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Die ekyebte Stummer taftet^lO Wz.
Agiâvtdnuk und verlaq der Buchdrucker« dB »««m. o. WarieuhauleL m Hauau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Auänahme der Sonn* und Feiertag«, mü belletristischer Beilage.
Die ftaf gefrostete MitMe »bet beten Raum M yf-, tat »ettamenteL bk Zeit« 45 ^
V«<mtw»M. Redaktrur: e. S^ttdet h H««.
Nr. 11
fternlvrediankblnfj Nr. 695
Freitag dcn 14. Januar
^ernsprechanschlntz Nr. 605
1910
Amtliches.
Candkreis Ranau.
Unter Bezugnahme auf meine Kreisblotlbekanntmachnng vom 15. Januar 1908 — in Nr. 3 der Amtlichen Beilage — mache ich die Ortspolizeibehörden deS Kreises darauf aufmerksam, hast die Listen über die im Jahre 1909 ausge- stellten grauen Quittnngskarten B (Setbsiversicherer) unverzüglich der Landesversicherungsanstal! Hessen-Nassau in Gaffel einzureichen sind.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Hanau den 11. Januar 1910.
J 29
Der Königliche Landrat.
F r h r. L a u r.
Gefundene nnd verlorene Keqenstönde re.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 4,54 Mk., 1 roteS Täschchen mit Schülerutensilien, 1 Sturmlaterne, 1 gelber Gummiballen, 1 Kinderpelz, 1 kleines Vorhängeschloß mit 7 kleinen Schlüsseln am Ring, 1 bunte Herrenmanschette mit gelbem Knopf.
Verloren: 1 braunes Dameutäschchen mit etwa 2 Mk. und 1 Schirmüberzieher, 1 braunes Portemonnaie mit 5,60 M.
Entlaufen: 1 großer g' auer * é,j/®»
Hanau den 14. Januar 1910.
Stehen geblieben im städtischen Brausebad ein Damen-Regenschirm. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaliung. 1263
Hanau den 13. Januar 1910.
Politische Rundschau.
Zur Tratte der Schiffasirtsabgaben. In
der be-
gestrigen Elatsbeiatung der sächsischen Ersten Kammer tührle Oberbüraei meister Geheimer Rat Dr. Neuster die Frage
der Eebiffahrtsabgabeu. Herauf führte der Staatsrechtslehrer Wirft. Geh. Rat Prof. Dr. Wach in einer eing-ben- den Darlegung über diesen Gegenstand u. a. folgendes aus: In der Frage der Cch'ffabrtsabgaben hätten sich die Gegensätze mehr und mehr verschärft. Ihm ichien eS geboten, jetzt, wo diese schweren Jnteresienkâmpse beginnen, Verständigung zu suchen. Es wäre ein Schaden für unser innerpolitisches Leben, wenn die Ufbcreuaung nicht zum Siege käme, daß Sachsen, Baden und Hessen sich in ihrer Haltung lediglich von der Rücksicht auf das Wohl ihres SiacneS bestimmen ließen, daß sie auf einem verfassungsmäßigen Boden ständen, daß ihre Stellung innervolitisch gerechtfertigt und wahrhaft patriotisch sei. Es handle sich um eine Aenderung des Artikels 54 der Reichsversafsung. Der § 19 des preußischen Wasserstraßengesetzes sei verfassungswidrig, also schlechthin nichtig. Außer durch die Einführung der SchiffahrtSabgaben würde die Aenderung der Reich^verfassung aber auch durch die geplante Einführung der Zweckverbände bedingt, daß neue staatliche Genossenschaften dem Bundesrate unterstellt werden sollen. Diesem würde damit eine Kompetenz übertragen, die ihm nach der Reichsverlassung nicht zusteht. Die Reichsver- fassung sei aber das Bollwerk unserer nationalen Existenz. Wer sie ändern wolle, müsse erst beweisen, daß eine solche Aenderung dem Reiche zum Wohle gereicht; er zweifle aber, daß dieier Beweis gelinge. Denn es werde eine Schiffahrt-- freiheit preisgegeben werden, die durch lange Kämpfe errungen worden sei und in der sich Handel und Industrie entwickelt hätten. Schon jetzt steht es fest, daß für Sachsen die Einführung der Schiffahrtsa''gaben einen außerordentlichen Schaden im Gefolge haben würde. In der vorli-genden Frage müsse im Bundesrat das Prinzip gelten: Einer für alle und alle für einen, nicht aber das Prinzip: Ausbeutung deS einen durch den anderen l Er hoffe bestimmt, daß man den Einwendungen Sachsens Gehör schenken möchte.
Die Lage der Landwirtschaft. Die dem Abge- ordneteiihause zugegangenen Uebersichten über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der Domänen lassen wiederum erkennen, wie erheblich die Lage der Landwirtschaft sich verbessert hat. Der Pachtzins pro Hektar ist nämlich gestiegen: in Ostpreußen von durchschniNlich 15,8 Mk. auf 21,2 Mk.,
37,6 Mk., in Hannover von von 37,6 Mk. durchschniitliche
in Westpreußen von 25,0 Mk. auf 25,4 Mk., in Pommern von 36,1 Mk. auf 43,3 Mk., in Posen von 21,4 Mk. auf Sachsen von 87,0 Mk. auf 89,1 Mk., in 40,8 Mk. auf 57,6 Mk., in Hessen-Nassau auf 40,2 Mk. Nur in Brandenburg ist der Pachtzins pro Hektar ein wenig gesunken: von 44,6 Mk. auf 44,1 Mk. Für die Provinzen Schlesien, Schleswig-Holstein, Westfalen und die Rhcinprovmz liegen
leint entsprechenden Zahlen vor.
Parlamentarisches.
Ostafrika in der Budgetkommission.
mb. Die Verhandlung über den Nachtragsetat für bie Schutzgebiete wurde gestern fortgesetzt und führte zur fast einstimmigen Annahme der ostafrikanischen Forderung von zwei Millionen Mark zur Fortführung der Ulambarabahn bis Moschi unb zum Ausbau des HalenS in Tanga, sowie im ordentlichen Etat 63200 Mk. für den Lazarett Betrieb und zur Anschaffung wissenschaftlicher Fachschriften. Nur die Sozialdemokraten stimmten dagegen. Im Laufe der heutigen Aussprache gab der Wortführer der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft die Erklärung ab, daß seine Freunde auf dem Standpunkt ständen, bei Sicherstellung der Rentabilität Ko- lonial-Bahnbaulen zu genehmigen. Wolle man das Ziel, die Beseitigung der Zuschüffe für die Kolonicn erreichen, so müsse man die Kolonien wirtschaftlich heben und dazu gehörten auch die Bahnbauten; aber sie müßten aus Kolonial- Einnahmen gedeckt werden. Das scheine hier auch bei ungünstiger Entwicklung der Fall zu sein. Einen breiten Raum in der heutigen Erörterung nahm die Frage der Besiedelung?- fähigkeit des Landes ein. Man war im Zweifel, ob die gestrigen Darleaungen des Unterstaatssekretärs von Lindequist über die Ergebnisse feiner Reisen ein „Enkouragieren" bedeuten solle. Es wurde die Frag« gestellt, ob Herr Dernburg jetzt geneigt sei, von seiner bisherigen Politik abzugehen, nach der Ostafrika das Land der Plantagen mit schwarzen Arbeitern sei. DaS Zentrum sieht, wie ihr Vertreter in der Kommission erklärte, keinen Grund zu Aenderungen der bisherigen Politik in Ostafrika. Mit Kleinsiedelungen solle man sehr vorsichtig sein, um nicht ein weißes Proletariat zu züchten. Staatssekretär Dernburg führte in Erwidenmy hierauf aus: Ein Staat, der enkouragiere, übernehme die Garantie für daS Fortkommen der Ansiedler, und das sei nicht Sache des Staates. Aber Bahn- unb Straßenbauten müssen, unter Schonung des Reichssäckels, gemacht werden, wenn die Möglichkeit einer Kolonisation da sei. Ob der Versuch dann glücke, sei eine andere Frage. Er wiederhole, daß unter 15000 Mk. Kapital nichts zu machen fei. Er fei ein Gegner der Beihilfen. Draußen sei schwerer fortzukommen als zu Hause. Die Stärkung des deutschen Elements sei natürlich wünschenswert, aber der Staat dürfe sie — und müsse es freilich auch — nur durch Anlegung der Verkehrswege und sonstige öffentlichen Einrichtungen wie in der Heimat unterstützen. Der Unterstaatssekretär habe von Kleinsiedelungen nicht gesprochen, und er habe nur von der Wahrscheinlichkeit der Besiedelungsfähigkeil gesprochen. Ein endgültiges Ergebnis in sanitärer wie wirtschaftlicher Hiw sicht könne erst die Erfahrung bringen; mancher komme in schwierigen Verhältniffen fort, weichere Naturen selbst in besseren nicht. Wirtschaftliches Gleichgewicht werde nur durch Export hergestellt werden können; da aber die Weltmarktartikel im Preise schwanken, so sei es immer ein Risiko, dort hinaus zu gehen. Was jeder tue, sei seine eigene Sache, die Hauptentwicklung hinge von der Initiative der einzelnen ab. Die Rinderpest könne natürlich in Ostafrika immer wieder auftreten. Das Risiko werde geschwächt durch das Kochsche Mittel, das große Teile der Herden rette. Der Staatssekretär erklärt, er habe sich ebensowenig gedreht, wie Gouverneur v. Rechenberg; er bleibe bei der eben entwickelten Ansicht, die er stets gehabt habe. — Der freisinnige Redner fügte seiner vorhin schon erwähnten Erklärung über den Bahnbau hinzu, es sei fraglich, ob Kaffee und Tabak den Erwartungen ent- sprechen werde; dagegen böte Sisal, vielleicht Baumwolle, wohl auch Viehzucht gute Aussichten. Um Export zu schaffen, müßten nach den Wünschen westafrikanischer ,Farmer Er- leichterungen für dieKonseroenausfuhr gewährt werden, auch für Ostafrika sei dies zu erwägen. Die Massai schienen ihm wegen der Zusammendrängnng in Reservaten, wenn dort durch Anhäufung von Weißen Reibungsmög- lichkeiten entstehen, nicht ungelährlich. Die Hafenfrage fei im Sinne der Regierung zu regeln. Eine Aenderung der An- schauung des Staatssekretärs in der Farbigenfroae könne er nicht erkennen. Für Weiße liegen die Verhältnisse in den verschiedenen Gegenden natürlich verschieden. Durch Beihilfen künstlich Ansiedler zu züchten, würde falsch sein; sur öffentliche Einrichtungen müsse der Staat eintreten, wenn die Entwicklung dies bedinge und erlaube. Der Wortführer der Sozialdemokraten fand in den heutigen Erklärungen des Staatssekretärs geradezu ein Abraten von der Auswanderung, da er ja geäußert habe, energische Leute kamen aruh zu Han e vorwärts ; demnach sollten sie besser Hierbleiben. Das d", sch Volk hält der sozialdemokratische Redner für durchaus Ji.^ lungSunfähig ' eine deutsche Bevölkerung Sterbeziffer aussterben, da die Geburtenziffer ^ "er als d e S b ff fei. Der Staatssekretär erwiderte H
so viel Männern wie Frauen- ^
nicht großer sein ^E ^s d . jn(bpn\Jfr(ltifriie Redner demokratie lehne, so luhrte o w eine Spekulation weiter aus, bte Dahnbauten a Ausbeutung schwarzer aus Entwickli.ngsmögffch e.te z Ansiedlung kapitalkräftiger Arbeitskrast s t »"J Von nationalliberaler Seite Unth?bX das Gouvernement habe direkt dekouragiert, z""B einen Anstedlungslustigen nach Südwest gewiesen. Für
Beihilfen seien auch die Nationalliberalen nicht; geschenkte Ländereien gäben nicht daS nötige Heimatsgefühl. Di« Massaigefahr sei nicht so groß, jedenfalls verringere die Bahn und die Vermehrung der Ansiedler diese Gefahr. Der von sozialdemokratischer Seite geführte Vergleich zwischen Sterbe- und Geburtsziffer sei hinfällig; die ungesunden Gegenden seien damit verrechnet. Es gäbe kinderreiche weiße Familien in Ostafrika. Ein anderer nationalliberaler Abgeordneter gab seiner Freude Ausdruck über die Art. wie der Unterstaatssekretär v. Lindequist in SUdweft die Kleinsiedlungen gefördert habe; leider sei das Ergebnis dürftig gewesen. Di« Absatzfrage sei da die Hauptsache, deshalb prosperieren Kleinsiedlungen nur in der Nähe größerer Plätze. Der Staatssekretär habe mit recht von ganz kleinen Versuchen mit weniger als 15000 Mark abgeraten; er solle auch nicht ermutigen. Uebrigens war früher nur die Farbigenfrag« akut; die Aenderung der Anschauung deS Staatssekretärs in dieser Beziehung sei nicht so groß. Daß das Gouvernement den Farmern etwas entgegengekommen sei, sei doch gut; im großen und ganzen habe die Regierung recht mit ihrer Politik. Die ostafrikanische Bahn- und Hafenvorlage würd« hierauf mit allen gegen drei Stimmen genel ''gt. — Di« Budgetkommission begann sodann die Beratung deS auf Südwestafrika bezüglichen Teiles deS Nachtragsetats. Der Referent teilte zunächst das Ergebnis der Denkschrift über die Diamantenfrage mit. Das Reich habe alle- in allem rund 48 Prozent Anteil an den Erträgen. Der Vergleich mit den Verhältnissen im englischen Südafrika sei sehr günstig; dort hab» erst Cecil Rhodes mit 200 Millionen Kapital Ordnung geschaffen; bei unS habe der Staatssekretär durch Sperrung, Zölle und Regie sofort mit den ihm zustehenden Machtmitteln daS getan. Hätte man den Ansiedlern btt Dinge überlasten, so würde daS Reich heute nicht die Erfolge haben, da jene nicht fähig gewesen wären, kaufmannstch großzügig zu arbeiten, vielleicht nicht einmal daS Abg » nen in englische Hände hätten verhindern können. Der Korreferent äußert die Hoffnung, daß die Einnahmen bleiben werden. Die Ansiedler haben in Telegrammen Wünsch» übersandt. In Lüderitzbucht habe bekanntlich eine Protestversamml ung gegen die Dernburgsche Politik stattgefunden, in der erklärt worden sei, Herr Dernburg habe ohne Not an Gesellschaften Vorteile vergeben und die Ansiedler beiseite geschoben. Ander Begründung der übersandten Petition werden Stellen verlesen. ES wird darin die Einsetzung einer Reichstags- kommission zur Prüfung sämtlicher Transaktionen deS Staatssekretärs verlangt, und daß die Verlängerung der Konzessionen über den 31. März 1911 ohne Gegenleistung verhindert werde. Staatssekretär D - r n b u r g erklärt, er wolle sich von persönlicher Polemik fernhalten und rein sachlich sprechen. Vor knapp einem Jahre sei dem Reichstage die erste Mitteilung über Diamantfunde gemacht worden; Fehler seien nicht gemacht. Unter der Herrschaft der Regie seien die Preise um soviel gestiegen, daß der Zoll dadurch schon fast eingebracht sei. Im März lOp9 hab« er hier Lüderitzbuchter Bürger gehört, die sich vollständig mit ihm einverstanden erklärt hätten. Das Novum lei, daß di« Sperrmaßregel bis zum 31. März 1911 falsch verstanden sei. Man glaube, die Rechte der Gesellschaft seien so fragwürdig, daß man sie leicht ablösen könne. DieS fei falsch, und daS wisse man auch in Lüderitzbucht. Wenn eS Rechte von zweifelhaftem Wert seien, so hätten bie Schürfer selbst Recht« von solchem Wert, da sie alle von der Kolonialgesell schäft die Rechte selbst erworben hätten. Die Rechte der Gesellschaft sind förmlich gekauft. Im ganzen Gebiet gibt eS kein Recht, daS nicht hinfällig würde, sobald daS Recht der Kolonialgesellschaft hinfällig würde. Er wäre gern bereit wenn man diese Rechte angreife, bte sämtlichen Konzessionen für den FiskuS einzuziehen. Die Leute der Stauff-Grupp« zum Beispiel haben Millionen verdient und beschweren sich, daß daS Reich auch etwas gewonnen habe. Dieganze Arven bestehe in drei Dingen: einen Schürffchem für 60 Mk. lösen, einen Pfahl einsetzen und eine Gesellschaft grünben. Nun wolle man auf Kosten der Kolonialgesellschaft bte Schutz gebietskasse kräftigen, das heißt sich selbst ent asten Man verlange, der Staatssekretär solle der
abnehmen als einer anderen, zu der jene Herren s bst gehörten. Ohne Aequivalent an bte Ko onialgesellschaft sei von ihm bie Schürf-Freiheit durchgesetzt; im anderen Falle hatt. Ll ^ «WÄÄ «*5Ä JÄÄ
E»«
Nsiches erworben seien. 1888 nt Der vseieujajm ioqq regal über das ganze Schutzgebiet gegeben worden 1889 -vurde es bestätigt. 1905 wurde eine neue Bergmdnung erlassen, die nichts für bie Kolonialgesellschaft einschrankte. Erst er'habe eine Wendung zum Besseren bewirkt dem er Schürffreiheit durchsetzte und eine gewisse Zahlungspfucht des Reiches aufhob. Die Lüderitzbuchter haben allo auf Grund der Rechte der Kolonialgesellschaft geschürft. Der Vorwurf, man ziehe das Geld aus der Kolonie, treffe nicht zu. Das Reich zahle jährlich 34 Millionen Mark dorthin; die Einnahmen au3 den Diamanten würden für Bahnbauten verwandt. In der Denkschrift stehe, daß 97 Vi Proz.