18. Jauuse
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Herzegowina und Bosnien.
Die Herzegowina und Bosnien sind neuerdings wieder infolge der Einverleibung dieser beiden Länder in die oster« reichisch ungaruchc Monarchie viel besprochen worden. Eine mteressame, auf eigener Anschauung und sorgfältiger Beobachtung beruhende Schilderung der beiden jetzt zu Oesterreich gehörenden Länder gibt der italienische Forschungsreisende Dr. Gino Bertolini, ein Bruder des italienischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, in seinen „Balkan-Bildern", die jüngst im Verlage der bekannten Dieterichschen Buchhandlung (Theodor Weicher) in Leipzig (Pr. br. 5 Mk., geb. 6 Mk.) in deutscher Nebersetzung erschienen sind, und denen wir folgendes entnehmen.
Nach Dalmatien hin teilt die Narenta, die durch Mostar fließ«, die Herzegowina in zwei Teile. In zwölf Armen mündet sie in das Adriatische Meer und ist auch zugleich der größte Fluß Dalmatiens. Im Winter tritt sie aus ihren Ufern und verheißt, wie der Nll, dem überschwemmten Lande reichen, üppigen Ertrag. Man erntet dort Weintrauben, die 10 Pfund wiegen. Aber im Sommer gibt es eine Unzahl böser Mücken. Durch Sarajewo strömt die Miljacka, nach der ein wunderbares Tal seinen Namen führt. Die Dnna mit ihrem Nebenfluß Lim trennt Bosnien von Serbien, nnd die Same bildet die Grenze zwischen Bosnien und Slawonien. Aiißerdem kann sich Bosnien noch anderer bedeutender Flüsse rühmen. Da ist die Sana, die durch Kostajnika, Novi und Prjedor fließt, dre Una, die durch Bihae strömt, und die Vrbas, die Banjaluka bewässert. Nach der Bosna erhielt das Land seinen Namen. An ihren Ufern breitet sich Maglay aus, wo am 3. August 1878 bosnische Aufrührer die fünfte Schwadron der österreichischen Husaren aus dem Hinterhalt niedermachten.
Bosnien ist viel größer als die Herzegowina. Es mißt 41 959,58 Ouadlatkilometer, während die Herzegowina nur 9140,48 Quadraikilometer zählt. Der Sandschak von Novi- bazar, dessen Wichtigkeit in letzter Zeit weit überschätzt wurde, hat 7350 Quadratkilometer. Bosnien ist außerdem viel fruchtbarer als die Herzegowina. Es besitzt reiche Weiden, Wälder und grüne, wasserreiche Täler. In beiden Ländern wird Viehzucht getrieben. Bosnien hat Pferde, Ochsen, Kühe; die Herzegowina Hämmel, Ziegen, Schafe. Die mittlere Höhe der Herzegowina beträgt 790 Meter über dem Meeresspiegel, die von Bosnien 672 Meter. Beide Länder haben Eisen-, Kupfer», Mangan- und Kohlenbergwerke ; außerdem Früchte in großer Menge. Während Bosnien fick mit dem Purpur seiner Weinberge bekleidet, wachsen ' in der Herzegowina die berühmten Pflaumen, auS welchen man den bekannten Likör Sliwowitz gewinnt. Auch Tabak wird dort angepflanzt.
Von den 1 569 000 Einwohnern, die Bosnien und die Herzegowina nach der letzten Volkszählung aufweisen, sind ein Drittel Muselmanen, zwei Fünftel Griechisch-Orthodoxe und die andern Katholiken. Außerdem gibt es einige Tausend Juden, meist spanischen Ursprungs. In beiden Balkanprovinzen werden die islamitischen Bräuche mit größerer Reinheit und Strenge als in verschiedenen Städten der Türkei beobachtet. Die vorherrschende Sprache ist serbisch- kroatisch. Im neunten Jahrhundert wurde das Christentum dort eingeführt, was vor allem den Aposteln Methodius und Cyrillus zu danken ist.
Erst nach der Herrschaft der Römer, erst nach dem Einfall der Slawen und der Errichtung der Banate (Bani — Herzogtümer) konnte gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts ein wirkliches bosnisches Reich erstehen. Im Jahre 1463 wurde es von dem Sultan Muhamed II. erobert. Den letzten bosnischen König, Stephan Tomasovic, enthauptete man zu Jaice. Einige Jahre später setzte die Eroberung der Herzegowina ein, der dama igen Grafschaft von Chlum. Bei dieser Gelegenheit trat ein großer Teil der Bevölkerung, besonders der bosnische Feudaladel, zum Islam über. Im Jahre 1526 wurde Ungarn von den Türken zu Mohacs besiegt. 1698 drang Prinz Eugen von Savoyen bis nach Sarajewo vor; dann aber fielen die Länder doch wieder in die Hände der Türken zurück Die bitteren, blutigen Kämpfe zwischen Muselmanen und Christen dauerten bis zur Einleitung des Berliner Kongresses von 1878. — Bekanntlich wurden beide Länder im vorigen Jahre von Oesterreich Lwaektiert.
Sprachest des Mgeaitlnen Deutschen Sprachvereins.
Zweigverein Hanau.
Einen Ha^en laufen lasten.
In Goethes „Dichtung und Wahrheit* heißt eS von den Fremden, die einen Streit zwischen den Sonderlingen von Reineck und von Malapart zu verhindern suchen: „Sie ließen einen Haien nach dem andern laufen (dies war eine sprichwörtliche Redensart, wenn ein Gespräch sollte unterbrochen und auf einen andern Gegenstand gelenkt werden); allein es modle nichts verfangen." In der amerikanischen Zeitschrift „Modern Langnage Notes" gibt Professor Walz von der Harvard-Universität hierzu die folgende Erläuterung. M. Werner habe das Richtige getroffen, wenn er zur Erklärung auf die volkstümliche Erzählung von Salomon und Markolf Hinweise, in der Markolf einen unterm Mantel verstechen Hasen plötzlich laufen läßt, als Salomon die Hunde auf ihn hetzt. Wal; weist dann aber auf die zu Frankfurt 1703 erschienenen „Taubmanniana" hin, die Goethe sicher bekannt gewesen seien, und in denen u. a. erzählt wird, wie der in Ungnade gefallene Taubmann drei Hasen nacheinander auâ seinem Mantel schlüpfen läßt, als der Kurfürst immer noch Hunde auf ihn hetzt, so daß er schließlich unbehelligt zu ihm durchdringt. — Es ist das also im wesentlichen etwas ganz Aehnliches rote daS, waS schon Sanders und Löper zur Erklärung vorbrachten, die auf den Jägerausdruck" „Wechselhase* hinwiesen: „b. i. ein neu aufgejagter Hase, der die Aufmerksamkeit von dem erst gejagten ablenkt.* DaS „Laufenlassen* allerdings erklärt die Taubmannsche Geichicht« noch besser. Abzuweisen ist die Erklärung Heynes im Deutschen Wörterbuch. Hase sei bildlich gebraucht für Schnurre, närrischer, lustiger Streich ; Walz weist dazu mit Recht auf den Ernst jener Gesellschaft bei Goethe hin.
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Oefftiitlicher Wetterdienst.
Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt a. M.
PoraussttstMche Witteruna für Die Zeit vom Abeuv des 18. Januar bis zum nächsten Abend.
Abkühlung, Schnee, wolkig, windig.
Drahtnachrichten
C. Offenbach, 18. Jan. Ein KOjäh iger Schuh' machermeister im Westend unserer Stadt erhängte sich gestern nachmittag in seiner Werkstatt. Traurige Familienverhält- Nisse, seine Frau ist seit 8 Jahren krank und er selbst war in letzter Zeit leidend, sollen das Motiv der Tat sein.
Bersin, 18. Jan. In der Fabrik des Feuerwerk- technikers Dock in Nieder-Schönhausen entstand gestern nachmittag eine Explosion durch in Brandroten von Knallkorken; nicht weniger al» 39 000 Korks entzündeten sich. Der Luftdruck war so stark, daß die Türen aus den Angeln gerissen und die Fensterscheiben in tausend Stücke gesprengt wurden. Sech» Angestellten erlitten mehr oder weniger erhebliche Verletzungen.
Recklinghausen, 18. Jan. Infolge Explosion einer Lokomotive wurde der Führer der Maschine getötet.
Wien, 18. Jan. Der Prokurist de» Deutschburger Bankhauses Max Cohn, namens Siceard, verübte wegen verfehlter Börsenspekulationen, die er gemeinsam mit seinem Chef durchführte, Selbstmord. Von letzterem fehlt seit einigen Tagen jede Spur. Er soll über Privatdepots von 10 Millionen Franken verfügt haben.
Wien, 18. Jan. Die Untersuchung der Teile, die der Leiche der ehemaligen Braut Hofrichters entnommen waren, hat bis jetzt noch keine Spur von Zyankali ergeben.
Paris, 18. Jan. Der Unterstaatssekretär der Marine, Chèron, ist in St. Male eingetroffen, um den zwischen den Neufundlandfischern und den Reedern ausgebrochenen Zwist zu schlichten. Auf seine Anregung hin dürften die Vertreter der Syndikate der Reeder und der Neufundlandfischer zu einer Besprechung zusammentreten, um zu einer Verständigung zu gelangen.
Paris, 18. Jan. In Halluin an der französischbelgischen Grenze streiken 4000 Weber, von denen die meisten auf belgischem Gebiete wohnhaft sind.
Paris, 18. Jan. Der Papst ernannt« den Bischof von Nevers, Msgr. Gautbey, zum Erzbischof von Besancon.
Madrid, 18. Jan. Im gestrigen Ministerrat gelangte ein Telegramm des Generals Marina zur Verle'ung, in dem das bedeutungsvolle und befriedigende Ergebnis deS R'ffeld- zuges dargelegt wird. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beschloß der Minisierrat, zur Beschaffung von Mitteln für den Bau von Arbeiterhäusern, die Erhebung einer Grundsteuer und berichtete über das Budget, in dem die Regiening den von der liberalen Partei gemachten Versvrechungen bezüglich des Fiskalsystems Rechnung tragen wird und in dem
unproduktive Vermögen zu Gunsten der Arbeiter besteuert werden.
, Trier, 18. Jan. In Echternacherbrück bei Trist schlug beim Entfernen von Hol,pfählen einer Notbrücke über di- Sauer ein Nachen um. Fünf Insassen stürzten ins Wasser, dre, konnten gerettet werden, während zwei ertranken. Die beiden Ertrunkenen sind Familienväter.
Königshütte, 18. Jan. Die 30jährige Frau eines Bergmannes, die in der Dunkelheit die Schlackenmulde einer Grube betrat, um Kohlenreste zu sammeln, geriet an die Stelle, auf die plötzlich Bergleute von oben einen Wagen mit glühenden Schlacken umschütteten. Die Frau war alsbald eine vollständig verkohlte Leiche.
.Brüssel, 18. Jân. Die Auszahlung der ersten Rate aus der Hinterlassenschaft des Königs Leopold wird bereits heute erfolgen. Jede der drei Schwestern erhält zunächst 6,5 Mill. Francs, wovon die Prinzessin Luise 5 Mill. Francs an ihre bisherigen Gläubiger abzugeben hat.
Paris, 18. Jan. Ueber die Entdeckung der von dem Herzog von Benaventa betriebenen Falschmünzerei, werden aus Madrid folgende Einzelheiten gemeldet: Da der Herzog, der einen Ehescheidungsprozeß führte, die Gerichtskosten nicht bezahlen konnte, wurden Gerichtsbeamt» nach seiner Wohnung gesandt, um eine Pfändung vorzunehmen. Die Beamten hatten das ganze Gebäude durchsucht, ohne irgend einen Gegenstand von Werl gesunden zu haben. Schließlich gelangten sie an einen sorgfältig abgesperrten Raum, dessen Tür sie sprengen ließen. Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen stellten sie fest, daß sich dort eine regelrechte Falschmünzer- werkstatt befindet. U. a. wurde eine ganze Kiste mit halbfertigen Fünf-Pesetastücken entdeckt. Man glaubt, daß mehrere sensationelle Verhaftungen bevorstehen.
Paris, 18. Jan. Aus Madrid wird gemeldet: Die Arsenalgesellschaft von Ferrel droht die Werkstätte zu schließen, weil ihre 2400 Arbeiter sich weigern, Ueberstunden zu machen. Man befürchtet, daß ein allgemeiner Ausstand die Folg« sein könnte, da die übrigen Arbeitersyndikat« der Gegend, darunter auch die Hafenarbeiter von Ceruna. mit den Arsenal« arbeitern gemeinsame Sache machen wollen.
Lonvon, 18. Jan. DaS Ergebnis der Wahlen bis ein Uhr früh ist folgendes: Gewählt sind 92 Unionisten, 77 Liberale, 16 Mitglieder der Arbeiterpartei, 13 Nationalisten. Die Unionisten gewinnen 37 Sitze, die Liberalen 7, btt Arbeiterpartei gewann einen. — Der Präsident der Lokalverwaltung, BurnS, wurde in Daltersea wiedergewählt mit einet Mehrheit von 645 Stimmen, der Finanzsekretär der Admiralität, MacNamara in Camberwell und der Chef- sekretär für Irland, Birrel in Bristol. In der City von London erhielten di« Unionisten Balfour und Banbury 17 907 res. 17 302 Stimmen, der Liberale Bell 4623 Stimmen; Balfour und Banberry sind mithin gewählt. GateShead (Durham) wurde der Arbeiterpartei von den Liberalen genommen. In Blackburn wurden Thomas Barclay, liberal, mit 12065 Stimmen und Snowden, Arbeiterpartei, einer der sozialistischen Führer, gewählt. Lord Robert Cecil, der hervorragende Unionist und Frei- Händler und der Unionist und Freihändler B o w l « S sind unterlegen. Der Unionist und frühere Untersekretar xm HandelSamt Bonar Law wurde in Dulwich wiederge- wählt. In Woolwich siegt« der Unionist Adam mit 8715 Stimmen über den Arbeiterführer Crooks, der 8240 Stimmen erhielt. In TogeSraech FinSburg-Caft siegte der Liberal« Allen Baker mit 2102 über den Unionisten Mason, der 2016 Stimmen »rhielt, in Finsburg Central . der Unionist Archer-Ehe« mit 3559 Stimmen über den Führer der Arbeiterpartei Steadman, der 3187 Stimmen erhielt. Der Finanzsekretär im Schatzamt Hobhouse wurde in Bristol- East wiedergewählt. In Portsmouth wurden btt Unionisten Lord Charle» Beresford und Falle mit 16 777 resp. 15 592 Stimmen gewählt, der Liberale Brams von erhielt 12 397, der Liberale Lambert 9965, daS Mitglied bei Arbeiterpartei Sanders 3529 Stimmen.
SchtstSbertchte.
(Mitgetellt von Agent Ad. Trrni ch-H«u«u.1
Der Hamburger Dampfer „Pretoria* ist am 15. Januar wohlbehalten in New-Pork eingetroffen.
Sambiira, 14. Januar. Der Dampfer „Naupl,a von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern tn Havana ein-
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