenden sein. Im ganzen mürbe die Beteiligung das Reich 250—300 000 Vtk. kosten. Deutschland müsse selbstverständlich bei dieser Ausstellung, die zur Feier der 50jährigen Einheit Italiens ver- anstaltet wird und zu der die italienische Regierung alle Nationen eingeladen hat, vertreten sein; aber eine unparteiische Instanz müsse die Zulassung bestimmen. Ein Vertreter deS Zentrums erhebt gleichfalls die Forderung einer unparteiischen Instanz. Die Ausstellung geht vom Bürgermeister aus, der den Ausschuß ernannt hat. Ob der eingeschlagene Weg wirklich zu einer Ausstellung der gesamten deutschen Kunst führen werde, sei zweifelhaft. Ein einzelner könne daS nicht in die Wege leiten. In Nom werden drei Sorten von Eingeladenen sein: zwei Gruppen von verschiedenen Seiten eingeladen, und die dritte auf eigene Rechnung und Gefahr. Da drohe Zersplitterung. Zweitens ist im regulamente nirgends eine Rede von finanzieller Sicherung der Rücksendung, der Feuerversicherung, für die Preise usw. Er habe deshalb große Bedenken. Staatssekretär Delbrück glaubt, die Bedenken zerstreuen zu können. Di« italienische Regierung habe durch ihren Botschafter einladen lassen. DaS Reich könne bei der Jubelfeier deS Königreichs Italien nicht fehlen und di« dentsche Kunst nicht auf einer solchen Ausstellung. Auf daS regulamento werde sich die Regierung nicht einsassen, daS habe si« schon erklärt; sie baue einen eigenen Pavillon und habe gegen besondere Aufforderung einzelner Künstler protestiert. Nur eine geschloffen« deutsche Allsstellung sei zulässig. Die Vorgänge in St. LouiS haben eine Resolution deS Reichstags gezeitigt, die eine allgemeine Beteiligung aller Richtungen forderte. Da die deutsche Kunstgenoffenschaft nickt mehr all« Künstler umfaßt, so konnte sie nicht beauftragt werden; auch eine Jury würde persönliche Schwierigkeiten haben. Man wolle nun di» einzelnen deutschen Kunstzentren in Gruppen vorführen. Professor Kampf hab« die allgemeinen Arrangemente und den Bau deS Pavillons in Rom usw. unter seiner Leitung. AlS Beirat soll nach Einigung mit allen Negierungen eine Kommission gelten, in der Düffeldorf, Münden, Dresden, Stuttgart und Karlsruhe durch die Professoren Röber, Marr, Dietz, Lampenberger und Schönwaber vertreten sind; alle Kunstrichtungen seien ver- treten. Jede dieser Kommissionen habe für seinen Sprengel die Ausstellung zusammenzustellen. Die Nachprüfung geschehe mit Professor Kampf gemeinsam. Der Zentrumsredner erklärt sich durch diese Darlegungen zum größten Teil befriedigt. ES handele sich um einen Jdealzweck; verkaufen würden di« deutschen Künstler kaum etwa-, aber der Jdealzweck müsse erreicht werden. Der Staatssekretär füge hinzu, daß sich mit dem Vorgehen die Münchener Künstlergenoffenschasten einverstanden erklärt hätten. Er verliest solche Erklärungen. Allerdings habe der deutsche Künstlerbund um eigene Jury und eigene Säle gebeten; daS gehe aber nicht an. Auch der Korreferent ist im allgemeinen befriedigt. Aber eS werde eine neue Quelle der Unzufriedenheit geschaffen, wenn eine einzelne Persönlichkeit zu entscheiden habe. Warum solle nicht in jedem Kunstzentrum eine Jury gebildet werden können? Der Staatssekretär erwidert, eS handel« sich nur um etwa 300 Bilder; auf jedes Zentrum kämen also nur wenige Bilder, die von einem einzelnen auSgesuckt werden müßten. In der Jury würden einzelne Richtungen überstimmt, da man nur nach der Stärke der Richtungen die Vertreterzahl bestimmen könne. Er halte den Weg der Lokaljurys für ungangbar. Die Streitigkeiten in der Künstlerschast würden neu ausflammen. Von konservativer Seite wird bedauert, daß daS Generalreglement erlassen sei, ohne daß Deutschland vorher gehört sei. Man habe auch durch die Unterlassung der Zusendung des Reglements verstimmt. Der Staatssekretär bemerkt dazu, es sei allgemein üblich, daß Ausstellungsstaaten selbstständig daS Reglement erließen. Deutschland habe sich sofort von diesem emanzipiert. Man habe sich aber mit den verbündeten Regierungen erst verständigen müssen; die Absichten der Regierung dürften doch überall bekannt geworden sein. Wenn München nur einen Vertreter habe so tonne Preußen (Berlin-Düsseldorf) nicht mehr als zwei Kommissare haben. Für Fühlungnahme mit allen Richtungen weide Sorge getragen werden. Im weiteren Verlauf der Aussprache werden auch finanzielle Bedenken geltend gemacht. Ein Zentrumkabgeordneter meint. eS werde schließlich eine halbe Million werden, und er hält es für' fraglich, ob man die jetzt bewilliaen könne. Geheimrat Lewald halt die Schätzung von 340 000 Mk. für zutreffend, nach den Erfahrungen bei den Weltausstellungen. Noch nie sei für eine so'che eine Nachsorderung gekommen. Der ursprünglich nicht aeplante eigene Pavillon erfordere 200 000 Mk. Uebersckrei- tunqen von größerem Nm ange seien ausgeschlossen. Der Korreferent bringt eine Resolution ein, die die Mitwirkung der Künst erschaft der Kunstzentren bei der Auswahl der nach Rom zu sendenden Kunstwerke sickern will. Diese Resolution
wird durch eine Mehrheit auS der Rechten und dem Zentrum abgelehnt. Der Titel wird angenommen. AIS Beitrag zur Förderung deS ärztlichen ForibildungSwesenS ist in den Etat neu der Posten von 10000 Mk eingestellt. Der auS« geworfene Betrag soll insbesondere Verwendung finden für die Unterbaitug der Geschäftsstelle deS im März 1908 gebildeten ReicksauSschusseS, der die Aufgab« verfolgt, die wissenschaftliche Fortbildung der Aerzte insbesondere auf den Gebieten der Versicherungsgesetzgebung, der Gewerbehygiene, der Seuchenbekämpfung und der Volkskrankheiten in einheitlicher Weise zu fördern. Gegen diese Unterstützung auS Reichsmitteln werden aus dem Zentrum grundsätzlich« Bedenken geäußert. Die Sache gehöre in die LandeSetat». Man komme allmählich zu einem Reichsamt für Kunst und Wissenschaft; daS gehe nicht an. Es schein« sich um einen Fühler zu handeln einen kleinen Anfang zu einer großen Ausgabe. Don freisinniger Seite wird dagegen die Hergabe von Reichsmitteln zu diesem Zweck für gerechtfertigt gehalten auS Artikel 4 der ReichSverkassung. Preußen gebe für denselben Zweck 30000 Mk. Nirgend» werde die soziale Medi- zin genügend behandelt; nur ein Lehrstuhl in Bonn sei vorhanden. Im übrigen hätten die Aerzte sich bisher privatim helfen müssen. Der Titel wird abgelehnt und eine Resolution angenommen, die den Reichskanzler auffordert, di« bundesstaatlichen Regierungen zu Maßnahmen für die Einführung der jungen Mediziner in die soziale Medizin zu ver- anlassen. Im Ordentlichen Etat ist eine neue Stelle für einen Vortragenden Rat angeforbert. Ein Zentrumsredner will einen Beamten für die Förderung von Tarifverträgen anstellen; die Persönlichkeit fei ja längst gefunden. Dafür wolle er die Stelle bewilligen. Unterftaattfetretar Richter legt die Schwierigkeiten im ReickSamt dar. 18 Hilfsarbeiter ständen 23 vortragenden Räten gegenüber. Die Arbeitsleistung fei so groß, daß von morgen! halb 10 bis abends 8 Uhr ohne Mittagspause durchgearbeitet werde; dabei liegen noch neue Arbeiten vor. Der HilsSarbeitersondS werde bei diesen Riesenaufgaben natürlich überschritten. ES würden feine unnötigen Reisen gemacht. WaS die großen Kosten mache, daS seien die Kommissionen, die Sendungen zu internationalen Kongreffen. Staatssekretär Delbrück führt daS näher aus. Die Kommission habe wohl nicht die richtige Vorstellung von dem ArbeitSmaß im Reichsamt deS Innern. ES müsse rasch und von zuverlässigen Leuten gearbeitet werden. Auch könnten daS nicht immer wechselnde Assessoren machen. Allein die Initiativanträge deS Reichstages machten eine Riesenarbeit. Dazu seien für die jüngeren Herren bie Beförderungsaussichten im Reichs- amt deS Innern sehr schlecht, sodaß eine Aversion gegen bie Beschäftigung dort bestehe. Auf den einzelnen Beamten im Reichsami deS Innern komme mehr Verantwortung, als er je irgendwo gefunden habe. Fünfzehn Gesetzentwürfe seien allein in Arbeit; sie kämen auS Mangel an Personal nicht weiter. Eine übergroße Beschneidung deS Reisefond» sei ge» jährlich. Wenn die Räte nicht zu Informationen reifen können, könne man nicht informiert sein. Di« Anstellung eine» Beamten in Sachen der Tarifverträge hält der Staatssekretär für bedenklich; in bie Hand der Behörde dürfe man den Abschluß solcher Verträge nicht legen. Für Anfragen stehe man ja zur Verfügung. Der Wortführer der Rational- liberalen erklärt sich im Namen seiner politischen Freunde mit diesen Ausführungen betreffend bie Förderung bei Tarifverträge einverstanden. Er will die neue Stelle be* willigen, da der ArbeitSzuwachS im Amte zweifellos bedeutend sei. Auch die Erhöhung deS HilsSarbeitersondS fei au» denselben Gründen nicht abzulehnen. ES müßten die Drucksachen, besonders in Handelssachen, an die Oeffentlichkeit möglichst billig abgegeben werden. Dom Zentrum wird eine Resolution beantragt* Sie geht dahin, Anordnungen zu treffen, nach denen eine Stelle im ReichSomt deS Inner« beauftragt wird, Tarifverträge zu förbern. Man müsse bie Abteilung für Handel und Gewerbe verstärken; man bekomm« dort keine Auskünfte, sondern werde auf die Gerichte verwiesen. Staatssekretär Delbrua erklärt dazu, er sei bestrebt, jede Auskunft zu geben. Aber bei Kompromißgesetzen sei eS oft schwer eine Auslegung zu finden, und da dürfe man den Gerichten nicht vorgrerfen. Aber das seien Einzelfälle, im allgemeinen gebe man Auskunft. Don freisinniger Seite wird dem Zentrum entgegengehalten, daß es zum Teil selbst schuld an den Schwierig- feiten sei, da es Augenblickskinder in die Welt setze durch seine Anträge im Pleum und in Kommission. Der frei* finniae Redner erklärt sich gegen die Tarifvertrags-Resolutio« des Zentrums. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen selber unter sich einig werden. Gerade diese Resolution beweise, wie man dem' Reichsamt des Innern Arbeit und zum Teil überflüssige Arbeit mache. Man werde daS Reichsamt bald teilen müssen. Die internationalen Kongresse hätten zu großen Umfang angenommen. Ein anderer Mißbrauch sei der, daß zu deutschen Kongreffen Vertreter des ReichSomt» eingeladen und auch entsandt würden. Diese Repräsentation sei übertrieben. Von anderer Seite wird darauf hin- gewiesen, daß im Seniorenkonvent ein Versuch, die Resolutionen zu beschränken, gescheitert sei. Der Staatssekretär erklärt, er sei für die Anregung betreffs daS Zurückhalten der Kommissare von deutschen Kongressen dankbar. Bei internationalen tonne man nicht fehlem Die TeUuns bei