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WotatjonSdruL und Verlag der Buchdrucker« des verein, cs. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtlllhes Organ für SlaM= an) Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinröckuussgeSLHer

Die Aufgelpaltea« Petitzeil« oder deren Ram» A Pf^ im Reklamen teil die Zeile 45 Ps-, veranimorü. Redakteur; E, Schrecker in Hauam

Nr. 10

Zyernsprechnnschlns; Nr. 605»

Donnerstag den 13. Jannar

Jernsprechanschlutz Nr. 605* 1910

Lie 6 tätigt Statntr mfaßt n6tt i.MnhtltWilltti

14 Seite«.

PotitiTAe Rundschau.

Der Kaiser empfing gestern vormittag um I/al2 Uhr den amerikanischen General Woodford, den Präsidenten des Komitees, das die große Hudson-Fulton^Feer in Newyork im letzten Herbst geleitet hatte, um dem Kaiser den Dank für die Beteiligung Deutschlands an der Feier auszudrücken. Der General überreichte dem Kaiser gleichzeitig mit der goldenen Erinnerungsmedaille eine Denkschrift des Newyorker Komitees. Der Kaiser nahm Medaille und Schreiben aus den Händen des Generals entgegen und verlas eine in eng­lischer Sprache gehaltene Antwort, in der er seiner Freude über die M daille zum Gedächtnis der Entdeckung des großen Stroms und der Einführung der Dampfschiffahrt auf dem Hudson Ausdruck gibt. Er bat den General, dem Komitee seinen wärmsten Dank zu übermitteln und diesem mitzu- teilen, daß diese Medaille als Erinnerungszeichen an die beiden denkwürdigen Begebenheiten, die von größter Wichtig­keit für die Entwicklung Newyorks und der Vereinigten Staaten waren, gewürdigt werde. Er hoffe, daß die Feier ein neues Glied in der Kette, welche beide stammverwandten Völker verbindet, die ohnehin durch so manche starke Bande verknüpft seien, bilden werde. Zum Schluffe überreichte der Kaiser dem General den Kronenorden 1. Klasse.

Aus dem preußischen Landtage. Das Zentrum hat Interpellationen über die Versetzung der Kattowitzer Lehrer und Beamten und über den Arbeitsnachweis im Ruhr­revier eingebracht. Da das am 1. April d. I. in Kraft tretende Gesetz über eine Aenderung der Zivilprozeßordnung usw. durch Ausdehnung der Zustellungen von Amts wegen auf zahlreiche Fälle, die bisher zu den Obliegenheiten der Gerichtsvollzieher als Beauftragte der Parteien gehörten, eine große Zahl von Gerichtevollzieherstellen entbehrlich macht, so sieht der soeben bekannt gewordene Justizetat die Zuweisung von Gerichtsvollzieherbezirken mit zu geringem Geichäfts- umfange an benachbarte Amtsgerichte vor. Das sei für 230 Bezirke angängig gewesen. Die dadurch entstehenden Reise­kosten der Gerichtsvollzieher fallen nicht den beauftragenden Parteien zur Last, sondern werden durch Pauschvergütungen aus der Siaatskasse bestritten.

Eine Novelle zum preußischen Gerichtskosten- geseß in Verbindung mit einer Denkschrift über die Wirkung des geltenden Gerichtskostengesetzes ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Die Freikonservativen haben im Abgeord­netenhause das Ersuchen an die Staatsregierung gestellt, darauf hinzuwirken, daß bei Erlaß eines Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen die Rechte der hannoverschen Grund­eigentümer hinreichend gewahrt werden.

Freisinniger Parteitag in Wiesbaden. Am 22. und 23. d. Mts. findet in Wiesbaden der fünfte Partei­tag deS süddeutschen Verbandes der Freisinnigen Volkspartei statt. Nach einer Vorbesprechung des Parieiausschusses am Vorabend folgt die Vertrauensmänner-Versammlung (Partei­tag) mit folgender Tagesordnung:, Bericht des Partei-Aus­schusses, Kassenbericht und Antrag auf Geldbeschaffung, die Einigung der Liberalen und das neue Parteiprogramm (Be­richterstatter Rechtsanwalt Dr. Heilbronn-Frankfurt und Reichstagsabgeordneter I. Kopsch-Berlin), und Neuwahlen des Partei-Ausschusses.

Pauschalierung der Laudtagsdiäten in Baden. Dem badischen Landtag ist ein Gesetzentwurf wegen Ge­währung einer Pauschalvergütung statt der bisherigen Tages- biaten für die Abgeordneten der beiden Kammern zugegangen. Hiernach sollen die Abgeordneten mit Ausnahme der Prinzen des großherzoglichen Hauses und der Häupter der standes- herrlichen Familien neben der bisherigen freien ^ahrt auf den badischen Staatsbahnen für die Dauer der Ständeversamm­lung, sowie für acht Tage vorher und nachher eine Auf- wandentschädigung im ganzen erhalten. Diese beträgt für die Dauer eines ordentlichen Landtags für die nicht in Karlsruhe wohnenden Abgeordneten der Ersten Kammer 1500 Mark, für die der Zweiten Kammer 3000 Mark, und für die in Karlsruhe wohnenden Abgeordneten der Ersten Kammer lOOO Mark, für die der Zweiten Kammer 2000 Mark. Im einzelnen schließt sich der Entwurf im wesentlichen an die neueren Gesetze für das Reich, für Bayern und Sachiew an.

Italiens Dank. DasGwrnale d'Jtalia", das Organ Sonninos, beipricht den Bericht des deutschen Erd- bebeukomitees, das im ganzen zehn Millionen Lire zusammen- drachte, und sagt, er beweise die Sympathie, die das große deutsche Volk für Italien fühle. Vom Kaffer bis ju dem

bescheidensten Bürger, von der Kaiserin bis zu allen mit­leidigen^ Frauen habe ganz Deutschland ohne Prahlen und ohne Lärm eine Probe des edelsten Elans seines Herzens gegeben. Das Andenken des WohllätigkeitswerkeS bleibe dauernd in den gegründeten Kinderasylen, dauernder in dem dankbaren Herzen der Italiener. DieTribuna* bleibt nicht hinter der Wärme des gegnerischen Blattes zurück. Die Summe, die Deutschland aufbrachte, sei der klare Beweis einer Brüderlichkeit, die nichts unversucht ließ, um sich ver­schwenderisch zu äußern. Diesem Freundschaftsbeweise ge­bühre heißester Dank. Alle Nationen hätten bei der Kata­strophe Beweise der internationalen Solidarität gegeben. Aber Deutschland, das mit Italien durch eine auf Gemein­samkeit der Ziele und Gleichheit der Einheitskämpfe gestützte Freundschaft verbunden sei, fühlte nicht nur den Drang, Sizilien und Kalabrien zu helfen, sondern gab diesem Elan nach die Poesie der stillen Arbeit und des Edelmuts, der nicht rechnet. Des Italieners Herz schlage höher über diesen Beweis wahrer Liebe. Bismarck sagte, Bündnisse seien ver­gänglich, aber die vom Gefühl geleiteten Bündnisse haben eine unzerstörbare Krait und festigen zugleich jene Solidarität, welche die beste Bürgschaft brüderlichen Einverständnisses ist.

Die Pforte erhielt die Antworten der Schutzmächte auf die letzte Protestnote wegen der Eidesleistung der Regierung Kretas. Nach Informationen bei der Pforte erklären die Schutzmächte die Handlungen der Kretenser, welche die Schutz- mächte irritierten, für unsinnig, zumal von einer Annexion Kretas durch Griechenland nie die Rede gewesen sei. Die Schutzmächie hätten versprochen, rinzulchreiten.

Hinter den Kulissen der türkischen Minister- krisis. Der Ausbruch der gegenwärrigen Ministerkrists hat in überzeugendster Weise zum Ausdruck gebracht, daß daS jnngtürkische Komitee nach wie vor entscheidenden Einfluß hat und als Nebenregierung in des Wortes schlimmster Be­deutung zu betrachten ist. Es ist für die Beurteilung der politischen Lage wichtig, sich gegenwärtig zu halten, daß die Demiiston Hilmi Pascha aus keinem anderen Grunde erfolgt ist, als, weil das Komitee nicht länger Lust hatte, mit ihm zu arbeiten. Schon vor der Eröffnung der gegenwärtigen Parlamentsperiode hat das Komitee sich sehr eingehend mit der Frage beschäftigt, ob Hilmi noch länger im Amte bleiben soll. Damals wurde es für besser erachtet, ihn eine Zeit­lang noch auf seinem Posten zu lassen, wei. das Komitee nicht wußte, wem es den Posten des Großwesters übertragen sollte. Sein Wunsch war, den noch sehr jugendlichen Tabat

Bey, den Minister des Innern, der bis zur Revolution Telegraphensekrelâr in Saloniki war, an die Spitze der Re­gierung zu stellen. Aber gegen diesen Gedanken lehnte sich alles auf, was sich nicht dem Komitee mit Haut und Haar verschrieben hatte, und da man ernste Schwierigkeiten voraus­sah, wenn man der öffentlichen Meinung zum Trotz diesen Mann mit dem Amte des GroßwesierS betraute, ließ man den Gedanken fallen und verlangte die Beseitigung Hilmi Pascha- für einen gelegenen Zeitpunkt, der dann durch die Wendung, welche die Lynchaffâre genommen hat, eingetreten ist; denn die Bewohner von Bagdad sind über die Haltung der Kammermajorität in dieser Angelegenheit so empört, daß sie ihre Abgeordneten unaufhörlich mit den leidenschaftlichsten Telegrammen bombardierten, in denen sie die ernstesten Konsequenzen veranlagten, falls die Forderungen der Lynch- gesellichaft erfüllt werden würden. Das hat die Herren vom Komitee doch stutzig gemacht, und mit einer kühnen Wendung boten sie nun den erregten Bagdadleuten das Haupt Hilmi Paschas zur Sühne an. Die Männer aber, die der Türkei die Lynchaffäre eingebrockt haben, wie Dschavid und Palaat Bey, bleiben unangefochten weiter in ihrem Amt. Vielleicht aber ist das Komitee nur deshalb über Hilmi Pascha er­grimmt, weil dieser durch das Eingreifen der Kammer in die Angelegenheit schließlich veranlaßt wurde, die von der Lynch- gesellschait geforderte Eittschädigung für den Fall, daß die Schiffahrt auf dem Euphrat und Tigris durch die geplanten Kanal,sterungsiverke leiden foUie, zu verweigern. Die Eng- länder bestehen aber auf dieser Entschädigung, und die ganze Angelegenheit ist vollkommen zweifelhaft Worden, weil die Engländer in diesem Falle keine lüJs(lfd?;f£^ mehr an dem Unternehmen haben. Hilmis

Bey ist ein sehr respektabler Mann, wird aber, ba er dem K^i.e m^Leib und Seele ergeben ist, auch n-chts ander

baS ölführende Organ der Komi.eepo-mk ean Für K^ i« Großer die Politik des Bor der i r Banden des Komuees. & M hl dadurch nicht gewonnen, aber Eins ist |

" h dj. Hoffnung auf eine moralische Besserung ist heute bie einzige Rettung aus den verworrenen Verhältnissen sahen.

Und alle Welt macht sich darauf gefaßt, daß spätestens nach Ablauf des Belagerungszustandes der Ausbruch neuer Un­ruhen dem Lande droht.

Japan «nd die Mandschurei. Nach Nachrichten aus Japan hat die Anregung der Vereinigten Staaten wegen der japanischen und russischen Eisenbahnen in der Mandschurei in Japan große Erregung hervorgerufen. Man scheint so­gar der Ansicht zu sein, daß es sich um eine gegen Japan gerichtete Koalition handle, und man scheint den Unwillen darüber in erster Linie auf Deutschland abladen zu wollen, Demgegenüber ist doch wohl darauf hinzuweisen, daß di« amerikanischen Vorschläge sich nicht nur auf die japanischen, sondern auch auf die russischen Bahnen beziehen, daß also von einer Spitze gegen Japan nicht wohl die Rede sein kann. ES ist auch kaum anzunehmen, daß England, der Verbündete Japans, der sich mit den amerikanischen Vor­schlägen im Grundsatz einverstanden erklärte, sich an einem Japan feindlichen Vorgehen beteiligen würde. Auffallender­weise scheinen übrigens die Japaner ihren Unwillen weniger gegen England als gegen Deutschland zu richten, was einer gewissen Ungleichmäßigkeit entspricht, die wir schon manchmal zu beobachten Gelegenheit hatten. Bei reiflicher Erwägung würden vielleicht selbst die Japaner finden, daß der Vor­schlag in seiner Gesamtheit eine auch für Japan gar nicht so ungünstige Seite hat und daß es im übrigen nur ein Vorschlag ist, den, soweit uns bekannt ist, die Regierung der Vereinigten Staaten im Falle einer Weigerung Rußlands und Japans keineswegs diesen beiden Staaten aufzuzwingev beabsichtigt.

Aus dem preußischen Etat.

Der Justizetat enthält folgende erste Raten: Amts­gericht und Gefängnis in Rheine 120000 M., desgleichen in Ems 50 000 M., in Hochheim 100 000 M., desgl. zum Bau­platzerwerb in Höchst a. M. 22 807 M., DienstwohnungS- gebaude für den Amtsrichter in Lindlar 1400 M^ desgl. für zwei Amtsrichter in Waldbröl 59 900 M., Bauplatz für den Neubau eines Amtsgerichts in Sulzbach 90000 M., desgl. für Wittburq 10 500 M., desgl. für DienstwohnungS- gebäude in Wiel 7100 M., Amtsgerichtsneubau in Ratingen 2400 UH. Der Etat enthält folgende fernere Raten: Land- gericht usw. in Essen vierte Rate 900 000 M., desgl. Dort­mund dritte Rate 185000 M., Amtsgericht Bochold zweite Rate 130 000 M., desgl. Ramhaus zweite Rate 180 000 M., Zentralgefängnis Freiendiez vierte Rate 125 000 M., Amts­gericht ulw. Wetzlar zweite fRate 200 000 M., desgl. Monta­baur 122 000 M., Geschästsgebäude für das Oberlandes- gericht und die Zivilabteilungen des Landgerichts und Amts­gerichts in Köln vierte Rate 1 340 000 M., Amtsgericht Mayen dritte Rate 64 000 M., Landgericht usw. M.-Glad- bach zweite Rate 500 000 M., desgl. Duisburg 700 000 M. Der Iustizetat enthält folgende neue Stellen: erstens je 1 Gerichtsdiener bei den Oberlandesgerichten Köln und Düssel­dorf, 4 Amtsrichter für Düsseldorf, 3 für Köln, je 2 fm Saarbrücken, Mörs, Buer, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen; je 1 für Aachen, Adenau, Bonn, Wittilch, Duisburg, Ruhrort, Ohligs, Opladen, Wesel, Bochum. Bottrop, Dörsten, Herne, Unna, Witten. Nach Bewilligung der Stellen sind 1359 Landrichter und 3365 Amtsrichter vorhanden. 1 Staatsanwalt in Essen, 1 Amtsanwalt in Buer, je 1 Rendant in Mörs und Herne, 5 Gerichtsschreibe, für das Amtsgericht in Köln, 2 für Saarbrücken, je 1 für Ahrweiler, Bernkastel-Cues, Bonn, Eitorf, Hillesheim, Prüm, Sinzig, Völklingen und Wittlich sowie für die Amtsanwalt, schäft in Saarbrücken, 4 für das Amtsgericht m Düsseldorf, 3 für Mörs, je 2 für Duisburg, Duisburg-Ruhrort und Oberhausen, je 1 für die Staatsanwaltschaften m Diisseldor Duisbura und M.-Gladbach, s"r die Amtß^nchte in Barmen, Krefeld Elberfeld, M.-Gtadbach, Mül Herm a.d. R.. Ohli^s. Opladen, Rheydt ui, Wesel sowie für bk G-nchtEe m Duisburg, je 3 für die Amtsgerichte in Essen und G-l ew kirchen, je 2 für Bochum, Buer, Dortmund, Recklinghausen, je 1 für die Staatsanwaltschaft in Essen, für b> e geeichte in Pottrop, Saftrop, ^^' bTe^mtSanroalb imünstor (Rheine Schwe m und Witten, für Die ämiyunwu Ät^ die Gerichtskaffen in Dor mund und Essen 1 Gefängnisinspektor für Dortmund, 1 ®e» fängnisdirektor für Essen, 1 evangelischer und 1 katholische, Geistlicher bei dem Zcntralgefangnrs in Werl.

Der' Etat für die Bauverwaltung enthält: für den Bau von Schleppzugschleusen Dorimund-Emskanal von Bevergen bis zur Ems dritte Rate von 1 400 000 Mk., für den Bau eines Parallelwerks am rechten Ufer der Ems unterhalb Meppen 30000 Mk., für Begradigung der EmS zwischen Papenburg und Leerort eine Ergänzungsrale von 1 Million, für Herstellungen am Regierungsgebäude in Wiesbaden 27000 Mk., Neubau für das Oberpräsidium und Rheinstrombauoertvaltung in Koblenz vierte Rate 400 00C Mark, Erweiterungsbau des RegierungsgebäudeS in Köln dritte Rate 400 000 3Jltu ReaterunsSgebäude i» Düsseldorf