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Ihteiieiilbnrf und Verlag der Buchdrucker« »S »er«». 0, Waileuhause« tot Hana».
Amtliches Orga« für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Mx. 33 Fernsprechanschttttz Nr. 6 VS.
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Amtliches.
Landkreis F)anau.
An die Herren Verbandsvorsteher und Vorsitzenden der Schulvorstände des Kreises.
Die Herren Verbandsvorsteher und Vorsitzenden der Schulvorstände des Kreises ersuche ich, mir bis zum 20. März, 80. Juni, 20. September und 20. Dezember j. Js. alle rtwaigen im vorangegangenen Vierteljahre vorgekommenen Veränderungen anzuzeigen, welche eine anderweite Zahlunfls- anweisung der Staatsbeiträge für die Schul- stellen bedingen. Dazu gehören die Fälle, in denen
ä) die Voraussetzungen des § 45 Lehrerbesoldungsgesetzes vom 26. Mai 1909 für Kürzung des Staat-beitrages entweder eintreten oder wegfallen;
b) neue Scbulstellen errichtet worden sind;
c) die Gewährung von Amtszulagen nach § 24 Abs. 2 a. a. O. notwendig geworden ist.
In allen Fällen sind die betreffenden Schulstellen und der Zeitpunkt der eintretenden Veränderungen genau anzugeben.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Hanau den 7. Februar 1910.
Der Königliche Landrat.
V 889 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Stadtkreis F)anau. Bekanntmachung.
Die im Stadtschloß lFriedrichsbau) gleicher Erde befindliche Wohnung, bestehend aus 5 Zimmern unb Zubehör ist vom 1. April 1910 ab zu vermieten.
Auskunft wird erteilt im Rathaus Zimmer Nr. 11.
Hanau den 11. Januar 1910.
Der Oberbürgermeister.
I. V.: Hild. 1053
Handelsregister.
Aktiengesellschaft in Firma:
The Dunlop Pneumatic Ty re Company, Aktiengesellschaft, mit dem Sitz in Hanau.
Dem Techniker Dr. Emil Döklen in Hanau ist dergestalt Prokura erteilt, daß er die Firma zusammen mit einem Mitgliede des Vorstandes oder einem Prokuristen zeichnen kann.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 1. Februar 1910. 3433
Literarische Anleihen und Wandermotive.
Von Dr. Alexander Hârlin.
Nachdruck verboten.
Maeterlincks mit Spannung erwartetes Drama Maria Magdalena, über dem das Interdikt der Berliner Zensur hängt, erlebt noch, bevor es an die Oeffentlichkeit tritt, schon interessante Schicksale. Es hat zu einem Zusammenstöße zwischen dem belgischen Dichter und dem greisen Paul Heyse geführt. Maeterlinck hat eingestandenermaßen zwei Situationen seines Stückes aus Heyses Maria von Magdala entlehnt, und zwar die Rettung der in Gefahr der Steinigung befindlichen Magdalena durch Christus, der die Menge mahnt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie"; und sodann den inneren Konflikt der großen Sünderin, ob sie den Herrn retten und sich preisgeben oder ihn verderben, aber sich rein halten soll. Diese Situationen finden sich im 2. und 4. Akte von Heyses ergreifenden Drama, und ihr Schöpfer hat Maeterlinck seine literarische Anleihe sehr übel genommen und sie als durchaus unstatthaft gekennzeichnet. Aber der Belgier hat sich damit verteidigt, daß zenes Bibelwort Allgemeingut sei, das Motiv des tragischen Konfliktes zwischen Liebe und Ehre aber zum alten Repertoire der dramatischen Motive zähle. Er hätte vielleicht hin- zusügen dürfen, daß derartige literarische Anleihen in verschiedenartiger Form weder neu noch gar selten sind, ja daß überhaupt bie Literaturen aller Zeiten und Völker, was die Stoffe und die Motive angeht, in so engen und verwickelten Verwandtschafts- und Abhängigkeitsbeziehungen stehen, daß Mein und Dein oft kaum noch zu scheiden sind. Das Kapitel ist ebenso interessant wie reichhaltig; wir wollen einige Proben daraus geben.
Ueber die Frage der literarischen Anleihen hat sich kein Geringerer als Goethe geäußert, und zwar hat er im Gegensatz zu Heyse das literarische Anleiherecht mit Entschiedenheit bejaht. Goethe hat selbst Anleihen gemacht und ist auch wieder vielsachausgebeutet worden, und er rechtfertigt beides, indem er für den Dichter den Grundsatz aufstellt: „Was da ist. das ist mein!" Ob der Dichter es aus dem Leben oder
Mittwoch den 9. Februar
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Handelsregister.
„Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale Hanau" in Hanau, Zweigniederlassung der Aktiengesellschaft:
„Mitteldeutsche Kreditbank" mit dem Sitze in Frankfurt am Main.
Die Gesamtprokura deS Kaufmanns Carl Huff in Essen a. d. Ruhr ist erloschen.
Den Kaufleuten Heinrich Lockemann und Jean Schröder, beide in Frankfurt am Main, sowie dem Kaufmann Bernhard Andreae in Gießen ist Gesamtprokura dergestalt erteilt, daß jeder von ihnen zur Vertretung der Gesellschaft in Gemeinschaft mit einem DorstandSmitgliede oder stellvertretenden DorstandSmitgliede berechtigt ist.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau vom 2. Februar 1910. 3431
Beschluß.
Der Oekonom Friedrich Koch in Hüttengesäß, vertreten durch Rechtsanwalt Höfinghoff hier, hat daS Aufgebot zum Zwecke der Ausschließung deS eingetragenen Gläubigers Johann Georg Bender I. in Hüttengesäß mit seinem Recht an der im Grundbuch von Hütten- gesäß Artikel 699 in Abt. III unter Nr. 6 für ihn eingetragenen zu 5°/o verzinslichen Grundschuld von 12 Mark beantragt, indem er glaubhaft gemacht hat, daß der Aufenthalt des eingetragenen Gläubigers unbekannt ist. § 985 Z.-P.-O., daß die letzte auf die Grundschuld stch beziehende Eintragung im Grundbuche am 26. Juni 1886 stattgefunden hat, und daß eine Unterbrechung der zehnjährigen Verjährung infolge Anerkennung des RechtS des Gläubigers innerhalb dieser Fnst von dem Eigentümer in einer nach $ 208 D. G.-D. zur Unterbrechung der Verjährung geeigneten Weise nicht erfolgt ist, § 986 Z.-P.-O. und § 1170 B. G.-B. und ferner der über die eingetragene Grundschuld gebildete Brief bis zum Ablaufe der im $ 801 B. G.-D. bezeichneten Frist nicht vorgelegt und der Anspruch nicht gerichtlich geltend gemacht worden ist (§ 986* Z.-P.-O).
Der eingetragene Gläubiger Johann Georg Bender I. in Hüttengesäß wird aufgefordert, spätestens in dem auf
den 12. August 1910, vormittags 9 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebot-termin seine Rechte anzumelden, widrigenfalls Ausschließung mit seinem Rechte erfolgen wird.
Langenselbold den 31. Januar 1910.
Königliches Amtsgericht. 8459 aus dem Buche genommen habe, das sei gleich viel, wenn er es nur recht gebrauche. So ließ er feinen Mephistopheles ruhig ein Lied von Shakespeare fingen, weil es gerade recht war, und das sagte, was es sollte; und daß seine Exposition des Faust mit der des Hiob einige Ähnlichkeit hatte, schien ihm eher lobenswürdiq als tadelnswert. So war er auch ganz damit einverstanden, daß Walter Scott eine Szene seines Egmont benutzte und an der Nachbildung der Mignon-Ge- stalt durch denselben Dichter hatte er nur den zweifelhaften Erfolg zu tadeln. Lord Byron hat sowohl im Manfred wie im Desormed Transsormed reiche Anleihen bei Goethes Faust gemacht, was er übrigens (ähnlich wie Maeterlinck) in der Vorrede zu letzterem Werke ausdrücklich hervorhebt. Als er deswegen in England angegriffen wurde, berief er sich darauf, daß ja der Faust selbst wieder sich auf zahlreiche andere Quellen gründe; aber Goethe meinte, darauf hätte er sich gar nicht einlassen, sondern jene Angriffe einfach grundsätzlich mit Nachdruck abweisen sollen. Ich will als ein weiteres Beispiel der literarischen Anleihen Goethes die bekannte schöne Ballade „Die Braut von Korinth" anführen. Den Stoff dieser Ballade entnahm er nach Erich Schmidts Nachweis aus des Johannes Prätorius 1668 erschienenen Anthropodsmus Pluronicus, aber er läßt sich bis auf die Wundergeschichten zurückoerfolgen, die Phlegon von Trolles im 2. Jahrhundert n. Chr. für den Kaiser Hadrian aufzeichnete, und ist nachher ’m Mittelalter und später noch so manches liebes Mal erzählt und behandelt worden, ehe Goethe ihn in fein Gedicht faßte. Einen ahn'ichen jahrhundertelangen Stammbaum hat auch Schillers Taucher.
Die Rigorosität in der Beurteilung literarischer Anleihen, zu der wir heute neigen, ist überhaupt recht jungen Datums. Sie gehört dem 19. Jahrhundert an ; und wenn früher gegen die Ausbeutung dichterischer Quellen eine Anklage erhoben wurde, so war das eine Ausnahme. Hierhin gehört der heftige Angriff, den der Dramatiker Robert Greene in einer auf seinem Sterbebette verfaßten Schrift gegen Shakespeare richtete, den er als eine emporgekommene Krähe „mit unsern Federn geziert" bezeichnete. Es erregte aber dieser Angriff so großen Anstoß, daß der Herausgeber des Pamphlets sich deswegen öffentlich entschuldiate. Gewiß ist. daß Shakespeare
N<rnsprecha»schlittz Nr. 605. 1910
Gefundene und verlorene Genenstiinde re.
Gefunden: 1 schwarzer Damenpelz (in der Krämer- straße), 1 Monatskarte zur Fahrt Frankfurt-Ost—Hanau- Ost für Markus Stern.
Verloren: 1 fast noch neues braune- Damen- Portemonnaie mit etwa 80 Pfg. Inhalt, 1 Buch ,Sabina's Freier".
Hanau den 9. Februar 1910.
Politische Rundschau.
Weimar und die Schiffahrtsabgaben. In der gestrigen Sitzung deS weimarischen Landtage- erklärte der Departementchef Dr. Paulsen in Erwiderung auf eine Anfrage über die Haltung der weimarischen Regierung in der Frage der Schiffahrtsabgaben, daß an dieser Vorlage, wir sie jetzt vorliege, keinerlei Anstoß mehr genommen werden könne, da sie lediglich eine Verbefferung der WafferverkehrS- weg» durch eine einheitliche Gestaltung auf wasserwirtschaftlichem Gebiete erstrebe. Die großherzogliche Staatsregierung hielt e- daher für ihre Pflicht, Preußen bei seinem Vorgehen zu unterstützen.
Die General-Versammlung deS Bundes der Landwirte findet statt am Montag den 21. Februar, mittag- 121/» Uhr, zu Berlin im Steinbau des ZirkuS Busch, Burgstraße am Stadtbahnhof Börse.
Der sozialdemokratische Vizepräsident de- Meininger Landtages, Genosse Wehder, hat, wie aus Sonneberg gemeldet wird, seine Stellung als Verleger de- Sonneberger Genoffenorgan», deS „Volksfreund*, nieder- gelegt, wie man annimmt, infolge der Differenzen mit bei Redaktion deS Blattes über seine Stellung als LandtagS- avgeordneter. Wie bekannt, war in dem Blatte, als Wehdel sich zum Vizepräsidenten des Landtag- wählen ließ und damit die Verpflichtung der Repräsentation auch dem Meininger Hofe gegenüber übernahm, ein Artikel erschienen, der WehderS Bereitwilligkeit hierzu äußerst scharf kritisierte. An diesen Artikel schloß sich ein für alle Unbeteiligten äußerst amüsanter Krieg, der zwischen dem Verleger und der Nedaktiov im eigenen Blatte mit recht drastischer Schärfe auSgefochten wurde. Nun scheint in diesem Kampfe doch die Redaktion den Sieg davongetragen zu haben und der Verleger muß flüchten.
Die Obstruktion der Deutschen in Böhmen. Der Verband der deutschen Landtag-abgeordneten erließ nach der Vertagung des Landtages eine Kundgebung an bit Deutschen Böhmen-, in der eS heißt, daß alle Deutsche« danach streben, daß die verworrenen nationalen Verhâltniff« im Lande und auch im Reiche eine dauernde Ordnung er» in seiner Frühperiode die Stücke anderer Dramatiker bearbeitet hat, und zwar so unbedenklich bearbeitet hat, wie es wohl heute kein Dichter sich erlauben dürfte. Heinrich VI. ist ein kaum mehr zu entwirrendes Konglomerat von Shake- spearischen und Dorshakespearischen Bestandteilen; und wenn dieses trilogische Werk als Drama Shakespeares geführt wird, so kann es jedenfalls als solches nur unter der Annahme ausgedehnter literarischer Anleihen bezeichnet werden. Aber damals galt eben die literarisch, Aneignung in jeder Form für statthaft, und wie Shakespeare die Menächmen des Plautus in seinem Verwechslungslustspiele. Die Komödie der Irrungen sich zu nutze gemacht hat. so ist die Amphitruo desselben römischen Komödiendichters von Moliere übernommen worden, und später ist, freilich in originellem Sinne, Heinrich v. Kleist noch einmal daraus zurückgekommen. Aber Plautus selbst hatte ja wieder bei Menander und anderen griechischen Lustspieldichtern reichlich« Anleihen gemacht, und so geht der Eimer munter von Hand zu Hand.
Eine Sache für sich sind die unfreiwilligen literarischen Anleihen, von denen Emile Faguet einige hübsche Beispiele aus der französischen Literatur zusammengetragen hat. So las Racan einmal einem Freund» einen hübschen Vierzeiler vor, der wie dieser sogleich erkannte, nicht von ihm war. Er holte ein Buch aus der Bibliothek und wies ihm das Qua- train in einer verifizierten Moral des Rates Mathieu aus dem 16. Jahrhundert nach. In Corneilles Polyeuct finden sich zwei Verse, die von Godeau stammen, und doch ist eS ganz unzweifelhaft, daß sowohl Racan als Corneille beS guten Glaubens waren, sie hätten diese Verse gedichtet, während sie sich ihrer nur erinnerten. Dürfen wir einen Augenblick aus dem Gebiet der Dichtung in daS der wissenschaftlichen Literatur übertreten, so darf an den Literaturhistoriker Professor Merlet erinnert werden, der das Opfer fehlender Gänsefüßchen wurde. Er hatte in seine Notizbücher durcheinander Auszüge und eigene Ausarbeitungen eingetragen, erinnerte sich später nicht mehr des verschiedenen Charakters seiner 'Aufzeichnungen und paradierte so in seinem Buche mit erheblichen unfreiwilligen Anleihen aus Chateaubriand» Génw du christianisme. All« Welt kannte Merket al» ehrliches